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Gute Antworten auf die meisten Fragen

Beitragvon Faith » Sa 10. Apr 2004, 17:59

Einwände gegen DIE PASSION CHRISTI:
Ist es wahr, wie es war?
Der theologische Berater des Films gibt Antwort

(GEFUNDEN AUF http://www.youmagazin.com)


© Constantin

Im folgenden Interview mit dem „National Catholic Register“ sprach P. Thomas Williams LC, theologischer Berater von Mel Gibsons Film “The Passion of the Christ”, über die historischen und theologischen Aspekte des Films.

NCR: Ist es wahr, wie manche Bibelforscher und Medien-Gelehrte behaupten, dass „The Passion of the Christ“ voller historischer und theologischer Irrtümer ist?

P. Williams: Gibsons Film wurde einer beispiellosen, noch nie da gewesenen Prüfung unterzogen, um mögliche Fehler in seiner Darstellung des Leidens und Todes Christi zu finden. Das war zu erwarten, wenn man die Bedeutung des Themas ermisst. Trotz dieser Anstrengungen grenzen die kleinlichen Haarspaltereien vieler seiner Kritiker an den Rand der Lächerlichkeit. Beschwerden über die verwendeten Sprachen, die Höhe des Kreuzes, die Haarlänge Jesu, die Größe der Menschenmenge vor Pilatus im Prätorium und die Platzierung der Nägel in den Händen Jesu scheinen merkwürdig trivial angesichts der größeren Botschaft des Films.

Viele dieser Details kennen wir einfach nicht und wir können sie auch nicht mit absolut historischer Sicherheit wissen. In derartig unklaren Fällen sind unterschiedliche Interpretationen gerechtfertigt. Tatsache ist, dass die einzige Quelle für die meisten dieser Themen die Erzählungen der Evangelien selbst sind. Wir haben keine Fotos von Jesus, keine zeitgenössische Biographie von Pontius Pilatus und keine expliziten Aufzeichnungen vom Prozess Jesu außerhalb der Evangelien.

Andere Theorien darüber, wie sich die Dinge zugetragen haben könnten, öffnen interessante Wege für die Spekulation, verlangen jedoch keine intellektuelle Zustimmung.

Wenn man einige kategorische Behauptungen liest, wie die Dinge gelaufen sein müssen, würde man denken, die Gelehrten hätten umwerfendes historisches Datenmaterial enthüllt, was Jesu Tod begrifft. Wenn man jedoch unter die Oberfläche schaut, erkennt man, dass einige exegetische Hypothesen auf überraschend spärlichen Textquellen beruhen sowie einem großen Anteil an Vermutungen.



NCR: Könnten Sie einige Beispiele geben? Wie schaut es mit der Platzierung der Nägel bei der Kreuzigung aus? Wurden sie nicht in Wirklichkeit in die Handgelenke geschlagen?

P. Williams: Gibson hat nicht einfach aus der Hüfte heraus geschossen, sondern diese Frage eingehend erforscht, ehe er sich entschied, die Handflächen zu nehmen. Viele Forscher denken heute, dass die Nägel durch die Handgelenke Jesu getrieben wurden und nicht durch die Handflächen, hauptsächlich deswegen, weil das Gewicht des menschlichen Körpers nicht von den Händen getragen werden kann.

Das Turiner Grabtuch verleiht dieser Hypothese Glaubwürdigkeit, da es rund um die Handgelenke Blutspuren aufweist. Andererseits erklärt Thomas im Johannes-Evangelium, dass er nicht glaubt, wenn er nicht die Male der Nägel „an seinen Händen“ sieht; Jesus lädt ihn dann ein, seine Hände zu untersuchen. Wie auch immer, es bleibt eine gewisse Unklarheit, da das griechische Wort auch in einem allgemeinen Sinn verwendet werden kann, um sogar die Hand und den Arm zusammen zu benennen.

Im Lauf der Geschichte haben Stigmatisierte wie Franz von Assisi oder Padre Pio die Wunden Christi auf ihren Handflächen getragen, und die traditionelle christliche Ikonographie platziert fast immer die Nägel auf den Handflächen und nicht auf den Handgelenken Jesu.

Ein menschlicher Körper könnte außerdem von den Nägeln in den Handflächen getragen werden, wenn sie zusammen mit Seilen verwendet werden. Angesichts dieser unvollständigen Daten hat sich Gibson dafür entschieden, dass die Nägel die Handflächen Jesu und nicht die Handgelenke durchbohren.





NCR: Und die Größe der Menschenmenge im Pätorium vor Pilatus? Einige Theologen haben festgestellt, dass nur eine Handvoll Leute da war und nicht die Menge, die Gibson zeigt.

P. Williams: Wiederum: Niemand weiß mit Sicherheit, wie viele Leute anwesend waren. Das einzige, worauf wir uns beziehen können, sind die Berichte der Evangelien. Der heilige Matthäus spricht von „vielen Menschen“ oder einer „Menge“; er verwendet hier das gleiche griechische Wort, das er anderswo nimmt, um die Menge zu beschrieben, die gekommen war, um Jesu Lehre zu hören oder zur Speisung der 4000 Menschen (Mt 15). Dieser Begriff ist vage genug, dass viel Platz für Interpretationen bleibt.

Matthäus spricht auch von einem Aufruhr, der im Prätorium begann, was vermittelt, dass es eine recht beachtliche Versammlung gewesen sein muss, da 20 oder 30 Leute kaum einen Aufruhr verursachen können. Die anderen synoptischen Evangelien, Markus und Lukas, sprechen ähnlich wie Matthäus von einer „Menge“. Sie verwenden den gleichen griechischen Begriff, während Johannes nur von „den Juden“ spricht, ohne detailliertes Zahlenmaterial zu geben. Gibsons Schilderung scheint eine plausible Darstellung von dem zu sein, was tatsächlich passiert ist.





NCR: Ist es nicht unfair und unwissenschaftlich, wahllos Fakten aus den vier Evangelien herauszugreifen?

P. Williams: Wenn man ein einziges bildhaftes Porträt eines historischen Ereignisses darstellt, muss man sich der besten Quellen bedienen, die man hat. In diesem Fall sind das die vier Evangelienberichte. Christen glauben, dass die vier Evangelien miteinander ein gutes Bild davon vermitteln, was tatsächlich passiert ist. Aus diesen vier Texten kann man ein recht gutes vollständiges Bild der letzten Stunden Jesu skizzieren.

Gibson beabsichtigte außerdem nicht, eine Dokumentation über das Leiden und den Tod Christi zu machen, sondern vielmehr eine künstlerische Interpretation dieser Ereignisse, die auf historischen Fakten basiert, aber ihren spirituellen und theologischen Wert reflektiert. Er hat wiederholt bestätigt, dass „The Passion of the Christ“ seine persönliche Sicht der Passion reflektiert und nicht die einzig mögliche Sicht.

Was Mel hier tut, ist nichts Neues. Diese Vermischung von Elementen aus verschiedenen Evangelien hat eine lange Tradition. Die fromme Praxis, die „sieben letzten Worte“ Jesu am Kreuz zu meditieren, führt die unterschiedlichen Äußerungen Jesu am Kreuz aus den verschiedenen Berichten der Evangelien in eine einzige Meditation zusammen.

Die jahrhunderte alte geistliche Übung, die Kreuzwegstationen nachzugehen, zeigt ebenso den Gläubigen unterschiedliche Szenen aus den vier Evangelien sowie auch aus außerbiblischen Quellen. Das ist zum Beispiel beim Schweißtuch der Veronika so und auch beim Fall Jesu auf der Via Dolorosa, was Mel auch in den Film aufgenommen hat.





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2. Teil: Gute Antworten auf die meisten Fragen

Beitragvon Faith » Sa 10. Apr 2004, 18:00

NCR: Aber ist es nicht der Stand der modernen Forschung, dass die Passion und der Tod Jesu nicht so passiert sind, wie sie die Evangelien porträtieren? Ein Autor im „Boston Globe“ meint zum Beispiel, dass „Gelehrte nun fast einhellig erklären, dass der Tod Jesu nicht so passierte, wie es die Erzählungen von der Leidensgeschichte schildern“. Auch in der „Baltimore Sun“ wurde kürzlich auf diesen Punkt hingewiesen.

P. Williams: Wir müssen vorsichtig sein, wenn wir uns auf die moderne Forschung beziehen, so als ob es ein monolithischer Block wäre oder alle Forscher in perfekter Übereinstimmung wären. Es existieren viele Denkrichtungen zu diesem Thema und zu zahllosen anderen Fragen zur Schrift. Keine Theorie gebietet absolute Ergebenheit.

Während also Theorien existieren, die bestimmte Aspekte der Evangelienberichte über Jesu Tod in Frage stellen, könnte man zahlreiche konträre exegetische Studien zitieren, welche die Historizität der Berichte der Evangelien vom Prozess und Leiden Jesu bestätigen.

Unter den englischsprachigen Arbeiten könnte man N. T. Wrights „Jesus and the Victory of God“ erwähnen, B.F. Meyers „The Aims of Jesus“ und R. Browns „The Death of the Messiah“. Ziemlich hilfreich ist außerdem eine ältere Studie von dem angesehenen kritischen Forscher D. R. Catchpole, „The Problem of the Historicity of the Sanhedrin Trial“ (erschienen in: E. Bammel (Hg.), The Trial of Jesus: Festschrift für CFD Moule, 1970).

Für ihren Teil hat die katholische Kirche kraft ihrer Autorität ihren eigenen unermüdlichen Glauben an die Historizität der Evangelien in der Konzilskonstitution „Dei Verbum“ klar gemacht. Hier lesen wir: „Unsere heilige Mutter, die Kirche, hat entschieden und unentwegt daran festgehalten und hält daran fest, dass die vier genannten Evangelien, deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht, zuverlässig überliefern, was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen zu deren ewigem Heil wirklich getan und gelehrt hat bis zu dem Tag, da er aufgenommen wurde.“ (DV 19)

Außerdem gibt es keine alten Texte, die die grundlegenden Fakten der Erzählungen der Leidensgeschichte in Frage stellen.

Die moderne Forschung bringt wichtige Studien und Theorien hervor, um die Heilige Schrift besser zu verstehen, aber diese Ergebnisse sind kaum gewichtiger als der kanonische Text selbst. Und ich sage das nicht nur hinsichtlich des christlichen Glaubens und der Theologie, sondern spreche von den historischen Texten. Wir haben einfach keine besseren historischen Quellen für das, was sich im Leben und Leiden Jesu abgespielt hat, als die vier Erzählungen in den Evangelien. Eine gute biblische Exegese hat immer den kanonischen Text als Referenzpunkt; das war es, was Gibson angestrebt hat.





NCR: Was ist mit dem Bericht der „Associated Press“ vom 26. Februar, wo es heißt, dass Gibson die revidierte Lehre des 2. Vatikanischen Konzils bezüglich der jüdischen Kollektivschuld am Tod Christi zurückweist?

P. Williams: Diese Beschuldigung ist zumindest in zweierlei Hinsicht nicht richtig. Erstens haben sich die Konzilsväter des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht als diejenigen gesehen, die frühere Lehren über diese Frage revidieren. Das Konzil hat die traditionelle katholische Lehre kategorisch bekräftigt, dass alle Sünden der Menschheit, und die Sünden der Christen im Besonderen, verantwortlich für den Tod Christi sind, wie es unter anderem im Katechismus des Konzils von Trient (16. Jh.) festgestellt wurde.

Im Konzilsdokument „Nostra Aetate“ wird festgestellt: „Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.“ (Nostra Aetate 4)

Zweitens nimmt Gibson diese Lehre aus ganzem Herzen an, und er hat wiederholt seinen Glauben bekundet, dass die Sünden der ganzen Menschheit für das Leiden und den Tod Christi verantwortlich sind, seine eigenen an erster Stelle. Er hat sogar entschieden, sich dabei filmen zu lassen, während er den Nagel hält, der in die Hand Jesu geschlagen wird, als Erinnerung an seine persönliche Mitschuld am Leiden Jesu. Der Film reflektiert diese Lehre und macht eine klare Unterscheidung zwischen den Einzelnen, die auf Jesu Tod drängten, und dem jüdischen Volk als Ganzem.





NCR: Dennoch hält ein Essay in der „New York Times“ vom 28. Februar fest, dass Gibsons Film die Juden ohne Unterschied als blutrünstigen Mob porträtiert. Die Römer sind auch bösartig gezeichnet, stellt der Artikel fest, aber während die brutalen Römer Claudia und Pilatus als sympathische Gegenspieler haben, „gibt es kein Gegengewicht zur Porträtierung der Juden“. Ist das der Fall?

P. Williams: Im Gegenteil. Mit wenigen Ausnahmen kommen die Römer als grausam und gewaltsam herüber, während Mel sorgfältig bemüht war, die Juden viel nuancierter darzustellen. Er baut Gegenstimmen beim Prozess am Sanhedrin ein, welche die Prozedur als Farce anprangern. Diese Stimmen korrespondieren mit den Personen des Josef von Arimatäa und Nikodemus aus den Evangelien, zwei Jüngern Jesu unter den jüdischen Führern.

Gibson zeigt eine Anzahl von jüdischen Frauen, die entlang des Kreuzwegs um Jesus weinen, wie es auch die biblischen Erzählungen berichten. Die jüdische Figur des Simon von Zyrene, anfangs beschrieben als jener Mann, der Jesus hilft das Kreuz zu tragen, tut dies freiwillig und verteidigt Jesus vor den römischen Soldaten. Sein Simon, ein sehr sympathischer Charakter, wird von einem der Soldaten als „Jude“ beschimpft, und bezeugt die römische Verachtung für alles Jüdische, es ruft beim Zuseher Empathie für den Zyrenäer hervor.

Die Jüdin Veronika bietet Jesus einen Becher Wasser an und gibt ihm ein Tuch, um sein blutiges Gesicht zu trocknen. Bei all dem ist noch gar nicht erwähnt, dass auch alle Jünger Jesu Juden waren.

Vergleicht man die Evangelienberichte mit Gibsons Darstellung, findet man eine sehr getreue Übereinstimmung, mehr als in jeder anderen filmischen Darstellung des Lebens Jesu, die es bislang gibt. Wenn Gibson etwas getan hat, dann nur, dass er die Dinge zugunsten der Juden dargestellt hat und die Schilderung von den „Juden“ als Gegner Christi in den Evangelien abgeschwächt hat.

Niemand kann mit dem Gefühl aus dem Film gehen, es werde hier die Botschaft einer jüdischen Kollektivschuld am Tod Jesu verbreitet. Das bestätigen die empirischen Ergebnisse, da Zuseher immer wieder davon berichten, dass sie sich ihrer persönlichen Verantwortung für den Tod Christi viel bewusster seien, nachdem sie den Film gesehen hatten.





NCR: Aber was ist mit Gibsons Entscheidung, nur die Passion Christi zu zeigen, ohne sie in einen größeren Kontext seines Lebens und seiner Lehre zu stellen?

P. Williams: Inmitten des berechtigten Händeringens über die Neigung Hollywoods, die Hässlichkeit und das Böse zu verherrlichen, hat Gibson Jesus Christus in dem Moment seines höchsten Opfers aus Liebe gezeigt. Überraschenderweise hat es Gibson geschafft, die innere Schönheit Christ herauszuarbeiten, sogar im Augenblick der Schmach, ohne „schöne und edle Gestalt, dass wir Gefallen fanden an ihm“. (Jes 53)

P. Thomas Williams LC ist Dekan der theologischen Fakultät an der Päpstlichen Hochschule Regina Apostolorum in Rom und war ein theologischer Berater von Mel Gibsons Film “The Passion of the Christ”.

Quelle: ZENIT, ZG04031806
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Beitragvon Stephano » Do 15. Apr 2004, 16:04

Eins muss man Herrn Williams lassen: Er hat einen sehr netten und zurückhaltenden Interviewer erwischt.
Wenn man da einen SPIEGEL-Reporter ran gelassen hätte, hätte er anders um Antworten gerungen, vermute ich.
Wahrscheinlich hätte er auch dann welche gehabt.
Aber der Interviewer ist sehr rücksichtsvoll. :)
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Die beste Stellungnahme ....,

Beitragvon toffil » Fr 16. Apr 2004, 13:26

... die ich zu diesem Film bisher gelesen habe.

Perfekt auf den Punkt gebracht. Absolut perfekt!
Der Zweck der Diplomatie ist die Verlängerung von Krisen!
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