Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Theater, Tanz, bildende Kunst, Kleinkunst, Architektur,

Moderator: firebird

ausdrücklich geschlechtsbezogene Ausdrucksweise

ist wichtig, muss sein
2
17%
ist Unsinn, sollte man abschaffen
6
50%
ist mir egal-macht, was Ihr wollt
4
33%
 
Abstimmungen insgesamt : 12

Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon liger » Sa 20. Sep 2003, 12:10

Eine Anfrage:
Ich habe meine Probleme hinsichtlch der genauen maskulinen und femininen Trennung in der Anrede. Viele Ausdrücke sind für mich "geschlechtsneutral"- auch wenn sie maskulin erscheinen. Mich stört dann die bewußt "geschlechtliche Betonung":
Beispiele:
Christen --------Quatsch Christen und Christinnen
Bürger ----------Quatsch: Bürger und Bürgerinnen

Da kann ich den Sprecher verstehen, der während eines Kirchentages in einer überfüllten Halle Nchkommende darauf hinwies:
Einige Hocker und Hockerinnen stehen noch in der Ecke.
Mich interessiert, wer ähnlich empfindet
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Re: Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon Ainu Elfe » Sa 20. Sep 2003, 12:38

naja...
einerseits: wichtig. Weil man sich bewusst sein muss, dass man nur durch seine Sprache überhaupt fähig ist, zu denken, denn aus der Sprache heraus bildet sich der Kulturraum, prägt sich das Denken.

andererseits: haben es die lieben Genderlinguist/innen doch leicht übertrieben. Ich erinnere etwa an Louise(?) Pusch, die den Vorschlag brachte, man solle sämtliche männliche und weibliche Artikel streichen und nur noch neutrales benutzen (i.e. das Baum, das Frau, das Mann ectblabla), oder ähnliches. Ebenso ist das Thema schlicht überreizt, wir denken, wenn wir das männliche Wort benutzen automatisch die Frau gleich mit.

Ich umgeh das Problem in Arbeiten, indem ich zu anfang klarstelle, dass männliche Bezeichnungen immer gleich die Frauen mitmeinen, es sei denn es geht nur um das eine oder andere Geschlecht, dann wird das präzisiert. Alles in allem jedoch finde ich es ausgesprochen wichtig, dass sich eine Gesellschaft mit solchen Dingen beschäftigt.

grüssle Ainu
Tempora mutantur nos et mutamur in illis.


auch der schönste sommer wird
einmal herbst und welke spüren
halte blatt geduldig still
wenn der wind dich will entführen


ewiges ist nicht auf erden
als der wandel, als die flucht


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Re: Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon Taube » Sa 20. Sep 2003, 13:12

Ich finde es sehr wichtig, dass man sich auch mit dem Sexismus in der Sprache auseinandersetzt. Vielleicht geht man heute etwas zu weit, doch ist man nicht auch jahrhundertelang zu weit gegangen und hat das typisch männliche Sprachgut unkritisch einfach "weitervererbt". Gerade deshalb ist es meiner Meinung nach nicht unbedingt nötig, dass man bei jedem Versuch ein neues Sprachverständnis zu finden, immer sofort ruft: Es geht zu weit!

Bis heute hält sich doch noch die Briefanrede in unpersönlichen Schreiben "Sehr geehrte Herren", auch wenn sicher nicht nur Herren betroffen sind bei diesen Briefen.


Gruss

Taube
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Re: Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon Joggeli » Sa 20. Sep 2003, 14:40

Hallo Taube

Bis heute hält sich doch noch die Briefanrede in unpersönlichen Schreiben "Sehr geehrte Herren", auch wenn sicher nicht nur Herren betroffen sind bei diesen Briefen.


Da muss ich widersprechen. Ich habe vo bald 20 Jahren eine kaufmännische Grundschule abgeschlossen.

Aber auch da haben wir in der allgemeinen Anrede

"Sehr geehrte Damen und Herren"

gelernt.

Aber es gibt wirklich Wörter, bei denen eine verweiblichung komisch tönt und die Sprache schwieriger und langwieriger macht, obwohl jeder beim sog. "masculinen" Ausdruck auch an die weiblichen Angehörigen der angesprochenen Gruppe denkt.

Aber seit die Bibel auf sächlich und sogar auf weblich umgeschrieben wurde, wundert mich wirklich gar nichts mehr.

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Re: Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon Taube » Sa 20. Sep 2003, 16:47

Original von Joggeli
...
Da muss ich widersprechen. Ich habe vo bald 20 Jahren eine kaufmännische Grundschule abgeschlossen.


Aber auch da haben wir in der allgemeinen Anrede

"Sehr geehrte Damen und Herren"

gelernt.

...



Klar, das hast Du gelernt und ich auch, und wir machen es auch. Doch so viele Briefe, nicht solche von Firmen, aber Briefe an Firmen sind immer noch in alter Weise formuliert, wie ich das immer wieder beobachte.


Gruss

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Re: Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon Wolfi » Do 8. Jan 2004, 14:52

Eigentlich müssten für "Damen" und "Herren" eh neue Wortschöpfungen gefunden werden. Warum?- Na, leitet daraus mal die entsprechenden Adjektive ab! ;)
Gruss, wolfi
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Re: Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon bigbird » Do 8. Jan 2004, 14:58

Naja, Wolfi - wo du recht hast, hast du recht (hab das mit den adjektiven zwar auch schon irgendwo in diesem unendlichen Forum erwähnt!).

Kürzlich gehört (Radiopredigt ca. im November): "Liebe Brüderinnen und Brüder! :D

bb
Ein weiser Mann hat mal gesagt:
Man soll dem Nächsten die Wahrheit nicht
wie einen Waschlappen um die Ohren schlagen,
sondern sie ihm liebevoll wie einen wärmenden Mantel um die Schultern legen.

Das wäre doch ein gutes Motto für das Forum - oder?
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Re: Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon doro » Do 8. Jan 2004, 19:42

Original von Joggeli

Aber seit die Bibel auf sächlich und sogar auf weblich umgeschrieben wurde, wundert mich wirklich gar nichts mehr.

Joggeli


was??? von der bibel gibt´s auch eine sächliche und weibliche version?
schon ziemlich unglaublich...

also; liebe brüderinnen und brüder!

ich finde es schon wichtig, dass man "sehr geehrte damen und herren" schreibt. aber in vielen fällen nervt es mich, wenn überall (schlimmstenfalls (gibt´s das wort überhaupt) noch mit / oder grossschreibung: christIN oder christ/in) noch präzisiert wird. es ist meistens eh schon klar, dass frauen mitgemeint sind. und es erleichtert das lesen wirklich nicht. ich bleib dann immer dran hängen...

naja, aber jedem das seine. ist schon gut, wenn man den frauen so respekt zeigt... aber eben... manchmal nervt es mich (als frau) eben doch.
Du wolltest als Mensch Gott sein, um zugrunde zu gehen; er hingegen wollte als Gott Mensch sein, um wiederzufinden, was verloren gegangen war.
Menschlicher Stolz hat dich in einer Weise niedergedrückt, dass nur noch göttliche Demut dich (wieder) aufrichten konnte.

(Augustinus, Predigt 188,3)
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Re: Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon Taube » Fr 9. Jan 2004, 08:26

Soll man heute noch in neuen Bibelübersetzungen das "männliche" Wort "Herrlichkeit" (z.B. Herrlichkeit Gottes) benutzen? Wird doch in französichen und englischen Übersetzungen mehr das neutralere Wort glory oder gloire verwendet.

Dazu: NZZ - 28.3.2001


Gruss Taube
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Re: Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon doro » Fr 9. Jan 2004, 14:41

hallo taube,

interessanter artikel! weisst du, ober der darin erwähnte zeitplan eingehalten wurde. weil dann müsste diese bibelübersetzung schon bald fertig sein... ist sie es schon?

also, zu herrlichkeit... also... ich finde herrlichkeit das schönere wort als pracht. aber das ist wahrscheinlich geschmacksache. mir ist auch die ethymologie dieses wortes noch nie speziell aufgefallen.

stimmt, in meiner französischen bibel steht wahrscheinlich an diesen stellen meistens "gloire". aber mir fällt auch kein französisches wort ein, das irgendwie "monsieur" oder "homme" oder so enthält, das eine ähnliche bedeutung hat wie "gloire"... und dir?

ausser dem, steht in der bibel ja auch dass Jesus unser Herr ist... wieso dann nicht auch "herrlichkeit"?

mir ist eine genauere bibelübersetzung lieber, als eine solche haarspalterei.

zum glück lese ich meistens (oder mindestens öfters in letzter zeit) in meiner französischen übersetzung, da habe ich das problem nicht ;)

lg, doro
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Re: Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon liger » Sa 10. Jan 2004, 12:32

Original von Taube
Soll man heute noch in neuen Bibelübersetzungen das "männliche" Wort "Herrlichkeit" (z.B. Herrlichkeit Gottes) benutzen? Wird doch in französichen und englischen Übersetzungen mehr das neutralere Wort glory oder gloire verwendet.

Dazu: NZZ - 28.3.2001
Gruss Taube


Beim Segen kann man ja - wie die Hamburger Bischöfin - das "Er" gegen eine "Sie" austauschen: "Sie erhebe ihr Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden..........." ------
aber man kann das Wort "herrlich" doch nicht durch das Wort "dämlich" ersetzen oder erweitern!.............Oder
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Re: Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon Taube » Mo 12. Jan 2004, 09:14

Original von doro
hallo taube,

interessanter artikel! weisst du, ober der darin erwähnte zeitplan eingehalten wurde. weil dann müsste diese bibelübersetzung schon bald fertig sein... ist sie es schon?

...



Sie sind, glaube ich, etwas hinter dem Zeitplan zurück. Die vier Evangelien und die Psalmen sind schon als Beispiel vor ein paar Jahren im Buchhandel erhältlich. Die Übersetzung könnte sehr gut werden.



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Re: Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon Taube » Mo 12. Jan 2004, 09:16

Original von liger

...

aber man kann das Wort "herrlich" doch nicht durch das Wort "dämlich" ersetzen oder erweitern!.............Oder

...

...nein, sicher nicht, aber es ist gerade auch bei einer Bibelübersetzung wichtig, dass man sich auch über die eigene Sprache Gedanken macht.


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Re: Sprachkultur - geschlechtsbetonte Sprache

Beitragvon würmli » Di 6. Apr 2004, 19:49

Original von doro
aber in vielen fällen nervt es mich, wenn überall (schlimmstenfalls (gibt´s das wort überhaupt) noch mit / oder grossschreibung: christIN oder christ/in) noch präzisiert wird. es ist meistens eh schon klar, dass frauen mitgemeint sind. und es erleichtert das lesen wirklich nicht. ich bleib dann immer dran hängen...

naja, aber jedem das seine. ist schon gut, wenn man den frauen so respekt zeigt... aber eben... manchmal nervt es mich (als frau) eben doch.



Das geht mir genau so, weil man diese Wörter eigentlich ja gar nicht aussprechen kann. Ich begrüsse es jedoch, wenn die Frauen nicht einfach nur mitgemeint (obwohl grammatikalisch korrekt), sondern auch wirklich angesprochen werden.
Also nicht "Liebe Leser" sondern "Liebe Leserinnen und Leser" ;)
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