Einschulung bereits mit vier Jahren

Über aktuelles in der Gesellschaft

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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Mo 6. Okt 2008, 11:59

heuschrecke hat geschrieben:
Von Frauen, die bewusst, ohne Mann, aber mit Kind leben wollen und sich bewusst durch einen Samenspender ein Kind machen lassen, halte ich gar nix!


so weit ich informiert bin, ist das in der schweiz nicht möglich. wenn du jetzt wirklich samenspende meinst.
wie ist es denn, wenn eine frau ungewollt schwanger wird und keine liebesbeziehung zum erzeuger hat? wenn ich dich richtig verstehe, sollte sie das kind nicht bekommen und abtreiben?

gerechtfertigte SCheidung


gibt es ungerechtfertigte scheidung? was sind da die kriterien? wer entscheidet das?
zu sagen: "hier herrscht freiheit" ist immer ein irrtum, oder auch eine lüge, denn freiheit herrscht nicht. erich fried
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon heuschrecke » Mo 6. Okt 2008, 12:41

valdes hat geschrieben:
heuschrecke hat geschrieben:
Von Frauen, die bewusst, ohne Mann, aber mit Kind leben wollen und sich bewusst durch einen Samenspender ein Kind machen lassen, halte ich gar nix!


Hallo Valdes

so weit ich informiert bin, ist das in der schweiz nicht möglich. wenn du jetzt wirklich samenspende meinst.

Das ist ja kein Problem, dann machts frau halt im Ausland oder aber sie findet einen Mann für eine Nacht oder mehrere Nächte. Ich kenne zwei Sozialpädagoginnen, die sowas gemacht haben und es völlig ok finden!

wie ist es denn, wenn eine frau ungewollt schwanger wird und keine liebesbeziehung zum erzeuger hat?
warum geht man denn mit einem Mann oder Frau ins Bett, für der/die man keine Liebe empfindet? Das finde ich persönlich schon mal daneben!
wenn ich dich richtig verstehe, sollte sie das kind nicht bekommen und abtreiben?

Sicher nicht. Dann sollten BEIDE das Kind grossziehen!

gerechtfertigte SCheidung


gibt es ungerechtfertigte scheidung? was sind da die kriterien? wer entscheidet das?


Ich finde schon! Das weit verbreitete Argument "man hätte sich halt auseinander gelebt" z.B. finde ich absolut dümmlich und lächerlich!

Wenn man allerdings geschlagen, vergewaltigt oder wiederholt betrogen wird, finde ich eine Scheidung gerechtfertigt.


Aber wir sind schon lange OT!

Liebe Grüsse
heuschrecke
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Mo 6. Okt 2008, 12:54

heuschrecke hat geschrieben:warum geht man denn mit einem Mann oder Frau ins Bett, für der/die man keine Liebe empfindet? Das finde ich persönlich schon mal daneben!

zwingt dich ja niemand, das zu tun.
ich weiss einfach nicht, was verwerflich daran ist, wenn zwei erwachsene menschen im gegenseitigen einverständnis und ohne einander etwas vorzuspielen miteinender sex haben. ist doch eine schöne sache.


Sicher nicht. Dann sollten BEIDE das Kind grossziehen!


wenn du damit meinst, dass auch der vater verantwortung übernehmen soll, das kind regelmässig betreut und seinen finanziellen verpflichtungen nachkommt, haben wir einen konsens. falls du damit meinst, dass leute, die schlecht aufgepasst haben oder pech mit der verhütung hatten, wegen einer (oder mehrerer) nacht zusammenziehen und familie spielen sollen, kann ich das nicht ganz nachvollziehen.

Das weit verbreitete Argument "man hätte sich halt auseinander gelebt" z.B. finde ich absolut dümmlich und lächerlich!


dümmlich und lächerlich wäre es, so eine ehe um jeden preis weiterzuführen.

Wenn man allerdings geschlagen, vergewaltigt oder wiederholt betrogen wird, finde ich eine Scheidung gerechtfertigt.


immerhin. da diese dinge ja selten vom himmel fallen: was glaubst du, ist wohl das erste indiz, dass sowas passieren kann? ich denke "man hat sich auseinandergelebt und unterwegs ging die liebe verloren" spielt meist eine rolle.

p.s. noch mal nachgefragt: wer entscheidet über gerechtfertigt/ungerechtfertigt? jemand anderer, als die beiden beteiligten? geht das sonst überhaupt irgendwen, irgendetwas an?
wie kann man dazu kommen, anderen leuten vorschreiben zu wollen, mit wem sie zusammen zu sein haben?
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon bigbird » Mo 6. Okt 2008, 17:49

Ja, bitte zurück zum Thema, dankeschön :)

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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Grasy » Mo 6. Okt 2008, 22:15

valdes hat geschrieben:dann sind wir uns ja einig. hätt' nicht gedacht, dass das in diesem thread noch passiert. wieso man das dann nicht noch durch fremdbetreuung ergänzen kann und wieso das nicht für die ersten lebensmonate des kindes gelten soll, ist mir allerdings nicht klar.


Was mir hingegen nicht klar wieso das Wort "Zwang" hier nicht erwähnt wird. Um ergänzende Fremdbetreuung an sich geht's doch hier gar nicht. Die gibt's doch schon. Spätestens in der Schule. Die Frage ist warum es auf einmal nötig sein soll alle 4 Jährigen Kinder in den Kindergarten zu zwingen.

Mfg,
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Di 7. Okt 2008, 05:54

Grasy hat geschrieben:
valdes hat geschrieben:dann sind wir uns ja einig. hätt' nicht gedacht, dass das in diesem thread noch passiert. wieso man das dann nicht noch durch fremdbetreuung ergänzen kann und wieso das nicht für die ersten lebensmonate des kindes gelten soll, ist mir allerdings nicht klar.


Was mir hingegen nicht klar wieso das Wort "Zwang" hier nicht erwähnt wird. Um ergänzende Fremdbetreuung an sich geht's doch hier gar nicht. Die gibt's doch schon. Spätestens in der Schule. Die Frage ist warum es auf einmal nötig sein soll alle 4 Jährigen Kinder in den Kindergarten zu zwingen.


da waren wir schon ein wenig OT. heuschrecke hat sich gegen fremdbetreuung im vorschulalter ausgesprochen.


back to topic: ich verstehe die aufregung nicht. etwa 12 wochen im jahr (ist glaub vom kanton abhängig) sind ferien. 104 tage im jahr ist wochenende und der kindergarten geschlossen. und auch an den kindergartentagen kommen die kinder am frühen nachmittag nach hause. das ist doch genug zeit für "elterliche fürsorge".
wenn man hier mitliest, könnte man meinen, der staat wolle den eltern die kinder wegnehmen. davon kann wirklich keine rede sein.
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Re: Obligatorische Einschulung bereits mit 4 Jahren

Beitragvon sugi » Di 7. Okt 2008, 09:34

Um nochmals auf den Einführungspost zurückzukommen:

Wolfi hat geschrieben:Die neusten Bestrebungen in der Schweiz gehen dahin, schon in bälde Kinder bereits mit 4 Jahren in einen obligatorischen Unterricht zu stecken. Das Modell sieht wie folgt aus:
- 2 Jahre Kindergarten
- 6 Jahre Primarschule und
- 3 Jahre Oberstufe

Was meint Ihr dazu?


Bei uns im Kt. Zürich wird ein Kind, dass bis zum April 4 Jahre alt wird, im Sommer in den Kindergarten kommen.
Da können sie zwei, oder drei Jahre hingehen..und wenn die Eltern finden, dass ihr Kind noch nicht so "reif" ist, weil es genau im April 4 Jahre alt wird, sollte dies keine Probleme bereiten, und man kann das Kind noch ein Jahr zurück halten! Handkehrum gibt es auch Eltern, wo das Kind im Mai 4 Jahre alt wird, die sie dann schon "vorzeitig" in den Kindergarten einschulen möchten..und mit "Tests" dies dann auch so geschieht.. Je nachdem, wie die Kinder sind! Vielfach sind es Kinder, die schon ältere Geschwister haben, die dann aber auch wirklich "reif" sind! Ist aber nicht immer die Regel..es gibt beides..

Die 6 Jahre Primarschule, und anschliessend die drei Jahre Oberstufe wird immer noch gleich gehandhabt..

Der Unterschied ist: dass man nun auch im Kindergarten "drei Jokertage" zugut hat..dass heisst, wenn ein Kind z.B. wegen vorzeitigem Ferienbeginn, nur bis max. drei Tage vorbeziehen kann und dann aber keine mehr hat..

Ich kenne aber einen 10-jährigen Kubaner..der musste Vorarbeiten, weil er eine Woche früher Sommerferien hatte! Nach den Sommerferien ist er gerade mal drei Wochen später gekommen....da frage ich mich dann schon, was für "Ausnahmen" dass denn sein sollten... :roll:
Das könnten sich die Schweizer-Kinder niemals erlauben, vorher werden sie nochmals die Klasse wiederholen...naja..!!



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Re: Obligatorische Einschulung bereits mit 4 Jahren

Beitragvon Taube » Di 7. Okt 2008, 10:01

sugi hat geschrieben:Ich kenne aber einen 10-jährigen Kubaner..der musste Vorarbeiten, weil er eine Woche früher Sommerferien hatte! Nach den Sommerferien ist er gerade mal drei Wochen später gekommen....da frage ich mich dann schon, was für "Ausnahmen" dass denn sein sollten... :roll:
Das könnten sich die Schweizer-Kinder niemals erlauben, vorher werden sie nochmals die Klasse wiederholen...naja..!!

sugi

Warum nimmst Du an, dass es hier ein Unterschied gibt zwischen Schweizern und Ausländern? Die Volkschulverordnung sagt ja:

§ 28.

1 ....

2 Bei vorhersehbaren Absenzen ersuchen die Eltern rechtzeitig um
Dispensation. Dauert eine Absenz vom gesamten Unterricht länger als
zwölf Kalenderwochen, ist die Schülerin oder der Schüler von der
Schule abzumelden.

Dispensation
§ 29.

1 Die Gemeinden dispensieren Schülerinnen und Schüler aus zureichenden Gründen vom Unterrichtsbesuch. Sie berücksichtigen dabei die persönlichen, familiären und schulischen Verhältnisse.

2 Dispensationsgründe sind insbesondere:
a. ansteckende Krankheiten im persönlichen Umfeld der Schülerinnen und Schüler,
b. aussergewöhnliche Anlässe im persönlichen Umfeld der Schülerinnen und Schüler,
c. hohe Feiertage oder besondere Anlässe religiöser oder konfessioneller Art,
d. Vorbereitung und aktive Teilnahme an bedeutenden kulturellen und sportlichen Anlässen,
e. aussergewöhnlicher Förderbedarf von besonderen künstlerischen und sportlichen Begabungen,
f. Schnupperlehren und ähnliche Anlässe für die Berufsvorbereitung.

Also, wenn wichtige Sachen da sind, kann im Extremfall bis 12 Wochen frei gegeben werden. Die Dispensationsgründe sind nicht abschliessend aufgezählt. Wenn da wirklich gewichtige Gründe da sind, wird auch ein Schweizer Kind dispensiert. Hast Du das Gefühl, dass die dafür Verantwortlichen Ihren Ermessensspielraum überzogen haben?

Aber das ist der Punkt, der mich am meisten stört. Früher konnte man im Kanton Zürich zumindest noch im ersten Jahr des Kindergartens ohne grossen Dispensierungsaufwand mal das Kind mal aus dem Kindergarten nehmen für Ferien. Dies geht natürlich nicht mehr. Obwohl ich für die neuen Lösungen bin, ist für mich ein Nachteil, der viel Flexibilität nimmt.

Gruss Taube
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon sugi » Di 7. Okt 2008, 10:18

Hallo Taube,

ich hoffe, es kam dir nicht rassistisch rüber.. ;)
ich mag nähmlich den Jungen, und wenn er mich sieht, dann wechselt er gern mit mir ein paar Worte..

Nein, es waren keine wichtigen "Sachen"..es waren einfach Ferien........
Du kennst nicht die familiären Hintergründe, und die möchte ich jetzt auch nicht hier hinschreiben..!

Ich denke einfach, dass sich Schweizerkinder dass nicht "erlauben" könnten....



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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Di 7. Okt 2008, 10:28

ich kenne die hintergründe auch nicht, aber so wie du das schreibst, hat der ja auf kuba noch familie, die er so besuchen konnte.
wenn er jetzt jedes jahr dahin reist, fände ich das auch daneben. ansonsten kann ich das schon verstehen.

finde es eh sinnvoller, wenn man schon übersee fliegt, dann auch gleich ein paar wochen dort zu sein. aber das ist ganz ein anderes thema, das überhaupt nicht hier hin gehört.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Zorro » Di 7. Okt 2008, 10:56

valdes hat geschrieben: wenn man hier mitliest, könnte man meinen, der staat wolle den eltern die kinder wegnehmen. davon kann wirklich keine rede sein.


Kennst du, Valdes, die Zustände der ehemaligen DDR? Frauenförderpläne, Mutter-und-Kind-Wohnheime, Krippen und Kindergärten: Das System der Kinderbetreuung in der DDR war perfekt - und das hatte Gründe. Frauen sollten arbeiten, weil Arbeitskräfte gebraucht wurden, und weil Gleichberechtigung eine wichtige Forderung des Staates war. Wenn wir heute die Zeitung lesen, dann sehen wir exakt dieselben Forderungen wieder. Ich nehme als Beispiel Bundesrätin Leuthard in einem Interview aus Weltwoche:

Ein Problem, das noch nie richtig angegangen wurde, ist die demografische Falle. Zu wenig Junge zahlen für zu viele Alte. Was planen Sie dagegen zu tun?
Leuthard:
Das ist ja kein schweizerisches Phänomen. In allen Industriestaaten hat man eine hohe Lebensqualität und ein gutes Gesundheitssystem, so dass die Leute älter werden. Das ist primär eine schöne Sache. Das grössere Problem ist, wir haben mit 1,42 Kindern pro Frau nicht genügend Kinder, um diese Entwicklung auszubalancieren. Es brauchte mindestens 2 Kinder pro Elternpaar, damit die Anzahl der Erwerbstätigen im Einklang steht mit der gesamtgesellschaftlichen Situation. Ich lege hier vor allem auf das noch ungenutzte Potenzial der Frauen im Arbeitsmarkt Wert. Viele Mütter sind entweder nicht oder nur mit einem Pensum von unter 50 Prozent erwerbstätig. Dieses Potenzial muss man mittelfristig nützen.


Kann man es noch klarer schreiben? Frauen müssen also auch arbeiten. Die Massnahmen gleichen sich. Schritt für Schritt. In Deutschland ist man uns voraus, dort diskutiert man über Kleinstkinder und deren Betreuung, damit Frauen schnell arbeiten gehen und Sozialabgaben und Steuern entrichten. Alle sprechen von Familienförderung und meinen damit Frauen an die Arbeit schicken und Kinder in Fremdbetreuung zu geben. Zwangskindergarten ist ein weiterer Schritt dazu.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Di 7. Okt 2008, 11:15

ich will nicht behaupten, ein intimer kenner, des ddr-unrechtsregimes zu sein. von der gut organisierten fremdbetreuung der kinder hab ich allerdings gehört. und auch davon, dass die menschen in der ddr diesen einen punkt an ihrem system sehr schätzten.

ein anderes beispiel: als über die mutterschaftsversicherung abgestimmt wurde, hab ich die vorlage einer uzbekin erklärt. als ich ihr sagte, wenn die vorlage angenommen würde, hätten mütter in der schweiz anrecht auf 16 wochen 80% lohnersatz, meinte sie, dies sei eine abbauvorlage. in der ehemaligen udssr, habe der mutterschaftsurlaub länger als ein jahr betragen, die rückkehr zum ehemaligen arbeitsplatz sei gesichert gewesen und einen krippenplatz zu finden kein problem. die leute fanden das gut.

ich habe auch mühe damit, wenn das argument für krippenplätze etc. die ansprüche der wirtschaft sind. in der westlichen gesellschaft ist es aber nun mal so, dass die integration in die gesellschaft zuerst über die lohnarbeit läuft. man kann das gut finden, ich nicht. aber ich bin dagegen, frauen, nur weil sie kinder haben, aus der gesellschaft und der öffentlichkeit auszuschliessen.
ein bisschen analog seh ich das auch mit den kindern. und irgendwie hab ich den rank zum kindergartenobligatorium wieder gefunden...


ich glaube, das ist der unterschied unserer weltanschauung: du und heuschrecke, seht den platz eines menschen zuerst in der familie. ich als teil des öffentlichen lebens.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Zorro » Di 7. Okt 2008, 11:35

valdes hat geschrieben: ich will nicht behaupten, ein intimer kenner, des ddr-unrechtsregimes zu sein. von der gut organisierten fremdbetreuung der kinder hab ich allerdings gehört. und auch davon, dass die menschen in der ddr diesen einen punkt an ihrem system sehr schätzten.


Ich kenne die Zustände ziemlich gut, da wir eine Familie persönlich kannten und so weit wie's möglich war auch persönlich trafen. Du hast Recht, dass die Menschen es schätzten, arbeiten gehen zu können. Aber weisst du warum? In Wiki sind die Zustände ziemlich gut beschrieben:

Um Frauen zur Berufstätigkeit zu motivieren, gab es Anreize sowie moralischen und ökonomischen Druck. Zu den Anreizen zählte die Öffnung fast aller Berufszweige für Frauen, die gesetzliche Festschreibung der gleichen Bezahlung der Geschlechter für gleiche Arbeit, Frauenqualifizierungsmaßnahmen, die Schaffung von Kinderkrippen-, Kindergarten- und Hortplätzen, die Einrichtung von Dienstleistungszentren sowie eine Reihe von anderen sozialen Vergünstigungen für Mütter. Der ökonomische Druck beruhte auf der Tatsache, dass auf Grund der Gehaltsstruktur der DDR eine Familie in der Regel darauf angewiesen war, dass beide Partner berufstätig waren, um einen ausreichenden wirtschaftlichen Lebensstandard erreichen zu können, während der moralische Druck in der staatlichen Propagierung und der gesetzlichen Festschreibung der „Pflicht zur Arbeit“ begründet lag.Frauen hatten, ebenso wie Männer, nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht arbeiten zu gehen, so heißt es im Artikel 24, Absatz 2 der Verfassung der DDR vom 9. April 1968: „Gesellschaftlich nützliche Tätigkeit ist eine ehrenvolle Pflicht für jeden arbeitsfähigen Bürger. Das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit bilden eine Einheit.“

Wir sind auf dem besten Weg dazu. Ohne Doppelverdiener kommen viele Familien auch in der Schweiz nicht mehr aus. Der ökonomische Druck ist gross, der moralische aber auch. Eine Mutter, die "nur" zu Hause arbeitet, wird von vielen belächelt. Die wirkliche Powerfrau leistet alles zur gleichen Zeit. Karriere, Mutter, Ehefrau (oder Partnerin) etc. etc. Wie krank dieses System ist, zeigen die vielen psychischen Probleme, welche bei Mann und Frau auftreten. Der Druck ist für alle zu gross und vor allem Kinder kommen zu kurz. Ein Kind hat nicht Planzeiten wo es die Mutter/den Vater braucht, sondern dann, wenn es akut ist. Eine Krippenbetreuung kann nicht mit derselben Fürsorge vorgehen wie eine leibliche Mutter. Sie hat auch nicht das Interesse dazu, da die Mutter-Kind Bindung fehlt. Mir geht es nicht darum, Krippen schlecht zu reden, sondern die Wichtigkeit der Familie für Kinder in den Vordergrund zu rücken.

aber ich bin dagegen, frauen, nur weil sie kinder haben, aus der gesellschaft und der öffentlichkeit auszuschliessen.
ein bisschen analog seh ich das auch mit den kindern. und irgendwie hab ich den rank zum kindergartenobligatorium wieder gefunden...


Etwas nicht obligatorisch zu erklären bedeutet nicht den Ausschluss von denjenigen, die arbeiten wollen. Das Gegenteil passiert nämlich, die 100% Hausfrau und Mutter wird ausgeschlossen mit den momentanen Entwicklungen. Dabei leisten diese einen enormen Beitrag zu einer funktionierenden Gesellschaft.

ich glaube, das ist der unterschied unserer weltanschauung: du und heuschrecke, seht den platz eines menschen zuerst in der familie. ich als teil des öffentlichen lebens.


Das kann man so formulieren. Die Familie ist der Hort des Vertrauens (sollte sein...), das sogenannte Urvertrauen der Kleinkinder wurde in wissenschaftlichen Studien als enorm wichtig nachgewiesen. Auch bei unterschiedlicher Ansichten, sollte aber weder die eine noch die andere Seite den anderen zwingen. Genau dies geschieht aber mit der Harmos-Vorlage.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Di 7. Okt 2008, 12:08

zum "realexistierenden" sozialismus: die meisten dinge aus diesem wikiartikel würden wir wohl beide als positive anreize bewerten. so ist z.b. die lohngleichheit in der schweiz 18 (in worten: achtzehn) jahre nach dem ende der ddr immer noch nicht durchgesetzt. dass auch in der schweiz viele familien auf zwei einkommen angewiesen sind, schreibst du ja selbst. der ddr kann man dies also nicht vorwerfen. im gegensatz zur realexistierenden schweiz hat sie es aber ermöglicht, lohnarbeit (obwohl die ddr, das kaum so nannte) und familie unter einen hut zu bringen. ich bewerte dies als fortschrittlich. die pflicht zur arbeit ist dem marxismus geschuldet. darüber könnten wir gerne diskutieren, wohl aber nicht in diesem thread. nur so viel, meines wissens stammt der berühmte satz: "je ne suis pas un marxiste" aus diesem zusammenhang. als nämlich selbst ernannte marxisten ein recht auf faulheit propagierten.

Zorro hat geschrieben:
Etwas nicht obligatorisch zu erklären bedeutet nicht den Ausschluss von denjenigen, die arbeiten wollen. Das Gegenteil passiert nämlich, die 100% Hausfrau und Mutter wird ausgeschlossen mit den momentanen Entwicklungen. Dabei leisten diese einen enormen Beitrag zu einer funktionierenden Gesellschaft.


das streitet niemand ab. und ich postuliere auch keinen zwang zur lohnarbeit. das obligatorium wird auch nicht mit dem wohl der frauen begründet, sondern mit dem kindswohl. auch kinder sollen teile der gesellschaft, der öffentlichkeit sein. sie haben ein recht auf ausserfamiliäre erfahrungen und kontakte. das ist wohl unbestritten. die einzige frage, die bleibt, ist jene des richtigen alters. dieses ist immer willkürlich. muss aber trotzdem irgendwie festgesetzt werden. von mir aus auch in einem rahmen (z.b. zwischen drei und fünf jahren). das einschulungsalter ist aber nicht der kern des harmos-konkordats. wenn man es auf den kindergarten reduzieren will, ist es die einführung der basisstufe. diese ist ja genau ein schritt in richtung: jeder nach seinen fähigkeiten, jedem nach seinen bedürfnissen. (um jetzt noch ein bisschen vulgärmarxismus zu betreiben...)


p.s. der von dir zitierte satz aus der ddr-verfassung: "das recht auf arbeit und die pflicht auf arbeit bilden eine einheit" ist sozialistisches gemeingut. der stand meines wissens schon in einer sp-initiative aus dem 19. jh. ob damit nur lohnarbeit oder auch "reproduktionsarbeit" (also unter anderem familienarbeit) gemeint ist, weiss ich jetzt nicht genau. ich nehme aber letzteres an.

p.p.s mit der pflicht zur arbeit wollte man sich vor allem gegen die "müssiggänger" also die unternehmer, die ihr einkommen durch kapitalrendite und nicht durch arbeit erhalten, abgrenzen. so jetzt aber genug OT, sonst diskutieren wir das wirklich noch in diesem thread.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon heuschrecke » Di 7. Okt 2008, 12:20

Hallo Valdes

In meinen Augen geht es um ein viel grösseres Thema: Die Versklavung der Menschen, je früher desto besser! Dem werde ich mit all meiner Macht entgegenwirken!

Ich will eine andere Gesellschaft. Und wo fängt die Gesellschaft an? Bei den Kindern! Das wissen auch die Sklaventreiber!In den ersten 4 Jahren kann man ein Kind in seiner vollen Kraft gedeihen lassen und es unterstützen, man kann es aber auch manipulieren, gleichschalten, sein Urvertrauen zerstören, seine Gefühlswelt abmurksen, seine Ausdrucksfähigkeit beschneiden ect.

Sieh dich doch mal um oder rede mal mit einem Psychiater , wie es so um unsere Gesellschaft bestellt ist! Gesunde und freie Menschen sind praktisch ausgestorben!

Die staatliche SChule steht leider noch immer im Geist des sogenannten Leistungssystems. Dieses System haben die Sklaventreiber erfunden und es muss, meiner Meinung nach, zerstört werden!

Gruss
Zuletzt geändert von heuschrecke am Di 7. Okt 2008, 12:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Di 7. Okt 2008, 12:25

heuschrecke hat geschrieben:In meinen Augen geht es um ein viel grösseres Thema: Die Versklavung der Menschen, je früher desto besser! Dem werde ich mit all meiner Macht entgegenwirken!


davon will ich dich bestimmt nicht abhalten. das einschulungsalter halte ich allerdings für einen nebenwiderspruch.
falls du den hauptwiderspruch beseitigen willst:

http://www.sozialismus.net

http://www.pda.ch

http://www.fauch.ch

da wir ja in einem christlichen forum sind, noch der link zu den christlichen genossInnen:

resos.ch (schade, ist eine url zu viel, ihr könnt den link ja auch copy-pasten.)


p.s. nicht das bewusstsein schafft das sein, sondern umgekehrt. das system erzeugt seine schule. wer eine andere will, muss etwas an den materiellen bedingungen (sprich dem eigentum an den produktionsmitteln) ändern. so, das war jetzt genug propaganda.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon bigbird » Di 7. Okt 2008, 13:35

Was hier völlig untergeht, ist das Ziel von HarmoS. Es wäre sicher sinnvoll, wenn ihr euch diesem widmen würdet, anstatt unserem Staat DDR-Machenschaften zu unterstellen!

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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Taube » Di 7. Okt 2008, 14:09

bigbird hat geschrieben:Was hier völlig untergeht, ist das Ziel von HarmoS. Es wäre sicher sinnvoll, wenn ihr euch diesem widmen würdet, anstatt unserem Staat DDR-Machenschaften zu unterstellen!

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Das alles gehört allerdings zusammen. Auch bei HarmoS muss gefragt werden, wie weit es nötig ist einerseits und nützlich ist andererseits, dass der Staat eingreift und die Schule regelt, Auch in der Schweiz und bei HarmoS geht es nicht nur primär um das Wohl der Kinder sondern auch, ich meine vor allem, um das Wohl der Schweiz, sprich das Wohl des schweizerischen Neoliberalismus. Die Wirtschaft will schneller gut ausgebildete Arbeitskräfte - und der Vergleich mit der DDR ist also nicht ganz so falsch.

Wie aber die verschiedenen Ziele, Wohl der Kinder gegenüber dem Wohl des schweizerischen Neoliberalismus und Einheitsstaates, ist aber hier umstritten. Hier sehe ich jetzt betr. HarmoS weniger Gefahren als andere, aber die Erfahrungen in der DDR, Vorteile und die Nachteile, sind doch auch hier relevant.

Gruss Taube
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Taube » Di 7. Okt 2008, 14:12

sugi hat geschrieben:Hallo Taube,
ich hoffe, es kam dir nicht rassistisch rüber.. ;)
ich mag nähmlich den Jungen, und wenn er mich sieht, dann wechselt er gern mit mir ein paar Worte..
...
Ich denke einfach, dass sich Schweizerkinder dass nicht "erlauben" könnten....

Nicht gerade rassistisch, aber ich fragte mich trotzdem, warum Du einen Unterschied zwischen Portugiesen und Schweizer siehst. Ist es vielleicht so, dass sich die einen ungehörige Rechte heausnehmen, oder hat diese portugiesische Familie nur ihr gutes Recht genommen? ...oder sind die Schweizer ein wenig überangepasst, dass sie es gar nicht wagen, an so was zu denken, weil es sich nicht gehört?

Gruss Taube
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Zorro » Di 7. Okt 2008, 14:19

bigbird hat geschrieben:Was hier völlig untergeht, ist das Ziel von HarmoS. Es wäre sicher sinnvoll, wenn ihr euch diesem widmen würdet, anstatt unserem Staat DDR-Machenschaften zu unterstellen!

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Das Ziel ist kein schlechtes. Eine Harmonisierung ist wünschenswert. Die Frage ist aber das WIE und daran scheiden sich hier offensichtlich die Geister.
Die Argumentation einiger Befürworter zielt in genau die Richtung der Vorgaben in der DDR, wie ich das dokumentiert habe. Natürlich sind wir davon noch entfernt, aber die Argumentation wäre auch bei noch jüngeren Kindern dieselbe.
Man kann ein noch so holdes Ziel haben, wenn der Weg aber der falsche ist, so nützt das Ziel nichts. Respektive wenn eine Harmonisierung erreicht wird, Familien aber gezwungen werden, ihre Kinder für zwei Jahre in den Kindergarten zu zwängen, dann ist dieses Ziel aus meiner Sicht nicht mehr zu rechtfertigen.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Zorro » Di 7. Okt 2008, 15:11

valdes hat geschrieben:p.s. nicht das bewusstsein schafft das sein, sondern umgekehrt. das system erzeugt seine schule. wer eine andere will, muss etwas an den materiellen bedingungen (sprich dem eigentum an den produktionsmitteln) ändern. so, das war jetzt genug propaganda.


Da kann man getrost verschiedener Meinung sein :D
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Di 7. Okt 2008, 15:27

ich hab auch nicht gedacht, dass du das gleich siehst. ;)
diese unterschiede in der weltanschauung erklären dann aber gut, warum man unterschiedlicher meinung über das einschulungsalter ist. heuschrecke z.b. geht davon aus, dass bildung und erziehung etwas an den materiellen verhältnissen ändern können. ich sehe das etwas anders, setze an einem anderen punkt an.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Marc.Jost » Mi 8. Okt 2008, 13:43

Worum es eigentlich geht (aus Berner Sicht)

"Am 21. Mai 2008 hat das Schweizer Stimmvolk den revidierten Bildungsartikel in der Bundesverfassung mit 86% sehr deutlich angenommen, der Kanton Bern sogar mit 92.9% Ja-Stimmen. Mit dem Konkordat setzen die 26 Kantone den Bildungsartikel der Bundesverfassung für die obligatorische Schule um und harmonisieren alle dort genannten Eckwerte (Schuleintrittsalter, Schulpflicht, Dauer und Ziele der Bildungsstufen und deren Übergänge). Am 8. September 2008 hat der Grosse Rat des Kantons Bern mit 121 zu 13 Stimmen beschlossen, dem HarmoS-Konkordat beizutreten.

Was bedeutet HarmoS für den Kanton Bern?
Die obligatorische Schulzeit beginnt im fünften Lebensjahr. Alle Kinder, die vor dem 1. August Geburtstag haben, werden eingeschult, das heisst, der zweijährige Kindergarten wird obligatorisch. Eine spätere Einschulung ist jedoch auf Antrag der Eltern unkompliziert möglich. Die Kantone sind frei, ob sie den Schuleintritt über einen zweijährigen Kindergarten, eine Grundstufe (drei Jahre) oder eine Basisstufe (vier Jahre) gestalten wollen (Basistufe: zwei Jahre Kindergarten und zwei Jahre Primarstufe zusammen im gleichen Klassenzimmer, also jahrgangsgemischt. Pro Klasse stehen 150 % Lehrpersonen zur Verfügung).
Die Verweildauer der Kinder in einer Schulstufe ist von der individuellen Entwicklung der Schülerin oder des Schülers abhängig. Kinder können früher lernen oder länger spielen, je nach Entwicklungsstand. Die Schulzeit dauert obligatorisch elf Jahre: Die Primarstufe, inklusive Vorschule oder Eingangsstufe, dauert acht Jahre. Die Sekundarstufe I schliesst an die Primarstufe an und dauert drei Jahre.
Die Bildungsziele und Inhalte werden gegenwärtig im neuen Deutschschweizer Lehrplan festgesetzt. Auch die Lehrmittel und Stundentafeln werden gemeinsam entwickelt. Es wird Tests geben zu den Bildungsstandards am Ende des heutigen 2., 6., und 9. Schuljahres. Diese sollen aufzeigen, wie die Bildungsziele erreicht werden. Bildungsziele, Lehrmittel und Bildungsstandards werden aufeinander abgestimmt.
Einige Forderungen aus dem Harmoskonkordat hat der Kanton Bern bereits umgesetzt oder beschlossen sie umzusetzen. Die Einführung von für den Kanton freiwilligen Tagesschulangeboten wurde mit der Volkschulgesetzrevision 2008 (VSG 08) verabschiedet und ab 1. August 2008 umgesetzt (weisen zehn Kinder in einer Gemeinde ein Bedürfnis an Tagesschulangeboten nach, muss die Gemeinde handeln).
Weiter wird ab 1. August 2009 die Einführung von Blockzeiten im Kanton Bern verbindlich umgesetzt (5 x 4 Lektionen morgens für alle Kinder). Der Grosse Rat hat auch bereits festgelegt,dass ab heutiger 3. Klasse die Kinder Französisch und ab 5. Klasse Englisch lernen. Ziel ist es, dass die Kinder am Ende der Schulzeit in beiden Sprachen über vergleichbare Kompetenzen verfügen. Die Lehrmittel werden aufeinander abgestimmt und zusammen mit den anderen Kantonen erstellt, die Französisch als erste Sprache wählen."
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Marc.Jost » Mi 8. Okt 2008, 13:47

Meine persönliche Haltung
Harmos ist für viele Eltern ein Wort der Verunsicherung geworden. Weshalb? Es wird in Verbindung gebracht mit zu früher „Einschulung“ und Verlust der Kindheit. Harmos beinhaltet mehr als den Zeitpunkt des Kindergartenstarts, aber ich nehme hier mal nur zum umstrittensten Punkt Stellung:
Eigentlich ändert sich für die meisten Kinder im Kanton Bern nicht viel: Schon heute besuchen mehr als zwei Drittel der Kinder freiwillig zwei Jahre den Kindergarten. In der Regel sind sie etwa fünfjährig, wenn sie beginnen. Harmos verschiebt das Stichdatum für den Start um drei Monate nach vorne, so dass beispielsweise unser Sohn, der anfangs Jahr vierjährig wird, mit 4 ½ Jahren in den Kindergarten gehen würde. Nach bestehendem Modell könnte er im genau gleichen Alter in den Kindergarten gehen, falls wir wünschen, dass er zwei Jahre geht. Finden wir, dass es zu früh für ihn ist, geht er ein Jahr später. Was ändert sich daran nach Harmos? Nichts. Der Eintritt in den Kindergarten wird auch mit Harmos flexibel bleiben. Sowohl der Grosse Rat als auch der Regierungsrat sind für eine flexible Lösung. Wenn wir als Eltern wünschen, dass unser Kind aufgrund des Entwicklungsstandes oder des langen Schulweges ein Jahr länger zu Hause bleibt, ist das möglich. Was ändert dann wirklich? Aufgrund des neu obligatorischen zweijährigen Kindergartens verlängert sich die obligatorische Schulzeit auf 11 Jahre. Hand aufs Herz: Das ist genau dieselbe Dauer, die ich in Kindergarten und Volksschule verbracht habe; und viele Altersgenossen teilten mein „Schicksal“. Dabei habe ich nicht den Eindruck, dass mich der Staat meinen Eltern entrissen hätte, auch wenn mein Schulweg eine halbe Stunde dauerte. Ich konnte jedoch früh lernen, in der Gruppe mit Kindern umzugehen. Bis heute habe ich das nie als Nachteil angesehen.

Gespannt auf Feedback! Bin mir bewusst, dass es in anderen Kantonen grössere Veränderungen mit sich bringen kann..
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon sugi » Mi 8. Okt 2008, 14:00

Hi Taube,

Taube hat geschrieben:Nicht gerade rassistisch, aber ich fragte mich trotzdem, warum Du einen Unterschied zwischen Portugiesen und Schweizer siehst.

weil die Schweizerkinder ja keinen Grund haben, für längere Zeit, eine (ihre) Familie im Ausland zu besuchen, weil ja alle im eigenen Land sind, das ist eigentlich schon alles.. ;)
Und dann frage ich mich schon, was es dann bringt "Jokertage" einzuführen und jetzt auch noch im Kindergarten..wenn sie trotzdem nicht eingehalten werden!


Nichts gegen irgendwer, das ist eigentlich schon alles :D




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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Zorro » Mi 8. Okt 2008, 14:41

Marc.Jost hat geschrieben: Finden wir, dass es zu früh für ihn ist, geht er ein Jahr später. Was ändert sich daran nach Harmos? Nichts. Der Eintritt in den Kindergarten wird auch mit Harmos flexibel bleiben. Sowohl der Grosse Rat als auch der Regierungsrat sind für eine flexible Lösung. Wenn wir als Eltern wünschen, dass unser Kind aufgrund des Entwicklungsstandes oder des langen Schulweges ein Jahr länger zu Hause bleibt, ist das möglich. Was ändert dann wirklich? Aufgrund des neu obligatorischen zweijährigen Kindergartens verlängert sich die obligatorische Schulzeit auf 11 Jahre. Hand aufs Herz: Das ist genau dieselbe Dauer, die ich in Kindergarten und Volksschule verbracht habe; und viele Altersgenossen teilten mein „Schicksal“. Dabei habe ich nicht den Eindruck, dass mich der Staat meinen Eltern entrissen hätte, auch wenn mein Schulweg eine halbe Stunde dauerte. Ich konnte jedoch früh lernen, in der Gruppe mit Kindern umzugehen. Bis heute habe ich das nie als Nachteil angesehen.

Gespannt auf Feedback! Bin mir bewusst, dass es in anderen Kantonen grössere Veränderungen mit sich bringen kann..


Hallo Marc; Ich kenne die Zustände in Bern nicht, dafür die in Zürich von Pilotgemeinden wie Volketswil: Dort müssen die Eltern von einem Kindergärtner ein Gesuch stellen, damit das Kind an eine Beerdigung kann. Tun sie das nicht, werden sie mit bis zu 500.-- gebüsst. Dies ist die Folge des Schulobligatoriums, welches eine härtere Gangart bereits im Kindergarten bringen wird. 3 Jokertage im Jahr müssen reichen, um Familienbedürfnisse abzudecken. Und wir sprechen nicht von der Schule, sondern vom Kindergarten!!!
Geschweige denn von Kantonen wie Luzern, wo der Stimmbürger mit wuchtiger Mehrheit Harmos bachab geschickt hat und die jetzige, freiwillige Regelung (nur 1 Jahr) beibehalten hat. Diese Stimmbürger würden überstimmt und müssten ihre Kinder abgeben, würde Harmos von mindestens 18 Kantonen eingeführt. Ein Gesuch um eine spätere Einschulung unterliegt bestimmten Kriterien, welche die Schulbehörde dann beurteilen wird. Die Eltern haben nur noch zu nicken.

Harmos hat wie geschrieben gute Absichten, aber leider mit den komplett falschen Mitteln.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Marc.Jost » Mi 8. Okt 2008, 15:40

Geschweige denn von Kantonen wie Luzern, wo der Stimmbürger mit wuchtiger Mehrheit Harmos bachab geschickt hat und die jetzige, freiwillige Regelung (nur 1 Jahr) beibehalten hat. Diese Stimmbürger würden überstimmt und müssten ihre Kinder abgeben, würde Harmos von mindestens 18 Kantonen eingeführt. Ein Gesuch um eine spätere Einschulung unterliegt bestimmten Kriterien, welche die Schulbehörde dann beurteilen wird. Die Eltern haben nur noch zu nicken.


Einfach zur Präzisierung: Harmos wird in jenen Kantonen eingeführt, wo eine Mehrheit der Stimmbürger dem Konkordat zustimmt, und dies erst dann, wenn mindestens 10 Kantone beigetreten sind. Luzerns Kinder werden also nach diesem ablehnenden Entscheid zu nichts gezwungen, weil sie nicht beigetreten sind.

Ich werde mich im Kanton Bern dafür einsetzen, dass die Eltern ihr Kind auf einfache Weise ein Jahr später in den Kindergarten schicken können.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Zorro » Mi 8. Okt 2008, 15:52

Marc.Jost hat geschrieben:Einfach zur Präzisierung: Harmos wird in jenen Kantonen eingeführt, wo eine Mehrheit der Stimmbürger dem Konkordat zustimmt, und dies erst dann, wenn mindestens 10 Kantone beigetreten sind. Luzerns Kinder werden also nach diesem ablehnenden Entscheid zu nichts gezwungen, weil sie nicht beigetreten sind.


Das ist leider nicht der Fall (Auszug):
HarmoS tritt in Kraft, wenn sich ihm zehn Kantone angeschlossen haben. Wenn 18 Kantone Ja zu HarmoS gesagt haben, kann der Bund dessen Einführung gesamtschweizerisch verfügen. Darum zählt jeder Kanton, der Harmos ablehnt.

Ich werde mich im Kanton Bern dafür einsetzen, dass die Eltern ihr Kind auf einfache Weise ein Jahr später in den Kindergarten schicken können.


Das ist erfreulich :D Ich hoffe das wird nicht nötig sein :ugeek:
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Pilgrim » Mi 8. Okt 2008, 20:16

Marc.Jost hat geschrieben:Ich werde mich im Kanton Bern dafür einsetzen, dass die Eltern ihr Kind auf einfache Weise ein Jahr später in den Kindergarten schicken können.

Und ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Eltern auf einfache Weise Heimschulung betreiben können!
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Mi 8. Okt 2008, 20:30

Pilgrim hat geschrieben:Und ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Eltern auf einfache Weise Heimschulung betreiben können!


wieso denn das? ist eine ernstgemeinte frage. ich halte so etwas für australien und sibirien, wo die schulwege lang sind für geeignet. aber wieso in der schweiz?
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Grasy » Mi 8. Okt 2008, 21:11

Marc.Jost hat geschrieben:Schon heute besuchen mehr als zwei Drittel der Kinder freiwillig zwei Jahre den Kindergarten. In der Regel sind sie etwa fünfjährig, wenn sie beginnen.


Dann versteh ich nicht wozu es obligatorisch werden soll? Funktioniert das restliche Drittel nicht richtig? Muss der Staat in die Familie eingreifen damit kleine Kinder dort landen wo sie sollen? Damit erzwingt man eine Gesellschaftsform. Ich sehe hier immer noch keinen plausiblen Grund, außer man will Gender-Mainstreaming forcieren, einen obligatorischen Kindergarten festzulegen. Ich war auch zwei Jahre im Kindergarten. Und jetzt? Sind alle wie ich? Kein Mensch ist gleich. Ich hab 5 Kinder und so wie es aussieht wird jedes mit 4 Jahren den Kindergarten besuchen. Ich halten den Kindergarten wirklich für eine gute Sache und die Person welche meine (kleinen Kinder) betreut(e) hat mein Vertrauen. Daß ich persönlich den Kindergarten gut finde ist aber nicht der springende Punkt. Wenn die freiwillige Basis entzogen wird dann wird die Basis zum Widerspruch geschwächt. Das sehe ich nicht ein. Die Schulbildung gibt es ja ohnehin.


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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Mi 8. Okt 2008, 22:06

mit der gleichen argumentation kannst du auch gleich die schulpflicht an sich in frage stellen. ich halte das nicht für sinnvoll. und ich halte es für sinnvoll, dass eine gewisse harmonisierung stattfindet. noch ein populistischer spruch: bildung soll nicht zum jekami werden!


p.s. den zusammenhang zwischen obligatorischem kindergarten und gender-mainstreaming muss mir erst noch erklärt werden.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Pilgrim » Mi 8. Okt 2008, 22:15

valdes hat geschrieben:
Pilgrim hat geschrieben:Und ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Eltern auf einfache Weise Heimschulung betreiben können!

wieso denn das? ist eine ernstgemeinte frage. ich halte so etwas für australien und sibirien, wo die schulwege lang sind für geeignet. aber wieso in der schweiz?

Wieso nicht, was ist dagegen auszusetzen ausser einem "kurzen" Schulweg?
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Mi 8. Okt 2008, 22:21

Pilgrim hat geschrieben:Wieso nicht?


belastung der familie. kein sozialer kontakt für die kinder ausserhalb des familiären umfelds. bildung nicht durch qulifiziertes fachpersonal.
aber wie gesagt, mit dem thema hab ich mich überhaupt nicht befasst, weil ich mir bisher nicht überlegt habe, dass jemand das überhaupt wollen könnte. deshalb interessieren mich ja die beweggründe. könnte ja sein, dass ich sie verstehen kann.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Grasy » Mi 8. Okt 2008, 23:30

valdes hat geschrieben:mit der gleichen argumentation kannst du auch gleich die schulpflicht an sich in frage stellen.


Oder daß sie in der Regel auch mal arbeiten müssen? Da sind sie aber älter. Auch wenn sie in die Schule müssen sind sie älter.


p.s. den zusammenhang zwischen obligatorischem kindergarten und gender-mainstreaming muss mir erst noch erklärt werden.


Das hat Zorro eigentlich schon angeschnitten - jedoch ohne es "gender-mainstreaming" zu nennen.


Mfg,
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Pilgrim » Mi 8. Okt 2008, 23:53

valdes hat geschrieben:belastung der familie

Was waere eine "belastung der familie" ?
kein sozialer kontakt für die kinder ausserhalb des familiären umfelds.

Das ist doch ein ausgezeichneter Grund die Kinder zu Hause zu unterrichten. Somit koennen wir Eltern sie ihre “Sozialisierung” auf positivem anstelle von negativem Fusse erfahren lassen. Durch Heimschulung werden die Kinder jedenfalls nicht Eremiten, wir haben lediglich die Freiheit die Aktivitaeten selbst auszusuchen um sicher zu sein, dass sie ein Segen und nicht ein Hindernis sind.
bildung nicht durch qulifiziertes fachpersonal.

Wie “qualifiziert” muss man denn sein? Immerhin existiert ja da draussen viel Material um unsere Kinder zu lehren und dabei selbst noch mit ihnen zu lernen!
aber wie gesagt, mit dem thema hab ich mich überhaupt nicht befasst, weil ich mir bisher nicht überlegt habe, dass jemand das überhaupt wollen könnte. deshalb interessieren mich ja die beweggründe. könnte ja sein, dass ich sie verstehen kann.

Oh, ganz sicher kannst du die Beweggruende verstehen, warum auch nicht ?
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Do 9. Okt 2008, 00:27

Grasy hat geschrieben:
p.s. den zusammenhang zwischen obligatorischem kindergarten und gender-mainstreaming muss mir erst noch erklärt werden.


Das hat Zorro eigentlich schon angeschnitten - jedoch ohne es "gender-mainstreaming" zu nennen.


meinst du das mit der gleichberechtigung der frauen in der ddr? falls ja: was hat das mit gender-mainstreaming zu tun?
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Do 9. Okt 2008, 00:29

Pilgrim hat geschrieben:Oh, ganz sicher kannst du die Beweggruende verstehen, warum auch nicht ?


wenn du mir denn einen nenn würdest - vielleicht.
die abschottung vor der gesellschaft kann's ja nicht alleine sein. den kann ich nämlich nicht verstehen.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon valdes » Do 9. Okt 2008, 00:36

Grasy hat geschrieben:
Oder daß sie in der Regel auch mal arbeiten müssen? Da sind sie aber älter. Auch wenn sie in die Schule müssen sind sie älter.


nur weil die kinder älter sind, ist es kein eingriff in die persönliche freiheit mehr? einen staatlich durchgesetzten zwang auf arbeit gibt es in der schweiz übrigens nicht. das kannst du nicht mit der schulpflicht (zu der grundsätzlich auch der kindergarten gehört) vergleichen.

versteh mich bitte nicht falsch: ich finde die schulpflicht eine grosse errungenschaft der liberalen gesellschaft. über das richtige einschulungsalter kann man durchaus geteilter meinung sein. daran eine grundsatzdebatte aufzuhängen, find ich aber etwas übertrieben.
was meiner meinung nach bei aller freiheit der schulwahl etc. nicht geht, ist dass nicht alle kinder gleich lange die volksschule besuchen müssen. denkt man das zu ende, kommen plötzlich eltern, die finden meine kinder brauchen nach der primarschule nicht mehr zur schule zu gehen, die sollen im haushalt helfen.
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Re: Einschulung bereits mit vier Jahren

Beitragvon Pilgrim » Do 9. Okt 2008, 00:53

valdes hat geschrieben:
Pilgrim hat geschrieben:Oh, ganz sicher kannst du die Beweggruende verstehen, warum auch nicht ?

wenn du mir denn einen nenn würdest - vielleicht.
die abschottung vor der gesellschaft kann's ja nicht alleine sein. den kann ich nämlich nicht verstehen.

Was ist denn schon mit den zwei von mir "verteidigten" Gruenden? Es gibt ja auch keine "Abschottung vor der Gesellschaft", lediglich Lenkung. Ich sehe weithin keinen Grund gegen Heimschulung!
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