Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Was so läuft in der Welt und was Sie dazu zu sagen haben

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Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon manfred » Mi 18. Feb 2015, 19:15

Vor vielen Jahren gabe es den Begriff ausgesteuert. d.h. das du weder hier noch da etwas bekommst.
Nun ist diese Situation wieder da in Österreich:
Ich kenne nun jemand der war in Invalidenpension und ist ca. 40 Jahre alt.
Nun wurde ihr die Invalidenpension wieder weggenommen.
Sie bekommt keine Arbeit, sie ist nicht vermittelbar wegen der körperlichen Einschränkung.
Sie ist aber nicht berufsfähig, daher kann sie auch kein Notstandsgeld bekommen.
Sie bekommt aber auch keine Therapie, weil sie zu wenig belastbar ist.
Zu gesund für eine Pension, zu krank für eine Arbeit.
Und vom Staat im Stich gelassen.

Österreich galt einmal als Land der Seligen.
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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon lionne » Do 19. Feb 2015, 10:32

Bei uns in der Schweiz spricht man von 'ausgesteuert', wenn jemand die Arbeitslosenkasse voll ausgeschöpft hat (x Tage, je nach Alter) und in dieser Zeit keine neue Arbeit gefunden hat. Dann ist er ausgesteuert - und muss sich nun beim Sozialdienst seiner Gemeinde (an-)melden.
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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon lionne » Do 19. Feb 2015, 11:13

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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon erbreich » Fr 29. Mai 2015, 19:47

lionne hat geschrieben:Bei uns in der Schweiz spricht man von 'ausgesteuert', wenn jemand die Arbeitslosenkasse voll ausgeschöpft hat (x Tage, je nach Alter) und in dieser Zeit keine neue Arbeit gefunden hat. Dann ist er ausgesteuert - und muss sich nun beim Sozialdienst seiner Gemeinde (an-)melden.
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Er muss das nicht, er darf.

In meinem Fall - ich bin seit zweieinhalb Jahren erwerbslos und seit 10 Monaten ausgesteuert - brachte der Besuch beim Sozialamt nichts: Durch das Einkommen meiner Frau und ihrem Besitzanteil am Haus, das wir bewohnen, liegen wir noch ein wenig über dem sogenannten Existenzminimum, so dass ich kein Anrecht auf Sozialgeld habe. Da ich auch nicht über Erspartes verfüge, lebe ich nun seit Anfang dieses Jahres vom bedingungslosen Grundeinkommen, das mir meine Frau gewährt...

Das ist keine Klage oder Anklage: Wir können auch unter diesen Umständen ohne allzugrosse Einschränkungen gut leben.
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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon lionne » Sa 30. Mai 2015, 20:32

erbreich hat geschrieben:Er muss das nicht, er darf.

In meinem Fall - ich bin seit zweieinhalb Jahren erwerbslos und seit 10 Monaten ausgesteuert - brachte der Besuch beim Sozialamt nichts: Durch das Einkommen meiner Frau und ihrem Besitzanteil am Haus, das wir bewohnen, liegen wir noch ein wenig über dem sogenannten Existenzminimum, so dass ich kein Anrecht auf Sozialgeld habe. Da ich auch nicht über Erspartes verfüge, lebe ich nun seit Anfang dieses Jahres vom bedingungslosen Grundeinkommen, das mir meine Frau gewährt...

Müssen muss man nicht, nur sterben müssen wir! ;)
Selbstverständlich prüft der Sozialdienst ganz genau die Verhältnisse: wenn man eine Frau/einen Mann hat, der/die erwerbstätig ist, wird dieser Verdienst selbstverständlich bei der Berechnung des Budgets miteinbezogen (auch ein eventueller Lohn der Kinder, wenn sie noch zu Hause wohnen). Auch Besitzanteile beider Parteien (bzw. der Partei bei einer Einzelperson) werden ebenfalls im Budget berücksichtigt.
Dann kommen auch noch die Freibeträge ins Spiel:
Zur Stärkung der Eigenverantwortung und zur Förderung des Selbsthilfewillens wird zu Beginn der Unterstützung oder wenn eine laufende Unterstützung abgeschlossen wird ein Vermögensfreibetrag zugestanden. Dieser beträgt
•Fr. 4‘000.- für Einzelpersonen,
•Fr. 8‘000.- für Ehepaare und
•Fr. 2‘000.- für jedes minderjährige Kind,
•jedoch maximal Fr. 10‘000.- pro Familie.
Das heisst praktisch: wenn eine Einzelperson noch über beispielsweise ein Sparkapital von CHF 11'000.00 verfügt, hat sie keinen Anspruch auf Sozialhilfe.
Wenn jemand ausgesteuert ist, kein Sparguthaben, keinen Partner/keine Partnerin/Ehepartner/Ehepartnerin hat, der/die verdient und auch sonst kein Einkommen, dann sollte er/sie sich beim Sozialdienst melden....oder von was soll er/sie dann z.B. die Krankenkasse, die Wohnung, das Essen bezahlen? Ich kenne niemanden, der/die von Luft und Liebe leben kann.... :oops:
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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon erbreich » Sa 30. Mai 2015, 22:56

lionne hat geschrieben: Ich kenne niemanden, der/die von Luft und Liebe leben kann....

Eben. Ich auch nicht. Das bGE würde dafür sorgen, dass jeder das zum Überleben minimal Notwendige hat. Ohne riesigen bürokratischen Aufwand und ohne erniedrigende Hürden, wie es heute der Fall ist.

Aber wichtig ist - um beim Thema zu bleiben - dass wir Ausgesteuerten unsere Selbstachtung nicht verlieren. Dass wir uns nicht einschüchtern lassen von begrifflichen Pauschalverurteilungen wie "Schmarotzer", "auf Kosten der Erwerbstätigen Lebende", und dergleichen mehr. Dass wir uns nicht selber so wahrzunehmen beginnen. Und da kann uns durchaus eine gesunde Spiritualität, ein gesunder Glaube, eine grosse Hilfe und Stütze sein.

Im Weiteren wichtig ist ebenfalls, dass wir nicht dem Nichtstun verfallen, der Langeweile, was uns unweigerlich mehr und mehr als nutzlos erscheinen lässt - vor den Augen der erwerbstätigen Mitmenschen wie auch vor uns selber. Und hier gibt es sehr viele Möglichkeiten, wie man seine Zeit sinnvoll verbringen kann (ohne in Drogen, Alkohol, oder lethargischem Medienkonsum zu versinken und zu vergammeln). Entweder wir beginnen unsere eigenen Ideen zu realisieren oder wir schauen uns mal um: Freiwilligenarbeit gibt es in vielen Bereichen.

Die Meisten erleben diesen Einschnitt erst durch die Pensionierung und müssen dann lernen, sich ihre eigene Tagesstruktur mit sinnstiftender Betätigung zu erschaffen. Aber nicht Wenige erleben es eben schon vorher, sei es durch gesundheitliche Schwierigkeiten bedingt oder durch andere Ursachen, die zur Erwerbsarbeitslosigkeit führen.

Es nicht so leicht, da einen guten Weg für sich zu finden in einer Gesellschaft, in der Erwerbsarbeit schon fast religiöse Dimensionen angenommen hat und ihr Verlust fast als Verlust der befreienden Erlösung erlebt wird (wie sich in krasser Weise dort zeigt, wo dies bis zum Suizid führt).

An dieser Stelle empfehle ich hier den satirischen Film "Frohes Schaffen - Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral": Ernüchternd, nachdenklich stimmend, aber auch erheiternd... ;)
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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon lionne » So 31. Mai 2015, 07:34

erbreich hat geschrieben:
lionne hat geschrieben: Ich kenne niemanden, der/die von Luft und Liebe leben kann....

Eben. Ich auch nicht. Das bGE würde dafür sorgen, dass jeder das zum Überleben minimal Notwendige hat. Ohne riesigen bürokratischen Aufwand und ohne erniedrigende Hürden, wie es heute der Fall ist.

Das glaube ich eben nicht!
Was den bürokratischen Aufwand bei Anmeldung beim Sozialdienst anbetrifft, würde ich meinen, dass man diesen nicht überbewerten darf/muss. Klar muss man offenlegen, wie die Verhältnisse sich darstellen! Das finden ich aber nichts als normal (und logisch). Auf der einen Seit die Einnahmen, auf der anderen Seite die Ausgaben (KVG, Wohnkosten, Lebensbedarf) . Bei der Berechnung der Ausgaben richten sich die meisten Gemeinden nach den SKOS-Richtlinien. Was du genau meinst mit 'erniedrigenden Hürden, wie es heute der Fall ist' kann ich persönlich nicht nachvollziehen! Was sollen denn 'diese erniedrigenden Hürden' bitte sein?
Was du in deiner persönlichen Lage hast, ist m.E. nicht ein bGE, sondern es ist die ganz normale gegenseitige Unterstützung zwischen Eheleuten, wenn einer der Partner (aus was für Gründen auch immer) kein Einkommen (mehr) hat.
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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon erbreich » Mo 1. Jun 2015, 20:56

lionne hat geschrieben: Was du genau meinst mit 'erniedrigenden Hürden, wie es heute der Fall ist' kann ich persönlich nicht nachvollziehen! Was sollen denn 'diese erniedrigenden Hürden' bitte sein?

Hast du die Prozedur selber schon mal mitgemacht? Ich spreche nicht vom Offenlegen der finanziellen Verhältnisse, das ich auch richtig finde.

Nach einer mehrmonatigen Zeit der Arbeitslosigkeit (wie bei mir) kommt offenbar heute automatisch schon die IV ins Spiel, obschon du - so in meinem Fall - klar sagst, dass du keinen Anspruch auf eine IV-Rente erheben willst. Du hast zu Ärzten zu gehen um gesundheitliche Gutachten (körperliche und psychische) vorzuweisen. Du hast jede Menge Termine (neben den logischen des RAV auch beim Sozialamt, Coachings, mehrere IV-Gespräche usw.) einzuhalten, obschon zum vorneherein klar ist, dass du weder einen Anspruch auf IV noch auf Sozialgeld haben wirst.

Das alles kostet jede Menge Geld, das aber oft nicht demjenigen weiterhilft, der keines mehr hat, sondern vor allem jenen, die an ihm verdienen (und zwar nicht zu knapp). Und was hat der Betroffene davon? Gerechterweise muss ich sagen, dass mir die IV schliesslich einen angemessenen einmaligen Betrag für ein sinnvolles Mentoring zugesprochen hat - was mich echt überrascht und gefreut hat. Trotzdem steht auch dieser Betrag in keinem Verhältnis zum gesamten Aufwand.

Das bGE wäre in sehr vielen Fällen die weit günstigere Lösung, weil eben mit einem weitaus geringeren bürokratischen Aufwand machbar.

Was du in deiner persönlichen Lage hast, ist m.E. nicht ein bGE, sondern es ist die ganz normale gegenseitige Unterstützung zwischen Eheleuten, wenn einer der Partner (aus was für Gründen auch immer) kein Einkommen (mehr) hat.

Richtig. Ich nenne es gerne ein (privates) bGE, weil es tatsächlich nicht an Bedingungen geknüpft sondern eine Selbstverständlichkeit ist, die in unserer Beziehung wurzelt.

Und eine ebensolche Selbstverständlichkeit sollte es eigentlich der ganzen Menschheit sein, dafür zu sorgen, dass jedes von uns Menschen das existenziell Notwendige zum Leben erhält. Das wäre wahre Menschlichkeit.
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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon lionne » Di 2. Jun 2015, 08:27

erbreich hat geschrieben:
lionne hat geschrieben: Was du genau meinst mit 'erniedrigenden Hürden, wie es heute der Fall ist' kann ich persönlich nicht nachvollziehen! Was sollen denn 'diese erniedrigenden Hürden' bitte sein?

Hast du die Prozedur selber schon mal mitgemacht? Ich spreche nicht vom Offenlegen der finanziellen Verhältnisse, das ich auch richtig finde.

Nach einer mehrmonatigen Zeit der Arbeitslosigkeit (wie bei mir) kommt offenbar heute automatisch schon die IV ins Spiel, obschon du - so in meinem Fall - klar sagst, dass du keinen Anspruch auf eine IV-Rente erheben willst. Du hast zu Ärzten zu gehen um gesundheitliche Gutachten (körperliche und psychische) vorzuweisen. Du hast jede Menge Termine (neben den logischen des RAV auch beim Sozialamt, Coachings, mehrere IV-Gespräche usw.) einzuhalten, obschon zum vorneherein klar ist, dass du weder einen Anspruch auf IV noch auf Sozialgeld haben wirst.

Da muss ich leider passen: da habe ich jetzt (zum Glück) keine Erfahrungen. Habe nur schon 'Geschichten' gehört von Bekannten z.B. eine musste nachdem sie den Job verloren hatte (und eben (wirklich körperlich stark lädiert ist), 3 Monate in ein Abklärungszentrum der IV. Aber eben wie das genau gelaufen ist, ob sie beim RAV gemeldet war oder bereits 'ausgesteuert', etc. weiss ich nun eben nicht....
Eine andere hatte Probleme bei der Arbeit und da wollte sie der Arbeitgeber bei der IV anmelden. :shock: Obwohl sie gar keine Probleme (körperlich oder psychisch) hatte. Wie das weitergegangen ist, weiss ich nun auch nicht. Ich habe durch viele solcher 'Geschichten' schon einen Horror bekommen, kann aber eben nicht darüber etwas Konkretes sagen, weil ich eben die genauen Umstände nicht kenne (...vom Hörensagen!). All diese Behörden (RAV, IV, Sozialdienst...) arbeiten irgendwie zusammen...., soviel ist mir klar geworden!
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es schon ein grosses administratives 'Gschtürm' ist, man kennt ja 'die Verwaltung'..... :mrgreen:
Inwieweit die IV bei einer arbeitslosen Person direkt eingeschaltet wird, kann ich jetzt nicht sagen. Ich finde das schon ein bisschen 'kurios', muss ich sagen! Auf was stützt sich da das RAV? Alter? Wollen die dadurch ältere (und dadurch schwer/er vermittelbare) Personen einfach in die 'IV abschieben' = ihre Statistik beschönigen?
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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon kingschild » Di 2. Jun 2015, 10:51

erbreich hat geschrieben:
Und eine ebensolche Selbstverständlichkeit sollte es eigentlich der ganzen Menschheit sein, dafür zu sorgen, dass jedes von uns Menschen das existenziell Notwendige zum Leben erhält. Das wäre wahre Menschlichkeit.


In unserem System bekommt schon heute jeder das Notwendige zu Leben aber erst dann, wenn er nicht für sich selber sorgen kann. Das dies geprüft wird in einer Sozialen Gemeinschaft, ist zumutbar. Das Ehepartner Verantwortung für sich selbst übernehmen, bevor die Allgemeinheit zur Kasse gebeten wird, ist vom Christlichen Grundgedanken her, durchaus vertretbar. Eigentlich müsste man sagen, selbstverständlich.

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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon erbreich » Di 2. Jun 2015, 11:54

kingschild hat geschrieben:In unserem System bekommt schon heute jeder das Notwendige zu Leben aber erst dann, wenn er nicht für sich selber sorgen kann. Das dies geprüft wird in einer Sozialen Gemeinschaft, ist zumutbar. Das Ehepartner Verantwortung für sich selbst übernehmen, bevor die Allgemeinheit zur Kasse gebeten wird, ist vom Christlichen Grundgedanken her, durchaus vertretbar. Eigentlich müsste man sagen, selbstverständlich.

Da bin ich durchaus einverstanden mit dir. Das bGE geht einfach ein wenig weiter: Indem es allen die Grundbedürfnisse unbürokratisch zusichert, würde es einen grossen Teil von bürokratischem Aufwand unnötig machen. Es kommt ja immer gleich die Frage: "Können wir uns das leisten?" (siehe hier, Seite 8 und 9; Tafel 6 und 7), aber im Eigentlichen stellt es kein teureres System dar, sondern vor allem ein einfacheres. Das Geld fliesst ein bisschen anders...
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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon kingschild » Di 2. Jun 2015, 11:55

lionne hat geschrieben: All diese Behörden (RAV, IV, Sozialdienst...) arbeiten irgendwie zusammen...., soviel isworden!


Hallo lionne

Grundsätzlich ist es nicht so dramatisch, wie es einem erscheint.

Das RAV ist eine Versicherung auf die alle Anspruch haben, welche vermittelbar sind und sich um Arbeit bemühen und eben auch die Beiträge bezahlt haben. Gibt es Probleme beim vermitteln einer Person, wird aufgrund der Persönlichen Geschichte evt. auch die IV in Betracht gezogen, welche eben entsprechende Weiterbildungen zahlen kann. Das RAV setzt auf Integration und aber diese eben nur im Rahmen Ihrer Statuten und Mittel.

Wenn das RAV den Eindruck hat, das jemand aufgrund seiner Physichen oder Psychischen Verfassung nicht vermittelbar ist, so muss sicher auch die betroffene Person den Nachweis erbringen (kooperieren), das er vermittelbar ist und gesund. Das RAV will lediglich wissen, ist ein Mensch Gesund und Vermittelbar, weil wenn er das nicht ist, hat er keinen Anspruch auf diese Versicherung.

Dabei werden auch Drittpersonen beigezogen. Wenn man das nicht will, so muss man sich entscheiden, stimme ich dieser Prüfung zu oder verzichte ich auf die Gelder des RAV. Es ist aber nicht so das einem das RAV oder gar ein Arbeitgeber zwingen kann zum Arzt zu gehen, der Bezüger muss aber wenn er Beiträge will, eben nachweisen das er gemäss den Auflagen dieser Versicherung das Recht hat, Geld zu beziehen. Das RAV kann auch nicht einen Menschen einfach in die IV abschieben aber wenn berechtigte Gründe vorliegen das eine Person nicht vermittelbar ist, kann sie abklären lassen wieso das der Fall ist. Wenn eine Person Geld will, so muss er hier kooperieren.

Bei der IV wird geprüft was ist sinnvolle Integration und wie kann ein Mensch integriert werden aber nur wenn eine Behinderung vorliegt. Auch hier gelten klare Bestimmungen der Versicherung und auch hier braucht es eine Prüfung der Umstände und auch hier werden Drittpersonen beigezogen. Bei körperlichen Leiden ist es leicht ersichtlich, bei psychischen Leiden ist die Prozedur sicher aufwendiger und kann durchaus als Belastung angesehen werden, die aber im zumutbaren Bereich liegt.

Der Sozialdienst der prüft einfach mal zuerst die Wirtschaftlichen Verhältnisse und ist auch nicht eine Versicherung wie das RAV und die IV. Trotzdem prüft sie eben, ob die Allgemeinheit zuständig ist oder eine dieser zwei Versicherungen, weitere Versicherungen oder eben Ehepartner und Angehörige. Nur wenn dort niemand zuständig ist, zahlt dann die Allgemeinheit aus der Steuerkasse.

Abklärungen über die eigene Person können einem mühsam erscheinen aber Versicherungen und auch die Allgemeinheit will das dies sorgfältig abgeklärt wird und das finde ich auch gut so. Denn es muss ja geklärt werden, ist die Versicherung (RAV/IV) zuständig, die Allgemeinheit (Sozialdienst) oder eben die Person und Ihre Angehörigen.

Das es dem einen oder anderen wohl lieber wäre, wenn er nur das Geld auf das Konto übewiesen bekäme, dem ist so aber diesem einen, stehen eben die Intressen der Mehrheit gegenüber, welche das Geld erarbeiten und überweisen müssen.

Wenn man das nicht sehen möchte/kann, dann wäre dies nach meinem Christlichen Verständnis, recht egoistisch und daher lehne ich auch das BGE ab. Das heisst nicht das Grundeinkommen lehne ich ab, sondern nur das "Bedingungslos".

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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon kingschild » Di 2. Jun 2015, 12:03

erbreich hat geschrieben:
kingschild hat geschrieben:In unserem System bekommt schon heute jeder das Notwendige zu Leben aber erst dann, wenn er nicht für sich selber sorgen kann. Das dies geprüft wird in einer Sozialen Gemeinschaft, ist zumutbar. Das Ehepartner Verantwortung für sich selbst übernehmen, bevor die Allgemeinheit zur Kasse gebeten wird, ist vom Christlichen Grundgedanken her, durchaus vertretbar. Eigentlich müsste man sagen, selbstverständlich.

Da bin ich durchaus einverstanden mit dir. Das bGE geht einfach ein wenig weiter: Indem es allen die Grundbedürfnisse unbürokratisch zusichert, würde es einen grossen Teil von bürokratischem Aufwand unnötig machen. Es kommt ja immer gleich die Frage: "Können wir uns das leisten?" (siehe hier, Seite 8 und 9; Tafel 6 und 7), aber im Eigentlichen stellt es kein teureres System dar, sondern vor allem ein einfacheres. Das Geld fliesst ein bisschen anders...


Du gehst davon aus das die sorgfältige Prüfung der sozialen Verhältnisse, Vermittelbarkeit, Gesundheitszustand mehr Kosten verursachen. Ich gehe davon aus, das dadurch die Kosten nicht aus dem Ruder laufen.

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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon erbreich » Di 2. Jun 2015, 12:14

lionne hat geschrieben:Wollen die dadurch ältere (und dadurch schwer/er vermittelbare) Personen einfach in die 'IV abschieben' = ihre Statistik beschönigen?

Dieser Aspekt ist auch dabei, was mir vom RAV-Berater (mit dem ich sehr gut reden konnte) bestätigt wurde: Wer muss bezahlen? RAV? Sozialamt? Krankenkasse? IV? Jede Institution gibt "den Fall" natürlich - wenn möglich - gerne weiter... was sich aber in der Beratung nicht so manifestieren muss. Die Berater sind ja eben auch nur ein Rädchen im System, und sie können ihrer Arbeit menschlich gut tun oder auch nicht. Mit den verschiedenen Menschen habe ich persönlich durchwegs positive Erfahrungen gemacht.

Was die IV betrifft, so geht es in diesem Vorgehen um eine Früherfassung, also eigentlich um Prävention, und das ist sicher auch angebracht, da in bestimmten Fällen Präventivmassnahmen eine IV-Rente unnötig machen können.
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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon erbreich » Di 2. Jun 2015, 12:35

kingschild hat geschrieben:Das heisst nicht das Grundeinkommen lehne ich ab, sondern nur das "Bedingungslos".

Genau im "bedingungslos" liegt aber der grosse Unterschied und nur das "bedingungslos" würde das System vereinfachen können. Das "bedingte" Grundeinkommen haben wir ja eben tatsächlich durch unser gutes Sozialsystem bereits (wie du schon gesagt hast).

Im "bedingungslos" geht es auch um bedingunglose Wertschätzung des Menschen, ganz unabhängig von dem, was er tut oder nicht tut. Denn aus solcher Wertschätzung kann Gutes entstehen - weil der Mensch ermutigt wird (..."den Sünder lieben", denn die Erfahrung des Geliebtseins vermag zur Umkehr zu führen).

Enno Schmidt hat die Frage einer Hörerin nach dem "bedingten" Grundeinkommen in einem Vortrag gut erklärt, hier (ab 3:00).
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Re: Ausgesteuert - zwischen den Stühlen durchgerutscht

Beitragvon lionne » Di 2. Jun 2015, 15:41

Über die Zusammenarbeit eines Arbeitgebers mit der IV und dem RAV gibt die neue Broschüre Auskünft.
>>> http://www.akai.ch/dynamic/page.asp?seiid=142
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