Die Benedikt-Option, schon jemand gelesen?

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Die Benedikt-Option, schon jemand gelesen?

Beitragvon eddy » Di 13. Nov 2018, 17:28

Bin in einer Buchbesprechung von Kirche in Not auf diesen amerik. Bestseller dieses Jahres aufmerksam geworden, Die Benedikt-Option. Das Kernthema ist wohl eine lebendige christliche Gegenkultur zum verweltlichten Zeitgeist.
Schon jemand gelesen?
https://www.youtube.com/watch?v=7P5CAZ7mlVE
https://www.youtube.com/watch?v=w5jk3oCpoxc
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Re: Die Benedikt-Option, schon jemand gelesen?

Beitragvon Columba » Di 13. Nov 2018, 19:34

Mir persönlich steht das Bild der Gemeinde als Sendung näher als die Gemeinde der Sammlung und des Hortes. Deshalb kann ich mit der Benedikt-Option nicht so viel anfangen. Mir sagt darum z. B. die Bewegung Fresh Expressions, die von der anglikanischen Kirche ausgegangen ist, mehr zu.


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Re: Die Benedikt-Option, schon jemand gelesen?

Beitragvon eddy » Mo 11. Mär 2019, 11:23

Bin gerade am lesen... aber seltsam, dass dieses Buch im deutschsprachigen Internet gar nicht diskutiert wird...
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Re: Die Benedikt-Option, schon jemand gelesen?

Beitragvon Columba » Mo 11. Mär 2019, 16:44

Ich verstehe es, dass dieses Buch hier nicht der Hit ist.

Es ist der Versuch, konservative Werte, die schon lange bachab gegangen sind, zu retten mit genau denjenigen Werten, die versagt haben. Wenn Rod Dreher auf die Bruderhof-Bewegung hinweist, scheint es zwar heute auf den ersten Blick revolutionär zu sein, so wie die ersten christlichen Gemeinden zu sein mit Gütergemeinschaft, etc. Trotzdem verkörpern diese Bruderhöfe nicht das Christentum sondern z.B. in Bezug auf die Familie das verklärte Familieidyll der Romantik. Rod Dreher will konservativ bleiben, das heisst aber auch, dass der Konservatismus ihm näher bleibt als die christlich-biblische Lehre in dieser Welt. Die Anbiederung an das othodoxe Judentum zeigt da auf.

Eigentlich ist Rod Drehers Ideal nicht neu, es wird schon verwirklicht bei den Amischen. Dass es dort gar nicht so gut geht, weiss man unterdessen auch. Christliche Freiheit sieht anders aus.



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Re: Die Benedikt-Option, schon jemand gelesen?

Beitragvon eddy » Mo 11. Mär 2019, 19:45

Hallo Columba,

kurz zu den von Dir erwähnten "authentischen" Gemeinschaften: das Beispiel der Amischen passt hier eher nicht, das sind doch radikale Technologieverweigerer... Aber auf die von Dir erwähnten Bruderhöfe bin ich dadurch aufmerksam geworden. Find ich irgendwie richtig interessant! Es gibt auf youtube eine wie ich finde sehr gute Doku von 2018 über die ähnlichen Hutterer in Kanada (https://www.youtube.com/watch?v=mFd1OePAEUM).
Wirkt aber sehr bieder, wogegen der Eindruck eines dt. Bruderhofes erstmal gar nicht so blass erscheint (hier ein Bericht von jungen Besuchern: https://radikal-anders-leben.jimdofree.com)
Für eine abschließende Bewertung muss ich aber noch fertiglesen... :-)

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Re: Die Benedikt-Option, schon jemand gelesen?

Beitragvon Columba » Mi 13. Mär 2019, 15:18

Doch ich glaube schon, dass die Amischen ein Beispiel sind, er geht dort ums Leben und Arbeiten in einer gemeinschaftlichen Form, ausgerichtet auf die christliche Lebensart der ersten Gemeinden. Dass die Amischen technologiefeindlich sind, ist sekundärer Natur. Die ist zwar für uns Aussenstehende das Interesannteste und Sichbarste, aber wesendlich sind die anderen Dinge.


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Re: Die Benedikt-Option, schon jemand gelesen?

Beitragvon eddy » Mi 13. Mär 2019, 16:56

Für mich ginge es in der Umsetzung v.a. um die Frage: was ist radikal und was konsequent.
Bisher habe ich persönlich bei Rod Dreher noch keine radikalen Forderungen gefunden. Nur unzureichende Erklärungen für das von ihm geforderte Konsequente...
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Re: Die Benedikt-Option, schon jemand gelesen?

Beitragvon Columba » Mi 13. Mär 2019, 17:20

Dein letzter Satz bringt es auf den Punkt. Genau das meine ich, wenn ich ihm vorwerfe, das Konservative mit Konservativem retten zu wollen.

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Re: Die Benedikt-Option, schon jemand gelesen?

Beitragvon eddy » Mi 13. Mär 2019, 23:00

Was übertrieben ist, dass er anscheinend nicht will, dass Homo-Ehen gesellschaftliche Akzeptanz erfahren.
Warum dieses Thema im religiösen Kontext ein solches Gewicht haben soll kann ich nicht nachvollziehen, und auch Dreher hilft mir da nicht weiter.

Sehr treffend finde ich auf Seite 323:
"Der Tod einer Kultur beginnt damit, dass ihre normsetzenden Institutionen es nicht mehr schaffen, Ideale so zu kommunizieren, dass sie innerlich verpflichtend bleiben."

Genau das ist das Problem der Kirche an sich! Aber auch die "Benedikt-Option" hilft mir da nicht sehr viel weiter. Vielleicht weiß ich intuitiv, dass die traditionelle Richtung eigentlich gut und richtig ist, dass zB "sexuelle Disziplin ein wichtiger Teil des christlichen Lebens ist", aber nirgends wird genau erklärt, warum das so ist... So kommt man zB gegen die moderne sexuelle Freizügigkeit nicht an. Und ich glaube auch nicht, dass es in Amerika da soviel anders ist als zB in Deutschland.

Dreher dagegen meint: "Junge Leute wird man nicht mit Argumenten von der christl. Keuschheit überzeugen oder mit moralistischen Maximen einschüchtern. Schönheit und Güte, verkörpert in großer Kunst und Literatur wie auch im Leben einfacher Christen, verheirateter wie alleinstehender, sind das einzige, was wirklich überzeugen kann."
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Re: Die Benedikt-Option, schon jemand gelesen?

Beitragvon eddy » Fr 15. Mär 2019, 10:37

Ein paar weitere Zitate:

"Unsere Berufung ist es nicht, isoliert lebende Materialisten zu sein, die keinen Kontakt zu ihren Nachbarn haben, dafür aber Besitztümer in ihren Schlössern anhäufen."

Und weil ständig gesagt wurde, Dreher plädiere für eine Abschottung:
"Ja, wir müssen eine Gegenkultur bilden, aber nein, das heißt nicht, vor dem Rest der Gesellschaft wegzulaufen. Wir müssen ein Zeichen des Widerspruchs sein, aber gleichzeitig müssen wir auch mit dieser Gesellschaft interagieren..."
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