Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Ethik, Lebensrechtsfragen
Sexualethik, Sozialethik, Wirtschaftsethik, Kreationismus / Schöpfungswissenschaft, Technik, Umwelt


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Soll aktive Sterbehilfe erlaubt werden?

Ja. Wer totkrank ist und leidet, sollte das Recht haben, sterben zu dürfen.
37
47%
Nein, wir dürfen unser Leben nicht einfach so beenden. Leben und Sterben liegt in Gottes Hand.
33
42%
Ich weiss es beim besten Willen nicht, was ich in einer solchen Situation entscheiden sollte, wenn mich Jemand um Hilfe bäte.
8
10%
 
Abstimmungen insgesamt : 78

Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon pneumatikos » Mi 12. Dez 2007, 10:49

Ein Nein zu Sterbehilfe ist aus meiner Sicht zu 99 Prozent falsch verstandene Nächstenliebe. In Tat und Wahrheit ist es extrem anmassend für einen Anderen entscheiden zu wollen, ob der nun sterben darf oder nicht. Kaum Einer würde aus Jux und Dallerei sich das Leben verkürzen. Wer das Recht hat, würdevoll zu leben, soll auch das Recht auf ein würdevolles Sterben haben.


Dabei sollten wir wohl zwei Dinge unterscheiden... Todkranke, welche nur noch knapp am Leben gehalten werden - und solche, die bei vollem Bewusstsein an den Schmerzen des Lebens zu scheitern drohen...

Suizidgedanken sind meistens nur eine vorübergehende Phase - wenngleich diese über einige Jahre gehen können. 2004 versuchten rund 540000 Menschen in Deutschland, sich das Leben zu nehmen, davon waren etwas über 10000 erfolgreich. Die Statistik sagt aber auch aus, dass nur ein verschwindend kleiner Teil davon einen zweiten Versuch unternommen hat.

Was wäre, wenn diese halbe Million Menschen plötzlich unter Garantie sterbe könnte? Jetzt noch leben sie weiter ...

Suizidgefährdete brauchen kein Recht zum Sterben, sie benötigen Hilfe zum Leben!

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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon pneumatikos » Mi 12. Dez 2007, 10:52

Aus dem Dokument "Suizid-Beihilfe: Von der Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens ", Dossier zur Diskussion um Suizidbeihilfe
http://www.kath.ch/index.php?na=11,0,0,0,d,84885


(Direkte) aktive Sterbehilfe: Dabei geht es um das aktive Töten eines kranken Menschen durch Dritte. Die aktive Sterbehilfe fällt unter das gesetzliche Tötungsverbot. Sie ist daher verboten, auch wenn sie auf Verlangen des Betreffenden geleistet wird («Tötung auf Verlangen»). Dieses Verbot ist weitestgehend unbestritten. Die katholische Kirche lehnt die aktive Sterbehilfe denn auch ganz klar ab.

Passive Sterbehilfe: Ausschalten der medizinischen Geräte für Sterbende oder Verzicht auf aussichtslos gewordene lebenserhaltende Massnahmen. Passive Sterbehilfe ist in der Schweiz nicht strafbar, insbesondere wenn die Einwilligung des Patienten oder, wenn das nicht mehr möglich ist, der Angehörigen vorliegt. Auch die katholische Kirche stellt sich nicht dagegen und lehnt umgekehrt eine Lebensverlängerung um jeden Preis ab.

Indirekte (aktive) Sterbehilfe: Zur Schmerzbehandlung eines qualvoll Sterbenden werden Medikamente in einer so hohen Dosis verabreicht, dass dabei eine mögliche Beschleunigung des Sterbeprozesses in Kauf genommen wird. Dies ist nicht strafbar in der Schweiz. Die katholische Kirche lässt diese Art der Schmerzbehandlung zu, wenn der Tod dabei nicht gewollt wird.

Suizid-Beihilfe: Dritte helfen einem Sterbewilligen bei der Selbsttötung. Wichtig ist dabei, dass der Betreffende das todbringende Mittel selber einnimmt. Dies ist in der Schweiz (im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern) erlaubt, sofern die Beihilfe nicht aus selbstsüchtigen Motiven geschieht. Während gemäss (allerdings umstrittenen) Umfragen die Mehrheit der Bevölkerung die Suizidbeihilfe befürwortet, lehnt die katholische Kirche diese ab, weil nur die Tatsache, dass der Betreffende das Medikament selber einnimmt, die Suizidbeihilfe von der gesetzlich klar verbotenen Tötung auf Verlangen (also der aktiven Sterbehilfe) unterscheidet – alle übrigen Vorbereitungen trifft jeweils die Sterbehilfeorganisation. Die Akzeptanz von Suizidbeihilfe, so die Befürchtung, könne den Druck auf Kranke und Behinderte erhöhen, dem eigenen Leben ein Ende zu machen, um Angehörige und Gesundheitswesen zu entlasten.

Sterbebegleitung: Der Begriff meint die Begleitung eines Sterbenden bis in den Tod und hat nichts zu tun mit lebensverkürzenden Massnahmen. Sie schliesst seelsorgliche und spirituelle Begleitung ebenso ein wie die Palliativpflege – die Schmerztherapie für hoffnungslos Kranke unter Verzicht auf nunmehr sinnlose medizinische Massnahmen.


Dies mal so zur Begriffsklärung ;)
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon pneumatikos » Mi 12. Dez 2007, 10:57

Ich denke, wenn wir nicht bereit sind, uns selbst und dem Leben, wie wir es führen, zu stellen, können wir uns demnach auch unserem Sterben nicht stellen.


Sicherlich ein sehr wahres Wort ... Abt Martin Werlen sagte, "Um glückselig zu sterben, muss man leben lernen. Um glückselig zu leben, muss man sterben lernen"...

Bischof Kurt Koch sagte in einem Vortrag: "Menschen nehmen sich das Leben, um nicht sterben zu müssen".

Viel Weisheit in diesen beiden Aussagen.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon pneumatikos » Mi 12. Dez 2007, 11:01

Wenn eine Person bereit ist zu gehen, sollte sie das auch tun dürfen. Und dann lieber mit professioneller und liebevoller Begleitung und als wohl überlegte Entscheidung, und nicht in Form eines Selbstmordversuchs, der dann womöglich noch schief geht.


Was die Selbstmordrate in Deutschland von 10000 auf über 540 000 Personen erhöhen würde ... (Stand 2004)

Mal sehen ... Dignitas verlangt für eine Begleitung 8000 Franken, nach all den Kosten wie Kremation etc. verbleiben etwas über 4000 als "Verdienst"... hmmm, könnte es sein, dass unser guter Herr Mineli mehr im Hinterkopf hat als einen Sozialdienst?

Ausserdem hat er in der Schweiz eigentlich ein Problem... wer Suizidhilfe leistet, um sich einen Vorteil zu verschafen, macht sich strafbar... Ziemlich dunkelgrau, diese Zone.

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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon pneumatikos » Mi 12. Dez 2007, 11:02

Es ist Fakt und erwiesen, dass die meisten Menschen, die Suizid begehen wollen wenn sie sterbenskrank sind, nicht sterben wollen sondern nur ihre irren Schmerzen loswerden wollen. Sobald sie eine vernünftige Schmerztherapie erhalten sind sie dankbar für jede Stunde die sie noch am Leben sind.

Es macht mich teilweise wirklich sehr wütend dass Menschen sich anmaßen - besonders wenn es sich um Christen handelt die einem vorher ständig mit der Bibel vor dem Gesicht herumgewedelt und mit Sprüchen vollgedröhnt haben - Gott spielen zu wollen und nicht bereit sind ihr Leben zu Ende zu leben wie Gott es für sie vorgesehen haben. Dann hat die Bibel plötzlich keine Aussage mehr. Dann wird gesagt, dass das eine andere Situation ist. Nein, es ist keine andere Situation. Gottes Wort gilt immer noch. Er hat uns erschaffen, und er beendet auch unser Leben. Alles andere ist inkonsequent. Wenn das verneint wird muss ich feststellen dass alles nur Lippenbekenntnisse sind und man Gott nicht wirklich traut.

Ich spreche nicht theoretisch. Ich spreche aus bitterer Erfahrung und weiß was es heißt solche Schmerzen zu haben dass man sich umbringen möchte, nur damit es endlich aufhört.


Danke, Kantate, einfach danke für diese Zeilen.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Kantate » Mi 12. Dez 2007, 15:28

Original von pneumatikos
Ich denke, wenn wir nicht bereit sind, uns selbst und dem Leben, wie wir es führen, zu stellen, können wir uns demnach auch unserem Sterben nicht stellen.


Sicherlich ein sehr wahres Wort ... Abt Martin Werlen sagte, "Um glückselig zu sterben, muss man leben lernen. Um glückselig zu leben, muss man sterben lernen"...

Bischof Kurt Koch sagte in einem Vortrag: "Menschen nehmen sich das Leben, um nicht sterben zu müssen".

Viel Weisheit in diesen beiden Aussagen.
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Da muss ich Bischof Koch Recht geben. Es hört sich erst einmal ziemlich verwirrend an wenn man hört dass Menschen sich das Leben nehmen um nicht sterben zu müssen. Ist es aber gar nicht wenn man genau hinschaut. Die Menschen haben keine Angst - oder nur selten - vor dem Tod. Was ihnen Angst macht ist der Sterbeprozess, der ja nicht erst dann einsetzt wenn man bewegungsunfähig im Bett liegt, sondern schon lange vorher. Die Menschen bringen sich um, weil sie denken dass sie diesen Sterbeprozess "auslassen", "umgehen" können. Dass dem nicht so ist bedenken sie in ihrer Verzweiflung nicht. Sie denken - unbewußt - , wenn sie sich umbringen wird "danach" alles besser. Also ist ein Suizid eigentlich kein "Ich will nicht mehr leben" sondern "Ich will keine Schmerzen, keine Probleme mehr, ich möchte Frieden und Ruhe, ich möchte dass diese Müdigkeit aufhört, diese Kraftlosigkeit".

Irgendwo habe ich mal folgende Zeilen gelesen, die eine "Betroffene" schrieb. Leider weiß ich nicht mehr wer es war und wo ich es gelesen habe. Aber diese Zeilen haben sich bei mir eingebrandt weil ich sehr gut verstanden habe was in dieser Frau vor sich ging.

"Aufschrei!
Lasst mich Gift und Galle spuken,
meine Anklagen hinausschreien,
Gerechte und Ungerechte beschimpfen,
weinen und wehklagen,
bitten und betteln,
den Hohn in die Gärten der Vorstadt lachen,
den Tod aus den Gräbern der Friedhöfe sammel,
die Trauer aus dem Dachfenster hängen -

Lasst mich die Grenzen überschreiten, damit ich wieder leben kann."

LG
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon bluna » Di 15. Apr 2008, 14:12

Einige Politikern möchten ein Verbot gegen Dignitas in der Schweiz haben,wie findes du dass???

Hier findest du die Infos
Sind wir nicht Alle ein Bischen Bluna???
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Haimax » Mo 9. Nov 2009, 14:09

Sterbehilfe für Männer....

Gestern abend haben meine Frau und ich am Tisch sitzend über einiges diskutiert.
Dann kamen wir auf Sterbehilfe zu sprechen. Zu dem sensiblen Thema, Wahl zwischen Leben und Tod, habe ich ihr gesagt:

"Wenn's mal soweit kommen sollte, lass mich nicht in einem solchen Zustand! Ich
will nicht leben - nur von Maschinen abhängig und von Flüssigkeiten aus einer
Flasche. Wenn ich in diesem Zustand bin, dann schalte bitte die Maschinen ab,
die mich am Leben erhalten."

Da ist sie aufgestanden, hat den Fernseher und den Computer ausgemacht
und mein Bier weggeschüttet!

Die blöde K....!
Alle Menschen sind gleich.
Rassen, Nationalität und Religion spielen keine Rolle, wichtig ist der gelebte Respekt, die Tolleranz, das Recht auf Glück und das Recht sich zu verwirklichen.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Taube » Mo 9. Nov 2009, 14:28

Haimax hat geschrieben:...
"Wenn's mal soweit kommen sollte, lass mich nicht in einem solchen Zustand! Ich
will nicht leben - nur von Maschinen abhängig und von Flüssigkeiten aus einer
Flasche. Wenn ich in diesem Zustand bin, dann schalte bitte die Maschinen ab,
die mich am Leben erhalten."
...

Ich denke, da liegst Du richtig, so sehr es die Angehörigen auch schmerzen mag. Die Schulmedizin hat sich heute so weit in den Menschen gebohrt, dass Leben, Sterben und Tod nicht mehr sauber unterschieden werden können. So kommt es zu neuen unmenschlichen Situationen. Das Ausgeliefertsein und die Machtlosigkeit des Menschen an die Technik kann gerade kann brutal in das Leben einbrechen, wenn Liebe und Fürsorglichkeit benötigt werden.
Unter diesem Gesichtspunkt muss man auch mal die ganze Sache der Sterbehilfe sehen. Für Sterbewillige ist meist nicht das Leben wertlos geworden, im Gegenteil, weil das Leben so wertvoll ist, kommt die Angst, dass einmal das Leben durch die Maschinen ersetzt wird. Dann ist man lebendig und den Apparaturen begraben worden.

Gruss Taube
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon alegna » Mo 9. Nov 2009, 15:07

Hallo
ein ganz heisses Eisen dieses Thema, gerade in der Schweiz sehr aktuell. Meine Meinung ist, man sollte die Palliativmedizin mehr ausbauen und unterstützen.


Was ist Palliativmedizin?

Palliativmedizin ist die aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung. Sie strebt die Besserung körperlicher Krankheitsbeschwerden (Schmerzen) ebenso wie psychischer, sozialer und spiritueller Probleme an. Das Hauptziel der palliativmedizinischen Betreuung ist die Verbesserung der Lebensqualität für die Patienten und ihre Angehörigen.

Es geht hier um Patienten die nicht mehr lange leben werden, ihnen wird Begleitung ins Sterben zugesagt, aber es wird nicht getötet.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Taube » Mo 9. Nov 2009, 16:09

...ja, ich finde das einen guten Ansatz!

Aber sogar z.B. die US-Republikaner und konservative US Christen sind sehr misstrauisch gegenüber der Palliativmedizin. Das hat man ja jetzt auch gehört von den USA bei der Diskussion über die Gesundheitsreform.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon alegna » Fr 13. Nov 2009, 21:03

Taube hat geschrieben:...ja, ich finde das einen guten Ansatz!

Aber sogar z.B. die US-Republikaner und konservative US Christen sind sehr misstrauisch gegenüber der Palliativmedizin. Das hat man ja jetzt auch gehört von den USA bei der Diskussion über die Gesundheitsreform.

Ich könnte mir vorstellen, dass das an den Kosten liegt. Aktive Sterbehilfe käme billiger, weil die Menschen sich selbst umbringen zu einer Zeit in der sie dies noch selbst tun können. Würden diese Menschen auf eine Palliativstation gehen, könnten noch Monate vergehen bis sie eines natürlichen Todes sterben und verursachen somit Kosten. Alternativ gibt es Hospitzhäuser, die aber natürlich auch viel Kosten.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon novim » Mo 18. Jan 2010, 13:12

Schon etwas älter, ich will das Thema trotzdem mal wieder aufgreifen.

Zuerst mal bitte unterscheidet zwischen Suizid aus Depression und dieser Sterbehilfe weil es einfach nicht zu vergleiche ist. Depression ist eine schlimme Krankheit, sie ist heilbar und wenn sie behandelt ist besteht eine sehr große Chance dem Patienten ein normales, schönes Leben zu geben. Insofern ist Selbstmord in diesen Fällen nicht gut, auch wenn die Kranken dafür "nichts können" im Sinne von sie sind eben so. Jedoch macht es Sinn diese Art von Suizid bzw die Hilfe dafür zu verbieten, einfach weil Selbstmordgedanken ein Bestandteil der Heilbaren Krankheit sind und es gilt, diesen Menschen wieder gesund zu kriegen.

Wenn jetzt allerdings eine 85-jährige Frau mit Lungenkrebs im Krankenhaus liegt, noch einen Monat zu leben hat, nichts mehr selbst machen kann und unmenschliche Schmerzen erleidet, dann frage ich mich wer sich das Recht nimmt dieser Frau vorzuschreiben, weiter zu leiden. Ehrlich gesagt finde ich es schon gewissermaßen eine Frechheit. Argumente dafür? "Gott bestimmt wann wir sterben". Ach echt? Ich kann mir just in diesem Moment mich derart verletzten dass ich sterbe. Augenscheinlich nicht... Soll ich das als "Gott soll bestimmen wann man stirbt" auslegen? Ich frage: Wieso sollte er das? (Abgesehen davon dass ich nicht an Gott glaube...) Und am Wichtigsten: Es geht hier um eine RECHTLICHE Frage. Da hat Religion nichts zu sagen. Es geht um Recht. Und wenn man im Grundgesetz liest steht da: Religionsfreiheit. Das ist der Punkt. Man stellt sich einen leidenden 87-jährigen Atheisten vor. Wieso muss er weiterleben, unter Schmerzen leiden mit teuren Medikamenten bis zur letzten Sekunde am Leben gehalten werden? Weil es Menschen gibt, die, warum auch immer, an ein übernatürliches etwas glauben und die Einbildung haben, dieses etwas wolle dass man einen Menschen gegen seinen Willen trotz Qualen und ohne Aussicht auf Besserung am Leben hält. Und jetzt verlasst für einen Moment eure religiöse Traumwelt, begebt euch in die Welt des weltlichen, wo alle Religionen gleich gestellt sind. Ist es sinnvoll wegen eurem Glauben, jemandem mit anderen Glauben leiden zu lassen. Niemand verbietet euch diese Einstellung, ich find sie gar nicht so schlecht. Deswegen steht euch frei bis zur letzten Sekunde mit Medikamenten euch am Leben zu halten. Aber wieso wollt ihr dieses Recht für euch zur Pflicht für alle machen? Ihr müsst eure Einstellung nicht allen anderen aufdrücken. Vor allem wenn sie derart unbegründet sind. Deswegen bin ich für Sterbehilfe.


Absolute Vorraussetzung dafür ist natürlich, dass der Wunsch von dem Sterbenden selbst kommt. Er muss dabei natürlich bei vollem Bewusstsein sein, darf nicht unter Einfluss von Drogen etc stehen. Das muss von einem unabhängigen Arzt eindeutig festgestellt werden. Angehörige haben nichts zu melden was das angeht. Andersfalls würde ich die Möglichkeit geben, eine Urkunde zu erstellen die im Falle eines derartigen Fall sicherstellt dass man eben diese Spritze kriegt. Diese muss natürlich unter bestimmten Bedingungen erstellt worden sein, ähnlich wie ein Testament. Urkundenfälschung in diesem Fall bitte besonders stark bestrafen.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Taube » Mo 18. Jan 2010, 14:42

...in vielerlei Hinsicht kann ich das nachvollziehen, was Du schreibst.

Ein Punkt möchte ich jedoch noch erwähnen. Vielfach bleibt den Schwerstkranken nur die Möglichkeiten viel Schmerzen oder freier Tod. Heute ist es jedoch meisten gut möglich, die Schmerzen unter Kontrolle zu bringen. Die Palliativmedizin muss unter allen Umständen ausgebaut werden, die Ärzte und Pflegenden müssen auch genügend modern ausgebildet sein. Hier hapert es noch vielerorts. Nur so gibt es auch eine wirkliche Alternative zum Freitod, eine die nicht nur mit Schmerzen verbunden ist.

Gruss Taube
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon alegna » Mo 18. Jan 2010, 14:52

Genau Taube
Es muss heute kein Sterbepatient mehr an unerträglichen Schmerzen leiden.

Palliativmedizin heisst ja nicht um jeden Preis das Leben erhalten, sondern den Sterbenden gehen lassen in würdiger Art und Begleitend. Mit den medizinischen Mitteln die noch nötig aber eben nur die noch nötig sind.
Der Mensch hat die Möglichkeit des Freitods geschaffen und wir müssen uns schon Fragen, weshalb eigentlich? Können wir es nicht mehr ertragen einen sterbenden Menschen zu Begleiten in den Tod? Ist es uns zu teuer und aufwendig, es sind ja pflege intensive Patienten. Es kann nicht sein, dass propagiert wird es sei humaner sich selbst umzubringen. Selbstbestimmung ist leider ein allgemein grosses Wort geworden.
Einerseits investieren wir Unsummen um einem ewigen Leben näher zu kommen, andererseits schaffen wir die Möglichkeit für den Freitod, wo gehen wir hin?
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon bigbird » Mo 18. Jan 2010, 16:07

Falls jemand noch mehr Infos zur Palliativ-Medizin haben möchte:

http://www.dhbern.ch/Palliative-Care/Den-Tagen-Leben-geben-und-nicht-dem-Leben-Tage.html

und auch weitere Seiten!

Ich kenne da ein paar Leute ... und bin tief beeindruckt - gerade auch von der ethischen Haltung!

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Ein weiser Mann hat mal gesagt:
Man soll dem Nächsten die Wahrheit nicht
wie einen Waschlappen um die Ohren schlagen,
sondern sie ihm liebevoll wie einen wärmenden Mantel um die Schultern legen.

Das wäre doch ein gutes Motto für das Forum - oder?
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Scrypton » Mo 18. Jan 2010, 16:29

alegna hat geschrieben:Es muss heute kein Sterbepatient mehr an unerträglichen Schmerzen leiden.

Unsinn.
Optimale Schmerztherapie, eine menschenwuerdige Umgebung, Eingehen auf Beduerfnisse des Patienten und menschliche Zuwendung, darauf sollte ohnehin jeder Mensch ein Anrecht haben, unabhaengig davon, ob er anderenfalls vielleicht den Wunsch entwickeln koennte zu sterben. Dafuer kann man mehr tun, und dafuer soll man auch mehr tun als bisher. Fuer einige Menschen koennte das bedeuten, dass sie ihr Leben wieder als lebenswert empfinden und nicht mehr sterben wollen. Das waere ein schoener Erfolg.

Leider kann man jedoch nicht allen Menschen auf diese Weise wirksam helfen. Wo das trotz groeßter Bemuehungen nicht gelingt, da brauchen Menschen das Recht auf Hilfe zum Sterben.
Dies Recht steht keineswegs im Gegensatz zu einem Recht auf Hilfe zu einem – im Rahmen des Moeglichen – lebenswerten Leben. Im Gegenteil, die beiden Rechte ergaenzen sich: Erst mit beiden zusammen hat der Mensch ein moeglichst hohes Maß an Selbstbestimmung.

Durch Palliativmedizin kann der Mehrzahl der Schmerzpatienten recht gut geholfen werden. Aber trotzdem gibt es einen kleinen Anteil von Patienten, die auch bei bester medizinischer Versorgung unter unertraeglichen Schmerzen leiden; Zahlenangaben darueber bewegen sich bei wenigen Prozent. Das darf nicht dazu verleiten, das Problem fuer unbedeutend zu halten. Dass ihr Schicksal die Ausnahme ist, nuetzt den Betroffenen nichts: ihre Schmerzen sind unertraeglich.
Ebenso unertraeglich koennen – trotz medizinischer Behandlung – andere koerperliche Beschwerden werden: Atemnot, Kraempfe, fortlaufendes Erbrechen, Durchfall, und andere mehr.

Nicht in jedem Fall kann Palliativmedizin das Recht auf Hilfe zum Sterben ueberfluessig machen.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Pilgrim » Mo 18. Jan 2010, 17:20

Scrypton hat geschrieben:Leider kann man jedoch nicht allen Menschen auf diese Weise wirksam helfen. Wo das trotz groeßter Bemuehungen nicht gelingt, da brauchen Menschen das Recht auf Hilfe zum Sterben.

Nur eben ist Gottes Wort ausdrücklich klar in seiner Verdammung von beidem, Mord und Selbstmord, welches allerlei Arten von Sterbehilfe abdeckt.
Dies Recht steht keineswegs im Gegensatz zu einem Recht auf Hilfe zu einem – im Rahmen des Moeglichen – lebenswerten Leben. Im Gegenteil, die beiden Rechte ergaenzen sich: Erst mit beiden zusammen hat der Mensch ein moeglichst hohes Maß an Selbstbestimmung.

Die Schrift gibt Richtlinien um mit Tod und Sterbehilfe umzugehen.
Durch Palliativmedizin kann der Mehrzahl der Schmerzpatienten recht gut geholfen werden. Aber trotzdem gibt es einen kleinen Anteil von Patienten, die auch bei bester medizinischer Versorgung unter unertraeglichen Schmerzen leiden;

Leiden ist ein Teil des gegenwärtigen Leben und Tod (Römer 8:18; 2.Korinther 4:17-18; 1.Petrus 5:9-10). Darum wird der in Christus Sterbende geduldig irgendwelche Schmerzen ertragen, ganz speziell am Ende des Leben. Schmerz wird nicht der Anlass zur unbliblischen Tat der Euthanasie werden.
Zahlenangaben darueber bewegen sich bei wenigen Prozent. Das darf nicht dazu verleiten, das Problem fuer unbedeutend zu halten. Dass ihr Schicksal die Ausnahme ist, nuetzt den Betroffenen nichts: ihre Schmerzen sind unertraeglich.
Ebenso unertraeglich koennen – trotz medizinischer Behandlung – andere koerperliche Beschwerden werden: Atemnot, Kraempfe, fortlaufendes Erbrechen, Durchfall, und andere mehr.

Gegen all das gibt es tatsächlich ärztliche Hilfe... :idea:
Nicht in jedem Fall kann Palliativmedizin das Recht auf Hilfe zum Sterben ueberfluessig machen.

Warum nicht? Dein vermeintlicher Ausdruck der Barmherzigkeit setzt sich über die Anweisungen vom Gott aller Barmherzigkeit hinweg (Psalm 119:156) :!: Anstelle von Barmherzigkeitstöten müßen wir Barmherzigkeitsleben aufweisen, während wir für die Sterbenden unter uns beten, sie besuchen und betreuen.
Be careful how you spend your time: Spend your time in nothing which you know must be repented of. —Richard Baxter
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Scrypton » Mo 18. Jan 2010, 17:47

Pilgrim hat geschrieben:Nur eben ist Gottes Wort ausdrücklich klar in seiner Verdammung von beidem, Mord und Selbstmord, welches allerlei Arten von Sterbehilfe abdeckt.

"Gottes Wort" (viel eher, Menschenwort, welches als ein solches ausgelegt wird) spielt hier keine Rolle.
novin hat das ganze sehr schoen in seinem Beitrag erklaert und zusammengefasst: http://forum.ref.ch/viewtopic.php?p=654352#p654352
"Wieso muss er weiterleben, unter Schmerzen leiden mit teuren Medikamenten bis zur letzten Sekunde am Leben gehalten werden? Weil es Menschen gibt, die, warum auch immer, an ein übernatürliches etwas glauben und die Einbildung haben, dieses etwas wolle dass man einen Menschen gegen seinen Willen trotz Qualen und ohne Aussicht auf Besserung am Leben hält. Und jetzt verlasst für einen Moment eure religiöse Traumwelt, begebt euch in die Welt des weltlichen, wo alle Religionen gleich gestellt sind."

Irgendwelche "Richtlinien" der Bibel, die fuer DICH gelten wollen, gelten deshalb noch lange nicht allgemein.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon alegna » Mo 18. Jan 2010, 18:42

Scrypton hat geschrieben:Irgendwelche "Richtlinien" der Bibel, die fuer DICH gelten wollen, gelten deshalb noch lange nicht allgemein.

Da irrst Du Dich, auch wenn Du nicht daran glaubst gelten die "Richtlinien" auch für Dich.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon novim » Mo 18. Jan 2010, 18:47

alegna hat geschrieben:
Scrypton hat geschrieben:Irgendwelche "Richtlinien" der Bibel, die fuer DICH gelten wollen, gelten deshalb noch lange nicht allgemein.

Da irrst Du Dich, auch wenn Du nicht daran glaubst gelten die "Richtlinien" auch für Dich.


Das ist deine persönliche Meinung, und die ist in einer Rechtsfrage eben leider nicht gefragt. Zumal sie nicht einmal gut begründet ist... Grundrecht: Religionsfreiheit, da haben deine Überzeugungen Funkstille.

Wieso bist du dir so sicher dass sie für alle gelten? Wieso glaubst du daran? Wieso glaubst du alles was in der Bibel steht, die Bibel ist doch nichts weiter als eine Sammelfassung von verschiedenen Berichten von gläubigen Menschen. Wenn ich einen Bericht schreibe, kann man den dann nicht auch in die Bibel aufnehmen? Müssen die Beiträge 2000 Jahre alt sein um gültig zu sein?
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon alegna » Mo 18. Jan 2010, 19:31

novim hat geschrieben:Das ist deine persönliche Meinung, und die ist in einer Rechtsfrage eben leider nicht gefragt. Zumal sie nicht einmal gut begründet ist... Grundrecht: Religionsfreiheit, da haben deine Überzeugungen Funkstille.

Auch wenn der Bibel ihre Glaubwürdigkeit abgesprochen wird, ist und bleibt es Gottes Heilige Schrift. Natürlich Religionsfreiheit, doch diese wurde von Menschen geschaffen um ihrem Unglauben Zoll zu leisten. Gottes Wort bleibt trotzdem bestehen.
Mt 24,35 Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber sollen nicht vergehen.
Mk 13,31 Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.
Lk 21,33 Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.
Wieso bist du dir so sicher dass sie für alle gelten? Wieso glaubst du daran? Wieso glaubst du alles was in der Bibel steht, die Bibel ist doch nichts weiter als eine Sammelfassung von verschiedenen Berichten von gläubigen Menschen.

Ich glaube daran, weil jeder Gott selbst erfahren kann.
Mt 7,7 Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet werden!
Dies kann wahrhaftig jeder selber erleben. Gott ist lebendig.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Wolfi » Mo 18. Jan 2010, 19:49

@"alegna":

Auch wenn der Bibel ihre Glaubwürdigkeit abgesprochen wird, ist und bleibt es Gottes Heilige Schrift. Natürlich Religionsfreiheit, doch diese wurde von Menschen geschaffen um ihrem Unglauben Zoll zu leisten. Gottes Wort bleibt trotzdem bestehen.

Auch die Bibel wurde von Menschen geschaffen. Und schon lange bevor es einen Christengott gab, waren da schon unzählig viele andere Götter. Also warum sollte ausgerechnet der Christengott einen Sonderstatus erhalten, dem sich alle Andersgläubigen zu unterwerfen hätten?-
Was bin ich froh, nicht in einem Gottesstaat leben und mich "nur" den staatlichen Gesetzen fügen zu müssen. Wäre die Schweiz ein christlicher Gottesstaat, hätten sie mir wohl schon längst ein paar Exorzisten auf den Hals gehetzt ... :shock: :roll:
Bedenke wenigstens dies, alegna: Zur Zeit, als die Bibel geschrieben wurde, gab's noch keine moderne Medizin, welche in der Lage war, das Leben künstlich zu verlängern. Kein Wunder also, dass sich damals noch niemand mit dem Gedanken der Sterbehilfe auseinandersetzte und dies in der Bibel zu Papier brachte. Du und Deinesgleichen behaupten doch gerne, dass Jesus das Leiden für euch auf sich genommen hat. Warum also sollten Menschen heute plötzlich wieder sinnlos leiden müssen?- Weil Gott das so will?- Au Backe.
Und heisst es nicht auch: Du sollst nicht richten ... ? Verbietest du die aktive Sterbehilfe, wie wir sie heute kennen, würdest du aber genau das in übelster Weise und ohne dass es dir zustehen würde, tun.
Aber ich weiss schon: Das ist dir egal, denn in der Bibel steht: "Du sollst nicht töten." Punkt. :roll:
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon alegna » Mo 18. Jan 2010, 20:03

Wolfi hat geschrieben:Und heisst es nicht auch: Du sollst nicht richten ... ? Verbietest du die aktive Sterbehilfe, wie wir sie heute kennen, würdest du aber genau das in übelster Weise und ohne dass es dir zustehen würde, tun.
Aber ich weiss schon: Das ist dir egal, denn in der Bibel steht: "Du sollst nicht töten." Punkt. :roll:

Ach Wolfi.......mehr sag ich nicht dazu :roll:
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon novim » Mo 18. Jan 2010, 20:20

Ja, man kann schon sprachlos sein wenn man keine Argumente für seine Meinung hat ^-^

Zitat: "Auch wenn der Bibel ihre Glaubwürdigkeit abgesprochen wird, ist und bleibt es Gottes Heilige Schrift"
Schön, du siehst sie als heilige Schrift, glaubst du wirklich alles was darin steht. Es ist NICHT Gottes heilige Schrift, wenn dann ist es eine Schrift von mehreren Propheten die sagen, was ihre meinung ist was Gott will, das ganze verpacken sie in Legenden und Erzählungen, ich Gleichnisse. Wie naive die Kirche damals war ist in der Geschichte oft genug bewiesen worden. Ich persönlich arbeite auch lieber mit Gleichungen anstatt mit Gleichnissen.
Ich weiß nicht, aber wenn heute jemand ein Buch veröffentlichen würde und sagen würde "das ist Gottes Wort" würdest du dich dann auch für jede Tat durch Textstellen in diesem Buch rechtfertigen müssen? Wodurch gewinnt das Buch seine Autorität?

Religionfreiheit ist ein Menschenrecht, ein verdammt wichtiges und nichts dass die Ungläubigkeit von Menschen zulässt.

Was meinst du mit Gott erfahren? Du sprichst in Rätseln, soll das in irgendeiner Form intelligent klingen? Was geschieht konkret wenn man Gott erfährt, wie geht das und was kostet das, gibts das auch bei ebay, ich will das auch haben... Ich habe kein Problem damit wenn du so denkst. Aber ich habe in der Tat ein Problem damit wenn aufgrund deiner für mich sehr merkwürdigen Glaubensmuster, aufgrund einer Textstelle in einem von MENSCHENHAND verfassten Buch, viele Menschen gegen ihren Willen bei unguten Bedingungen unter Aufbringung von etlichen Kosten sinnlos Menschen am Leben erhalten werden obwohl sie es nicht wollen. Und du rechtfertigst das damit, dass du ein etwas erfahren hast das jeder erfahren kann und das in nem 2000 Jahre alten Buch ne Aussage steht die du dazu umführst dass dieses etwas das nicht mag? DAS ist eine SEHR GEILE Argumentation wirklich :D


Davon gibt und gab es derart viele Religionen die genausogute (bzw genauso schlechte) Argumente dafür haben dass ihre Religion stimmt, ihre Götter kann man auch erfahren :O Bei den hunderten Göttern von afrikanischen Stämmen, von den hunderten Indianerstämmen, der heutzutage großen Weltreligionen und allen Religionen die es jemals gab aber die durch die Vernichtung von Völkern aus Machtgeilheit zerstört wurden, zu sagen "dies ist die Richtige" ist meiner Meinung nach zml grenzwertig, man kann vllt sagen "dies ist die deren Moralvorstellungen auf die meinen am besten passen" aber nun wirlich nicht aufgrund des Glaubens einzelner die Moralvorstellungen von hunderten Religionen untermauern weil man selbst an andere Götter glaubt.


Ach ja, stell dir mal vor, ein Richter würde sein Urteil mit deiner Begründung begründen. Ich weiß nicht was er dabei denkt, aber ich weiß was er am nächsten Montag macht: Er steht am Arbeitsamt. Zurecht.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon alegna » Mo 18. Jan 2010, 20:31

novim hat geschrieben: wie geht das und was kostet das, gibts das auch bei ebay, ich will das auch haben...

Spott Du ruhig.

Sterbehilfe hilft den Menschen nur vordergründig.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon novim » Mo 18. Jan 2010, 21:00

Hey, anstatt auf die etlichen Argumente in meinem langen Beitrag auch nur ansatzweise einzugehen, du lässt sie total unkommentiert, regst du dich über diesen einen satirischen Satz auf. Falls das dich in irgendeiner Art gekränkt/was auch immer hat entschuldige ich mich...


ABer ich schreibe doch keinen Riesenbeitrag um diesen unkommentiert zu lassen, was ist denn los O_o
Und dein neues Argument klingt poetisch, ist aber nicht begründet und auch nicht erklärt wie du das meinst. Was ist das negative daran? Wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, wieso nicht diese qualvolle Phase überspringen und sofor in ein sorgenfreies Leben (bzw Toden) in den Himmel? Und wenn nicht, welchen Sinn macht es gegen den Willen eines Patienten die Leidenszeit zu verlängern?
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon alegna » Mo 18. Jan 2010, 21:17

novim hat geschrieben: regst du dich über diesen einen satirischen Satz auf. Falls das dich in irgendeiner Art gekränkt/was auch immer hat entschuldige ich mich...

Du brauchst Dich nicht entschuldigen, bin nicht gekränkt oder irgendsowas, aber....wenn aus einem Post Spott und Zynismus auf den christlichen Glauben geworfen wird, sehe ich nicht ein warum ich kommentieren soll.
Wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, wieso nicht diese qualvolle Phase überspringen und sofor in ein sorgenfreies Leben (bzw Toden) in den Himmel? Und wenn nicht, welchen Sinn macht es gegen den Willen eines Patienten die Leidenszeit zu verlängern?

Gegen den Willen des Patienten läuft mal gar nichts, das wäre unwürdig, in meinen Augen. Ich bin der Meinung Gott hat uns das Leben gegeben und er wird es wieder nehmen.
Ich weiss, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, ich weiss dass Du das nicht so siehst, die Frage ist wo Du die Ewigkeit verbringst. Hast Du Dein Leben Jesus übergeben, wirst Du mit ihm Leben, und ich habe noch von keinem Christen gehört, dass er sich sein Leben selbst beenden will. Hast Du Dein Leben nicht Jesus übergeben wirst Du die Ewigkeit getrennt von ihm verbringen, da wo Qualen und Pein herrschen. Ich glaube daran, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, denn so steht es in der Bibel.
Du redest von qualvollen Phase, von Leidenszeit, denkst Du nicht wir haben es nur verlernt mit Sterbenden umzugehen? Denkst Du nicht wir wollen den Tod von uns wegschieben, nichts damit zu tun haben, deshalb lieber vorher sterben lassen, damit wir uns nicht mit diesen Sterbenden auseinander setzen müssen? Denkst Du nicht es könnte doch eine Kostenfrage sein?
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon novim » Mo 18. Jan 2010, 21:56

Das mit dem Willen des Patienten ist natürlich klar, hab ich auch in meinem ersten Post deutlich gemacht.

Okay, deinen Standpunkt kenne ich jetzt. Aber wo sind die Argumente?

Du kannst nicht wissen dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Du kannst es höchstens glauben. Und der Glaube an ein Leben nach dem Tod ist oft verbunden mit der Hoffnung auf das Leben nach dem Tod. Aber woher kommt dieses "Wissen" oder besser dein Glaube an dieses Leben nach dem Tod? Es ist doch rational vollkommen unbegründet...
Was meinst du mit Ewigkeit verbringen, wenn man stirbt ist man tot auch wenns nicht leicht hinzunehmen ist. Die Gehirnzellen werden nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, sie sterben ab. Wenn sie bis zu einem bestimmten Grad funktionsunfähig sind ist ein Mensch eben Tod. Wiederbelebung im sanitären Sinn ist eben wenn lebensnotwendige Körperfunktionen versagen und durch Impulse von außen wieder die Körperfunktionnen wie Herzschlag angeregt werden. Weil die Hirnzellen noch nicht zu weit abgestorben sind geht es dann "normal" weiter. Greift hier der Mensch nicht auch in den Zyklus Leben-Tod von Gott ein der nur von Gott bestimmt wird? Oder ist es okay wenn durch Menschen ein Mensch länger lebt aber nicht wenn er früher stirbt? Und wenn, dann mit welcher Begründung?

"Das Leben Jesus übergeben"... Was soll das bedeuten? Was macht man dabei, wie geht das? Definier pls was das ist ich kann damit nichts anfangen.

Du glaubst an Leben nach dem Tod weil es in der Bibel steht? Die Bibel ist ein Buch. Dieses Buch wurde nachweislich von Menschen geschrieben. Hättest du zu dieser Zeit gelebt hättest du auch Verse dafür schreiben können. Sie gibt nur die Meinung von Philosophen wieder, von zu dieser Zeit führenden Theologen wie sie vor 2000 Jahren die Sachen gesehen haben. Wieso nimmst du dieses Buch als Quelle des Glaubens? Es ist nichts weiter als eine historische Quelle über die damalige Interpretation von Gott.

Bei der Sterbehilfe geht es ja nicht darum ob wir uns von dem Tod distanzieren wollen oder whatever, es geht um den Kranken und nur um den Kranken.
Eine Kostenfrage kann ich nicht komplett von mir weisen. Es mag zwar unmoralisch klingen aber es ist nunmal meine Meinung. In Afrika sterben tausende Kinder an Krankheiten die durch einfache Impfdosen im Wert von 5 € verhindert werden könnten. Anstatt diesen Menschen zu helfen halten wir Menschen wochenlang gegen ihren Willen leben, obwohl sie keine Hoffnung auf Besserung haben und an ihrem Zustand nur leiden. Die afrikanischen Kinder, die wollen leben. Ist das Gottes Wille? Wenn dem so ist... :?
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Pilgrim » Mo 18. Jan 2010, 22:46

Scrypton hat geschrieben:Irgendwelche "Richtlinien" der Bibel, die fuer DICH gelten wollen, gelten deshalb noch lange nicht allgemein.

Qualifiziert Glauben über ein Jenseits als ein religiöser Glaube?
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Scrypton » Di 19. Jan 2010, 00:23

alegna hat geschrieben:
Scrypton hat geschrieben:Irgendwelche "Richtlinien" der Bibel, die fuer DICH gelten wollen, gelten deshalb noch lange nicht allgemein.

Da irrst Du Dich, auch wenn Du nicht daran glaubst gelten die "Richtlinien" auch für Dich.

Behauptung, die du nicht belegen oder sonstwie erklaeren kannst, ohne dich auf deinen Glauben und irgendwelche Bibelphrase zu berufen.
Du glaubst an Fantasieprodukte? Meinetwegen - aber versuch nur nicht, sie mir aufzuzwingen ;).

alegna hat geschrieben:Auch wenn der Bibel ihre Glaubwürdigkeit abgesprochen wird, ist und bleibt es Gottes Heilige Schrift.

Belege bitte!
Statt einer Religion die zu einer ultimativen Wahrheit fuehrt, gibt es viele verschiedene Religionen ohne gemeinsamen Ursprung (abgeshen von ein paar wenigen Ausnahmen), alle scherbeln dauernd in noch uneinigere Dominationen, suchen widerspruechliche Wahrheiten und alle behaupten sie haetten goettliche Anleitung, trotz ihrer staendigen Divergenz in alle Richtungen.
Die juedische Tora, die christlichen Evangelien, der islamische Koran, der Kitab-i Agdas von Bahá'u'lláh, die hinduistische Veda, die Avestos von Zarathustra, die adi grand de sigs, die Bagavagita, das Buch Mormon und das Buch Urantia sind alle als die "absolute Wahrheit" und als das "offenbarte Wort" des "einzig wahren Gottes" deklariert und von jedem sagen die Anhaenger dass die anderen getaeuscht sind. Keine von ihnen hat einen bestimmten Vorteil gegenueber den anderen, keine von ihnen wird durch Beweise unterstuetzt und keine von ihnen ist historisch nachweisbar.

Ironischerweise lehnen die Glaeubigen die Werke von Gott ab als die Schoepfung ueber dem Schoepfer verehren, aber dann richten sie die Worte von Menschen ueber Gott auf, als Gott und beharren sogar darauf, dass ihre sogenannten "heiligen" Buecher zu widerlegen irgendwie auch bedeuten wuerde, Gott zu widerlegen. Manche Christen glauben, dass wenn die Bibel falsch ist, Gott gelogen hat. Sie koennen nicht akzeptieren, dass Gott existieren aber die Bibel falsch sein koennte, da sie Dogtrin nicht von Gottheit unterscheiden koennen. Daher ist es eine Art Goetzendienst worin die Glaeubigen eine von menschenhand geschaffene Kompilation verehren, als waeren diese Buecher Gott selbst, da sie denken es sei "sein" Wort.
Aber Gott schrieb oder diktierte nie irgendeine der Schriften irgendeiner Religion. Alles das die Menschen ablehnten oder mit einbezogen in ihr angeblich "unveraenderliches" Wort von irgendeinem Gott wurde ersonnen, entworfen, kompiliert, uebersetzt, interpretiert, bearbeitet und oft absichtlich veraendert oder "verbessert" von blosen, fehlbaren Menschen.

alegna hat geschrieben:Ich glaube daran, weil jeder Gott selbst erfahren kann.

Richtig - und zwar immer so, wie man ihn haben will. Dass das nicht fuer ihn spricht, muss ich eigentlich nicht erwaehnen.

Desweiteren, will ich mal eine Frage in den Raum werfen:
Nehmen wir irrationaler Weise einfach mal an, es gaebe einen Gott - und nur er duerfe und koenne entscheiden, wer zu leben hat und wer sterben muss. Ist es dann falsch, Maschinen, die jemanden am Leben erhalten, abzuschalten? Bei der Frage muss man bedenken, dass dieser Jemand ohne diese medizinisch/technischen Lebenserhaltungsmaßnahmen bereits tot waere. Dies heißt nichts anderes, als dass man mit diesen Maßnahmen bereits eingreift und den "goettlichen Willen" ignoriert, ihn zeitlich hinauszoegert.
Ist das Abschalten solcher Maschinen, betrachtet von einem anderen Blickwinkel, nicht sogar ein Rueckschritt menschlichen Eingriffs in den Lauf der Dinge und somit genau das, was die "religioes inspirierten Kritiker" wollen? ;)
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Pilgrim » Di 19. Jan 2010, 00:45

Scrypton hat geschrieben:...aber versuch nur nicht, sie mir aufzuzwingen

Was ist denn der Unterschied zwischen was wir tun und was du tust...?
Statt einer Religion die zu einer ultimativen Wahrheit fuehrt...

Dann glaubst du, daß wir durch Logik die Wahrheit finden können?
Nehmen wir irrationaler Weise einfach mal an, es gaebe einen Gott - und nur er duerfe und koenne entscheiden, wer zu leben hat und wer sterben muss. Ist es dann falsch, Maschinen, die jemanden am Leben erhalten, abzuschalten? Bei der Frage muss man bedenken, dass dieser Jemand ohne diese medizinisch/technischen Lebenserhaltungsmaßnahmen bereits tot waere. Dies heißt nichts anderes, als dass man mit diesen Maßnahmen bereits eingreift und den "goettlichen Willen" ignoriert, ihn zeitlich hinauszoegert.
Ist das Abschalten solcher Maschinen, betrachtet von einem anderen Blickwinkel, nicht sogar ein Rueckschritt menschlichen Eingriffs in den Lauf der Dinge und somit genau das, was die "religioes inspirierten Kritiker" wollen?

Du setzt einen Strohmann auf um ihn runterzuhauen. Wir sprechen hier nicht von Toten die künstlich "am Leben" gehalten werden, sondern von Euthanasie!
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon alegna » Di 19. Jan 2010, 07:28

Pilgrim hat geschrieben:Wir sprechen hier nicht von Toten die künstlich "am Leben" gehalten werden, sondern von Euthanasie!

Eben, dies ist nämlich ein Unterschied.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Taube » Di 19. Jan 2010, 09:42

alegna hat geschrieben:...
denkst Du nicht wir haben es nur verlernt mit Sterbenden umzugehen? Denkst Du nicht wir wollen den Tod von uns wegschieben, nichts damit zu tun haben, deshalb lieber vorher sterben lassen, damit wir uns nicht mit diesen Sterbenden auseinander setzen müssen? Denkst Du nicht es könnte doch eine Kostenfrage sein?

Ja, das sind einige ganz wichtige Punkte. Wo der Sterbende Angst vor der Einsamkeit hat, kommen schnell auch die Gedanken sofort sterben zu wollen. Die Kostenfrage wird auch immer wichtiger, auch für den Sterbenden, er will nicht noch den Hinterbleibenden zur Last fallen.

Aber da ist noch ein Punkt mit der Kostenfrage: Die ganz bösen Erfahrungen im Hitlerreich, wo es um das lebensunwerte Leben geht, soll uns auch ein Fingerzeig sein: Zu schnell kommen auch ganz unethische Fragen ins Spiel, wo beginnt der Druck auf die Sterbenden, weil es sich sowieso nicht mehr lohnt zu leben. Deshalb denke ich, man muss da sehr vorsichtig sein, lieber etwas zu viel Einschränkungen für Sterbehilfe als zu viel Freiheit. Es ist zum Schutz von allen, - auch von mir selber.

Gruss Taube
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Wolfi » Di 19. Jan 2010, 10:29

@ jene, die meinen gegen die aktive Sterbehilfe Stellung beziehen zu müssen:
Habt ihr euch denn schon mal an der Quelle der Institutionen informiert, welche die Dienstleistung der aktiven Sterbehilfe praktizieren?- Ich vermute mal, dass dies bei den meisten von euch nicht der Fall ist. Wenn dem so ist: Warum habt Ihr das unterlassen?-
Und jene unter euch, die wider Erwarten doch schon die Seiten besucht haben: Wie wollt Ihr deren Argumente, mit denen sie ihr Tun begründen, entkräften oder gar widerlegen? -
Übrigens: Wer bei Google "Dignitas" oder "Exit" eingibt, findet die entsprechenden Informationsquellen sofort.

@"Taube":

alegna hat geschrieben:...
denkst Du nicht wir haben es nur verlernt mit Sterbenden umzugehen? Denkst Du nicht wir wollen den Tod von uns wegschieben, nichts damit zu tun haben, deshalb lieber vorher sterben lassen, damit wir uns nicht mit diesen Sterbenden auseinander setzen müssen? Denkst Du nicht es könnte doch eine Kostenfrage sein?

Ja, das sind einige ganz wichtige Punkte. Wo der Sterbende Angst vor der Einsamkeit hat, kommen schnell auch die Gedanken sofort sterben zu wollen. Die Kostenfrage wird auch immer wichtiger, auch für den Sterbenden, er will nicht noch den Hinterbleibenden zur Last fallen.

Hängt es nicht gerade mit dem christlichen Glauben zusammen, dass unsere Gesellschaft hier einen ziemlich verkrampften Umgang mit Sterbenden praktiziert?-
Den Tod von uns wegschieben, indem man von der Sterbehilfe Gebrauch macht?- Das Gegenteil ist doch dabei der Fall. :roll:
Bei keiner der praktizierenden Sterbehilfe-Organisationen wäre es denkbar, die Leistung aus "Kostengründen"-Überlegungen zu beanspruchen. Diese Befürchtung ist also völlig aus der Luft gegriffen. Genauso aus der Luft gegriffen, wie deine Befürchtung, es könnte wieder mal einer wie Hitler kommen, um sich über ethische Grundprinzipien einfach so hinwegzusetzen.


Lieber etwas zu viel Einschränkungen für Sterbehilfe als zu viel Freiheit. Es ist zum Schutz von allen, - auch von mir selber.

Ausgerechnet du, der sich jeweils so schön in's Zeug legen kann, wenn Wirtschaft oder Politik sich über unsere Interessen hinwegsetzt und dadurch unsere Freiheit, oder gar unser Leben bedroht, ausgerechnet du bittest hier plötzlich um Beschränkung von höherer Instanz?-
Zum Schutz von uns allen?- Dignitas und Exit garantieren dadurch, wie sie konzipiert sind, doch schon völlig ausreichend Schutz. Wozu/wofür noch mehr "Schutz"/Einschränkung der persönlichen Freiheit?
lg, wolfi
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Taube » Di 19. Jan 2010, 10:48

Wolfi hat geschrieben:@"Taube":
Taube hat geschrieben:Ja, das sind einige ganz wichtige Punkte. Wo der Sterbende Angst vor der Einsamkeit hat, kommen schnell auch die Gedanken sofort sterben zu wollen. Die Kostenfrage wird auch immer wichtiger, auch für den Sterbenden, er will nicht noch den Hinterbleibenden zur Last fallen.

Hängt es nicht gerade mit dem christlichen Glauben zusammen, dass unsere Gesellschaft hier einen ziemlich verkrampften Umgang mit Sterbenden praktiziert?-
Den Tod von uns wegschieben, indem man von der Sterbehilfe Gebrauch macht?- Das Gegenteil ist doch dabei der Fall. :roll:
Bei keiner der praktizierenden Sterbehilfe-Organisationen wäre es denkbar, die Leistung aus "Kostengründen"-Überlegungen zu beanspruchen. Diese Befürchtung ist also völlig aus der Luft gegriffen. Genauso aus der Luft gegriffen, wie deine Befürchtung, es könnte wieder mal einer wie Hitler kommen, um sich über ethische Grundprinzipien einfach so hinwegzusetzen.

Ob es mit dem christlichen Glauben zusammenhängt, dass man einen verkrampften Umgang hat mit dem Sterben, weiss ich nicht, kann es auch nicht ausschliessen. Der Tod hatte allerdings schon ganz früh in der Menschheit zu Fragen und dann zur Religion geführt.

Dass die Rückblende zu Hitler nicht so stark aus der Luft gegriffen ist, zeigt das Gegenteil vom Sterben, nämlich die Geburt. Heute wird auf Schwangere recht grossen Druck ausgeübt, die entsprechenden Tests machen zu lassen, um sie dann vor die Entscheidung zu stellen betreffend Abtreibung. Immer wieder hört man so Bemerkungen wie "Der hat ja am Schluss auch nichts mehr vom Leben gehabt" und dies kann sehr schnell weiter gehen. Auch wenn man im Spital die Angehörigen fragt, ob man noch lebensverlängernde Massnahmen in die Wege leiten soll oder sich auf palliative Pflege beschränken soll, kommen viele ethische Fragen ins Spiel.

So leicht die Probleme zu übergehen, wie Du es machst, wolfi, ist der Problematik auch nicht angemessen. Wir haben da doch genau zu sehen, dass da verschiedene gesellschaftliche Werte in Übereinstimmung gebracht werden müssen. Der Wunsch zu sterben ist ernst zu nehmen und soll auch nicht verboten werden. Das wäre auch eine Einschränkung der persönlichen Freiheit. Allerdings sollten gesetzlichen Bestimmungen sehr streng gehandhabt werden.

Gruss Taube
Zuletzt geändert von Taube am Di 19. Jan 2010, 11:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Taube » Di 19. Jan 2010, 11:01

Wolfi hat geschrieben:@ jene, die meinen gegen die aktive Sterbehilfe Stellung beziehen zu müssen:
Habt ihr euch denn schon mal an der Quelle der Institutionen informiert, welche die Dienstleistung der aktiven Sterbehilfe praktizieren?


Dabei ist es schon so, dass eine der Institution nicht gerade den besten Namen hat. ...und dass da auch offensichtlich schon psychisch Kranken zum Suizid verholfen wurde, ist schon nicht so vertrauenserweckend.

Zur Homepage: Angesichts des Ernstes dieser Fragen um den Tod, sehen diese Internetauftritte nicht sehr würdig aus, eher billig, finde ich. Solche HP mache ich Dir auch. Dabei ist Exit noch etwas besser im Aussehen, aber schon auf der ersten Seite wird sie polemisch. Das Schlagwort "EXIT schützt Sie bei Krankheit und Unfall vor Behandlungswillkür." geht doch zu weit für eine Firma, die seriös sein will. Der Internetauftritt bei Dignitas ist einfach lieblos.

Gruss Taube
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Wolfi » Di 19. Jan 2010, 11:41

@"Taube":

Ob es mit dem christlichen Glauben zusammenhängt, dass man einen verkrampften Umgang hat mit dem Sterben, weiss ich nicht, kann es auch nicht ausschliessen. Der Tod hatte allerdings schon ganz früh in der Menschheit zu Fragen und dann zur Religion geführt.

Schau mal: Es wird doch immer wieder gesagt, dass das Fundament unserer Gesellschaft ein christliches sei. Also ist es doch naheliegend, dass der christliche Glaube mitverantwortlich zu machen ist dafür, dass unsere Gesellschaft eben nun oftmals ein verkrampftes Verhältnis zum Tod hat?- Wer an Himmel/Hölle, Gott/Teufel oder Erlösung/Verdammnis glaubt, der kann verständlicherweise nicht unverkrampft mit dem Tod umgehen. Da es das Christentum ist, welches solche Dinge predigt, steht die christliche Lehre sehr wohl in der Verantwortung für dieses eigenartige Umgehen mit dem Sterben.

Dass die Rückblende zu Hitler nicht so stark aus der Luft gegriffen ist, zeigt das Gegenteil vom Sterben, nämlich die Geburt.

Ein genialer Schwenker von der hier diskutierten Problematik zu einer weiteren, die nicht weniger problematisch durch den Glauben kompliziert wird. Ich werte es mal als Ablenkungsmanöver, wie auch das, was du über die Internetauftritte der von mir genannten Organisationen geschrieben hast. Zum Inhaltlichen hast du nämlich gar nichts erwähnt ...

Auch wenn man im Spital die Angehörigen fragt, ob man noch lebensverlängernde Massnahmen in die Wege leiten soll oder sich auf palliative Pflege beschränken soll, kommen viele ethische Fragen ins Spiel.

Gelesen hast du aber nicht sehr viel von dem, was auf den von dir kritisierten Seiten geschrieben steht. Sonst wäre diese Bemerkung deinerseits gar nicht erst gemacht worden.

So leicht die Probleme zu übergehen, wie Du es machst, wolfi, ist der Problematik auch nicht angemessen.

Tschuldigung, aber projizierst du da nicht etwas von dir auf mich?-

Wir haben da doch genau zu sehen, dass da verschiedene gesellschaftliche Werte in Übereinstimmung gebracht werden müssen.

Gesellschaftliche oder christliche Werte?

Der Wunsch zu sterben ist ernst zu nehmen und soll auch nicht verboten werden. Das wäre auch eine Einschränkung der persönlichen Freiheit. Allerdings sollten gesetzlichen Bestimmungen sehr streng gehandhabt werden.

Das werden sie doch auch. Oder wo siehst du in der bestehenden Gesetzgebung eine Lücke?
lg, wolfi
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Taube » Di 19. Jan 2010, 11:46

Wolfi hat geschrieben:
Taube hat geschrieben:...
Auch wenn man im Spital die Angehörigen fragt, ob man noch lebensverlängernde Massnahmen in die Wege leiten soll oder sich auf palliative Pflege beschränken soll, kommen viele ethische Fragen ins Spiel.

Gelesen hast du aber nicht sehr viel von dem, was auf den von dir kritisierten Seiten geschrieben steht. Sonst wäre diese Bemerkung deinerseits gar nicht erst gemacht worden.

Nein, diese Informationen habe ich direkt aus Pflegekreisen. Sind diese Stimmen nicht auch wichtig?

Gruss Taube
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Re: Aktive Sterbehilfe in der Schweiz?

Beitragvon Taube » Di 19. Jan 2010, 11:52

Wolfi hat geschrieben:@"Taube":
Der Wunsch zu sterben ist ernst zu nehmen und soll auch nicht verboten werden. Das wäre auch eine Einschränkung der persönlichen Freiheit. Allerdings sollten gesetzlichen Bestimmungen sehr streng gehandhabt werden.

Das werden sie doch auch. Oder wo siehst du in der bestehenden Gesetzgebung eine Lücke?
lg, wolfi

Ich denke schon, zu viel ist passiert mit dem Freitodbegleiter Minelli:

Wenn Leute in einem kleinen Bus sterben müssen, wenn die Asche einfach bei Nacht und Nebel in den See geworfen wird, wenn angeblich sogar Gas (Helium) benutzt wurde, wird die Würde des Menschen nicht mehr gross geachtet. In dieser Hinsicht muss noch ganz stark gehandelt werden, die Regelungen sollten da viel weitergehen.

Gruss Taube
Zuletzt geändert von Taube am Di 19. Jan 2010, 12:10, insgesamt 1-mal geändert.
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