Abstrakte Kunst in der Kirche: Ein Absturz ohnegleichen

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Abstrakte Kunst in der Kirche: Ein Absturz ohnegleichen

Beitragvon beatus » Di 20. Aug 2002, 10:22

Was ist deine Meinung zu dieser sogenannt abgestürtzten Kunst?

Bild München. Als “Absturz ohnegleichen” bezeichnet der evangelische Theologe Wilhelm Horkel (München) den zunehmenden Einfluss der abstrakten Kunst auf die christliche Kunst. Abstrakte Kunst in der Kirche bewirke Verwirrung, Abweisung und Missverstehen, so Horkel im Informationsbrief der Arbeitsgemeinschaft Lebendige Gemeinde Bayern.

Durch die Loslösung der Farben von der gegenständlichen Darstellung beispielsweise biblischer Personen und Szenen sei ein Stil-Chaos entstanden. Mit Christus, dem menschgewordenen Gott, der im Mittelpunkt christlicher Kunst stehe, könne diese Stilrichtung nichts anfangen. Horkel: “Gott ist in weiteste Ferne gerückt, ist gar nicht mehr da – er kann im Nichts verwesen.” Während die christliche Kunst bislang als Zeugnis von Gott dienen wollte, sei die abstrakte Kunst reiner Selbstzweck. Viele modern gestaltete Kirchenfenster haben nach Horkels Auffassung keine religiöse Aussage mehr

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Re: Abstrakte Kunst in der Kirche: Ein Absturz ohnegleichen

Beitragvon Morgy » Di 20. Aug 2002, 17:28

Ich finde, auf den Hintergrund kommt es an!

Es ist natürlich schon so, dass etwa ein Kirchenfenster, das den auferstandenen Christus darstellt, direkt auf Inhalte des Evangeliums hinweist und somit eine klare, christlich Botschaft enthält. Aber vielleicht wurde es von einem Künstler geschaffen, der mit dem christlichen Glauben gar nichts am Hut hatte. Das kam früher oft vor, weil nicht-christliche Kunst gar keine Abnehmer fand.

Abstrakte Kunst wie die Abgebildete ist da diffuser und erweckt beim Betrachter einen gewissen Eindruck, ein Gefühl. Vielleicht wurde es von einem Christen gemalt, vielleicht war dieser beim Malen gar göttlich inspiriert. Das Bild würde aber auch ebenso gut in Meditations-Zentrum passen.

Ich finde, der Artikelschreiber kratzt an der Oberfläche, wenn er bloss das eigentliche Bild betrachtet. Abstrakte Kunst sollte auch ihren Platz haben in Kirchen und Gemeinden, es ist aber wichtig, wer und unter welchem Geist sie gemalt hat. Wer eine Kirche oder eine Gemeinde mit Kunst ausstattet, sollte sich also auch über den Maler, dessen Hintergrund und dessen Motivation informieren.

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Re: Abstrakte Kunst in der Kirche: Ein Absturz ohnegleichen

Beitragvon marie-theres » Do 22. Aug 2002, 21:21

Hab kürzlich folgendes gelesen - weiss leider nicht mehr wo-, doch sinngemäss: „Kunst ist, den mut zu haben etwas gegebenes aufzulösen und sie wieder neu zusammenzusetzen, eine neue form zu geben“.

Erst beschäftigte mich das ende dh das zusammensetzen in anbetracht dessen, dass man künstlern nachsagt, sie seien „chaoten“. So ist es doch eine enorme leistung, kommt tatsächlich etwas neues von einem solchen „chaoten“. Andererseits war ich der Ansicht, sei es einfach, etwas vorhandenes aufzulösen. Ein ganz einfaches beispiel: man zertrümmert ein glas, es ist in der form in die es gebracht wurde, aufgelöst.

Gehe ich auf die aussage von herkel ein, so frage ich mich, was er sich unter kunst vorstellt. Viele kirchen sind geschmückt mit ja, nehmen wir das beispiel kreuz und korpus von jesus. Wie oft wurde jesus dargestellt und gab vielen menschen vor, dass er doch nun so aussehen möge. Denke dabei an ein bild, lange haare und blaue augen. Wenn man sich ein solches bild von jesus einprägt, so könnte es zu einem verstoss gegen das gebot „du sollst dir kein bild machen“ kommen. Seit ich auf dem weg mit jesus bin, reizte es mich schon so oft, genau dieses bild zu malen, doch noch nie konnte ich es tun und ich denke, es ist für mich zur zeit genau richtig. Ich male ihn, er ist sichtbar, doch nicht so konkret, dass man sich ein bild von augenfarbe, haare, körperbau machen könnte.

Für den künstler finde ich es wichtig, sich vom geist gottes leiten zu lassen.

Viele menschen sind sich an – sage mal „konventionelle“ bilder, gegenstände, statuen gwöhnt und in einem noch weiteren gedankensprung als bsp. „materielle sicherheit“ und haben mühe sich dies in einer anderen form/zusammensetzung vorzustellen. (sich an etwas festhalten)

Die biblischen geschichten sind nicht einfach aufgeschrieben worden für die zeit in der sie sich abspielten, sie sollen uns auch heute noch inspirieren, sie sollen auch heute noch umgesetzt werden.

In diesem sinne finde ich persönlich herkels aussagen etwas einseitig.


liebe grüsse und gottes segen

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Re: Abstrakte Kunst in der Kirche: Ein Absturz ohnegleichen

Beitragvon Taube » So 13. Okt 2002, 10:44

Ich sehe hinter diesem Bild sehr viele christliche Themen.

Blau symbolisiert Treue. Sie kommt aus dem Zentrum. Rot als Symbol der Liebe bildet den Grund. Von links kommt das Grün als Hoffnung ins Blickfeld. Alle drei Farben drängen rechts das Gelb (Neid, Hass, Eifersucht) aus dem Bild.

Wenn das nicht in eine Kirche passt!

Der Artikel finde verallgemeinernd und zeugt von wenig Kunstverständnis.

Gruss Taube

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Re: Abstrakte Kunst in der Kirche: Ein Absturz ohnegleichen

Beitragvon marie-theres » Fr 18. Okt 2002, 18:29

Hallo taube

Habe deine beiden beiträge gelesen und festgestellt, dass sich diese meiner meinung nach wiedersprechen. Im einen beitrag „du sollst dir kein bild machen“ sprichst du davon, dass man offen sein soll auf das hören von gott und im hier erwähnten beitrag ordnest du farben so klar und bestimmt zu.
Möchtest du es dir nochmals überlegen? weiter würde mich interessieren, aus welcher quelle du diese zuordnung genommen hast.

liebe grüsse und gottes segen

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Re: Abstrakte Kunst in der Kirche: Ein Absturz ohnegleichen

Beitragvon Taube » Mo 21. Okt 2002, 06:26

Liebe Marie-Theres

Ich sehe jetzt den Widerspruch, nicht klar. Ich habe auch nur ein ein Beitrag geschrieben.

Ich habe ja im Beitrag mal spontan geschrieben, was ich in der Farbensymbolik sehe und warum ich das nicht als "Absturz" betrachte.

Wenn andere oder auch der Künstler etwas anderes sehen, freut mich das, denn gerade auch Abstraktes kann manchmal auch Offenheit bringen. Nicht jeder muss und kann das Gleiche sehen.

Zuordnung der Farben? Volksmund, wie es vielfach gesagt wird. Aber eben, es kann gut eine andere Symbolik gebraucht werden. Was siehst Du dahinter?


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Re: Abstrakte Kunst in der Kirche: Ein Absturz ohnegleichen

Beitragvon Taube » Di 22. Okt 2002, 17:02

Liebe Marie-Theres

Ich habe gerade Deine schönen Bilder auf Deiner HP gesehen. Aber da könntest Du doch auch noch etwas Persönliches schreiben über das Bild oben, wie Du das siehst.

Liebe Grüsse

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Re: Abstrakte Kunst in der Kirche: Ein Absturz ohnegleichen

Beitragvon marie-theres » Mo 28. Okt 2002, 01:46

hoi taube

bei der zuordnung der farben würd ich mal vorschlagen, lassen wir weg, denn es gibt ja auch so viele volksmünder!

zum bild:
nehme an, dass nicht genau das dargestellte bild zur obigen aussage führte, weiss es aber nicht.

betrachten wir es also losgelöst davon. persönlich sage ich zu dem bild folgendes: man kann es drehen wie man will, es bleibt ein klares zentrum. wäre dieses hell, würde es wiederum eine völlig andere aussage machen. doch es ist dunkel und wenn ich als betrachterin davor stehe, führt es in die enge und nicht in die weite. es könnte ein tunnel, ein abgrund etc sein. trotzdem sind die farben klar und fest, was eine bestimmtheit, festigkeit aussagt.
würde zb ein kind in einer mir zugänglichen gruppe so etwas darstellen, so würde ich es bestimmt darauf ansprechen.

sehe aber absolut keinen absturz darin, denn der sähe völlig anders aus.

ps: danke für "die schönen bilder"
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Re: Abstrakte Kunst in der Kirche: Ein Absturz ohnegleichen

Beitragvon Taube » Mo 28. Okt 2002, 02:18

Liebe marie-theres

Wie gesagt, die Interpretation der Farben kann ruhig weggelassen werde, war auch nur eine Spontanantwort.

Deine Interpretation der Enge und des Tunnels überrascht mich. Werde das Bild nochmals so ansehen. Dazu brauche ich aber ein wenig Ruhe.

Ja, und die "schönen Bilder" besuche ich ab und zu.

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Re: Abstrakte Kunst in der Kirche: Ein Absturz ohnegleichen

Beitragvon Taube » Di 29. Okt 2002, 07:19

Liebe Marie-Theres


Habe mir Deine Interpretation auch mal durch den Kopf gehen lassen. Beim Wort Tunnel, das Du benützt, kommt mir einfach die Kurzgeschichte vom Tunnel von Dürrenmatt in den Sinn. Kennst Du sie? Dort empfinde ich die Dunkelheit und den Abgrund sehr stakr.

Hier ist mir das Bild einer Zeltpyramide über uns sehr viel näher. Das Zentrum als Tiefe (positiv gesehen) ist mir näher.


Aber zurück zum Ursprungsbeitrag:

Was ist christliche Kunst?

"christlicher Künstler" ?
christlicher Inhalt ?
christliche Bedeutung ?

Picassos Lithiographie der Taube mit dem Zweig im Schnabel. Ist das christliche Kunst? Will dieses Bild als Zeugnis von Gott dienen, wie es der Artikelschreiber es fordert.

Du malst ja, wie ist Dein Selbstverständnis als Künstlerin?


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Re: Abstrakte Kunst in der Kirche: Ein Absturz ohnegleichen

Beitragvon marie-theres » Sa 2. Nov 2002, 21:11

hallo taube

dürrenmatts "tunnel" kannte ich nicht. doch nun gelesen fällt mir auf, wie unterschiedlich die menschen reagierten oder auch nicht. die meisten nahmen überhaupt keine veränderung wahr, nur wenige waren wach und reagierten. es könnte mit dieser tiefe verglichen werden, was aber nicht unbedingt ein tunnel sein muss.

picassos "blue dove", ja, denke so in dieser richtung wird von der "allgemeinheit", christliche kunst angenommen, akzeptiert, sich vorgestellt oder wie man es nennen mag.

soweit dazu....
liebe grüsse und gottes segen

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Re: Abstrakte Kunst in der Kirche: Ein Absturz ohnegleichen

Beitragvon m.magdalena » So 12. Jan 2003, 13:16

Original von beatus
Was ist deine Meinung zu dieser sogenannt abgestürtzten Kunst?

Bild München. Als “Absturz ohnegleichen” bezeichnet der

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Hallo

Schönes Bild erstens Mal.

Ich habe mich eher auf das Bild konzentriert,als auf das geschriebene, denn ich kannte es nicht zuvor.

Ich möchte auch noch meine Empfindung dazu äussern,weil mir das Bild gefällt.

Es sind meine Gedanken und ich kann verstehen,dass jeder wieder eine andere Meinung dazu hat.


Blau wirkt irgendwie kühlend und erlösend. Da das blau ja nach innen geht,wirkt es wie der Weg mit Gott,der klärung,reinigung, das Lebenswasser.
Das aggressive Rot könnte Feuer sein,welches in Flammen das sterbliche in uns verbrennt..

Dass das Himmelreich, das ewige Leben im Licht, vor der Welt verborgen ist, das wissen wir ja.
Denn die Welt ist blind vor dem heiligen Geist. Und der heilige GEist ist das himmlische Feuer,welches die Welt nicht aufnehmen kann,weil sie vergänglich ist.

Somit könnte das Rot der Sonnenuntergang sein der vergänglichen sichtbaren Welt ( TAGESLICHT ) und das kühle Blau der Sonnenaufang des -für die Welt- verborgenen ewigen Lebens. ( NACHT)


Wenn es in der Welt Nacht wird und draussen dunkel ist, dann denken wir an einen Sonnenuntergang,weil nachher die Nacht anbricht.

Am Morgen, wenn es in der Welt wieder Tag wird, ist es ein Sonnenaufgang, wo man wieder sieht was es alles gibt...

Wenn die Welt vergeht,dann ist es wie mit einem Sonnenuntergang, das weltliche Tageslicht geht aus.

Und der Sonnenaufgang wiederspiegelt der "weltlichen Nacht" welche das Himmelreich ist, welches JETZT vor der Welt verborgen ist und nicht allen als Sonnenaufgang erscheint.

So ist auch Christus am Kreuze wie Wein ausgepresst worden.
Und es sah aus wie ein Sonnenuntergang.
Doch er ist AUFERSTANDEN wie die Sonne um zum Ursprung zurück zu kehren.

Gottes Segen und liebe Grüsse von m.magdalena
In Demut achte ein jeder den andern stehts höher als sich selbst.
m.magdalena
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