Weihnachten abschaffen?

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Weihnachten abschaffen?

Beitragvon origo » Fr 26. Dez 2008, 12:56

Kein Weihnachten mehr?
Weihnachten ist die Zeit, in der sich die Christen weltweit an die Geburt Jesu erinnern und diese feiern. Doch vielerorts wird dieses friedliche Fest inzwischen immer mehr abgeschafft: Zum einen, weil es manchen Atheisten ein Dorn im Auge ist, zum anderen, weil man andere Glaubensgemeinschaften in ihren religiösen Gefühlen nicht verletzen will.

So berichtet http://www.jesus.de von atheistischen Plakataktionen in London und Washington. Unter Berufung auf die bosnische Nachrichtenagentur „Tanjug“ wird ausserdem berichtet, dass in Sarajewo in den 24 Kindergärten der Stadt in diesem Jahr kein Weihnachten gefeiert wird. Es gibt weder Weihnachtsbäume noch Geschenke. Der Grund: die Einführung eines verpflichtenden muslimischen Religionsunterrichts in den Kindergärten. Dabei besteht die bosnische Bevölkerung zu 43 Prozent aus Muslimen und zu 48 Prozent aus Christen. Laut Leo Plockinic, Präsident der Nichtregierungs-Organisation „Croatian Libertas“, könne Bosnien bald zu einem radikal-islamischen Land werden, wenn sich dieser Trend fortsetze.

Auch in England bemüht man sich um die Abschaffung des christlichen Weihnachtsfestes. Damit sich Angehörige anderer Religionsgemeinschaften künftig nicht mehr durch das Feiern des christlichen Festes verletzt fühlen, feiert die Stadt Oxford nun künftig nicht mehr Weihnachten, sondern das „Lichterfest“ („Winter Light Festival“), so die Internetseite weiter. Atheisten hatten sich für eine Umbenennung des Weihnachtsfestes eingesetzt – mit Erfolg.
Gegenüber Radio Vatikan sagte Erzbischof Gianfranco Ravasi, Kultur-Minister des Vatikans, dass mit der Abschaffung von Weihnachten die Europäer ihre eigene Identität verleugneten und kritisierte die Entscheidung scharf. (Quelle: www.zukunft-ch.ch)

Meine Fragen: Wieso sollte sich jemand durch das Feiern von Weihnachten "verletzt" fühlen?
Sind nicht gerade Werte wie die christlichen in der jetzigen unsicheren Zeit wichtig und gefragt?

LG origo
Zuletzt geändert von origo am Fr 26. Dez 2008, 17:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon valdes » Fr 26. Dez 2008, 13:26

origo hat geschrieben:Wieso sollte sich jemand durch das Feiern von Weihnachten "verletzt" fühlen?


verletzt fühlen, ist etwas übertrieben. ich finde es unnötig. vor allem finde ich unnötig, dass sich der staat an religiösen festen beteiligt.

und das führt mich zu deiner nächsten frage:
Sind nicht gerade Werte wie die christlichen in der jetzigen unsicheren Zeit wichtig und gefragt?


wir leben in einer mulitreligiösen gesellschaft. das beste, was der staat (jeder staat, nicht nur die europäischen) tun kann, um den religionsfrieden zu wahren, ist sich neutral in religiösen fragen zu verhalten. der laizismus, den die franzosen erfunden haben, um die macht der katholischen kirche zu begrenzen, ist wohl die antwort für die zukunft.
in staatlichen einrichtungen gilt staatliches recht und religion findet ausschliesslich im privaten statt. dort darf jeder beten, feiern und essen, was er will. wenn der staat aber weihnachten feiert, muss er auch ramadan und jom kippur feiern. ich glaube, das will niemand.

religiöse werte mögen gefragt sein, sind aber keine staatsaufgabe.
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon sugi » Fr 26. Dez 2008, 21:14

origo hat geschrieben:Weihnachten ist die Zeit, in der sich die Christen weltweit an die Geburt Jesu erinnern und diese feiern.

Nur an Weihnachten?

Ich finde es schade, wieviele bei diesem ganzen "Jubel-Trubel" mitmachen..


Apropo abschaffen: Andere Glaubensrichtung :idea:
Vertraue auf den Herrn mit deinem ganzen Herzen
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Auf all deinen Wegen erkenne nur ihn,
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon origo » Fr 26. Dez 2008, 22:20

sugi hat geschrieben:Nur an Weihnachten?

Nein, natürlich nicht nur an Weihnachten. Das wichtigste christliche Fest ist bekanntlich Ostern. Aber natürlich denken wir nicht nur dann an Jesus.
Das ist übrigens nicht von mir, es ist ein Zitat aus dem genannten Text.
Andere Glaubensrichtung :idea:

Was meinst Du damit?

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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon origo » Fr 26. Dez 2008, 22:43

valdes hat geschrieben:vor allem finde ich unnötig, dass sich der staat an religiösen festen beteiligt.

So ganz unnötig finde ich es nicht, weil es eine jahrhundertealte kulturelle Tradition ist.
Aber völlig unnötig finde ich, dass sich der Staat - und dann noch mit zig-Millionenbeträgen an einer privatwirtschaftlichen Sportveranstaltung wie der UEFA-Carlsberg-Euro'08 beteiligt.
das beste, was der staat (jeder staat, nicht nur die europäischen) tun kann, um den religionsfrieden zu wahren, ist sich neutral in religiösen fragen zu verhalten. der laizismus, den die franzosen erfunden haben, um die macht der katholischen kirche zu begrenzen, ist wohl die antwort für die zukunft.
in staatlichen einrichtungen gilt staatliches recht und religion findet ausschliesslich im privaten statt. dort darf jeder beten, feiern und essen, was er will. wenn der staat aber weihnachten feiert, muss er auch ramadan und jom kippur feiern.

Das sehe ich nicht so. Wir haben eine abendländisch-christliche Tradition seit vielen Jahrhunderten. Genauso haben die arabischen Länder eine islamische Tradition. Wenn ich in diese Länder reise, erwarte ich nicht, dass diese Tradition nur in der Zurückgezogenheit der Privathäuser stattfindet. Und ich lasse mir sagen, dass es besser ist, während des Ramadan nicht in öffentlichen Parks zu picknicken.

Im Kindergarten z.B. ist es für alle Kinder ein Erlebnis, Feste zu feiern, ob es jetzt Geburtstage oder öffentliche Feste des Jahreslaufes seien. Natürlich sollen solche, die einen religiösen Bezug haben, angekündigt werden. Dann können die, welche das nicht wollen, sich abmelden.
Es wäre schade, all diese Feste abzuschaffen. Gerade Weihnachten ist nicht nur ein religiöses Fest, sondern auch eine Art 'Volksfest' geworden. Und übrigens haben wir in der CH keine Machtansprüche der christlichen Religionen.
Aber deswegen müssen nicht zwangsweise alle Feste aller Minderheiten auch noch gefeiert werden.

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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon sugi » Sa 27. Dez 2008, 13:45

origo hat geschrieben:
sugi hat geschrieben:Nur an Weihnachten?

Nein, natürlich nicht nur an Weihnachten. Das wichtigste christliche Fest ist bekanntlich Ostern.

Wo bekanntlich der Osterhase die farbigen Ostereier versteckt..

Aber natürlich denken wir nicht nur dann an Jesus.

Das will ich mit dem nicht gemeint haben....es geht mir nur um das "drumherum".

Andere Glaubensrichtung :idea:

Was meinst Du damit?

..eben, das kommt von deinem Zitat oben..
"Damit sich Angehörige anderer Religionsgemeinschaften künftig nicht mehr durch das Feiern des christlichen Festes verletzt fühlen,"

Darum sagte ich: andere Glaubensrichtingen.
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon sugi » Sa 27. Dez 2008, 13:55

origo hat geschrieben:
valdes hat geschrieben:vor allem finde ich unnötig, dass sich der staat an religiösen festen beteiligt.

So ganz unnötig finde ich es nicht, weil es eine jahrhundertealte kulturelle Tradition ist.

Und diese Tradition hängt mir zum Hals raus..sorry, wenn ich das so sage.

Im Kindergarten z.B. ist es für alle Kinder ein Erlebnis, Feste zu feiern, ob es jetzt Geburtstage oder öffentliche Feste des Jahreslaufes seien. Natürlich sollen solche, die einen religiösen Bezug haben, angekündigt werden. Dann können die, welche das nicht wollen, sich abmelden.

Bei meinen Kindern war das im Kindergarten und auch jetzt in der Schule nach wie vor ein Thema.
Sie hörten die Geschichte von Jesu Geburt und sangen Lieder....

Bei meinem Grossen wechselts danach wieder zur ET rüber.. ;)


Es wäre schade, all diese Feste abzuschaffen. Gerade Weihnachten ist nicht nur ein religiöses Fest, sondern auch eine Art 'Volksfest' geworden.

Vllt hast du bemerkt, ich bin gegen diese Art Fest. Weil es meiner Meinung nach nichts mehr mit der Geburt Jesu zutun hat. Hab kürzlich im TV gesehen, dass in China (extremer als bei uns) mit farbigen Lichter geschmückt wird..aber keine Ahnung haben, welcher Hintergrund Weihnachten eigentlich hat. Nach einer Umfrage auf der Strasse: Keine Ahnung, Tod von Jesus, weil das so ist etc.


Und übrigens haben wir in der CH keine Machtansprüche der christlichen Religionen.

Daran störe ich mich nicht. Ändern kann man eh nichts..
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon kalypso » Sa 27. Dez 2008, 14:52

wir leben in einer mulitreligiösen gesellschaft. das beste, was der staat (jeder staat, nicht nur die europäischen) tun kann, um den religionsfrieden zu wahren, ist sich neutral in religiösen fragen zu verhalten. der laizismus, den die franzosen erfunden haben, um die macht der katholischen kirche zu begrenzen, ist wohl die antwort für die zukunft.


Ich habe mal gelesen, dass gerade die Franzosen selbst ihren Laizismus nicht mehr für zukunftsfähig halten! Gerade in einer multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft macht es keinen Sinn, religiöse Feste oder auch Symbole (Kreuz, Kippa, Kopftuch) in den privaten Bereich zu verbannen. Denn dies schürt mehr das Misstrauen und die Angst gegenüber dem Fremden, weil das Andere abgschottet wird. Leider weiss ich nicht mehr genau wo, wer und wie die Argumentation genau war.

Ich sehe keinen Grund Weihnachten (aber auch Jom Kippur und Ramadan) z.B. aus den Schulen zu verbannen. Weshalb sollen nicht die christlichen, jüdischen und muslimischen Kinder in der Schule ihren andersgläubigen FreundInnen ihre wichtigsten Feste erklären und zusammen feiern (als Gäste in einer jeweiligen anderen Religion). Unter jeweils fachkundigen Leitungen, versteht sich. Es wurde schon gesagt, dass dies für Kinder ein Erlebnis ist. Ich kann mir vorstellen, dass dies mithelfen kann, eigene religiöse Identität zu finden und den Religionsfrieden zu wahren. Wenn Respekt vor dem anderen nicht in der Schule gelernt und gelehrt werden kann, wo dann? Was Hänschen nicht lernt... Aber gerade "Religion" kann nicht rein objektiv (aus der Aussenperspektive) gelehrt werden, wenn das Ziel "Frieden" unter den versch. Religionszugehörigen ist (denn die Religionen selbst machen/haben weder Krieg noch Frieden). Eine Innenperspektive gehört dann immer mit dazu.
Allerdings kann Christentum auch kulturell vermittelt werden. Das ist wichtig. Denn wer die westliche Kultur verstehen will, sollte die grundlegendsten biblischen Geschichten- zu denen die Weihnachtsgeschichte gehört - kennen (natürlich sollte er auch noch viel anderes kennen, aber Bibelkunde gehört dazu), ob er daran glaubt, ist eine andere Frage. Das hat dann aber nichts mehr mit dem Religionsfrieden zu tun, aber es erleichtert das Leben hier (beim nächsten Museums- oder Konzertbesuch oder in der Schule, wenn die Kinder Goethe lesen müssen oder wenn von irgendwelchen Sprichwörtern von Gruben, die einer gräbt oder Hiobsbotschaften oder von Samariterkursen, verlorenen Söhnen, vorsintflutlichen Sitten etc. die Rede ist)

Und: Zur Idee Weihnachten zu privatisieren oder abzuschaffen kann ich mir vorstellen, dass nicht nur ChristInnen protestieren werden. Dafür vermarktet sich dieses Fest zu gut. Und wenn man durch die Strassen geht, merkt man auch schon recht schnell, dass es sich weitestgehend säkulariesiert hat. Ich zumindest sehe mehr Weihnachtsmänner (in einem anderen Thread wurde aufmerksam darauf gemacht, diesen nicht mit dem chrtl. Hl. Nikolaus zu verwechseln) als Krippen mit der Heiligen Familie.
(Oeffentlich) aufmerksam zu machen, dass andere Religionen auch Lichtfester haben, die in dieselbe Zeit fallen (Bsp. jüdisches Chanukka, wie heisst das islam. Lichterfest oder das hinduistische?, die gibts nämlich auch) wäre sinnvoll und auch dem Religionsfrieden zuträglich! Denn es öffnet Augen und Horizonte für die Anderen, die mitten unter uns leben! Es hilft verstehen, wenn man denn will und fördert den gegenseitigen Respekt mehr, als die Haltung: in seinem Heim darf der machen, feiern, essen, was er will, aber bitte nicht in der Oeffentlichkeit.
Zuletzt geändert von kalypso am Sa 27. Dez 2008, 14:55, insgesamt 1-mal geändert.
"All unsere Weisheit, sofern sie wirklich den Namen Weisheit verdient [...] umfasst im Grunde eigentlich zweierlei: die Erkenntnis Gottes und unsere Selbsterkenntnis" Johannes Calvin, Institutio I,1
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon valdes » Sa 27. Dez 2008, 14:52

origo hat geschrieben:Aber völlig unnötig finde ich, dass sich der Staat - und dann noch mit zig-Millionenbeträgen an einer privatwirtschaftlichen Sportveranstaltung wie der UEFA-Carlsberg-Euro'08 beteiligt.


das fand ich auch unnötig. hab beim euro '08 kredit in der stadt bern auch nein gestimmt.


Das sehe ich nicht so. Wir haben eine abendländisch-christliche Tradition seit vielen Jahrhunderten. Genauso haben die arabischen Länder eine islamische Tradition. Wenn ich in diese Länder reise, erwarte ich nicht, dass diese Tradition nur in der Zurückgezogenheit der Privathäuser stattfindet. Und ich lasse mir sagen, dass es besser ist, während des Ramadan nicht in öffentlichen Parks zu picknicken.


diese traditionen durchmischen sich aber dank migration. die nicht-christInnen sind im abendland schon heute eine signifikante minderheit. in teilen der urbanen zentren wohl schon eine mehrheit. die integration dieser minderheit läuft meiner meinung nach nicht über die religion, sondern über das rechtssystem und den damit verbundenen werten.


Es wäre schade, all diese Feste abzuschaffen. Gerade Weihnachten ist nicht nur ein religiöses Fest, sondern auch eine Art 'Volksfest' geworden.


dieses volksfest wird nicht im geringsten tangiert, wenn es in winterfest umgewandelt wird und die geburt jesu nur eine nebenrolle im privaten spielt.

Und übrigens haben wir in der CH keine Machtansprüche der christlichen Religionen.
Aber deswegen müssen nicht zwangsweise alle Feste aller Minderheiten auch noch gefeiert werden.


was ist denn die aussage "unsere feste werden gefeiert, eure nicht" anderes als ein machtanspruch?
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon valdes » Sa 27. Dez 2008, 15:09

kalypso hat geschrieben:
Ich habe mal gelesen, dass gerade die Franzosen selbst ihren Laizismus nicht mehr für zukunftsfähig halten!


der laizismus in frankreich ist bedroht. religiöse elternvereinigungen fordern in der schulkantine neben einem fleisch- und einem vegetarischen menu auch noch ein koscheres fleischmenu. öffentliche hallenbäder öffnen aussschliesslich für frauen und sind während des ramadans geschlossen. gemeinden gewähren finanzielle unterstützung für religiöse jugendtreffen mit dem papst.
das ist eine aktuelle diskussion in frankreich. ich hab in diesem monat einen themenabend auf arte gesehen, der diese diskussion aufnahm. der abend kam zum schluss, dass die integration besser funktioniert, wenn religion privatsache ist und damit alle religionsgemeinschaften vom staat gleich behandelt werden. diese diskussion ist noch nicht abgeschlossen.

einer der filme an diesem abend verglich das französische mit dem britischen system. ein guter vergleich, da ja beide staaten über ausgedehnte kolonialreiche verfügten und somit einen hohen anteil an staatsbürgern mit nicht-christlicher religion haben. im vereinigten königreich kann man sich von einem iman scheiden lassen und es gibt ärztInnen, die burkas tragen. da finde ich das französische system besser. auch wenn dann halt mal ein religiöses gefühl verletzt wird, wenn kinder von männern entbunden werden.

Ich sehe keinen Grund Weihnachten (aber auch Jom Kippur und Ramadan) z.B. aus den Schulen zu verbannen. Weshalb sollen nicht die christlichen, jüdischen und muslimischen Kinder in der Schule ihren andersgläubigen FreundInnen ihre wichtigsten Feste erklären und zusammen feiern (als Gäste in einer jeweiligen anderen Religion). Unter jeweils fachkundigen Leitungen, versteht sich.


das ist die andere variante. hat auch etwas für sich. im bund hab ich mal gelesen, dass das in berner schulen zum teil so gemacht wird. und alle kinder an allen festen teilnehmen. eine muslimin war im krippenspiel die maria.
von den eltern wird das nur akzeptiert, wenn es auch ein "gegenrecht" gibt und die christlichen kinder dann eben auch ramadan feiern.
ich bin da nicht dogmatisch. mir wäre es zwar lieber keine feste zu feiern, aber ich kann auch damit leben, alle zu feiern. bringt den kindern sicher auch etwas, das sie in ein leben in einer multireligiösen gesellschaft mitnehmen können.

Das ist wichtig. Denn wer die westliche Kultur verstehen will, sollte die grundlegendsten biblischen Geschichten- zu denen die Weihnachtsgeschichte gehört - kennen (natürlich sollte er auch noch viel anderes kennen, aber Bibelkunde gehört dazu), ob er daran glaubt, ist eine andere Frage.


keine frage. es gibt schon einen grund, warum ich mal ein paar semester theologie studierte.

Und: Zur Idee Weihnachten zu privatisieren oder abzuschaffen kann ich mir vorstellen, dass nicht nur ChristInnen protestieren werden. Dafür vermarktet sich dieses Fest zu gut.


auch im laizistischen frankreich werden weihnachtsgeschenke verkauft. und die kirchen haben auch offen.
anders als in deutschland spricht einfach nicht der staatspräsident im fernsehen.
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon mikeg » Sa 27. Dez 2008, 17:06

origo hat geschrieben:Kein Weihnachten mehr?
...
Wieso sollte sich jemand durch das Feiern von Weihnachten "verletzt" fühlen?
Sind nicht gerade Werte wie die christlichen in der jetzigen unsicheren Zeit wichtig und gefragt?

Verletzt? So ein Blödsinn!

Ich fühle mich nicht verletzt.

Genausowenig, wie ich mich verletzt fühle wenn die Juden ihr Passah Fest oder den Yom Kippur feiern, oder die Moslems ihrne Ramadan beachten.

Das gehört für mich in einem mündigen Staat zur Religions- und Glaubensfreiheit.
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon Sandra73- » Sa 27. Dez 2008, 21:40

http://www.youtube.com/watch?v=MpkI7GW2 ... re=related

Dieses Lied hat mich sehr bewegt in den vergangenen Tagen....seit ich es entdeckt habe....wahrscheinlich auch, weil im Oktober vor zwei Jahren mein Bruder an Leukämie gestorben ist.
Damals im August, als er wieder krank wurde und klar wurde, dass er sterben würde, bat er meine Eltern, Weihnachten in den November vorzuverlegen....was aber auch nicht mehr gereicht hat.

Dieser Liedtext, aus der Sicht dieses kleinen Jungen und des Mannes hinter ihm in der Warteschlange, der zuerst nicht in Weihnachtsstimmung ist und dann für sich entdeckt, was Weihnachten für ihn bedeutet...es ist einfach sehr bewegend.
Deshalb habe ich das Lied in diesen Thread verlinkt.

Liebe Grüsse,
Sandra
"Werfet Euer Vertrauen nicht weg, welches eine grosse Belohnung hat."
Hebräer 10,35 ( cori, 5. Oktober 09 )

"Defrommiert!" 30.10.2011
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon Enggi » Sa 27. Dez 2008, 22:02

Ich sehe in der Abschaffung von Weihnachten die Chance für Christen, heidnische Traditionen endlich über Bord zu werfen.
Unser Geist geht nicht weiter als wir unseren Körper bringen. Oswald Chambers

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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon origo » Mo 29. Dez 2008, 11:38

Ich kenne auch ein paar Christinnen in unserer Nähe, die anstatt Weihnachten das jüdische Chanukka-Fest irgendwann Mitte Dez feierten.
Für mich ist das aber keine Lösung.

Denn erstens ist die weltweite Gemeinde Jesu sein einer Leid auch wenn die Christen in ihrer Zerstrittenheit oft nicht dieses Bild abgeben,
- zweitens leben wir "Heidenchristen" nicht nach dem jüdischen Gesetz und seinen Feiertagen,
- und drittens geht es mir darum, was wir aus Weihnachten - oder eben besser, dem Christfest machen.

Anders sind wir nicht darum, weil wir dieses Fest boykottieren, sondern weil wir ihm einen andern Inhalt geben, einen Inhalt von wahrer Liebe zum Nächsten, von Hoffnung (besser: Erwartung) in dieser angstmachenden Zeit, wo alles Unwahre am Zusammenbrechen ist.
Diese Haltung gilt selbstverständlich durch das ganze Jahr.

LG origo

P.S. Für Interessierte an jüdischen Feiertagen: http://www.icz.org/templ.php?id=95
und http://www.icz.org/templ.php?id=95
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon Grasy » Mi 7. Jan 2009, 21:20

Enggi hat geschrieben:Ich sehe in der Abschaffung von Weihnachten die Chance für Christen, heidnische Traditionen endlich über Bord zu werfen.


Ich denke du guckst zu viel auf die Heiden. Ich erinnere mich daß du zu Weihnachten auch was von 'nem Hexensabbat schriebst. Wenn ich aber danach gehe dann dürfte ich ja keinen Tag mehr besonders halten? Oder was meinst du was der Saturntag oder der Montag oder der Sonntag oder der Donnerstag für Bedeutungen haben (könnten)? Bleibt mir da jetzt (sicher ist sicher) nur noch der Mittwoch übrig an dem ich machen darf was ich für richtig empfinde? Und was wenn sich dann da wieder irgend jemand zusammentut und sich den Tag aussucht? Man kann sich sicher alles schnell schön reden, besonders dann wenn man's nicht ruck zuck entfernen kann. Aber wenn ich die Geburt Jesu an einem Tag feiere und sich die Menschen an dem Tag beschenken und da wieder mal ein paar Zeilen aus der Bibel gelesen werden, finde ich das nicht schlecht. Woran ich mich mal eine Weile störte (und das "zufällig" gerade dann als ich mich kurz davor innerlich etwas hochmütig gegenüber der ZJ fühlte die Weihnachten ja nicht feiern) war der Weihnachtsbaum. Aber ich hab das als Kind ohne jeglichen Heidenkult vermittelt bekommen und erinnere mich heute noch gerne zurück.

Mfg,
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon valdes » Mi 7. Jan 2009, 22:44

Grasy hat geschrieben:Bleibt mir da jetzt (sicher ist sicher) nur noch der Mittwoch übrig


der mittwoch ist eine neubenennung. eigentlich ist das der tag des merkurs (mercredi, germanische entsprechung wodan - wednesday)
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon Mustikka » Do 8. Jan 2009, 09:56

Also, wenn ich das richtig verstehe, geht es darum, Weihnachten abzuschaffen und statt dessen Winterfest oder so etwas draus zu machen? Also im Endeffekt wird einfach nur der Name geändert? :?

Ehrlich gesagt, habe ich nicht das Gefühl, dass der Staat mir da irgendwie ein christliches Fest aufzwingt. Inzwischen ist es doch wirklich so, dass jeder zu Weihnachten das macht, wonach ihm ist. Der Staat schenkt uns zwei Feiertage; die Christen feiern Weihnachten, die Heiden die Wintersonnenwende, viele kommen einfach so als Familie zusammen, (zumindest einige) Muslime machen sich einen schönen Abend mit Freunden, usw. So gesehen haben wir dieses "Winterfest" doch schon - es heißt nur eben nicht so ;)

Allerdings hätte ich auch nichts dagegen, wenn die verschiedenen Feste anderer Glaubensrichtungen ein bißchen mehr gezeigt würden. Was mich grade zur Weihnachtszeit nämlich immer besonders stört, ist das Gejammer, dass "so viele Menschen Weihnachten feiern, ohne dabei an Jesus zu denken". Das klingt immer so, als wäre Jesu Geburt das einzige, was man (zu dieser oder anderer Zeit) feiern darf.

Grüßchen,
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Was manche Menschen sich selber vormachen, das macht ihnen so schnell keiner nach. (Gerhard Uhlenbruck)
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon Taube » Do 8. Jan 2009, 12:22

origo hat geschrieben:Kein Weihnachten mehr?

Zumindest könnten die Weihnachtsthreads jetzt in die Schublade kommen! ...damit man nächsten Jahr wieder etwas zu schreiben hat. Man sollte nicht den Kreis des Jahres einfach willkürlich durchbrechen, auch nicht in einem christlichen Forum. Jetzt käme gemäss Jahreszeiten der Reihe nach dran:

- Darf ein Christ an die Fasnacht gehen?

- Wie züchtig müssen Frauen beim Lobpreis bekleidet sein? (dies nur bei einem warmen Frühling)

- Was sagt Jesus zu FKK

- Christen und Halloween

...erst dann kommen die Weihnachtsthreads wieder dran.



Gruss Taube
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon origo » Do 8. Jan 2009, 17:02

Stimmt.
Ich hatte ihn längst vergessen, nun ist er halt noch mal aufgetaucht.
Aber wenn niemand mehr etwas schreibt, verschwindet dieser thread automatisch wieder in der versenkung ...
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon Enggi » Fr 9. Jan 2009, 03:49

Taube hat geschrieben:- Darf ein Christ an die Fasnacht gehen?
Wenn es ihn nicht gefangennimmt, ja. Es kommt eben darauf an, wieviele Minuten am Tag er dem Herrn und wieviele Stunden er seinem eigenen Fleisch dienen will.
- Wie züchtig müssen Frauen beim Lobpreis bekleidet sein? (dies nur bei einem warmen Frühling)
Wenn sie dem Teufel Loblieder singen, dürfen sie auch Reizwäsche tragen.
- Was sagt Jesus zu FKK
Tut Busse! (Dies rief einst ein offensichtlich empörter Christ über den FKK-Bade-Platz Kollermühle Zug, bevor er sich trollte.) Ich hätte ihn gerne gefragt, wovon (manche sagen worüber) wir denn Busse tun sollten.
- Christen und Halloween
Es darf jeder seine Sabbate feiern, auch wenn sie ein Hexen- davor haben!
...erst dann kommen die Weihnachtsthreads wieder dran.
Nimm einem Christen seine Dogmen weg und du erfährst, was sein Glaube wert ist.

Laut Internet gibt es 8 Hexensabbate im Jahr, wobei Yule am 21. Dezember ist und nicht am 24.
Unser Geist geht nicht weiter als wir unseren Körper bringen. Oswald Chambers

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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon Taube » Fr 9. Jan 2009, 08:38

origo hat geschrieben:Stimmt.
Ich hatte ihn längst vergessen, nun ist er halt noch mal aufgetaucht.
Aber wenn niemand mehr etwas schreibt, verschwindet dieser thread automatisch wieder in der versenkung ...


Da musst Du keine Angst haben, bb wird diesen Thread sicher finden nächstes Jahr und darauf hinweisen, wenn einer einen neuen Thread eröffnet. ...und Enggi wird dieses Thema auch nicht vergessen, wie ich oben sehe.

Gruss Taube
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon Taube » Fr 9. Jan 2009, 08:41

Enggi hat geschrieben:Nimm einem Christen seine Dogmen weg und du erfährst, was sein Glaube wert ist.



Stimmt.

Ähhh, wenn ich mir Deine Aussage so überlege, und denke, dass auch das schon wieder eine dogmatische Aussage sein könnte.....
Denn erschienen ist die Gnade Gottes, allen Menschen zum Heil. (Titus 2,11)
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon Lamdil » Di 27. Jan 2009, 02:25

origo hat geschrieben:Kein Weihnachten mehr?
Auch in England bemüht man sich um die Abschaffung des christlichen Weihnachtsfestes. Damit sich Angehörige anderer Religionsgemeinschaften künftig nicht mehr durch das Feiern des christlichen Festes verletzt fühlen, feiert die Stadt Oxford nun künftig nicht mehr Weihnachten, sondern das „Lichterfest“ („Winter Light Festival“), so die Internetseite weiter. Atheisten hatten sich für eine Umbenennung des Weihnachtsfestes eingesetzt – mit Erfolg.

Meiner bescheidenen Meinung nach ist das absoluter Quatsch! Es soll sich mal keiner so mimosenhaft anstellen, nur weil er einen anderen Glauben hat. Frei nach dem Motto "Leben und Leben lassen" sollte jeder genug Toleranz haben, so etwas einfach zu erdulden. Wenn das Fest ein "Anti-Moslem-Fest" wäre, könnte ich das Beleidigungsgefühl ja verstehen. Aber das Weihnachtsfest hat mit Religion inzwischen nur noch wenig zu tun. Dass es dabei auch eine christliche Tradition und entsprechende Rudimente gibt, kann nur denjenigen stören, der im Glauben schwach ist oder so radikal, dass er an allem was zu mosern findet.

Was ist das nächste? Schaffen wir die Kreuzung ab und bauen die Straßen in Halbmondform?! Man kann es auch übertreiben! Echt mal!



valdes hat geschrieben:religiöse werte mögen gefragt sein, sind aber keine staatsaufgabe.

Es sei denn, wir wollen einen Gottesstaat. Der würde aber einen wirklichen Glauben behindern. Wenn man nur "glaubt", weil es einem auferzwungen wird, dann hat man sich nicht selbst für den Glauben entschieden. Was ist ein Glaube wert, wenn er von außen kommt und nicht aus dem Herzen und der Seele?



origo hat geschrieben:Im Kindergarten z.B. ist es für alle Kinder ein Erlebnis, Feste zu feiern, ob es jetzt Geburtstage oder öffentliche Feste des Jahreslaufes seien.

Nicht nur im Kindergarten. ;) Oder bin ich zu unreif? Auch für mich kann ein schönes Fest ein Erlebnis sein. Mit allem, was dazugehört.



sugi hat geschrieben:
origo hat geschrieben:
valdes hat geschrieben:vor allem finde ich unnötig, dass sich der staat an religiösen festen beteiligt.

So ganz unnötig finde ich es nicht, weil es eine jahrhundertealte kulturelle Tradition ist.

Und diese Tradition hängt mir zum Hals raus..sorry, wenn ich das so sage.

Ach komm schon, lass Dir einfach ein dickes Fell wachsen. Früher oder später brauchst Du das sowieso. Lass den Leuten doch ihren Spaß.



sugi hat geschrieben:Vllt hast du bemerkt, ich bin gegen diese Art Fest. Weil es meiner Meinung nach nichts mehr mit der Geburt Jesu zutun hat. Hab kürzlich im TV gesehen, dass in China (extremer als bei uns) mit farbigen Lichter geschmückt wird..aber keine Ahnung haben, welcher Hintergrund Weihnachten eigentlich hat. Nach einer Umfrage auf der Strasse: Keine Ahnung, Tod von Jesus, weil das so ist etc.

Na und? Dann ist es eben säkularisiert. Es ist IMHO schon eine Bildungslücke, wenn man nicht die Hintergründe der wichtigen Feiertage der großen Religionen nicht kennt. Aber ich gebe zu, dass auch ich solche Bildungslücken habe. Ich bin nicht mit den wichtigen Feiertagen des Hinduismus vertraut, um mal ein Beispiel zu nennen. Ich werde gleich mal meinen Horizont erweitern.



kalypso hat geschrieben:Ich sehe keinen Grund Weihnachten (aber auch Jom Kippur und Ramadan) z.B. aus den Schulen zu verbannen. Weshalb sollen nicht die christlichen, jüdischen und muslimischen Kinder in der Schule ihren andersgläubigen FreundInnen ihre wichtigsten Feste erklären und zusammen feiern (als Gäste in einer jeweiligen anderen Religion). Unter jeweils fachkundigen Leitungen, versteht sich.

Ich bin sowieso dafür, alle Feiertage offiziell zu machen, da kommen wir bestimmt auch 365,25. Nie wieder arbeiten! :D

Ne, war nur Spaß. Aber ich denke auch, dass dies eine Möglichkeit ist, einander besser kennen zu lernen und die Kulturen und Traditionen zu verstehen. Viele Konflikte ließen sich vermeiden, wenn die Menschen mehr aufeinander zu gehen würden mit Neugier und Respekt. Statt dessen erlebt man leider immer wieder, dass die Menschen aufeinander losgehen, mit Fäusten und Waffen.

Das stellt sich doch die Frage, wer ein Interesse hat, dass soviel Argwohn und Gewalt unser Leben bestimmen. Also ich finde das erbärmlich.



kalypso hat geschrieben:(Oeffentlich) aufmerksam zu machen, dass andere Religionen auch Lichtfester haben, die in dieselbe Zeit fallen (Bsp. jüdisches Chanukka, wie heisst das islam. Lichterfest oder das hinduistische?, die gibts nämlich auch) wäre sinnvoll und auch dem Religionsfrieden zuträglich! Denn es öffnet Augen und Horizonte für die Anderen, die mitten unter uns leben! Es hilft verstehen, wenn man denn will und fördert den gegenseitigen Respekt mehr, als die Haltung: in seinem Heim darf der machen, feiern, essen, was er will, aber bitte nicht in der Oeffentlichkeit.

Einerseits bin ich dafür, dass wir einander besser kennen lernen und Wissen um andere Kulturen sammeln, andererseits bin ich gegen übermäßige öffentlich zur Schau gestellte Religion. Aber ich denke, es lässt sich ein Kompromiss finden. Ich denke, dass es schon genügt, wenn jeder die Möglichkeit hat, sich einer religiösen Vereinnehmung zu entziehen. Wie das ausgestaltet werden kann, ist ein komplexes Thema, das man nicht so einfach abhandeln kann.



valdes hat geschrieben:dieses volksfest wird nicht im geringsten tangiert, wenn es in winterfest umgewandelt wird und die geburt jesu nur eine nebenrolle im privaten spielt.

Dabei gilt es auch zu bedenken, dass zu diesem Fest auch traditionell Symbole gehören, die einen christlichen Kontext haben. Der Stern, die Engel, St. Nikolaus, der Glühwein mit Weihrauch, Gold und Möhre, das Krippenspiel, die Hirten mit den Schafen, der Apfel etc.

Aber es gibt auch genug Symbole bei diesem Fest, die keinen christlichen Hintergrund haben. Der Tannenbaum, Plätzchen, Knecht Ruprecht, die Weihnachtsgans und vieles mehr.

Aber mit diesen Symbolen kann ja jeder umgehen, wie er will. Muss ja auch nicht.



valdes hat geschrieben:was ist denn die aussage "unsere feste werden gefeiert, eure nicht" anderes als ein machtanspruch?

Was heißt denn "Unsere Feste"? Bloß weil ich zu Weihnachten auch feiere, bin ich doch noch kein Christ. Das ist nicht unbedingt ein Ausdruck religiöser Vormacht. Das hat auch was zu tun mit gesellschaftlicher Tradition.



Enggi hat geschrieben:Ich sehe in der Abschaffung von Weihnachten die Chance für Christen, heidnische Traditionen endlich über Bord zu werfen.

Dann müssten aber noch fast alle anderen Traditionen abgeschafft werden. Das wäre dann ein völlig neues Christentum. So wie vor fast 2000 Jahren: Mit einer Hand voll Anhängern. ;)



origo hat geschrieben:Anders sind wir nicht darum, weil wir dieses Fest boykottieren, sondern weil wir ihm einen andern Inhalt geben, einen Inhalt von wahrer Liebe zum Nächsten, von Hoffnung (besser: Erwartung) in dieser angstmachenden Zeit, wo alles Unwahre am Zusammenbrechen ist.
Diese Haltung gilt selbstverständlich durch das ganze Jahr.

Wenn es doch nur so wäre bei allen Christen. Es bräuchte keine Drohungen vom Fegefeuer mehr, keine Prospekte mit dumm grinsenden Leuten. Wenn das Christentum wahre Liebe zum Nächsten und Hoffnung bedeuten würde, dann wäre ich bei Eurem Verein dabei. Aber leider sind da noch die Intoleranz, die Dogmen, die Verbohrtheit und die "Ich habe Recht, weil alle anderen Denkarten Teufelswerk sind"-Leute. Nächstenliebe und Hoffnung finde ich wirklich gut. Aber dafür muss ich kein Christ sein.

Und jetzt werden sicher einige denken: Das reicht auch nicht, um erlöst zu werden. Du musst das Opfer anerkennen, beten, Dich von allem reinhalten, was ich als Sünde bezeichne: keine Unzucht, keine unreinen Gedanken, keine Ungehörigkeiten.

Ganz ehrlich: Das ist Eure Erlösung, aber Eure Gnade brauche ich nicht! Ich tue, was ICH für richtig halte. ICH muss jeden morgen in den Spiegel schauen und ICH muss mit meinem Gewissen ins reine kommen. Manches bereue ich, aber das kann ich hier nicht schreiben, ficken, scheiße und ***** werden hier zensiert. Das beraubt mich meines sonst sehr bildhaften Wortschatzes. :(

:D

Oh - einige Worte sind ja noch gar nicht im Zensurbot eingepflegt. Ich lass die trotzdem so stehen. Macht ihr doch Sternchen daraus, wenn ihr wollt.
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon Lamdil » Di 27. Jan 2009, 02:28

2. Teil (ja, ich bin ein Schwätzer, tut mir leid, aber das muss geschrieben werden!)


Aber eines sei Dir gesagt: (Ja, ich meine Dich! Du liest das hier und bildest Dir gerade ein Urteil. Aber das sei Dir gewiss: Nicht Du wirst mein Richter sein.) Nur kleine Götter sind kleinlich! Ein wahrhaft großer Gott würde einen Spielraum zulassen!



Mustikka hat geschrieben:Allerdings hätte ich auch nichts dagegen, wenn die verschiedenen Feste anderer Glaubensrichtungen ein bißchen mehr gezeigt würden.

Ich auch nicht. Was kannst Du uns zeigen? Hier ist vielleicht nicht der passende Thread, aber welche Feste anderer Glaubensrichtungen kennst Du? Ich denke, dass keiner dümmer dabei wird, wenn er sich damit auseinandersetzt.



Mustikka hat geschrieben:Was mich grade zur Weihnachtszeit nämlich immer besonders stört, ist das Gejammer, dass "so viele Menschen Weihnachten feiern, ohne dabei an Jesus zu denken". Das klingt immer so, als wäre Jesu Geburt das einzige, was man (zu dieser oder anderer Zeit) feiern darf.

Ja, das ist das Leid der Unwissenden. Sie jammern. Aber nicht über ihre Unwissenheit, sondern darüber, dass die anderen sich nicht in ihren beschränkten Horizont fügen. Es ist für mich in Ordnung, dass die Christen zu Weihnachten die Geburt Jesus feiern. Aber das Fest wurde schon gefeiert lange vor dem Jahr 0. Anstatt zu jammern könnte man natürlich auch über seinen Schatten springen und in Erfahrung bringen, warum dieser Tag gefeiert wird und warum dieser Tag als "Geburtstag" Jesus gefeiert wird. Da gibt es viel zu entdecken, viele Antworten!

Warum waren es ausgerechnet drei Könige (oder besser: Weise)? Warum hat es drei Tage gedauert, bis er auferstand? Warum ist das Wintersonnenfest der Heiden drei Tage nach der eigentlichen Wintersonnenwende am 21. Dezember? Warum waren die Hirten selbst noch in der längsten Nacht des Jahres immer noch auf den Feldern? Wann wurde Jesus wirklich geboren? Wieviel ist 24 mal 12? Was ist der sogenannte Stern? Ist eine Nova heller als eine Planetenkonstellaltion?

Wenn man sich mal informiert, wieviele Theorien und Möglichkeiten sich um diese Fragen sammeln, entdeckt man eine völlig neue, vielschichtige und rätselhafte Welt voller Wunder und Inspiration. Man kann natürlich auch alles vorher wissen und sich allem verschließen, was da sonst noch ist.

Da fällt mir ein altes Sprichwort aus meiner eigentlichen Heimat ein:
"Die Welt ist voller Widersprüche! In den hohlsten Köpfen ist am wenigsten Platz!"



Taube hat geschrieben:[b]Zumindest könnten die Weihnachtsthreads jetzt in die Schublade kommen! ...damit man nächsten Jahr wieder etwas zu schreiben hat.

Entschuldige, aber ich war lange nicht hier und dieses Thema schien mir besonders reizvoll. Du kannst ja 11 Monate warten, bis Du hier wieder was schreibst.



Taube hat geschrieben:- Darf ein Christ an die Fasnacht gehen?

Ja, "alles ist mir erlaubt".
Aber nur Narren reduzieren diese Bibelstelle auf die erste Hälfte.

Taube hat geschrieben:- Wie züchtig müssen Frauen beim Lobpreis bekleidet sein? (dies nur bei einem warmen Frühling)

Welcher Mann kann sich als standhaft im Glauben betrachten, wenn er sich zu unsittlichen Gedanken verführen lässt, nur weil eine Frau sich zu erkennen gibt?



Taube hat geschrieben:- Was sagt Jesus zu FKK

Laut Bibel sagt er dazu nichts. Was Sagt Jesus zu Handys?



Taube hat geschrieben:- Christen und Halloween

Christen und Weihnachten, Christen und Ostern, Christen und 6. Januar bla bla bla ... das einzige gesellschaftlich bedeutende Fest, das reinen christlichen Ursprungs zu seien scheint ist Karneval, die Zeit vor dem Fasten.



Taube hat geschrieben:...erst dann kommen die Weihnachtsthreads wieder dran.

Wenn Du Dich daran hälst ist das Deine Sache. Ich bin frei. ;)
Die Macht des Wortes bezwingt das Chaos.

Dem heiligen Gna!(Müslischnitzel.)
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon valdes » Di 27. Jan 2009, 07:53

Lamdil hat geschrieben:Welcher Mann kann sich als standhaft im Glauben betrachten, wenn er sich zu unsittlichen Gedanken verführen lässt, nur weil eine Frau sich zu erkennen gibt?


ein tipp: dies wurde in einem anderen thread ausführlich gesprochen. gewisse aussagen liessen tief blicken.
zu sagen: "hier herrscht freiheit" ist immer ein irrtum, oder auch eine lüge, denn freiheit herrscht nicht. erich fried
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon origo » Di 27. Jan 2009, 15:30

Lamdil hat geschrieben:
origo hat geschrieben: Anders sind wir nicht darum, weil wir dieses Fest boykottieren, sondern weil wir ihm einen andern Inhalt geben, einen Inhalt von wahrer Liebe zum Nächsten, von Hoffnung (besser: Erwartung) in dieser angstmachenden Zeit, wo alles Unwahre am Zusammenbrechen ist.
Diese Haltung gilt selbstverständlich durch das ganze Jahr.

Wenn es doch nur so wäre bei allen Christen. Es bräuchte keine Drohungen vom Fegefeuer mehr, keine Prospekte mit dumm grinsenden Leuten. Wenn das Christentum wahre Liebe zum Nächsten und Hoffnung bedeuten würde, dann wäre ich bei Eurem Verein dabei.
Aber leider sind da noch die Intoleranz, die Dogmen, die Verbohrtheit und die "Ich habe Recht, weil alle anderen Denkarten Teufelswerk sind"-Leute. Nächstenliebe und Hoffnung finde ich wirklich gut. Aber dafür muss ich kein Christ sein.

Lieber Lamdil

was kann Jesus dafür, dass seine Anhänger noch nicht immer nach seinen Geboten leben?
Dass manche von ihnen seine Worte falsch oder einseitig auslegen?
Mit einem strengen Purismus könntest Du nirgends auf der Welt an etwas teilnehmen.

Liebe Grüsse
origo
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon tolerante_atheistin » Mi 25. Mär 2009, 04:01

So schnell wird Weihnachten nicht abgeschafft. ;)

Dafür ist es bereits viel zu kommerzialisiert worden.
Vielleicht schwankt momentan der christliche Hindergrund ein wenig, aber so schnell wird Weihnachten nicht verschwinden.

Und das wollen doch auch die meisten Atheisten nicht.
Die wollen blos Weihnachten nicht feiern müssen.
Und das müssen sie in aller Regel auch nicht.

Vielleicht geht der "Weihnachts-Boom" etwas zurück, aber ich denke davon profitiert ihr Christen auch - dann wirds eher wieder zu eurem Fest, ohne komischen Santa und ohne unnötigen Kitsch, sondern einfach nur Weihnachten.


Dass es nen heidnischen Hintergrund hat?
Das haben ALLE christlichen Feiertage!
Ist das schlimm? Müssen wir deswegen zurück zu den heidnischen?
Wer will, ja, das ist Freiwillig.

Ist doch egal, die heidnischen Feiertage haben ihre Ursprünge. Etwa Jule, das Sonnenfest am 21.Dezember, dann wenns am dunkelsten ist. Dabei danken sie der Sonne für ihre Anwesenheit im vergangenen Jahr.
Den Leuten dieses Fest nehmen?! Ne, aber man bietet ihnen einen entsprechenden Ersatz an. Und das mochten viele Heiden ganz gerne.
Das war denen doch im prinzip egal, gerade bei den Iren, wo die Katholiken ihnen Unterstützung gegen die Engländer anboten. Das kommt nicht von jeher dass Irland so katholisch ist.

Ich denke irgendwie brauchen wir gewisse Feste und gerade wenns dunkel ist und nass und kalt, ist ein Fest wie Weihnachten was schönes, und wenn einem Weihnachten nicht passt, dann zieht man sich eben zurück.

Schlimm ist es nur, wenns einem aufgezwungen wird.
So gabs etwa diesen Fall wo ein Junge (7) nicht an den Nikolaus glaubte und allen anderen Kindern weismachte, dass es den Nikolaus nicht gäbe und deswegen hat die Lehrerin die Eltern zusammengestaucht, dass ginge doch nicht, dass ihr Sohn nicht an den Nikolaus glaube.

Ich bin nicht so der Fan von christlichen Weihnachtslieder, aber auch ich hab sie immer brav mitgesungen, sogar noch auf Gymnasial-Stufe, einfach weil ich gerne singe. Und Kinder singen noch viel viel lieber.

Keine Schule würde freiwillig auf Weihnachten verzichten. Und wenn sich da irgendwelche Atheisten aufspielen, dann müssen die nur mal ihren Kindern zuschauen, wenn sie Kerzen sehen und Plätzchen naschen dürfen und Lieder singen!

Generell wär ich dafür, Weihnachten vielleicht ein wenig dezenter zu feiern in den Schulen. Weniger den christlichen Glauben da einfliessen lassen, aber gegen Märchen, Plätzchen Kerzen und Lieder hat doch niemand was einzuwenden?

Zum Balkan:
Da ist es halt leider wirklich sehr kompliziert.
Gewisse Staaten sind Christlich, haben aber eine moslimische Mehrheit, und in anderen genau umgekehrt. Und meistens sinds dann auch noch zwei, drei, vier verschiedene Völker und dann ist der Konflikt vorprogrammiert.
Ich will nicht schwarzsehen, aber bei vielen Balkan-Staaten fällts mir echt schwer.
Vielleicht pendeln sie sich irgendwann von alleine ein.
In Bosnien lassen sich das die kroatischen (d.h. die röm-kath.) Christen bestimmt nicht einfach so gefallen.

Das Grundproblem besteht vorallem darin, dass Bosnien ein einheitliches Feiertagsgesetz schaffen möchte, dabei orientiert es sich an den Bosniern, und somit an dem muslimischen Kalender!
Damit sie dort Weihnachten weiterfeiern könnten, müssten sich Serben (Orthoxe) und Kroaten (Katholiken) zusammentun, dann hätten sie ne Chance.
Aber eben, ich sehe da schwarz :/

Nichtsdestotrotz werden sie Weihnachten feiern, halt ausserhalb des Kindergartens und der Schule.

Zu Feiertagen ganz allgemein:
Im Endeffekt sind sie was persönliches und niemand will sie einem aufzwingen, denn man kann nicht feiern, wenn einem nicht nach feiern zumute ist.
Genausowenig kann man jemanden verbieten etwas zu feiern: Wenn er fröhlich ist, wird er fröhlich sein.

Ich war mal in Marroko privat bei einer Familie (ich wurde eingeladen von befreundeten Marrokanern) genau mitten im Ramadan! Keiner verlangte von mir das mitzumachen, aber ich hab freiwillig auf das Essen tagsüber verzichtet. Nur aufs Trinken nicht, das wär aber für mich auch nicht gesund gewesen. Das haben die auch alle verstanden.

Ich persönlich feire Weihnachten selbstverständlich nicht und würde mich auch nicht an den modernen Formen dies zu feiern, beteiligen.
Ich brauche keine Lichterkette und keinen Plastikbaum.
Aber ich besuch gerne meine Familie und sag dann vielleicht aus Scherz: Happy Jule!
Und back Plätzchen für alle.

Wer auf Weihnachtsplätzchen verzichtet ist selber Schuld. :D
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon Enggi » Mi 25. Mär 2009, 20:04

Weihnachten ist kein christliches Fest. Ostern wäre ein christliches Fest, wenn es anders heissen würde. Pfingsten ist ein christliches Fest. Von den drei grossen Festern der Juden hat einzig das Laubhüttenfest keine christliche Entsprechung, wird aber vermutlich bei der Entrückung erfüllt. Darauf freue ich mich.
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon valdes » Mi 25. Mär 2009, 20:44

was feiern christen denn an jom kippur? ist meines wissens ein nicht ganz unwichtiges jüdisches fest.
zu sagen: "hier herrscht freiheit" ist immer ein irrtum, oder auch eine lüge, denn freiheit herrscht nicht. erich fried
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Re: Weihnachten abschaffen? / relig. Feste

Beitragvon origo » Do 26. Mär 2009, 10:16

Ich weiss nicht allzu viel über die jüdischen Feste. Die Rituale sind z.T. sehr kompliziert.
Aber wenn ich das lese:
    Nach der jüdischen Lehre ist der Tag nutzlos, solange er nicht von Reue begleitet ist. Das reuevolle Eingeständnis von Sünden war eine Bedingung zur Sühne. „Der Versöhnungstag befreit von Sünden gegen Gott, jedoch von Sünden gegen den Nächsten erst, nachdem die geschädigte Person um Verzeihung gebeten worden ist“ (Talmud Joma VIII, 9). Daher stammt der Brauch, am Vorabend des Fasttages alle Streitigkeiten beizulegen.
dann fällt mir am ehesten der Schweizerische Dank- Buss- und Bet-Tag ein.
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Re: Weihnachten abschaffen? / relig. Feste

Beitragvon kalypso » Do 26. Mär 2009, 11:32

origo hat geschrieben:Ich weiss nicht allzu viel über die jüdischen Feste. Die Rituale sind z.T. sehr kompliziert.
Aber wenn ich das lese:
    Nach der jüdischen Lehre ist der Tag nutzlos, solange er nicht von Reue begleitet ist. Das reuevolle Eingeständnis von Sünden war eine Bedingung zur Sühne. „Der Versöhnungstag befreit von Sünden gegen Gott, jedoch von Sünden gegen den Nächsten erst, nachdem die geschädigte Person um Verzeihung gebeten worden ist“ (Talmud Joma VIII, 9). Daher stammt der Brauch, am Vorabend des Fasttages alle Streitigkeiten beizulegen.
dann fällt mir am ehesten der Schweizerische Dank- Buss- und Bet-Tag ein.


Jom Kippur ist doch der Versöhnungstag, das Versöhnungsfest, oder? Laut Wiki das wichtigste Fest im jüdischen Kalender. Ein zeitlich entsprechendes Fest gibt es nicht im Christentum auch wenn der CH Dank- Buss und Bettag in diesselbe Zeit fällt (so grob gesehen). Karfreitag wäre vielleicht am ehesten eine Entsprechung... Ich nehme leider an, dass wahrscheinlich genau deshalb in gewissen christlichen Kreisen, genau diesem wichtigsten Fest des Judentums mit einer gewissen Verachtung oder zumindest mit Unverständnis (weil aus christlicher Sicht "unnötig") begegnet wird...
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon valdes » Do 26. Mär 2009, 11:36

ich denke auch, dass es wohl gemeinsamkeiten des bettages mit jom kippur gibt, aber du wirst mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit in jeder religion irgend ein fest finden, dass etwas mit reue, busse und umkehr zu tun hat.
ich wollte mit meiner bemerkung eher darauf hinweisen, dass es eine äusserst oberflächliche betrachtung ist, ostern mit pessach in verbindung zu bringen. ausser dem datum haben die beiden feste nicht wirklich viel gemeinsam. genauso haben das wochenfest und pfingsten wenig bis nichts gemeinsam.
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Re: Weihnachten abschaffen? / relig. Feste

Beitragvon valdes » Do 26. Mär 2009, 11:39

kalypso hat geschrieben:Laut Wiki das wichtigste Fest im jüdischen Kalender.


ich muss dich korrigieren: laut wiki ist der sabbat das wichtigste fest im jüdischen kalender. das mag nach haarspalterei aussehen - da der ja jede woche stattfindet, dünkt mich aber noch wichtig für das verständnis der jüdischen glaubenspraxis.

p.s. von einem alttestamentler wurde mir mal erzählt, die beschreibung des jom kippur stehe ziemlich genau in der mitte des 3. buch mose und somit auch im zentrum der tora. macht ja auch sinn, da er die versöhnung mit gott - was ein wichtiger glaubensinhalt des judentums ist - zum thema hat. aus dieser warte ist es für mich wenig verständlich, diesen feiertag aus christlicher sicht zu unterschlagen.
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Re: Weihnachten abschaffen? / relig. Feste

Beitragvon kalypso » Do 26. Mär 2009, 11:56

valdes hat geschrieben:
kalypso hat geschrieben:Laut Wiki das wichtigste Fest im jüdischen Kalender.


ich muss dich korrigieren: laut wiki ist der sabbat das wichtigste fest im jüdischen kalender. das mag nach haarspalterei aussehen - da der ja jede woche stattfindet, dünkt mich aber noch wichtig für das verständnis der jüdischen glaubenspraxis.

p.s. von einem alttestamentler wurde mir mal erzählt, die beschreibung des jom kippur stehe ziemlich genau in der mitte des 3. buch mose und somit auch im zentrum der tora. macht ja auch sinn, da er die versöhnung mit gott - was ein wichtiger glaubensinhalt des judentums ist - zum thema hat. aus dieser warte ist es für mich wenig verständlich, diesen feiertag aus christlicher sicht zu unterschlagen.


Ja, danke für die Haarspalterei! Du hast recht (und ich muss lernen nicht nur Halbsätze zu lesen!!!)
Der christliche Glaube unterschlägt das Fest ja nicht, nach christlichem Glauben ist aber die Versöhnung (mit Gott) ein für alle mal auf Golgatha geschehen. Deshalb meine ich, dass Karfreitag eine Entsprechung wäre. Der Alttestamentler hat natürlich recht. Nur kloppen die Alttestamentler sich schon seit einiger Zeit über die "Mitte des AT"-- es gibt viele, z.T. haarsträubende (nicht nur -spaltende) Theorien. Wahr ist aber aus jüdischer Sicht, dass Jom Kippur Zentrum der Tora ist. Zentrum des chrisltichen Glaubens ist das Kreuz. Da sehe ich die Entsprechung, aber auch den Unterschied.
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon valdes » Do 26. Mär 2009, 14:10

bei genauerem überlegen finde ich deine aussage, dass der karfreitag am ehesten mit jom kippur zu vergeleichen ist immer stichhaltiger.
der einzelne, auf den die ganze schuld geladen wird, ist ja in der historischen variante des jom kippur, wie sie die tora beschreibt, auch enthalten (der sündenbock, der zu assasel in die wüste geschickt wird).

was dem karfreitag fehlt, ist die versöhnung mit den menschen, die soweit ich weiss, an jom kippur (und der vorbereitungszeit) mindestens gleichwichtig ist, wie die versöhnung mit gott. gibt es da nicht sogar ein jesus-wort dazu? dem sinn nach: "geh nicht in den tempel, wenn du mit deinem bruder streit hast."
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Re: Weihnachten abschaffen?

Beitragvon kalypso » Do 26. Mär 2009, 18:15

dem sinn nach: "geh nicht in den tempel, wenn du mit deinem bruder streit hast."


Ja, genau an das Wort habe ich auch gedacht! Es ist eigentlich schon interessant, dass im Christentum sonst diese zwischenmenschliche Versöhnung nicht sooo zentral ist. Ich meine jetzt, wie es an Jom Kippur so ausdrücklich Versöhnung, nennen wirs mal "horizontal und vertikal", heisst. Ist vielleicht auch ein Manko. Manchmal täte vielleicht zwischenmenschliche Versöhnung mehr Not...

Interessant ist aber auch, dass Christus nicht vor Jom Kippur, sondern vor Pessach getötet wurde. Da passt dann Sündenbock eigentlich nicht wirklich rein... Tja, ich weiss einfach immer noch zu wenig über Christologie(n)
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