Meine Gedanken nach dem Kino

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Re: Meine Gedanken nach dem Kino

Beitragvon toffil » Mi 27. Okt 2004, 11:45

Original von Laubfrosch
Original von toffil
Die Glaubwürdigkeit des Films anzweifeln? Das geht doch nirgendwo leichter als bei genau diesem Film: Einfach Bibel lesen.


Ich war wahrscheinlich etwas missverständlich. Es geht mir nicht darum den Inhalt (Was wird dargestellt?) anzuzweifeln, sondern die Art und Weise (Wie ist es dargestellt?), wie der Regisseur damit umgeht, und meiner Meinung nach hat er sein Ziel völlig verfehlt. Beruflich bin ich tagtäglich damit konfrontiert, wie ich mit einem Text umgehen soll - ein wichtiger Punkt bei einer Interpretation ist die Nähe am Urtext. Das ist dieselbe Problematik wie wenn ich die heilige Schrift interpretiere.
Das Wichtige dabei ist für mich, bei der Auslegung möglichst sachlich vorzugehen, um den Urtext nicht durch Hochglanz oder Effekte zu verschleiern. Ich denke, es liegt am Zeitgeist, dass im Kino (und nicht nur dort) die Geschichten, die es erzählt, durch computerisierte Effekte, romantisierende Musik und Gewaltverherrlichung (sprich: Action) aufgemotzt werden. Die Oberflächlichkeit der Spassgesellschaft, die nur noch auf ihre Emotionen und Intuitionen bedacht ist, badet sich nur noch im Rausch des Konsums. Für mich ist es dem Film nicht gelungen, dem Konsumenten die frohe und die schlechte (ja, die gibt es auch!) Botschaft zu vermitteln, weil er total auf dieser oberflächlichen Art des Hollywoodkinos aufbaut. Dass Mel Gibson auf dieser Welle reitet, und die Geschichte unseres Heilands für seine Zwecke missbraucht, macht mich wütend und traurig. Ich werde in Zukunft keine Jesus-Filme mehr anschauen, weil meine Begegnung mit Jesus durch das Lesen der Evangelien viel intensiver ist, als wenn ich es von einem Bilderrausch vorgekaut bekomme.
Das war jetzt meine letzte Äusserung zu diesem Thread...

Im Gegensatz zu Faith finde ich diesen Beitrag nicht hochmütig, sondern gut nachvollziehbar.

Es kann gut sein, dass ein Quentchen zuviel Hollywood anstatt so etwas wie geistlicher Tiefe (komisches Wort) drin war.

Wo ich Dir völlig rechtgebe, ist die Sachlichkeit dahingehend, dass ich streng darauf geachtet hätte, nur Dinge zu zeigen (vielleicht abgesehen vom Teufel), welche auch genauso in der Bibel stehen. Denn wie gesehen, macht einen der kleinste Fehler, die simpelste Hinzufügung, angreifbar, weil die Menschen sich nicht mit der eigentlichen Botschaft auseinandersetzen wollen und deshalb Dinge suchen, woran sie herumkritteln können.

Obwohl es angesichts des Ereignisses, welches stattgefunden hat, nicht der Mühe wert ist, über eine Krähe, die Gibson hineingenommen hat, auch nur nachzudenken.
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Re: Meine Gedanken nach dem Kino

Beitragvon Laubfrosch » Do 28. Okt 2004, 23:23

Entgegen meiner Ankündigung möchte ich doch noch einen Kommentar anfügen. Der Hinweis von toffil hat mich dazu gebracht, nochmals darüber nachzudenken, warum ich auf den Film so negativ reagiert habe. Ich glaube, es liegt daran, dass Gibson das Fleischliche an der Passion derart betont. Vielleicht wehre ich mich darum - bewusst oder unbewusst - gegen seine Darstellung von Jesus. Vielleicht hat der Film spiegelbildlich meine Sündhaftigkeit wiedergegeben, gegen die ich mich auflehne.

Trotzdem halte ich die Verfilmung nach wie vor für problematisch. Einerseits ist das Bilderverbot im AT (das NICHT durch das NT aufgehoben wird; vgl. Joh: 1, 14) massgebend für mich. Andererseits finde ich, dass der Film - wie bereits beschrieben - mit unreinen, dekadenten Mitteln gestaltet wird. Manchmal hatte ich tatsächlich das Gefühl, dass Gibson eher für Satan Partei ergreift, so prominent wie er vertreten ist. Aber daran ist, wie eingangs erwähnt, wohl mein eigener Gemütszustand schuld, da ich das Geistliche im Film gesucht und nicht gefunden habe. Dass während der Dreharbeiten angeblich Wunder passiert seien, ist für mich jedoch Teil der unlauteren Marketingstrategie der Hollywood-Maschinerie. Ich nehme aber zurück, wenn ich in meinem ersten Beitrag nicht verstehen konnte, dass der Film für gewisse unter euch zu tieferen Erfahrungen mit Christus beigetragen hat.

Zu Faith kann ich eigentlich nur sagen: Wenn du Paulus zitierst, so bitte ich Dich auch 2.Tim: 2, 24-26 zu bedenken.
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Re: Meine Gedanken nach dem Kino

Beitragvon toffil » So 31. Okt 2004, 15:40

Wenn es stimmt, dass Mel Gibson einer sehr konservativen christlichen Gruppierung angehört, kann ich die Art, diesen Film zu machen, nachvollziehen.

Im sogenannten konservativen christlichen Lager wird immer noch mehr mit Sünde, Schuld und Strafe etc. argumentiert und auch evangelisiert, während andere Gruppen die Liebe in den Vordergrund stellen.

Beides ist nicht von vornherein falsch, beide Lager (Läger?) gehen oftmals zu weit.

Es kommt auf einen Mix an, denn das Evangelium ist sowohl Froh- als auch Drohbotschaft. Letzteres wird von den liberalen Christen gerne abgestritten, aber wer die Bibel einigermaßen aufmerksam liest, kommt daran eigentlich nicht vorbei.

Und bei Gibson könnte ich mir vorstellen, dass er sich gesagt hat, nachdem mit den bisherigen Mitteln die Leute nicht mehr hinter dem Ofen hervorzulocken sind, werde ich sie jetzt mal etwas unsanfter aufwecken. So könnte der Film etwa entstanden sein.
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Re: Meine Gedanken nach dem Kino

Beitragvon Enggi » So 31. Okt 2004, 17:15

Nach meiner Meinung war das Motiv von Mel Gibson für seinen Film ein religiöses. Er fühlte in sich den Auftrag, einen Film über Jesus zu drehen und sein katholischer Glaube unterstützte ihn in dieser Absicht.

Die Bestätigung erfolgte ja dann auch umgehend durch den Vatikan, der sich mit dem Film solidarisierte.

Hollywood-Mätzchen hin oder her, der Film ist das krönende Lebenswerk Mel Gibsons. Wir können nur beten, dass er eines Tages noch wiedergeboren wird. Dann macht er vielleicht noch einen evangelistischen Film.

Oder er schreibt ein Buch über seine Bekehrung.
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Re: Meine Gedanken nach dem Kino

Beitragvon toffil » Mo 1. Nov 2004, 10:47

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Wir können nur beten, dass er eines Tages noch wiedergeboren wird. Dann macht er vielleicht noch einen evangelistischen Film.

Oder er schreibt ein Buch über seine Bekehrung.

Heißt das für Dich, Mel Gibson ist auf dem Weg in die Hölle, weil er katholisch ist?
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Re: Meine Gedanken nach dem Kino

Beitragvon Enggi » Do 4. Nov 2004, 23:04

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Wir können nur beten, dass er eines Tages noch wiedergeboren wird. Dann macht er vielleicht noch einen evangelistischen Film.

Oder er schreibt ein Buch über seine Bekehrung.
Heißt das für Dich, Mel Gibson ist auf dem Weg in die Hölle, weil er katholisch ist?
Ich habe das vielleicht ein wenig krass oder ungenau formuliert mit dem wiedergeboren werden. Ich nehme an, Mel Gibson habe eine Beziehung zu Jesus, welche ihn dazu inspirierte, den Film zu machen. Aus meiner Sicht ist diese Beziehung einfach durch katholische Tradition getrübt. Eine Erweckung durch den heiligen Geist könnte Mel Gibson dazu bringen, religiösen Ballast und Aberglauben abzuwerfen. Dann wäre er frei, einen besseren Film zu machen.
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