Rollenspiel

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Moderator: firebird

Rollenspiel

Beitragvon Shadow » Fr 30. Aug 2002, 14:49

Verzeiht mir, wenn ich das falsche Forum gewählt haben sollte. In dem Falle würde ich einen Moderator bitten, diese Thread zu verschieben.

Ich wurde von einem meiner Bekannten auf folgendes hingewiesen:
http://www.father-ramos.com/ramos/sermons.html (englisch). Darin lässt sich ein offensichtlich sehr gottesfürchtiger Mensch über die Gefahren von Rollenspielen (vor allem Tabletop und Pen&Paper* Versionen, aber ich bin sicher, dass auch LARP** und Reenactment*** da hinein fallen).

Nun meine Frage: Wir haben auch hier sehr gottesfürchtige Menschen. Was sagt ihr dazu?

* Tabletop bzw. Pen&Paper Rollenspiele sind spiele, in denen man eine Rolle übernimmt und diese spielt. Das Spiel und die Handlung wird vom Spielleiter, naja geleitet eben. Es ist also wie ein Fantasyroman, in dem man mitspielt. Dabei werden Charactere mit Stärken und Schwächen aufgebaut, welche auch dazu lernen können, wenn sie in der geschichte herausragende Taten vollbringen.

** LARP ist die "Real Life" Version davon. Man gewandet sich entsprechend und bastelt sich sichere Waffennachbildungen aus Latex und Schaumstoff. Allerdings ist nicht der Kampf Ziel des Spiels, sondern die Verkörperung der Rolle. Auch hier gibt es Spielleiter.

*** Reenactment bedeutet, dass man sich Blankwaffen (Metallschwerter ohne Schliff) hat und versucht, sich so nah wie möglich an eine gewisse Zeitepoche und einen Ort (Schottland, Frankreich, Amerika oder wie auch immer) zu halten. Hier wird nur dann gekämpft, wenn dies vorher einstudiert wurde und die Kontrahenten die schläge einstudiert haben.
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Re: Rollenspiel

Beitragvon Morgy » Sa 31. Aug 2002, 08:57

Hallo Shadow

Ich weiss dazu eine traurige Geschichte aus meinem Bekanntenkreis:

Eine gute Studienkollegin von mir heiratete etwa mit 25 Jahren und lebte danach einige Jahre glücklich als Familie mit ihrem Mann und 2 Kindern. Nach einiger Zeit begann sich ihr Mann mit Rollenspielen zu beschäftigen. (Ich weiss nicht genau, welche, aber in der Art, wie du sie aufführst.) Regelmässig ging er an seine Rollenspieltreffs und tauchte allmählich immer tiefer in diese Welt: die Treffs wurden häufiger und zu Hause verbrachte er immer mehr Zeit in den entsprechenden Internet-Foren. Die Wochen und Monate vergingen und der vorher fürsorgliche Familienvater lebte zunehmend in seiner eigenen Welt; vernachlässigte die Arbeit, war immer an seinen Treffs, liess sich die Haare wachsen wie seine Rolle und sperrte sich abendelang im Computerzimmer ein. In der Zwischenzeit sind die beiden getrennt.

Bestimmt war das Rollenspiel nicht der einzige Grund in diesem traurigen Fall und niemend weiss, ob die Familie ohne dieses noch zusammen wäre. Für mich ist es jedoch eine deutlicher Hinweis, dass diese Rollenspiele nicht unproblematisch sind. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mehr nehmen als geben!

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Re: Rollenspiel

Beitragvon Shadow » Fr 27. Sep 2002, 23:15

Findest du? Ich weiss nicht. Ich freu mich auf so ein Spiel. Ich bereite mich vor, ich spiele die Rolle und habe Spass dabei. Meinst du nicht, dass man einen gewissen seelischen Knacks... einen Mangel oder so haben muss, dass man da abrutschen kann? Wenn einem die normale Welt nicht mehr genügt? Oder überfordert? Und kann es am Ende nicht mit allem zu so etwas kommen? Fernsehen, Arbeit, Musik... sogar die Bibel? Wer masslos ist, der wird erdrückt von seinem Verlangen. Aber nicht jeder Mensch ist masslos, oder?
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Re: Rollenspiel

Beitragvon Morgy » Sa 28. Sep 2002, 16:00

Original von Shadow
Findest du? Ich weiss nicht. (...)

Shadow,

wissen tue ich in diesem Bereich nichts. Du wolltest Meinungen von Christen hören und ich fand diese tragische Geschichte zum Thread passend. Es bleibt meine Meinung, dass diese Rollenspiele einem ausgeglichenen Seelenleben nicht besonders zuträglich sind.

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Re: Rollenspiel

Beitragvon marie-theres » So 29. Sep 2002, 11:46

hallo shadow und morgy

hatte etwas mühe mit der übersetzung vom englischen ins deutsche, doch die geschichte morgy, die du aufzeigtest, ist so beispielhaft und auch dein weiterer beitrag. kann dem nur zustimmen.

ein weiterer aspekt den man betrachten müsste wäre auch die rolle des spielleiters. ist der spieler frei von dessen beeiflussung, so kommt es auf seine ausgeglichenheit an. wird der spieler aber abhängig vom spielleiter, so kann es zu verformungen seiner persönlichkeit kommen, was ich sehr schade finde.

grüsse

liebe grüsse und gottes segen

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Re: Rollenspiel

Beitragvon Faustus » So 29. Sep 2002, 15:01

Die Kritik könnte allgemeiner sein. Wir müssten die Fanatasie gänzlich abschaffen um diesem gewaltigem Risiko des "psychischen Verfalls" entgegen zu wirkenn. Jegliche Assoziation des Egos mit einer fiktiven Persönlichkeit wäre nach dieser Logik eine Gefahr. Wir können schlichtweg nicht beurteilen, wie labil ein Mensch ist. Man kann sich auch in seinem Dominobausatz verlieren... die Gefahr lauert überall.
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Re: Rollenspiel

Beitragvon Morgy » So 29. Sep 2002, 16:28

Original von Faustus
(...)Man kann sich auch in seinem Dominobausatz verlieren... die Gefahr lauert überall.

:D Musste echt schmunzeln über das Beispiel, nur bringt uns dein Einwand, dass überall Gefahr lauert nicht wirklich weiter. Bedeutet dies denn, dass ich überhaupt nicht mehr überlegen soll, womit ich mich beschäftige? Nein. Ich finde, es gibt Situationen, in denen man sich der psychischen Manipulation so sehr aussetzt, dass man es lieber sein lässt und Andere auch ruhig davor warnen darf. Dubiose Rollenspiele, Hypnose oder Marketing-Treffs (z.B. Timesharing etc.) gehören dazu.

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Re: Rollenspiel

Beitragvon Faustus » So 29. Sep 2002, 16:39

Natürlich heisst es nicht, dass du dir keine Gedanken mehr machen sollst. Allerdings kann halt nur nach eigenem Ermessen gehandelt werden. Ich würde Rollenspiele zum Beispiel niemals als dubios bezeichnen. Bezeichne aber selber meinen verstaubten Dominobausatz als dubios. Diese abstrakte Verkleinerung der Wirklichkeit, geformt in einem Modell, welches die physikalischen Gesetze auf pervertierende Art in eine simple Mechanik stürzt, die einem doch zwanghaft gänzlich den Sinn für die wahrhaftige Komplexität der Realität nimmt.... ich schmunzel ja selbst, wenn ich sowas schreib. Allerdings weiss ich bei dir nicht, ob du hinter dem schmunzeln auch noch verstehst, was ich damit sagen will *g*. Es wirkt lächerlich... ist es aber nicht...
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Re: Rollenspiel

Beitragvon Morgy » So 29. Sep 2002, 17:20

Original von Faustus
Diese abstrakte Verkleinerung der Wirklichkeit, geformt in einem Modell, welches die physikalischen Gesetze auf pervertierende Art in eine simple Mechanik stürzt, die einem doch zwanghaft gänzlich den Sinn für die wahrhaftige Komplexität der Realität nimmt....

Allerdings weiss ich bei dir nicht, ob du hinter dem schmunzeln auch noch verstehst, was ich damit sagen will

Von Verstehen kann keine Rede sein, bin bloss etwas besorgt um dich, wenn ich das lese.

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Re: Rollenspiel

Beitragvon Faustus » So 29. Sep 2002, 17:22

so sage mir, warum du besorgt bist und ich sage dir, warum es mich nicht im geringsten interessiert... *g*
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Re: Rollenspiel

Beitragvon Yasha » So 29. Sep 2002, 17:30


Mit Rollenspielen jeglicher Art ist es doch wie mit allem:
Solange man die Realität nicht aus den Augen verliert, und die Sache nicht übertreibt ist es in Ordnung.

Ich selbst habe schon an Rollenspielen teilgenommen (LARP und Papier) und fand es eigentlich ganz witzig.
Klar, es ist ein Abtauchen in eine andere Welt, aber das ist jeder Roman auch. Jedes Ablenken, jeder Film u.Ä. sind dasselbe.

Wenn alles im richtigen Mass bleibt, dann ist es ein Riesenspass, ein Theater, in dem man seinen Charakter selbst mitentwickeln kann. Es hat also schon gewisse Anforderungen;)
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Re: Rollenspiel

Beitragvon Freya » Mo 30. Sep 2002, 00:38

@ Morgy
Bezüglich dem SL (Spielleiter)
Ein Spielleiter an einem P&P leitet das Spiel, bzw hält den roten Faden in der Hand. (Nicht dass alle am Schluss z.B. über das aktuelle Kino-Programm quatschen)

Ein SL im Larp ist dagegen der, der nicht einfach in die Fantasiewelt absinken darf. Ein Larp erfodert auch einiges mehr an Vorbereitungen als ein P&P.
Z.B muss der SL im Kopf behalten, wer z.B. welche Allergie oder Krankheit, wer besondere Essensvorschriften einzuhalten hat, wer Anfänger ist - oder aus einer Gruppe mit einem anderen Spielverhalten kommt.
Auch zeichnet der SL verantwortlich, dass das Gelände, wo gespielt wird, so sicher wie möglich ist.

Nur für eines ist er nicht zuständig: Der Fantasie der Teilnehmer Grenzen zu setzten.
Er kann zwar gewisse Rollen für ein Spiel ausnehmen (z.B. an einem Räuber-Fest kann man keine Prinzessin uä brauchen, genauso wie an einer Adels-con Bauern unwahrscheinlich sind)

Die SL wechseln auch immer, und es sind an jedem Spiel min. 2 SL im Einsatz.

Die Abhängigkeit von einem SL, oder anders gesagt: Der Einfluss eines SL auf einen einzelnen Spieler ist relativ gering.

Wenn Dich weitere Infos interessieren würden: PM an mich oder Shadow.
Ce qui embellit le désert, c´est qu´il cache un puits quelque part...

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