Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Was so läuft in der Welt und was Sie dazu zu sagen haben

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Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Beitragvon Thelonious » Fr 4. Mär 2016, 20:54

Hallo,

alles nichts Neues, aber:

ich mache mir schon länger Sorgen um die negativen Folgen des aktuellen Crude-Verfalls. So positiv wie es als Autofahrer oder auch auf der Heizölrechnungen spüren, so negativ sind aber auch Folgen, wie

a) die destabilisierende Wirkung: wie auch immer man zu der dahinter stehenden Entwicklung stehen mag - ganze Volkswirtschaften sind nun einmal unmittelbar von der Rohöleinkünften abhängig: Russland, Brasilien, Venezuela, der Iran und selbstverständlich nicht zuletzt die Saudis usw. Das aktuelle Preis-"Niveau" brachte eben diese Volkswirtschaften in bedrohliche Krisensituationen (was diese sonst mit eben diesen "Petrodollars" alles so unsinniges anstellten und noch anstellen, ist hier nicht unbedingt das Thema). Dort liegen die Nerven blank und das schürt einzig Drohszenarien. Die Repressalien gegenüber der Unzufriedenheit im eigenen Volk werden immer grösser, nur "um den Deckel überhaupt noch auf dem Topf zu halten". Das kann alles so nicht in unseren Sinne sein.

b) die Verhinderung von Energiealternativen. "Grün" wird zu teuer, wenn Brent und WTI in der zwanziger oder auch dreißiger Dollarrange liegen. Niemand investiert Millionen für entsprechend innovative Entwicklung, wenn Mineralöl so billig ist.

Ist das für Euch ein Thema? Wenn ja, wie ist Eure Sicht?

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Re: Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Beitragvon Johelia » Fr 4. Mär 2016, 23:58

Sali Thelo

Das positive das ich dem Zerfall des Ölpreises sehe, ist dass Fracking unrentabel geworden ist.
Fracking ist DIE absolut katastrophalste Methode um Öl und Gas zu gewinnen. Diese Methode zerstört die Umwelt aufs grausamste für Jahrhunderte und tötet tausende Menschen und Millionen Tiere durch Vergiftung des Grund- und Mittelschichtwassers.

Andererseits sehe ich im Ölpreiszerfall der ultimative Angriff auf unsere bestehende Gesellschaftsform. Es soll ein Kollaps herbeigeführt werden um eine neue Ordnung einzuführen.
Offb 6,6 Und ich hörte etwas wie eine Stimme inmitten der vier lebendigen Wesen, die sagte: Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar! Und dem Öl und dem Wein füge keinen Schaden zu!

Sehe ich Hezekiel 37-39 ist das einer der Hacken in den Kinnladen die die Nationen nach Maggido führt.

Nur mal soviel für heute. 8-)

Liebe Grüsse Johel
In den letzten Tagen (heute)...werden;2 die Menschen selbstsüchtig, geldliebend, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, ...mehr das Vergnügen lieben als Gott ...und Gottes Wort & Kraft verleugnen.
Und von diesen wende dich weg!
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Re: Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Beitragvon Thelonious » Sa 5. Mär 2016, 15:17

Moin Johelia! (Nur noch mal zur Erinnerung: da, wo ich wohne, kann / darf (muss aber nicht) man den ganzen Tag "Moin" sagen),

richtig, auch mich freut es natürlich, dass dadurch dem ökologisch absolut bedenklichen Fracking quasi die wirtschaftliche Grundlage entzogen wurde. Obwohl diese dadurch hervorgerufene USA-amerikanische "Erfolgsgeschichte" (vom Importeur zum Netto-Exporteur) natürlich schon einmal ist resp. war.

Aber -wie gesagt- den anderen Alternativen (von denen mache sehr positiv zu sehen sind, andere weniger, weitere garnicht) ist dadurch ebenfalls das "Wasser abgegraben.

Aber das (Fracking unwirtschaftlich zu machen) war und ist ja sicherlich eines der Hauptargumente, die dazu führten, daß sich die "traditionellen" Förderländer keine Beschränkungen auflegten, die Fördermenge nicht begrenzten.

Ich sehe es (da kenne ich mich aus) beim Biodiesel. Natürlich ist FAME (Fettsäuremethylester) durch diese "Tank versus Teller"-Problematik auch alles andere als einzig positiv. Aber nachwachsende Rohstoffe sind nun einmal DER Ressourcenschoner. Nur bei solchen Mineralölpreisen wie aktuell investiert niemand mehr überhaupt in diese Richtung, da eben nicht lukrativ.

Eine weitere Stossrichtung, die zum Rohölpreisverfall führte, war sicherlich ebenfalls die gewünschte Destabilisierung Russlands, die nun einmal besonders vom "schwarzen Gold" abhängig sind.

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Re: Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Beitragvon Reginald 32 » Sa 5. Mär 2016, 22:14

Russland fällt es zunehmend schwerer, seine Kriege in der Ost-Ukraine und in Syrien zu finanzieren. Und die ISIS im Nahen Osten kann die Löhne für ihre Krieger nicht mehr zahlen. Ist doch auch was Pasitives. Und Herr Schäuble behält mehr Geld übrig, um die Herausforderung mit den Flüchtlingen ohne Ster Erhöhungen zu schaffen.
Reginald.
Bald schon kann es sein, dass wir Gott als König sehn. Halleluja, Halleluja.
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Re: Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Beitragvon Thelonious » So 6. Mär 2016, 20:08

Wenn es doch nur so einfach

Reginald 32 hat geschrieben:zunehmend schwerer, seine Kriege ... zu finanzieren


wäre, Reginald.

Diese destabilisierenden Tendenzen (Staatshaushalt bricht zusammen) machen "kriegerische Muskelspiele" leider eher wahrscheinlich denn unwahrscheinlich. U.a. eben auch um von ureigensten Fehlern abzulenken.

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Re: Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Beitragvon Remo » Mo 7. Mär 2016, 00:37

http://www.welt.de/finanzen/article135310673/Oelpreis-Schock-trifft-die-Welt-voellig-unvorbereitet.html

Gehen wir von den Angaben dieser Grafik aus. Norwegen braucht demnach als genügsamstes Land einen Ölpreis von 40 Dollar / Fass. Alles anderen Länder können ihren Haushalt nur dann ausgeglichen halten, wenn der Marktpreis bei fünfzig, sechzig oder noch viel mehr Dollar liegt. Das heisst beispielsweise, dass Venezuela pro Fass Rohöl gut 80 Dollar verliert. Und das bei einem Staatshaushalt, der so oder so schon nahe dem Kollaps steht. Ähnlich in Russland, das pro Fass rund 60 Dollar draufzahl. In Ländern, in denen die politischen und wirtschaftlichen Eliten der Kontrolle von Medien und Zivilgesellschaft stehen, müssen solche Zustände nicht zwingend nur die Ärmsten treffen. Doch sobald es - wie in Russland - eine schier unbeschränkte Macht einiger weniger Leute gibt, bezahlen nicht diese, sondern die Bürger. Dies etwa in Form von Rentenkürzungen oder Steuererhöhungen. Das schürt Unzufriedenheit, Konflikte sind sozusagen vorprogrammiert. Insofern ist der tiefer Ölpreis in erster Linie ein soziales, kein wirtschaftliches Problem.
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Re: Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Beitragvon Thelonious » Di 8. Mär 2016, 20:24

Danke für diesen Input, Remo. Und man denke auch an die Saudis. Die werden auch nicht allzu lange dabei zusehen wollen, die die Petromilliarden schmelzen wie Eis in der Wüstensonne.

Remo hat geschrieben:..kein wirtschaftliches Problem.
Doch, ist es auf jeden Fall auch. Allein schon - wie gesagt - wegen der bei diesem Ölpreis leider fehlenden Anreize hinsichtlich der Erforschung resp. des Ausbaus von Energiealternativen!

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Re: Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Beitragvon Remo » Mi 9. Mär 2016, 01:45

Thelonious hat geschrieben:
Remo hat geschrieben:..kein wirtschaftliches Problem.
Doch, ist es auf jeden Fall auch. Allein schon - wie gesagt - wegen der bei diesem Ölpreis leider fehlenden Anreize hinsichtlich der Erforschung resp. des Ausbaus von Energiealternativen!

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Ich gebe Dir Recht. Zumindest theoretisch schwächt ein tiefer Ölpreis den Anreiz, nach alternativen Energiequellen zu forschen. Doch es gibt einige Initiativen, die sich um neue Wege in der Energieversorgung kümmern. Mir näher bekannt sind beispielsweise diese:

http://www.lightchec.uzh.ch/en.html

https://www.empa.ch/de/web/s604/01-he?i ... irect=true

https://www.empa.ch/web/move

Das sind Forschungsprogramme, die von staatlichen oder staatsnahen Organisationen betrieben werden. Es handelt sich auch tatsächlich um eine Art öffentliche Güter. Profitorientierte Unternehmen (z.B. Autohersteller) investieren hingegen gewiss nur dann in neue Energietechnologien, wenn sie davon finanziell profitieren.

Ein anderes Problem ist in dem Zusammenhang, dass ein tiefer Ölpreis das Bezin günstiger macht. Damit lässt der finanzielle Druck auf die Autofahrer nach, auf sparsame Autos oder sogar Elektroautos umzusteigen. An dieser Stelle schliesst sich der Kreis: Wenn niemand nach Elektroautos / grüne Energie nachfragt, wird auch kein privates Unternehmen in diese Richtung zu investieren ... Die Forschung muss also von staatlicher Seite aus angegangen respektive vom Steuerzahler finanziert werden. Ich bin mal gespannt, wann das Zähneknirschen in der Bevölkerung die Hörschwelle übersteigt.

Das Ganze scheint mir, je länger ich drüber nachdenke, unwahrscheinlich komplex zu sein.

Lieber Gruss
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Re: Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Beitragvon Thelonious » Mi 9. Mär 2016, 20:17

Komplex ist dieses Thema auf jeden Fall, lieber Remo.

Ich war im Februar auf der Konferenz "Fuels for the Future" in Berlin. Nichts an Innovationen, nichts! Überall nur "Rotstift", "keine Finanzierungsmöglichkeiten" usw. Und "Brüssel"? Für die kommt scheinbar einzig und allein Elektromobilität in Frage. Klar ist dieses eine Richtung. Aber eben nur eine.

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Re: Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Beitragvon Remo » Do 10. Mär 2016, 01:06

Es ist eine ziemlich erschütternde Entwicklung, dass man in Forschung und Bildung den Gürtel immer enger schnallt. Denn gerade von diesen Bereichen hängt ja unser Wohlstand sehr wesentlich ab. Und unsere Zukunft erst recht. Da stellt sich mir die Frage, ob die Demokratie mit ihren vierjährigen Wahlzyklus in der Lage ist, im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltige Lösungen in der Energiepolitik hervorzubringen oder zumindest zu begünstigen. Ich zweifle, obwohl mir einige hoffnungsvolle Initiativen bekannt sind (sh. oben). Denn allzu häufig kommt der Rotstift schleichend daher. Zunächst sind es vielleicht nur Supportabteilungen oder Sportunterricht betroffen. Irgendwann wird es dann aber auch um Forscherstellen, Klassengrössen, Hauptfächer etc. gehen.
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Re: Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Beitragvon Lambert » Mo 31. Okt 2016, 00:33

Hallo!
Ich sehe es deutlich, von der Press ist zu lesen: Venezuela versinkt im Chaos

Kollabiert das System weiter, kann das soziale Revolten bis zu einem Bürgerkrieg auslösen. Ein Chaos mit etlichen Toten würde ausbrechen.
http://www.pflichtlektuere.com/05/07/20 ... -im-chaos/

So wie ich sehe, steuern wir dem Ende entgegen, wenn ich momentare Lage sehe. Die Steuerschulden können nicht beglichen werden, sie Einnahmen vom Öl bröckelt so einfach weg, Preise steigen in die Höhe, viele können die nötige Medikannten nicht mehr zahlen, und, und..... . Ich will jetzt nicht alles aufzählen. Ich könnte vieles schreiben, dazu die Ukreine, China und den USA, nicht zu vergessen, Nordkora und Japan. Wenn man mit offene Augen durch die Welt geht, wird man es schon zu schluss kommen, es geht nicht mehr weit, so wie es ist.

Grüsse, Andreas :praisegod: :praise:
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Re: Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Beitragvon Le Chef » Mo 31. Okt 2016, 11:09

Lambert hat geschrieben:So wie ich sehe, steuern wir dem Ende entgegen, wenn ich momentare Lage sehe. Die Steuerschulden können nicht beglichen werden, sie Einnahmen vom Öl bröckelt so einfach weg, Preise steigen in die Höhe, viele können die nötige Medikannten nicht mehr zahlen, und, und..... .


Le Chef fragt sich:

Ist Venezuela der Mittelpunkt der Erde, oder weshalb gehen wir unter, wenn Venezuela untergeht?
Ihr denunziert
Ihr seid schlecht informiert
Moralisch bankrott
Dass ihr das nicht kapiert
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Re: Ölpreisverfall, "Segen" oder "Fluch"?

Beitragvon Lambert » Mo 31. Okt 2016, 14:37

Hallo Le Chef!

Sicherlich ist Venezuela nicht der Mittelpunkt der Welt. Immerhin ist das Land Global verbunden. Praktisch ist kein Land von der Welt isoliert. Egal welches Land Unruhen entstehen, kann es global auch auswirken. Zum anderen ist Venezuela nicht das einzigste Land, der unter den Preisverfall leidet. Nehmen wir mal Russland, die können die Steuerschulden nicht mehr befriedigen, nicht zu vergessen die Bevölkerung leidet darunter, und, und..., oder die Saudis, sie haben auch schon Zahlungschwirigkeiten. Manche würden sich freuen, aber ich sehe eine grosse Gefahr für den Weltfrieden. Ich denke, die zukünftiege Kriege ist wegen Oel und Wasser die Hauptgründe. Siehe der Nahenosten ist ein einziger Pulverfass, denke an Syrien, Israel, ´Libanon, Türkei, USA und Russland.


Herzliche Grüsse, Andreas :praisegod: :praise:
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