Psychiatrie und Freiheit

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Moderator: bigbird

Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Mi 10. Sep 2014, 23:11

Patch, Du gehst mit sensiblen persönlichen Angaben unsensibel um.

Meinen Part mit Psychiatern und Psychologen kann ich viel besser alleine mit denen zusammen klären.

Du kennst weder Jeshu noch mich. Ich finde, unsere Diskussion ist wegen Deines Stiles besser beendet.

lg, oTp
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Jeshu » Do 11. Sep 2014, 03:35

Otp hat geschrieben:
Aber es geht hier in erster Linie um Hilfe und Entlastung.
Und wer, das habe ich ja deutlich genug erklärt, kümmert sich denn um beide Seiten umsichtig?

Patch hat geschrieben:
Diese Person, die sich um beide Seiten kümmert, die kann es nicht geben, weil es sich um zwei verschiedene Themenbereiche handelt. Und es geht nicht darum, dass sich eine Person kümmert, sondern ausschließlich darum, dass diese zwei Personen erkennen, dass sie, auf eine vollkommen unterschiedliche Art, Hilfe benötigen und sich diese Hilfe auch suchen.


Wieso kann es die nicht geben, Patch? Aber diese „Person“ sollte es beim psychatrischen Dienst, bzw. bei gewissen Anlaufstellen eigentlich geben!
Da hat oTp vollkommen Recht.

Und ich als Laie versuche eigentlich gerade genau diese Person zu sein. Nämlich in dem Psycho-Wirrwarr eine Linie zu erkennen, die oTp und seinen Sohn eben nicht voneinander trennt, sondern aus einem anderen Blickwinkel und neuen Verständnis heraus betrachtet eher wieder zusammenführt.

Wenn das ganze „Experten-System“ so reibungslos funktionieren würde wie es sollte - es aber aus Überlastung oder Überforderung nicht tut - dann würde es nicht so viele Selbsthilfegruppen geben! Und diese würden wiederum nicht wie Pilze aus dem Boden schießen, wenn die Nachfrage danach nicht so groß wäre.

Hier kannst Du, oTp, vielleicht tatsächlich nützliche Ratschläge unter „Insidern“ finden, die auch ich leider (noch) nicht geben kann, weil ich mich mit den ganzen Diensten und sozialen Zuständigkeitsbereichen nicht auskenne.
Aber Du vielleicht, Patch, Du bist doch eigentlich vom Fach? Zu welchen öffentlichen Stellen muss oTp exakt gehen, damit ihm weitergeholfen wird?
Was macht man mit einem Sohn, der willkürlich durch's Leben steuert und anscheinend selbst kein großes Interesse daran hat dies zu ändern?

Ich werde jedenfalls mal einen erfahrenen Sozialarbeiter zu Rate ziehen, der mit schwer erziehbaren Jugendlichen zu tun hatte... ob die nun Borderline hatten oder nicht.

LG
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Do 11. Sep 2014, 08:47

Vollkommen richtig überlegt, Jeshu.

Ich habe bereits eine Selbsthilfegruppe probiert die drogenorientiert ist.
Da war eine alleinerziehende Mutter mit einem 16-jährigen Sohn, der sich völlig verändert hat und vor allem sein Cannabis-Konsum auffällt. In solcher Lage war mein Sohn A auch etwa im selben Alter.
Die Mutter ahnte, dass man doch mehr tun können müsse als garnichts.
Worauf der Gruppenleiter meinte, es werde genug getan und anders ginge nicht (so in etwa).
Was soll mir eine solche Selbsthilfegruppe ?

Wenn nun ihr Sohn durch Cannabis eine bisher möglicherweise latente Borderline entwickelt, dann ist das schon eine falsche Weichenstellung. Was dann noch bleibt wäre die Hoffnung auf einen Betreuer, wenn es nicht mehr auszuhalten ist für die Mutter. Und das gestaltet sich schwer.

Eine zweite Möglichkeit wäre die Einweisung in die Psychiatrie, damit was in Gang kommt.
In meinem Fall zeite sich ja deutlich, dass der sozialpsychiatrische Dienst "fachmännisch und hilfsbereit" diesen Weg verbaute. Schon weil der Zustand meines Sohnes von fern geschätzt wurde und wegen Cannabis jede Hilfe in Abrede gestellt wurde. Jahre später beurteilte ein Psychologe die Frage nach dem Zustand mit Klinik und Betreuer. Aber das war nur ein glücklicher Umstand.

Die Betreuung durch Drogenberatungsstellen will nur Freiwillige, und obwohl man es dort wissen müßte, gibt es keine Bestärkungen in Richtung einer psychischen Erkrankung.

Und bei Gewalt kann man zwar die Polizei holen, das nützt aber nichts, weil die nicht fähig sind, einen Psychiater zu verständigen, und wenn, dann nur eine lasche Einschätzung geschieht.

Fazit: Der Hinweis auf Borderline hätte viel in Gang bringen können schon vor 15 Jahren und hätte möglicherweise zu schneller Hilfe gesorgt und Festsetzung einer Psychose hätte sich vermeiden lassen können.
Dabei ist es völlig unerheblich, ob es 100% Borderline wäre oder nur 30%. An genauen Diagnosen kann man ja dann problembewußt arbeiten.

Es liegt der Verdacht nahe, dass die Gesellschaft gar nicht fähig oder willens ist, zielgerichtet zu handeln.
Auch ist dabei durchaus möglich, dass viele Sozialarbeiter, Psychiater und Psychologen dieses Problem kennen, und darunter welche sind, die sich engagieren. Wobei der Zustand des Borderliners sehr unbefridigend und schwierig ist. Folglich auch die Versuchung da ist, lieber die Finger von einem Engagieren zu lassen, weil die gesellschaftlichen Strukturen noch eine Behandlung erheblich erschweren. Dazu gehört auch die Betreuung der Eltern und Betreuungspersonen. Lieber da auch schweigen und kein Problenmbewußtsein schaffen.

Ich werde jedenfalls mal einen erfahrenen Sozialarbeiter zu Rate ziehen, der mit schwer erziehbaren Jugendlichen zu tun hatte... ob die nun Borderline hatten oder nicht.


Da unser Sohn damals im Alter von 15 Jahren vom Jugendamt völlig abgelehnt wurde, noch nicht mal ein Sozialarbeiter bei uns abklären durfte, ist auch dieser Weg verbaut gewesen.
Auch bei Drogenberatungsstellen gilt nur die Regel: Komm oder bleib fern. Keine Abklärungen.

Kein Wunder also, dass ich mir diesen ganzen öffentlichen Apparat wie einen wild durcheinander gakkernden und planlos umherrennenden Hühnerhaufen vorstelle. Sehr beschädftigt aber planlos. Das ist noch relativ nett formuliert.

Aber wenn erkannt wurde, dass eine psychische Erkrankung dahinter steht, dann kann man noch nicht automatisch eine Behandlung erzwingen. Denn der Kranke möchte ja sich nicht behandeln lassen, auch ein Merkmal seiner Krankheit. Dann wäre die sozialpsychiatrische Stelle wieder gefordert. Und wenn die (noch immer) nichts tun muß ein Betreuer bewirkt werden können.
Für Eltern allein ist das alles zu schwierig. Wegen wenig Entgegenkommen.

Ich bin dabei, die einzige Borderline-Selbsthilfegruppe in Köln zu kontaktieren, die mir bekannt ist, übrigens durch die LVR Klinik. Die ja aus finanziellen Gründen keine solche Gruppe mehr hat, aber es existiert zumindest diese eine.


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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Patch Adams » Do 11. Sep 2014, 21:07

Jeshu
Verantwortung übernehme ich vermutlich leichter für andere als für mich selbst,

Das ist auch wesentlich einfacher.



Und ich als Laie versuche eigentlich gerade genau diese Person zu sein. Nämlich in dem Psycho-Wirrwarr eine Linie zu erkennen, die oTp und seinen Sohn eben nicht voneinander trennt, sondern aus einem anderen Blickwinkel und neuen Verständnis heraus betrachtet eher wieder zusammenführt.


Das ist jetzt dein Ziel. Aber etwas, das zusammengeführt werden soll, jetzt mindestens zwei Teile voraus. Dir steht aber nur ein Teil zur Verfügung. Wie soll die Zusammenführung jetzt gelingen, mit nur einem Teil?


Was wird geschehen, wenn du damit anfängst, dein Ziel zu verfolgen?
Was wird Nicht geschehen, wenn du damit anfängst, dein Ziel zu verfolgen?
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Patch Adams » Do 11. Sep 2014, 21:15

Jeshu
Ich werde jedenfalls mal einen erfahrenen Sozialarbeiter zu Rate ziehen, der mit schwer erziehbaren Jugendlichen zu tun hatte... ob die nun Borderline hatten oder nicht.



Mit 15 hat das Drama begonnen und dauert seit fast 15 Jahren an. Der Sohn ist mindestens 30 Jahre alt.
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Jeshu » Do 11. Sep 2014, 21:27

Hi oTp!
Ja, das ist auf jeden Fall einen Versuch wert!

Das Haupt-Problem für mich ist, dass die Merkmale sowohl von einer „normalen“ Sucht als auch von allgemeinen Schwierigkeiten bei der Entwicklung in der Pubertät (das Gehirn wird dabei neu umstrukturiert) sich mit BL-Merkmalen komplett überschneiden.
Wo will man da also auf die "Schnelle" die Grenze bei der Beurteilung ziehen?

Cannabis oder ein Alkoholproblem löst deshalb meiner Meinung nach Borderline nicht zwingend aus, aber kann es verstärkt zu Tage treten lassen oder zumindest sehr negativ forcieren - vor allem in Verbindung mit sehr belastenden Lebenssituationen.
Viele Borderliner hängen jedoch leider nicht besonders am Leben, weil es so anstrengend für sie ist und weil alles zusätzlich wie von einer Art Depression begleitet oder sogar überlagert ist. Also wird alles lieber erst einmal "abgedämpft" oder "umgeleitet"...
Achtung jetzt aber, so reagieren auch Süchtige, die kein Borderline-Syndrom haben!
Bei einem BL kommen noch viele andere typische Merkmale hinzu, die sich nicht nur durch eine Sucht erklären lassen.

Einen eventuell kompletten Wust an Gefühlen und Reaktionen - weil alles Hand in Hand läuft - nun völlig entwirren und ganz klar zuordnen zu können, ist bestimmt auch für einen Therapeuten nicht einfach, vor allem, wenn der Faktor "Zeit" eine Rolle spielt und der Patient sich nicht wirklich zugänglich zeigt. Doch wie will man ansonsten erkennen: Was bewirkt was, und welches sind eigentlich die ursprünglichen Auslöser von dem ganzen Teufelskreis.
Wo fängt man überhaupt zu therapieren an. Bei der Sucht oder bei der BL-Störung.

Wem alles egal ist, der wird kaum etwas von sich aus ändern wollen.
Zu anstrengend ... und vor allem wozu, für wen?


Ich denke, hier müsste man als erstes ansetzen, nämlich dass sowohl ein Suchtkranker als auch zusätzlicher Borderliner überhaupt einen Sinn für sich persönlich und sein Leben sieht; dass er die Erfahrung macht, dass alles über längere Sicht auch lohnenswert sein kann und dass man sich in einer Gemeinschaft sehr wohl auch "wichtig" und integriert fühlen kann - und sich selbst dabei wieder sicherer, weniger ängstlich und entspannter.

Wann muss ich jetzt jedoch als Außenstehender Verständnis haben oder einen BL doch lieber mal richtig in den H..... treten, weil sonst nichts passiert... :)

Alles ist im Prinzip ungesunde - oder aber auch gesunde "actio und reactio".

LG
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Fr 12. Sep 2014, 08:09

Wann muss ich jetzt jedoch als Außenstehender Verständnis haben oder einen BL doch lieber mal richtig in den H..... treten, weil sonst nichts passiert...


Ich nehme das mal zuerst, Jeshu. Dein Beitrag bringt ja viele Anregungen.

Reden nützt bei meinem Sohn A gar nichts. Er tut einfach was er will.
Ein Problem ist, dennoch Grenzen zu setzen. Ziel wäre verträgliches Verhalten beim Miteinander und eigenständiges Verhalten. Das geschieht aber nicht, wenn er bei uns im Haus wohnt. Weiter ausufern tat es, indem er Zwang ausüben wollte, von uns Geld zu bekommen. Das führte zu meiner Anzeige und für ihn zu einer Verurteilung zu 2 Jahren mit Bewährung. Erstaunlicher Weise lernte er dadurch, Manipulation und Zwang bei uns an Geld zu kommen sein zu lassen.

Eigenständig wohnen gestaltete sich noch schwerer und langwieriger. Er kann ja kaum auf sich allein gestellt leben.
Der naive Rat von Polizei und einigen "Fachleuten", ihn einfach rausschmeißen, war deshalb unausführbar. Allerdings schmissen wir ihn ab und zu mit Polizeiunterstützung für kurze Zeit raus. Versorgten ihn dann trotz polizeilichen Zutrittsverbotes und seine Schwester nahm ihn auch schon mal eine zeitlang auf. Klinikaufenthalte zeigten ihm auch Grenzen auf für sein chaotisches Verhalten.

Aktuell hat er endlich, nach langen Mühen, eine eigene Wohnung.
Die versinkt im Dreck. Geld ist in der Regel in den ersten Tagen weg. Und aktuell hat er nicht viel Lust, bei seiner Schwester sich aufzuhalten. Vielleicht lernt er ja dabei etwas dazu.

Er hat also nun eine Basis, zu erleben, was ihm gut tut. Ist das Geld mal wieder weg, wird er auch vernünftiger und verträglicher, weil Alkohol und Cannabis ihn nicht mehr psychotisch machen. Das merkt er selber und in der letzten Zeit verbrachte er schon mal freiwillig Zeit in der Klinik. Er kann aber eben auch ohne Rauschmittel leben und ist dann relativ nett.

Aber der Betreuer klingte sich nun aus, weil da insgesamt viel zu wenig an Vernunft kommt.
Bei einer Begutachtung wurde ja ausreichend Intelligenz aufgespürt, aber nicht darauf geachtet, dass sie nicht zum Zuge kommt. Das verzerrt die Diagnose natürlich. Der Zustand ist ja so, dass keine Vernunftsfähigkeit besteht.

lg, oTp
Zuletzt geändert von onThePath am Fr 12. Sep 2014, 10:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Fr 12. Sep 2014, 08:11

Patch Adams hat geschrieben:
Jeshu
Ich werde jedenfalls mal einen erfahrenen Sozialarbeiter zu Rate ziehen, der mit schwer erziehbaren Jugendlichen zu tun hatte... ob die nun Borderline hatten oder nicht.



Mit 15 hat das Drama begonnen und dauert seit fast 15 Jahren an. Der Sohn ist mindestens 30 Jahre alt.


Ja, und kann sein, dass Du damals noch naß und grünlich hinter den Ohren warst. ;)

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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Fr 12. Sep 2014, 09:25

Jeshu hat geschrieben:Das Haupt-Problem für mich ist, dass die Merkmale sowohl von einer „normalen“ Sucht als auch von allgemeinen Schwierigkeiten bei der Entwicklung in der Pubertät (das Gehirn wird dabei neu umstrukturiert) sich mit BL-Merkmalen komplett überschneiden.
Wo will man da also auf die "Schnelle" die Grenze bei der Beurteilung ziehen?


Das Unnormale ist ja sowieso im Normalen verwurzelt, nur eben eine Übersteigerung.

Wenn das Gehirn sich in der Pubertät neu organisiert, stören gewiß alte "Baustellen" wie Traumata.
Genetische Schwachstellen auch.
Und auch Rauschmittel stören das Enstehen eines gesunden psychischen Gefüges.
Sogar der bis zur Pubertät entstandene Charakter, sofern er angreifbare Schwächen hat.
Fachleute reden ja davon, dass Cannabis in der Pubertät allgemein die pubertäre Gehirnentwicklung ungünstig beeinflußt.

Sucht allein schafft noch nicht die deutlichen Merkmale von BL und anderen psychischen Störungen.
Fachleute, die es sich einfach machen schauen nur auf Suchtanzeichen (Wie der Gutachter auch die Intelligenz meines Sohnes zu sehr wohlwollend bewertete. Eigentlich steht dann doch die Unvernunft krass dagegen).
Fachleute haben aber deutlich ekannt, dass es psychische Störungen gibt, die den Kranken zu Suchtmitteln greifen lassen. Dann ist das Probem eigentlich noch schlimmer.

Und solange die Fachleute indifferent urteilen und handeln, läuft es auch bei den Bezugspersonen falsch.
Das ganze Benehmen wird auf die Sucht geschoben, das unvernünftige selbstschädigende Verhalten auch.
Die deutliche Unvernunft als Äußerung von Bösawilligkeit und Egoismus bewertet.

Dann muß man erst mal zu Deinen positiven Erfahrungen und Beurteilungen hin gelangen, Jeshu.
Den ganzen öffentlichen Psychiatrie und Sozialbetrieb kriegt man dann immer noch nicht geordnet. Da bleiben Suchtorentiertheit und Böswilligkeit die oberflächlich naiven Beweggründe. Oder man behandelt alle gleich wegen Fehlens von Behandlungsalternativen. Weil keine BL Strukturen im hilflosen Helfersystem vorhanden sind. Und genau wie bei Kriminalität muß ein Bewußtsein für Opfer (hier die Umgangspersonen, Eltern) entstehen. Sonst juckt die Fachleute gar nichts oder sie resignieren hilflos. Ihr Totschlag-Argument und Allerweltheilmittel ist: Der Kranke muß wollen und jeder hat ein Recht auf Krankheit. Solche rücksichtslosen, unmenschlichen Sprüche können mich im Anbetracht des Leidens der Angehörigen bisweilen recht wütend machen. Und auch im Blick auf die getriebene Hilfsosigkeit, willenlosigkeit zum Guten. Der nächste Spruch ist ja, Freiheit zum eigenen Willen sei das oberste Gebot.

Was hätte der völlig willenlose Geraldenser dazu gesagt, dessen vernünftige Charakterstruktur von Dämonen völlig ausgeschaltet wurde. Möglicherweise nach und nach systematisch vom Dämon zerstört und ausgeschaltet wurde ? Der nichts mehr Vernünftiges wollen konnte. Hat Jemand Jesus angeklagt, der diesem inneren Zwang zum Bösen und zur Selbstzerstörung beendete ?

Die junge Frau sagte mir letzlich am Telefon, dass sie Psychopharmaka nicht mag, sie sei nicht mehr sie selber.
Ein Rauschmittel ihrer Wahl stört sie hingegen gar nicht. Ist doch sonderbar.

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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Patch Adams » Fr 12. Sep 2014, 13:02

Jeshu
Das Haupt-Problem für mich ist,

Wo will man da also auf die "Schnelle" die Grenze bei der Beurteilung ziehen?



So auf die Schnelle muss das vielleicht gar nicht sein. Wenn verschiedene Psychiater schon 15 Jahre benötigt haben, dann hat jeder Verständnis dafür, dass das bei dir mit deiner Ferndiagnose auch noch etwas dauern kann. ;) Allerdings spielt der Zeitfaktor in „gewisser Hinsicht“ schon eine Rolle. Je länger ein Mensch mit bestimmten Zuschreibungen konfrontiert ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass diese Zuschreibungen am Ende auch internalisiert werden. Das nennt sich „Dressur am Menschen.“

Wenn ich als Leser mitbekomme, dass ein engagierter Mensch einer belasteten Person beistehen möchte, dann finde ich das erst einmal lobenswert und auch sympathisch. Allerdings nur unter der Prämisse, dass es sich dabei auch explizit um diese Zuwendwendungen dreht. Das, was hier jedoch praktiziert wird, ist mehr als übergriffig.
Hier wird eine vollkommen unbekannte Person ins Licht der Öffentlichkeit gebracht, analysiert, diagnostiziert und sogar spekulativ mit Dämonen in Verbindung gebracht. Immerhin wurde die Frage ja erörtert, inwieweit es sich dabei auch um dämonische Einflüsse handeln könnte. Und dieser Mensch, um den es hier geht, der hat nicht einmal im Ansatz die Chance dazu, zu den genannten Zuschreibungen Stellung zu beziehen.
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Patch Adams » Fr 12. Sep 2014, 13:06

onThePath hat geschrieben:
Patch Adams hat geschrieben:
Jeshu
Ich werde jedenfalls mal einen erfahrenen Sozialarbeiter zu Rate ziehen, der mit schwer erziehbaren Jugendlichen zu tun hatte... ob die nun Borderline hatten oder nicht.



Mit 15 hat das Drama begonnen und dauert seit fast 15 Jahren an. Der Sohn ist mindestens 30 Jahre alt.


Ja, und kann sein, dass Du damals noch naß und grünlich hinter den Ohren warst. ;)

lg, oTp


Mit 15 war ich sicherlich noch grünlich hinter den Ohren. Ich hatte aber liebevolle und auch sehr verständnisvolle Eltern. Die waren ja auch mal jung. :praisegod:
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Fr 12. Sep 2014, 13:09

Und dieser Mensch, um den es hier geht, der hat nicht einmal im Ansatz die Chance dazu, zu den genannten Zuschreibungen Stellung zu beziehen.


Patch, das ist für mich eine Art großspuriges Gelaber.
Du behandelst uns durchgängig negativ.

Ich käme als Insider gar nicht auf die Idee, Deine Überlegungen auf solche Art auf Jemand abzufeuern.

Jeshu zu antworten macht Sinn, Deine negativen Ansichten haben Zeit, weil es schade ist, wertvolle Zeit und Mühe darauf zu verschwenden. Wenn man so einseitig kritisiert ist das ätzend. Und wenn ich zur Korrektur darauf antworte ist das für Dich wieder Anlaß zu Mißinterpretationen.

Mit 15 war ich sicherlich noch grünlich hinter den Ohren. Ich hatte aber liebevolle und auch sehr verständnisvolle Eltern.

Dann besteht ja noch Hoffnung, dass Du den ganzen Komplex irgend wann mal liebevoll und verständnisvoll siehst.


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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Fr 12. Sep 2014, 13:13

Allerdings spielt der Zeitfaktor in „gewisser Hinsicht“ schon eine Rolle. Je länger ein Mensch mit bestimmten Zuschreibungen konfrontiert ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass diese Zuschreibungen am Ende auch internalisiert werden. Das nennt sich „Dressur am Menschen.“

Patch das kann als bösartig aufgefaßt werden. Lies mal was ich eben oben geschrieben habe.

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Also langsam habe ich kein Verständnis mehr für Deine Bemerkungen.

Du erweckst den Eindruck, als müßtest Du uns belehren. Weiß ich doch alles was Du sagt, deshalb nervt Deine Schmalspurigkeit ja. Denn Jeshu und ich machen weiterführende Überlegungen.

Und wo bitte, sind Deine Zertifikate, dass Du alles besser weißt als Jeshu und ich zusammen ?
Und warum mutmaßt Du überhaupt, wir würden allles falsch machen ?
Wenn Du keine Zertifikate hast, handelst Du sehr respektlos und willkürlich
Und wenn Du Psychologe wärst (oder Sozialarbeiter) würde es meine negativen Erfahrungen nur bestätigen.

Das, was hier jedoch praktiziert wird, ist mehr als übergriffig.
Hier wird eine vollkommen unbekannte Person ins Licht der Öffentlichkeit gebracht, analysiert, diagnostiziert und sogar spekulativ mit Dämonen in Verbindung gebracht. Immerhin wurde die Frage ja erörtert, inwieweit es sich dabei auch um dämonische Einflüsse handeln könnte. Und dieser Mensch, um den es hier geht, der hat nicht einmal im Ansatz die Chance dazu, zu den genannten Zuschreibungen Stellung zu beziehen.


Wie gesaagt, einseitige, ätzende Kritik. Von Dir soll Gutes kommen ? Und von uns vorwiegend Schlechtes ?
Nun schweige wenigstens zu der bodenlos tiefen Frage nach dem Bösen in Persona. Das verstehst Du anscheind schon mal gar nicht. Von intelligenten Menschen, vielseitigen Menschen wird es aber ganz natürlich in Erwägung gezogen. Und ich kann Dir voll bestätigen, dass es viele psychische Krankheiten gibt ohne jeden Hinweis auf dämonische Wirkungen.
Andererseits gibt es psychische Beschwerden, die auf dämonische Wirkungen sicher zurückzuführen sind. Ich warte jetzt auf Widerspruch, denn dein Wissen ist ja sicher umfangreich genug. aber wo ist Dein Zertifikat ?

Es geht auch nicht auf die Dauer, dass Jeshu und ich so offen reden und Du nichts von Dir preisgibst, Dich eigentlich versteckst, unsichtbar und unangreifbar machst. Beachte das bitte besonders im Hinblick auf Jeshu. Denn ich würde Dir nicht allzusehr vertrauen. Das muß sein, denn hier geht es sehr intim zu.
lg, oTp
Zuletzt geändert von onThePath am Fr 12. Sep 2014, 14:25, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Jeshu » Fr 12. Sep 2014, 14:09

Patch hat geschrieben:
...Doch was ist mit deiner Motivation, dir Kontakte in Extremversion anzutun? Es geht sich hierbei ja nicht um eine einzelne Bekanntschaft, sondern um eine Form der besonderen Anziehung. Selbst wenn diese Kontakte hochgradig herausfordernd und belastend sind, geben sie dir ja etwas, was solide und normale Kontakte in der Form nicht vermögen. Das gilt es vielleicht zu hinterfragen, sofern man seine Motive in Erfahrung bringen möchte.
.......
Vielleicht ist es in einer sehr wichtigen Phase deines Lebens verabsäumt worden, dir eine eigene Wichtigkeit zu vermitteln.
.......
Das ist jetzt dein Ziel. Aber etwas, das zusammengeführt werden soll, jetzt mindestens zwei Teile voraus. Dir steht aber nur ein Teil zur Verfügung. Wie soll die Zusammenführung jetzt gelingen, mit nur einem Teil?

Was wird geschehen, wenn du damit anfängst, dein Ziel zu verfolgen?
Was wird Nicht geschehen, wenn du damit anfängst, dein Ziel zu verfolgen?
Was wird geschehen, wenn du dein Ziel Nicht verfolgst?
Was wird Nicht geschehen, wenn du dein Ziel Nicht verfolgst?


Was heißt hier „mein Ziel“? Ich will mich hier ja nicht mit Wissen profilieren, gar wichtig machen oder ein persönliches „Erfolgserlebnis“ haben!
Ich habe mir die psychischen „Herausforderungen“ auch nicht unbedingt herausgesucht, sondern bin immer rein zufällig hineingeraten (über Freunde, Arbeitsplatz). Nachdem ich dem Wahnsinn teilweise auch nicht auskonnte, musste ich mich damit zwangsweise auseinandersetzen. Mein „Motiv“ war dabei anfangs eine pure Selbstrettungsmaßnahme und sie hat zumindest halbwegs funktioniert. Deswegen bleibt es trotzdem schwierig, einen völlig unberechenbaren BL zu ertragen.

Mein“ Ziel“ ist es in erster Linie oTp bei einem richtig gravierenden Problem, das sein ganzes Leben massiv beeinflusst, zur Seite zu stehen. Dass der Sohn (und alle anderen) selbst erst einmal nichts davon haben, ist mir klar.
Klar ist aber auch, dass oTp eher in der Lage ist, etwas bei sich zu verändern als sein Sohn. Und wenn es nur die eigene Betrachtung des Ganzen ist. Ich will nur eine Anregung geben, wie man das ganze negativ Erlebte vielleicht neu aufarbeiten kann, damit weniger negatives übrigbleibt. Um so mehr man versteht, um so besser kann man etwas für sich verarbeiten und in Zukunft vielleicht anders reagieren, oder anders auffassen.

Was meinst Du wie belastend es für Eltern ist, wenn ihr Kind ein ständiges Ärgernis bedeutet, nicht nur für sich selbst, sondern natürlich die ganze Umgebung? Da fällt doch automatisch immer ein Vorwurf auf die Eltern zurück und man fühlt sich stark mit dafür verantwortlich, bzw. wird auch dafür verantwortlich gemacht. Auch wenn der Sohn schon lange erwachsen ist. Bloß sich eben in keinster Weise so benimmt.

Deine Fragen an mich suggerieren mir übrigens, dass Du nämlich selbst schon angefangen hast, Dir aus der Ferne ein Bild von mir zusammenzubasteln und Du einen Therapieansatz bei mir startest. Deine Fragen sind übrigens sehr professionell gestellt, Du verstehst mit Sicherheit etwas von der Materie... ;)
Ich denke deshalb auch wirklich möglichst selbstkritisch darüber nach, denn ich will natürlich nicht noch mehr Schaden anrichten. Bei Andreas am wenigsten. Aber wer auch immer sich auffällig benimmt, muss grundsätzlich davon ausgehen, dass Menschen darüber untereinander sprechen (müssen).

However... oTp muss letztendlich etwas aus meinen und Deinen Posts für sich herausziehen und etwas daraus machen, wir können beide nur Ratschläge geben oder unsere Sichtweise darstellen.
Auch ein Ziel kann in dem Problem letztendlich natürlich nur oTp oder sein Sohn selbst haben, nicht ich, das ist mir schon bewusst.

LG
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Fr 12. Sep 2014, 14:54

Was heißt hier „mein Ziel“? Ich will mich hier ja nicht mit Wissen profilieren, gar wichtig machen oder ein persönliches „Erfolgserlebnis“ haben!


Hallo Jeshu,

Ich finde langsam soll Patch Adams sich mal rechtfertigen. Anlaß zu dieser Frage liefert er nämlich genug.
Er sollte sich auch mal offenbaren, anstatt im Leben anderer nur herum zu stochern.

Ich sehe auch keinen Anlaß ihm zu vertrauen und ihm Intimes an zu vertrauen.

Das dürfe er verstehen, denn man kann sich noch nicht mal jedem Therapeuten öffnen. Dazu muß dessen "Chemie" stimmen. Gerade da geht es um angenommen werden und Vertrauen. So ein Fachmann ist Patch Adams aber nicht.
Und Vertrauen muß man sich verdienen und erdienen. Wer trotz aller Aufforderungen ständig nur mit erhobenem Zeigefinger reagiert, verdient kein Vertrauen. Würde auch kein Fachmann sich erlauben, seinen Gesprächspartner nur zu maßregeln.

Wir sind hier auch nicht vor Gericht, wo wir etwas beweisen müßten. Rechtsverdreher zeigen dort ja zu Genüge, wie erfolgreich man manipulieren kann. Also entweder hört das Zeigefingerwedeln auf, oder ich würdige Patch Adams keiner weiteren Aufmerksamkeit mehr. Ich weiß, dass ich von Patch nicht ständig belehren oder gemaßregelt werden muß und gehe darauf dann nicht weiter ein.

War das deutlich und unmißverständlich genug, Patch ?

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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Patch Adams » Fr 12. Sep 2014, 20:01

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Ich sehe auch keinen Anlaß ihm zu vertrauen und ihm Intimes an zu vertrauen.


Also, falls das im Eifer des Gefechtes in Vergessenheit geraten sein sollte, so teilst du diese intimen Details einer ziemlich breiten Öffentlichkeit mit. Dies ist ein öffentliches Forum.
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Patch Adams » Fr 12. Sep 2014, 20:07

onThePath
Beachte das bitte besonders im Hinblick auf Jeshu. Denn ich würde Dir nicht allzusehr vertrauen. Das muß sein, denn hier geht es sehr intim zu.


In einem öffentlichen Forum kann es nicht intim zugehen. Das schließt sich
aus.
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Jeshu » Fr 12. Sep 2014, 20:34

Hi oTp!
Hier geht es gerade tatsächlich beidseitig um sehr intime Dinge - und die diskutiert man natürlich lieber mit jemand, bei dem man sich vertrauensvoll angenommen, verstanden und vor allem nicht verurteilt fühlt.

Trotzdem... nur weil wir uns bei der Diskussion untereinander vielleicht „wohler“ fühlen als mit Patch, heißt es objektiv besehen natürlich nicht, dass es auch richtig ist, was wir sagen.
Darauf zielen wohl viele Bedenken von Patch als auch von anderen ab - nicht völlig unberechtigt.

Patch scheint mir allerdings sehr Pro-Patient zu sein, das Problem ist dabei nur, dass Betroffene natürlich genauso ihre Rechte haben.
Jetzt mal ganz extrem formuliert: Warum sollte es einem psychisch Kranken minimal besser gehen, aber dafür vielen anderen Menschen maximal schlecht?
Bishin, dass noch mehr Menschen ebenfalls psychisch krank werden?

Wo ist da die Grenze?

Ich weiß, solche Überlegungen sind richtig hart, aber man kann ihnen schlecht ausweichen, weil diese Frage ganz viele betrifft.

Lässt man einen Alkoholkranken ständig alkoholisiert Auto fahren, nur weil er Spiegeltrinker ist und deshalb nicht mehr nüchtern fahren kann?
Ab wann muss man eine Person vor sich selbst als auch andere schützen?

"Schmaler Weg" sag ich nur... um wieder zu Jes' Frage zurückzukommen, auf die bisher keine Antwort gekommen ist:

Jes hat geschrieben:
Was sagen denn Jesus und die Bibel zu Borderline und welche Hilfe bieten sie an?

Ich habe mir wirklich schon ganz oft Gedanken darüber gemacht.

Was ist denn jetzt bei meinem Denken und Handeln bei "Borderline" im Sinne von Jesus wirklich richtig???"

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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Fr 12. Sep 2014, 21:32

Trotzdem... nur weil wir uns bei der Diskussion untereinander vielleicht „wohler“ fühlen als mit Patch, heißt es objektiv besehen natürlich nicht, dass es auch richtig ist, was wir sagen.
Darauf zielen wohl viele Bedenken von Patch als auch von anderen ab - nicht völlig unberechtigt.


Nur da wo viel Dunkel ist und Ungewißheit kann man manipulieren. Komplizierte Zusammenhänge in ihrer Gesamtheit sehen ist schwer. Beispiel dafür ist die Bibel, die immer mit einzelnen Teilaussagen ausgehebelt werden soll. Bei Dir merkt man, dass Du die Gesamtheit gut verstehst. Aber für Viele ist es schwer, die Gesamtheit wahrzunehmen.

Wie würde Jesus handeln ?
Nun, ein Beispiel ist der Geraldenser. Jesus beendete alle seine Verstrickungen in die bei ihm dämonische Selbstvernichtung.

Und Jesus zeigt den Weg zu wahrer Freiheit. Könnten Borderliner sein Licht der Wahrheit ergreifen und daran festhalten, würden sie Freiheit erlangen.

( Erste Versuche einer Klärung)

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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Jeshu » Fr 12. Sep 2014, 22:07

oTp hat geschrieben:
Wie würde Jesus handeln ?
Nun, ein Beispiel ist der Geraldenser. Jesus beendete alle seine Verstrickungen in die bei ihm dämonische Selbstvernichtung.


Auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt komplett oute, aber wer ist denn "der Geraldenser"? Diesen Begriff habe ich noch nie gehört, oTp, und der Google leider auch nicht ... :)

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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Fr 12. Sep 2014, 23:07

Jeshu hat geschrieben:
oTp hat geschrieben:
Wie würde Jesus handeln ?
Nun, ein Beispiel ist der Geraldenser. Jesus beendete alle seine Verstrickungen in die bei ihm dämonische Selbstvernichtung.


Auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt komplett oute, aber wer ist denn "der Geraldenser"? Diesen Begriff habe ich noch nie gehört, oTp, und der Google leider auch nicht ... :)

LG
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon lionne » Fr 12. Sep 2014, 23:09

>>>siehe Die Heilung des besessenen Geraseners
http://www.bibleserver.com/text/LUT/Lukas8
Lukas 8,26-39
siehe auch Matthäus 8,28-34 und Markus 5,1-20
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Sa 13. Sep 2014, 05:31

Danke, lionne für die Angabe der Bibelstellen.

Das Verhalten des Geraseners würde man heutzutage als hochgradisch irre und gefährlich bezeichnen.

Markus:
der hatte seine Wohnung in den Grabhöhlen. Und niemand konnte ihn mehr binden, auch nicht mit Ketten;
4 denn er war oft mit Fesseln und Ketten gebunden gewesen und hatte die Ketten zerrissen und die Fesseln zerrieben; und niemand konnte ihn bändigen.
5 Und er war allezeit, Tag und Nacht, in den Grabhöhlen und auf den Bergen, schrie und schlug sich mit Steinen.

Matthäus
Da liefen ihm entgegen zwei Besessene; die kamen aus den Grabhöhlen und waren sehr gefährlich, sodass niemand diese Straße gehen konnte.

Lukas:
Und als er ans Land trat, begegnete ihm ein Mann aus der Stadt, der hatte böse Geister; er trug seit langer Zeit keine Kleider mehr und blieb in keinem Hause, sondern in den Grabhöhlen.
28
29 .... Denn der hatte ihn lange Zeit geplagt; und er wurde mit Ketten und Fesseln gebunden und gefangen gehalten, doch er zerriss seine Fesseln und wurde von dem bösen Geist in die Wüste getrieben.


Wie man folgern kann, war dieser Mann zu nichts Gutem mehr fähig. Er war "von Sinnen", gefährlich, mit der Mentalität eines wilden, unbändigen Löwen, ruhelos umhergetrieben, schlug sich selber, hatte Bärenkräfte und wohnte in Grabhöhlen. Welch verrufener Ort.

Aber dieses Beispiel beschreibt einen Menschen, der unter Dämoneneinfluß irre wurde.
Als sie "auseinander gebracht wurden", der Mann und die Dämonen, konnte er sofort wieder klar denken.

Heutzutage gibt es viele psychisch Kranke, die man nicht als besessen bezeichnen darf, weil nichts das bei ihnen bestätigen würde. Allerdings ist die Psychologie unfähig, die abnorm sich verhaltenden Menschen zu erkennen, bei denen das dämonische dazu mitwirkt.

Mein Sohn gibt mir keinen Anlass, in irgend einer Weise zu vermuten, es wirkten bei seinen psychischen Problemen Dämonen mit.

Bei mindestens drei Personen habe ich aber das Reden von fremden Stimmen aus ihnen miterlebt.
Das geschieht nur bei starken dämonischen Einflüssen. Wenn der Dämon die Persönlichkeit desjenigen völlig zurückdrängen kann und deshalb seine Reaktion völlig anders sind als im normalen Zustand.
Deshalb kann ich ja solche Fälle besser unterscheiden, weil ich etliche Anzeichen erlebt und einschätzen gelernt habe. Es ist allerdings sehr selten, dass ein Mensch sogar dreimal mit solch starken Dämonisierungen konfrontiert wird.

Also: Im Normalfall ist ein psychisch Kranker mit abnormen Verhalten nicht besessen. Und meine obigen Erlebnisse helfen mir beim Umgang mit psychisch Kranken also nicht.

Aber dieses Beispiel in der Bibel ist das Einzige, wo es um einen Menschen mit stark abnormem Verhalten geht, das deutlich ersichtlich sehr krankhaft ist.

Jesus will Menschen wieder herstellen. Dabei ist die Psyche, der Charakter, das Verhalten wichtig. Jesus sagte immer wieder: Sündige nun nicht mehr. Für Jesus ist nicht der unauffällige Mensch völlig normal, sondern der "geläuterte", der ins Reine mit Gott gekommen ist. Der sündige Mensch ist in einem anormalen, kranken, unerlösten Zustand. Dieser kann nicht in der Gegenwart Gottes leben sondern lebt nach seinem Tod an unnormalen, ungemütlichen, leidvollen Gegenden des Himmels und mit leidvoller Psyche. Er ist unfrei und geknechtet.
Auch wenn er sich im Leben noch so freudvoll, frei und beschwingt gefühlt hat, auch wenn ein Psychologe bescheinigen würde er sei völlig geheilt, völlig normal: Nach seinem Tod kommt völlig zum Vorschein, dass er sich für das Leid entschieden hat und sein Leben wertlos, ein "Haschen nach dem Wind" war. Und er inm Reich Gotte keine Freude erbt.

Daraus sieht man, dass die Psychologie zwar einiges leistet, aber nicht die ganzheitlichen Ziele verfolgt wie Jesus.
Erst Jesus macht den Menschen völlig frei aus der Knechtschaft. Die als Knechtschaft der Sünde bezeichnet wird.
Psychologen können dem Menschen nur helfen, angepasst zu werden und innere Konflikte und inneres Leid zu lösen. Das rettet sie aber mitnichten vor dem Verderben, das sie nach ihrem Tode erben, weil sie schuldig an Gott sind.

Wen der Sohn Gottes frei macht, ist wirklich frei. Nicht der von Psychologen geheilte Mensch.

Deshalb ist es klar, welche Kraft die Verbindung mit Gott hat, das Streben, mit Gott ins Reine zu kommen.
Psychologie im Lichte der Bibel ist deshalb besser als atheistische Psychologie, die ein Wenig gemischt ist mit jungschem "Schamanentum". Der ja etwas "Mystizismus" in die Psychologie brachte., Abklatsch der im Menschen und überall wirkenden göttlichen Kräfte.
lg, oTp
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Jeshu » Sa 13. Sep 2014, 12:57

oTp hat geschrieben:
Mein Sohn gibt mir keinen Anlass, in irgend einer Weise zu vermuten, es wirkten bei seinen psychischen Problemen Dämonen mit.


Hi oTp!
Bin gerade zurück aus dem Land der Garadener... :) die Geschichte mit der Schweineherde kenne ich natürlich schon.

Seh ich auch so, oTp... also dass Dein Sohn einen Dämon hat, glaub ich jetzt auch nicht. Selbst wenn sich BL oft ebenfalls richtiggehend bösartig benehmen, muss man sich dessen bewusst sein, dass alle negativen Handlungen meist nicht gegen einen persönlich gerichtet sind, sondern dass sie oft aus ihrer impulsiven Störung heraus einfach nicht anders handeln können.

Wer sehr gut erzogen wurde, auch zu einer großen Feinfühligkeit, Fairness und Gutmütigkeit untereinander hat es besonders schwer, BL etwas entgegenzusetzen. Sie überfahren einen einfach mit ihrem teils krassen Benehmen, weil man gar nicht weiß wie einem geschieht und auch nicht, wie man sich gegen diese "Brachialität", die sie manchmal an den Tag legen, wehren soll. Da tun mir viele Leute echt leid.

So, und in genau so einer "harten" Situation versuche ich mir dann vorzustellen, dass Jesus einem Borderliner direkt gegenübersteht. Was passiert dann höchstwahrscheinlich?
Wie reagiert Er, was sagt Er. Kuscht der BL automatisch vor Ihm, weil er Ihn allein schon an Seiner Haltung und Auftreten als Sohn Gottes erkennt oder provoziert er Jesus genauso wie uns und alles läuft dann ein wenig ähnlich ab wie bei den Auseinandersetzungen mit ein paar der schlimmen Pharisäer (gab ja auch gute).

Also da bleibt Jesus in seiner typischen Weise ja unerschütterlich. Er lässt sich auf jeden Fall von ihnen nicht einschüchtern, provoziert sogar zurück, benennt ganz klar den Fehler, den sie begehen und bleibt dabei natürlich auch in Seiner eigenen Intelligenz und bei seinen punktgenauen Antworten unübertroffen. Er bleibt also eindeutig der Herr der Lage. Bis den Pharisäern oder Schriftgelehrten nichts anderes und kinderisches mehr einfällt als Steine auf ihn zu werfen... aber da lacht Er allenfalls drüber, weil das nichts anderes bedeutet, als dass Er gewonnen hat... :)

Ergo leite ich davon ab, um so souveräner man sich auch bei einem BL verhält, um so besser. Denn ein BL ist ein "großes Kind", das sich in erster Linie beschützt und gelenkt fühlen will und dazu ist niemand besser geeignet als jemand, der sich durch ihn selber in keinster Weise verunsichern lässt und ihm stattdessen ganz klar Grenzen setzt und auch bestimmte Vorgaben macht, an die er sich getrost halten kann. Wie Jesus es eben vormacht.

Leider hat mein BL null Bezug zu Gott oder Jesus, er lässt mich jedoch völlig unbehelligt in meinem relativ frischen Glauben, respektiert ihn also komplett, was mich etwas verwundert. Nachdem BL auf ihre eigene Art sehr feinfühlig sind, spürt er vielleicht doch, dass da etwas neuerdings "da" ist... :))

LG
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Patch Adams » Sa 13. Sep 2014, 13:47

Jeshu
Patch scheint mir allerdings sehr Pro-Patient zu sein,


Ich bin für die kompromisslose Wahrheit.

das Problem ist dabei nur, dass Betroffene natürlich genauso ihre Rechte haben.


Um welches Recht geht es hier? Wer ist betroffen? Betroffen ist der Patient. Der Patient ist von einer Krankheit betroffen. Was betrifft dich dabei?

Jetzt mal ganz extrem formuliert: Warum sollte es einem psychisch Kranken minimal besser gehen, aber dafür vielen anderen Menschen maximal schlecht?


Wodurch geht es dem psychisch Kranken denn minimal besser und vielen anderen Menschen maximal schlechter? Was ist hier Ursache und was die Wirkung?

Bishin, dass noch mehr Menschen ebenfalls psychisch krank werden?


Leiden bedeutet ja: „keine“ Wahl zu haben. Inwiefern hast du keine Wahl? Wer zwingt dich dazu, der Freund einiger Borderliner zu sein? Beispiel: Wer zwingt dich dazu, mitten in der Nacht die Türe zu öffnen, den umtriebigen Borderliner hereinzulassen und mit ihm die Nacht durchzumachen? Das kam ja so häufig vor, dass du, noch weit über das Ende der Freundschaft hinaus, unter Schlafstörungen zu leiden hattest. Wer zwingt dich dazu, dich selber zu schädigen? Für wen schädigst du dich und wem bringt das was?

Worin besteht jetzt der Unterschied zwischen dir und deinem Freund, wenn du das praktizierst, was du ihm zum Vorwurf machst? Er verhält sich selbst schädigend und du tust es auch. Mit dem einen Unterschied, dass du dich als Opfer fühlst. Ein sich auf-opfer-nder Mensch. Aufopferung wird dir aber kaum Erfolg bescheren, denn ein Opfer ist immer ohne Macht. Und da wo ein Opfer ist, dort gibt es auch einen vermeintlichen Täter. Einer wird zum Schuldigen erklärt und das ist immer die Person, für die man sich "freiwillig und selbst gewählt" aufopfert. Und der Preis für diese Selbstverleugnung und Aufopferung, ist immer Schmerz. Und dieser Schmerz, der wird der anderen Person in Rechnung gestellt.

Ich schreibe das nicht, weil ich Pro-Patient eingestellt bin, sondern weil aus einer Unbewusstheit heraus, kranke Menschen für etwas zur Rechenschaft gezogen werden, womit sie absolut nichts zu tun haben.
Wer immer die Wahrheit sagt, muss ein schnelles Pferd haben.

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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Jeshu » So 14. Sep 2014, 16:07

Patch hat geschrieben:
Ich bin für die kompromisslose Wahrheit.

Ich fürchte, jetzt muss ich auch mal ein paar Fragen an Dich stellen, Patch...

Was ist denn eine "kompromisslose" Wahrheit?
Es gibt nur eine Wahrheit, und die kennt allein Gott. Sprich nur Er allein kann unser Verhalten richtig beurteilen als auch über uns urteilen.

Wer ist betroffen? Betroffen ist der Patient. Der Patient ist von einer Krankheit betroffen. Was betrifft dich dabei?

Willst Du jetzt allen Ernstes behaupten, dass "nur" der Patient von seiner eigenen Krankheit betroffen ist? Du hast doch selbst das Problem angesprochen, wieviel Angehörige bei der Pflege von Demenzkranken leisten müssen. Sie leben oftmals in absoluter Unfreiheit und großer Verantwortung für den Patienten, könnten ohne diese Krankheit ein völlig anderes, unbelasteteres Leben leben.
Müssen eventuell vieles in Ihrem eigenen Leben deswegen zurückstellen oder darauf verzichten.
Bei jeder größeren Krankheit sind doch immer ganz viele Menschen mit eingebunden und auch mit belastet - Angehörige, Freunde, Ärzte, Pfleger...

Und wenn ein BL-Syndrom sehr stark ist, wirkt sich das natürlich gleichfalls auf die nächsten Menschen im Miteinander aus!

Wodurch geht es dem psychisch Kranken denn minimal besser und vielen anderen Menschen maximal schlechter? Was ist hier Ursache und was die Wirkung?

Ursache? Wirkung? Zum Beispiel besteht die Frage wie lange man psychisch (als auch körperlich) sehr Kranke zu Hause lässt, in dessen Umgebung sie sich trotz ihrem schlechten Zustand wahrscheinlich noch am Besten fühlen, aber dafür ein Teil der Familie deswegen langsam aber sicher in die Knie geht, also auf Dauer völlig überfordert wird und manche deshalb selber davon krank werden.

Einer wird zum Schuldigen erklärt und das ist immer die Person, für die man sich "freiwillig und selbst gewählt" aufopfert. Und der Preis für diese Selbstverleugnung und Aufopferung, ist immer Schmerz. Und dieser Schmerz, der wird der anderen Person in Rechnung gestellt.

Wieso unterstellst Du mir so etwas Negatives einfach "aus der Ferne"?
Vielleicht gehst Du da von Dir aus, keine Ahnung....

Ich habe keinen Schmerz in Rechnung gestellt, Patch, und ich habe mich auch nicht selbstverleugnet. Ich habe meine Freundschaften zu Borderlinern auch noch nie bereut und habe durch sie auch sehr viel über mich selbst erfahren.

Damals hatte ich auch noch keine Ahnung von "Borderline". Es war eben so.
Und in der Verbindung gab/gibt es natürlich sehr viel Positives, denn ich bin ja kein selbsterwähltes "Maso-Opfer" und auch ein Borderliner ist kein komplettes Monster! Das merkst Du doch anfangs meist gar nicht, dass jemand Borderline hat.
Im Gegenteil.

Borderliner können ungemein für sich gewinnend sein, also einem sehr symphatisch sein. Die abenteuerlichsten und auch lustigsten Zeiten habe ich unter anderen mit ihnen verbracht (immer noch!)
Das Schlimme war/ist eigentlich nur das plötzliche "Switchen" zu einem bösartigen Verhalten mir oder anderen gegenüber, weswegen leider ein doch sehr gespanntes als auch ambivalentes Verhältnis daraus entsteht.

Ich habe trotzdem keinen Borderliner zum "Schuldigen" erklärt, sondern ganz nüchtern und an der Wahrheit bleibend - wie Du es doch selbst so sehr anstrebst - existierende Tatsachen angesprochen. Und versucht oTp etwas zu erklären, das es ihm eventuell erleichtern könnte, seinen Sohn besser zu verstehen.

Schmerz gehört zu unserem Leben grundsätzlich dazu, Patch. Wem willst Du denn da etwas groß in Rechnung stellen? Du gehst übrigens auch nicht gerade zimperlich mit uns um.
Du musst wirklich aufpassen, dass Du nicht nur hauptsächlich Fehler und die Ursache dafür beim Andern finden willst - aber sonst auch nichts.
Das ist übrigens auch leichter als etwas konstruktiv zu verbessern zu suchen und für Andere eine wirklich anleitende Hilfe zu geben.
Die kommt von Dir dann nämlich nicht mehr.

LG
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Do 18. Sep 2014, 07:55

Jeshu
Auch aus der Ferne kann ich deine ausfuehrungen bestaetigen und gut heissen

das hilfsprogramm meines ortes
sozialpsychiatrischer dienst wird meine umbequemen fragen beantworten muessen, wegen voelliger schaedigenden vorgehensweise und irrefuehrung. Ihr versprechen von hilfe war das gegenteil

Die klare formulierung einer diagnose, die ersichtlich wird macht solcherart willkuer ein ende. Es wird auch die verwerfliche unmenschlichkeit solcherart hilfe deutlich.

es geht darum miese schaedigende verhaeltnisse zu aendern
Und das duerfe auch im interesse des sozialpsychiatrischen dienstes sein
In der selbsthilfe werde ich auch nach verbesserungen schauen dammit betroffene und angehoerige entsprechend bejandellt werden snstatt abgewimmelt


lg otp
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Do 25. Sep 2014, 07:42

Andreas hat selber gesagt, dass ihm nichts Spaß macht.
Seine weitreichende, sein ganzes Verhalten umfassende Vernunftlosigkeit ist wirklich symptomatisch für seinen psychischen Zustand.
Er kann nichts sinnvolles, planvolles tun. Stets verschleudert er sein Geld anfangs des Monats für Alkohol, sodass nichts mehr da ist zum Lebensunterhalt. Seine neue Playstaton, von uns zum Geburtstag geschenkt, hat er für den halben Preis verhökert. Er lenkt seine Freud-Unfähigkeit ab mit übermäßigem Essen, Alkohol, Spielsucht.

Da fragt man sich, wie "Fachleute" es fertig bringen, keine vernünftige Diagnose zu stellen und uns Eltern nachweislich jahrelang so mies untestützt haben. Niemand kam all die Jahre auf die Idee, die Dinge klar zu sehen und vor allem dringend sichtbaren Hilsfbedarf zu veranlassen.

Noch dazu der Sozialarbeiter, der die Generalvollmacht hatte zu Diagnosen, sogar zu Ferndiagnosen, und irreführenden Belehrungen. Noch nicht mal Weiterleitung zu vernünftiger Beratung und Abklärung innerhalb seiner Organisation brachte er zustande. Ist es nicht Aufgabe eines Sozialarbeiters, in Familien zu erkennen, was da unerträglich schief läuft. Was soll ich davon denn nun halten ? Bezeichne ich es mit passenden Worten, kann es nicht gerade nett klingen.

Da hilft mir unser systematisches Benennen von Verhaltensmerkmalen endlich weiter.
Wenn Fachleute nicht mehr tun, muß man eben selber was tun.
Und weiter gehts bei mir nun, wenn ich mal reinschaue in Borderline-Angehörigen-Selbstgruppen.

lg, oTp
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Jeshu » Do 25. Sep 2014, 23:31

Hi oTp!
Weiß man bei Deinem Sohn denn nun wenigstens sicher, ob er depressiv ist oder nicht? Diese absolute Freudlosigkeit, die Andreas scheinbar mit allem, was ihm zur Betäubung und Ablenkung dienbar sein kann, bekämpft, finde ich jedenfalls auch bedenklich.
Wenn ja, dann müsste er aber natürlich regelmäßig Tabletten einnehmen können, was wohl auch schon ein Problem ist?

Die Freudlosigkeit gepaart mit einem starken Gefühl von Leere in sich und Langeweile, weil sein vielleicht sogar hoher Intellekt völlig unterfordert ist, ist natürlich eine mehr als destruktive Mischung. Klingt alles, als wenn bei Deinem Sohn eine völlige Sinnlosigkeit für sich im Leben vorherrscht und er eigentlich nur irgendwie die Lebenszeit für sich rumbringen müsste? Egal wie und möglichst "abgedämpft".

Aber Dich weiter zu informieren kann nicht schaden, schließlich kennst Du Deinen Sohn mitunter am Besten. Aber Aussagen wie ihm "macht nichts Spaß" sind eigentlich schon recht eindeutig.
Ich kenne es ja, wenn mein Freund Depressionsschübe hat (trotz Tabletten), da geht gar nichts mehr. Die einfachsten Dinge sind nicht mehr möglich zu tun. Einen Anruf tätigen oder zum Arzt um die Ecke zu gehen. Lähmung pur.
Da kann man eigentlich nichts machen außer da zu sein.

LG
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Fr 26. Sep 2014, 00:10

Die Freudlosigkeit gepaart mit einem starken Gefühl von Leere in sich und Langeweile, weil sein vielleicht sogar hoher Intellekt völlig unterfordert ist, ist natürlich eine mehr als destruktive Mischung. Klingt alles, als wenn bei Deinem Sohn eine völlige Sinnlosigkeit für sich im Leben vorherrscht und er eigentlich nur irgendwie die Lebenszeit für sich rumbringen müsste? Egal wie und möglichst "abgedämpft".


Man bewegt sich im Kreis.
Sein Lehrer traute ihm damals Gymnasium zu. Aber Intelligenz möchte sich doch eigentlich sinnvoll betätigen.
Er hat ja keinerlei normale positive Vorausplanung, was ja noch nicht mal übermäßig Intelligenz erfordert.
Und er ist sprunghaft ohne Ausdauer.

Tja,
eine völlige Sinnlosigkeit für sich im Leben vorherrscht und er eigentlich nur irgendwie die Lebenszeit für sich rumbringen müsste
könnte es beschreiben.

Medikamente lehnt er ja ab, hat er nie lange genommen. Obwohl sie seinen Zustand verändern können.
Medikamente sieht er als sinnlos an, Alkohol sei besser. Ablehnung von Medikamenten kommt ja oft vor. Die junge Frau beschreibt es bei ihr, dass sie dann nicht sie selber sei. Aber was heißt das, kommt drauf an, wie man sich sieht. Schließlich ist man mit Drogen auch nicht man selbst. Und Medikamente können die Psyche positiv beeinflussen. Auch ihre Ablehnung zeigt ja, dass die Fähigkeit fehlt, eine gewisse Normalität erkennen zu können.
Genauso fehlt ja jeder Antrieb zur sinnvollen Gestaltung des Tages. Völliges Chaos vermute ich deshalb. Es bewirkt einen sehr engen Denk- und Handlungsspielraum. Dieser Zustand war eigentlich plötzlich da schon mit 15,16. Zu der Zeit kiffte er viel und hörte mit der Gesamtschule auf. War damals schon zu nichts zu bewegen. Das Chaos in ihm deutlich.

Hat natürlich Merkmale, die man auch bei Depression findet.

Natürlich ist seine Anpassung an Andere auch sehr schlecht, normale Geselligkeit deshalb nicht möglich. Fehlt ja auch die innere Teilnahme an Allem was Andere tun.

Tja, die menschliche Psyche ist kompliziert.

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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Jeshu » Sa 27. Sep 2014, 14:48

Medikamente lehnt er ja ab, hat er nie lange genommen. Obwohl sie seinen Zustand verändern können.
Medikamente sieht er als sinnlos an, Alkohol sei besser. Ablehnung von Medikamenten kommt ja oft vor. Die junge Frau beschreibt es bei ihr, dass sie dann nicht sie selber sei. Aber was heißt das, kommt drauf an, wie man sich sieht. Schließlich ist man mit Drogen auch nicht man selbst. Und Medikamente können die Psyche positiv beeinflussen. Auch ihre Ablehnung zeigt ja, dass die Fähigkeit fehlt, eine gewisse Normalität erkennen zu können.


Also Dein Sohn scheint mir echt eine harte Nuss, oTp...
Ich denke mal, er hat sich jetzt ein für sich selbst einigermaßen erträgliches Leben zusammengebastelt und von dem will er natürlich gar nicht weg.

Jede Veränderung bedeutet nur eine unberechenbare Bedrohung für ihn, die ihn aus seinem merkwürdigen, aber für ihn doch "stabilen" eigenen Lebens-Rythmus reisst - und wird deswegen abgelehnt. Selbst wenn sie auf weite Sicht für ihn positiv wäre.

Da kann man allenfalls nur ganz kleine Schritte erwarten. Bloß wo fängt man da an, wenn er gar nicht will? Für Dich versinkt er im Chaos, aber es kann gut sein, dass sich Dein Sohn darin wohler fühlt als man nachvollziehen kann.

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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Sa 27. Sep 2014, 19:18

Bloß wo fängt man da an, wenn er gar nicht will? Für Dich versinkt er im Chaos, aber es kann gut sein, dass sich Dein Sohn darin wohler fühlt als man nachvollziehen kann.


Tja, ich sehe da den Aspekt, dass solches Verhalten eben starke Einschränkungen der menschlichen Handlungsfähigkeit anzeigt. Das ist auf jeden Fall negativ. - Nur andererseits muß man diesen Zustand akzeptieren.

Starke Einschränkungen sind noch deutlicher bei Menschen die durch Ängste eingeschränkt sind. Da erkennt man sofort den Fakt von innerer Unfreiheit.
Psychotisches Verhalten ist immer auch Unfreiheit.

Unfreiheit,
Ich hatte gestern ein langes Gespräch mit der jungen Frau, Sucht und Magersucht machen sie völlig unfrei. Es ist ein furchtbares Drama. Das man als eine Art Beistehender nur etwas beschwichtigen kann. Solche Schiksale können einen nicht unberührt lassen. Man muß tun was man kann und diesen Mitmensch mit und trotz allem wohlwollend akzeptieren und trösten, trotz aller furchtbaren Probleme und Defizite. Und sie erkennt völlig, in was für einem tiefen Loch sie da steckt.
Da müßte Jesus wieder kommen und solchen Bann der Unfreiheit brechen...
Ja, wenn ich wenigstens Blumhardt wäre..

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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Jeshu » So 28. Sep 2014, 22:00

Hi oTp!
Ja, bei einigen menschlichen Dramen bleibt einem leider manchmal fast nichts als nur zuzuschauen.
Ein Bekannter von mir hatte eine magersüchtige Freundin, die ist mehr oder weniger vor seinen Augen verhungert, obwohl er sie förmlich angefleht hat, mehr zu essen, sie fast schon genötigt hat. Sie musste mehrmals im Krankenhaus zwangsernährt werden, weil ihr Zustand schon so schlecht war. Aber letztendlich: No way. Sie hat sich trotzdem zu Tode gehungert. So etwas ist für Außenstehende wirklich nur sehr schwer zu verstehen, aber Realität.

Magersucht ist mit Abstand die tödlichste aller psychischen Störungen.
Und die Therapie bedeutet oft einen Wettlauf mit der Zeit.

Die junge Frau muss auf jeden Fall sehen, dass das Wenige, das sie isst absolut hochwertige Nahrung ist. Da gibt es nämlich richtige "Bomben" unter den Nahrungsmitteln.
Manche Magersüchtige essen nämlich dazu noch nur "Mist" (Kekse, Gummibärchen, Alkohol), wenn sie schon mal essen. Das ist natürlich noch fataler.

Und es ist auch sehr wichtig, dass Du ihr diesen Wert als Mensch gibst, den Du angesprochen hast. Sie scheint sich bei Dir/Euch recht aufgehoben zu fühlen, das ist gut.
Ja, mit Jesus würde sie frei sein. Hoffen wir das Beste und dass sie es schafft mit ganz kleinen Schritten "umzudrehen".

LG
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » So 28. Sep 2014, 22:59

Und es ist auch sehr wichtig, dass Du ihr diesen Wert als Mensch gibst, den Du angesprochen hast. Sie scheint sich bei Dir/Euch recht aufgehoben zu fühlen, das ist gut.


Naja, scheint mir auch so, dass es so ist.
Sie sagte, wir seien ihre Familie. Jedenfalls zeigt auch ihre Offenheit ihr Vertrauen.
Scheint schon bald mehr zu sein als zu ihrem Psychotherapeuten, den sie aufgegeben hat. Ein Psychotherapeut wird eh nicht ausreichen, es braucht aufmerksame Menschen um sie herum.

Ich habe Hoffnung, dass ihr die tiefen Gespräche etwas bringen. Habe ich ja im Hauskreis auch erlebt.
Zunächst müssen einige aktuellen inneren "Stürme" aufgelöst werden. Diese aktuellen Konflikte sind ja eine weitere Last, die sie nicht mit sich herumtragen sollte. Sie hat ja vor einem Jahr das Gymnyasium unterbrochen und ist nun zu viel mit sich allein.

Du weißt, Vertrauen verpflichtet 100% einem Menschen ehrlich beizustehen. Und da ist es mit der eigenen Liebe allein nicht mehr getan.

Schlimm ist z.B. dass sie arbeiten gehen möchte um ihre Eltern nicht zu enttäuschen, aber sie kann es nicht.
Müssen wir wohl etwas mit Sinn finden...
Sie ist ein sehr verständnisvoller Mensch. Sie hatte sich auch mal um unseren Sohn gekümmert. Dann merkte sie selber, wie sehr er ihr zur Belastung wurde. Ich riet ihr deshalb, den Kontakt völlig abzubrechen. Sonst nutzt er sie nur aus.
Siehst Du, gerade solche Menschen will ich nicht leiden sehen.

Magersucht in Verbindung mit Alkoholsucht ist wohl noch lebensbedrohlicher. Ich weiß.
Es ist fast paradox, aber ich hoffe, das Bier hat viele Nährstoffe.

Ich versuche auch mal, ob bei Leuten der Gemeinde "Platz" zu finden ist für sie. Da sollte ich sie aber erst mal "testen" wie sie mit ihr umgehen können.

Hm, es wird hier in der Öffentlichkeit etwas viel vertraulich.

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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Di 30. Sep 2014, 17:39

Sie musste mehrmals im Krankenhaus zwangsernährt werden, weil ihr Zustand schon so schlecht war.


Könnte sein, dass sie auch bald wieder soweit ist.
Morgen kommen wenigstens ihre Eltern wieder, wohnen im selben Haus wie sie.

lg, oTp
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Jeshu » Di 30. Sep 2014, 19:49

Hi oTp!
Das klingt aber ganz schön brisant... Zwangsernährung wird in der Regel nur bei extrem niedrigem BMI durchgeführt oder wenn der Zustand eines Anorexie-Kranken lebensgefährliche Formen angenommen hat. Hier ein Auszug:

"Durch Zwangsernährung kann zwar eine Gewichtszunahme von etwa 3–4 BMI-
Punkten erreicht werden..., die Mortalität von gegen ihren Willen behandelten
Patienten nach etwa 5,7 Jahren lag in einer Studie mit 12 % jedoch deutlich über der Mortalitätsrate von 2,5% bei freiwillig behandelten Patienten... Die Zwangsernährung bei Anorexie ist daher eine möglichst zu vermeidende Therapiestrategie und sollte nur dann erfolgen, wenn andere Optionen anhaltend scheitern. Dann jedoch sind sie die bisher einzig mögliche Option, um eine vitale Gefährdung abzuwenden.
Entnommen aus:
http://www.root.webdestination.de/kunden/01extern/bdn_redaktion_ssl_neu/upload/60_61_kasuistik.pdf

Deiner jungen Frau muss unbedingt klar werden, oTp, dass leider nichts anderes - auch nicht die besten Gespräche mit Euch oder einem Therapeuten - ihr auf Dauer etwas bringen werden als: wieder allmählich das Essen zu lernen. Weil sie sonst nämlich irgendwann vorzeitig stirbt. Wegen Organversagen, weil der Körper verhungert ist ohne eigentlichem materiellen Mangel.

Viele Magersüchtigen sind sich ihrer für sie selbst unkontrollierbar gewordenen Zwanghaftigkeit und der eigentlichen völligen Irrationalität ihres Handels bewusst - doch überleben tun oft nur die, die sich aus reinem Selbstschutz stationär behandeln lassen, weil die klare Einsicht oder der Überlebenswille zum Glück größer ist als die Krankheit. Denn wirklich sterben wollen stark Magersüchtige meist nicht. Tun es aber sonst eventuell.

Eltern sind da ganz oft völlig machtlos einzugreifen, im Gegenteil, manchmal sind sie (oder ein Teil davon,) sogar Auslöser oder Verstärker der Krankheit.
Aber das ist ein äußerst heikles, weitläufiges und hochkomplexes Thema.

LG
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Di 30. Sep 2014, 20:16

Na ja, nicht ganz zwangsernährt.
Anscheinend kriegt sie bisher noch die Kurve und läßt sich wenn es nicht anders geht, ins Krankenhaus einweisen.

Hinter ihrer Sucht allerdings, und gut möglich auch im Zusammenhang mit der Magersucht, steckt auch eine Traumatisierung.

Ist mir leider bekannt, solch ein Mechanismus, wo innere Panik, nachts Albträume, Tags nicht vergessen können, alles zerstört. :( . Schlimm.
Da sind Drogen oft Zuflucht. Wenn man es nicht verarbeiten kann.

Nun ja, im Moment mache ich mir mal wieder einige Sorgen um sie, weil es ihr gerade schlecht geht.

Jeshu, die andauernde Schwächung ihres Körpers ist mir bewußt. Ihr auch, eine Psychologin sagte ihr einmal, dass sie so ganz früh sterben kann.

lg, oTp
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Jeshu » Mi 1. Okt 2014, 22:30

Ja, das geht alles sehr in die Tiefe, oTp...

Panik entsteht mitunter dann, wenn zu viele Reize und Gefühle gleichzeitig auf das Gehirn einwirken, aber das Gehirn nicht (mehr) in der Lage ist diese eindeutig zu selektieren und zuzuordnen, weil alles gleichzeitig als gleich wichtig eingeordnet wird, bzw. alle möglichen Ängste als gleich stark empfunden werden.
Das Gehirn dreht wegen dieser gleichmäßigen Reizflut und ohne Prioritäten im Denken und Fühlen noch setzen zu können irgendwann völlig durch - und wird dann deswegen oft künstlich einfach vom Menschen "betäubt".

Allerdings ist es äußerst kontraproduktiv bzw. sogar auslösend, seinen eigenen Körper fast verhungern zu lassen und stattdessen bewusstseinsverändernde Drogen und Alkohol zu sich zu nehmen; denn natürlich gerät der eigene Körper dadurch noch viel mehr in Stress und Panik, schließlich geht es für ihn mittlerweile ständig um Leben oder Tod.

Ein Körper hält oft sehr viel aus, oTp, sogar ein gewisses Maß an Stress, Drogen und Alkohol - aber auf Dauer gewiss nicht ohne die Aufnahme von gleichzeitigen, lebenswichtigen und damit ausgleichenden Nährstoffen.

Die Ernährung ist bei sehr vielem wirklich das A + O - und meist auch mit entscheidend für das letztendige "Ergebnis" bei Süchtigen!

LG
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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon onThePath » Do 2. Okt 2014, 10:00

Panik entsteht mitunter dann, wenn zu viele Reize und Gefühle gleichzeitig auf das Gehirn einwirken, aber das Gehirn nicht (mehr) in der Lage ist diese eindeutig zu selektieren und zuzuordnen, weil alles gleichzeitig als gleich wichtig eingeordnet wird, bzw. alle möglichen Ängste als gleich stark empfunden werden.


Jeshu,

Traumatisierungen, ein brauchbares schlimmes Beispiel ist der sexuelle Mißbrauch, bewirken daß Denken/Emotionen völlig aus dem Gleichgewicht kommen.

Ängste können sich "generalisieren", immer gegenwärtig sein und das ganze Denken und die Emotionen erfassen.

Da kann man leicht mit Panik reagieren.

Solche aktiven wunden komplexe Konstrukte von Vorstellungen und Emotionen wirken eben auch dann noch, wenn der Mensch sie völlig verdrängt hat. Sie wirken aus sich selber hersus, ihre Auswirkung zeigt sich in psychischen Anormalitäten. Allerdings kann der so beeinträchtigte Mensch nach außen hin ziemlich unauffällig sein.

Der Ansatz der Psychologie ist schon richtig: Verarbeitung der alten Konflikte.
Das ist sogar auf etwas andere Weise das Vorgehen der christlichen Seelsorge.

Natürlich hat der traumatisierte psychische Bereich an sich, sich zu entziehen. Z.B. wenn das Erinnern zu schmerzlich ist. Dann ist es unmöglich, sich dem produktiv zu stellen.

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass außer der eigenen Widerspenstigkeit des Traumatisierten auch dämonische Geister mitwirken können, die die Psyche versuchen so zu steuern, dass eine Bereinigung der störenden Komplexe unmöglich wird.

Versuche, Jeshu, das ganz nüchtern zu sehen:
Es ist dann ein weiteres, überpersönliches Hindernis auf dem Weg, innerlich frei zu werden. Nötig ist immer "der psychologische Weg", das heißt die Bewältigung der inneren Konflikte. Der Seelsorger wird gegebenenfalls nur Mächte aufhalten, die sich dagegen stellen.
Innerer Frieden ist auch das Ziel des Glaubensweges: Mit sich und Gott "völlig ins Reine" zu kommen. Da gelingt bisweilen mehr als durch Psychologie allein.

Der Glaube ist schon eine fähig machende Struktur, mit sich und Anderen umzugehen. Sehr wichtig ist dabei Vergebung, aber auch selber um Vergebung zu bitten. Hass, mag er auch eine Berechtigte Ursache haben, ist schuldhaft, muß abgelegt werden um inneren Frieden zu erlangen.


Die junge Frau schleppt einen furchtbaren großen Komplex einer Traumatisierung mit sich.
Ihr Reaktion ist durch Drogen und Magersucht extem selbstschädigend.
Das ist natürlich sehr auffällig.

Auffällig wird es auch ohne solche Merkmale durch starke Reaktionen wenn er angesprochen wird auf seine inneren Konflikte und Ängste. Gerade dann erlebt man die Panik und innere Pein mit.

Leider haben Psychologen trotz Fachkenntnis - wer weiß wie lange sie sich schon behandeln ließ - noch nichts bei ihr bewirkt. Ohne ihnen "ins Handwerk pfuschen zu wollen": Liebevolle Menschen braucht es, auch wenn es noch so schwierig ist.

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Re: Psychiatrie und Freiheit

Beitragvon Jeshu » Fr 3. Okt 2014, 14:01

Ja, schlimm hört sich das an, oTp, wenn fast alles nichts zu helfen scheint, obwohl es nach der Theorie durchaus möglich wäre.

Frauen neigen leider grundsätzlich dazu sich selbst zu zerstören, auch bei kleineren Traumata; dies geschieht oft aus dem Gefühl einer völligen Machtlosigkeit heraus. Es scheint für sie keine Lösung zu geben, obwohl das oft gar nicht stimmt. "Schlechte" Gefühle wie Hass werden deswegen vor lauter Angst nicht in der Psyche verarbeitet, sondern auf der Ebene des Körpers. Es ist also alles eine pure "Ersatzhandlung", selbst wenn sie im passiven "Nicht-Essen" besteht.

Nur einmal angenommen, die Magersucht wäre für die junge Frau das Letzte, was sie noch im Gefühl hat in ihrem Leben kontrollieren zu können, dann bedeutet diese eigentliche Krankheit ein lebenswichtiges Gerüst für sie. Das kann man ihr also nicht wegnehmen, solange es keinen Ersatz dafür gibt. Die beste Stütze wäre natürlich der Glaube an die behütende Liebe von Gott und Jesus Christus, aber darin vertraut sie wohl leider nicht.
Deswegen ist Deine Liebe und die von anderen Menschen auch so wichtig. Denn alle ihre anderen "Stützen" wie die Magersucht, die Drogen und der Alkohol sind durchweg so stabil wie ein Kartenhaus.

Sie muss unbedingt einsehen, dass gesundes Essen eine wirkliche Stütze in ihrem Leben sein kann. Dass es ihr körperlich relativ schnell besser gehen kann, weil sie dadurch endlich wieder mehr Kraft hat, sogar trotz Alkohol und Drogen. Dass ihre Nerven nicht mehr so blank liegen werden, sie vermutlich wieder besser schlafen kann, usw. Man muss alles dransetzen, damit sie eine andere positive Einstellung zu Nahrung bekommt. Sie Essen als Hilfe und große Chance für sich im Leben sieht.
Als lebensrettend. Als Lichtblick.

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