Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Moderator: bigbird

Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Do 11. Nov 2004, 09:01

so, ich habe mir zwar die halbe Nacht den Kopf zerbrochen, ob dieses Forum der richtige Ort ist, um soviel aus meiner Seele preiszugeben. :? Aber ich muss Euch an persönlichen Beispielen erklären, warum mich diese Fragen so beschäftigen.

Seit ich auf dieser Erde bin, komme ich immer wieder in solche Extremsituationen. Da steht z.B. plötzlich ein Junkie vor mir, streckt mir seine vereiterten Arme entgegen, zittert am ganzen Leib und bittet mich ganz direkt ihm zu helfen. Er wollte nicht etwa Geld, sondern er wollte tatsächlich, dass ich ihn zu einem Arzt bringen sollte. Das habe ich dann getan und meine eigenen Termine sausen lassen. Eine ältere Dame stand daneben und hat das alles mitbekommen. Sie blickte mich angewidert an und fragte mich, warum ich denn auf diesen heruntergekommenen Typ eingehen würde, der sei doch selber schuld.

Das zweite Beispiel ist ein ganz Aktuelles: Meine Schwester hat vor zwei Jahren einen Tunesier geheiratet, obwohl ihr alle davon abgeraten haben, einschliesslich mir. Keine Chance, meine Schwester macht seit Kindheit immer nur was sie will. Nun, der Hammer ist dann, wenn sie in der ***** steckt, kommt sie jedesmal zu mir und lädt alles bei mir ab und verlangt auch noch, dass ich ihr helfe, ihre Probleme zu lösen! Klar, wird jetzt jeder sagen, dass ich mich da abgrenzen müsste u.s.w.

Das habe ich lange Zeit auch getan, bis das Ganze derart eskaliert ist, dass ich einfach nicht mehr wegschauen konnte und kann! Ihr Mann, also mein Schwager ruft mich mitten in der Nacht an, heult am Telefon, steht angeblich auf einem Turm, kurz vor dem Sprung in den Tod. Ich kann nur feststellen, dass seine Verzweiflung ECHT ist. Also..was mache ich? Ich steige mitten in der Nacht ins Auto und fahre da hin. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht. Der Mann ist völlig am Durchdrehen. Er ist käseweiss, zittert, hyperventiliert und übergibt sich auch noch. Na ja...es gelingt mir, ihn zu beruhigen, hole ihn aus diesem Wahn raus und mache ihm Tee..ect. Dabei denke ich , dass ich verdammt noch mal keine Mutter Theresa bin und doch fühle ich ein TEil von Verantwortung, die mich dann so handeln lässt.

Ich habe dieses "Problem" schon mit x-Leuten diskutiert. Meine Eltern z.B. grenzen sich völlig ab. Sie sind der Meinung, dass meine Schwester ihren ***** alleine ausbaden soll, genauso mein Bruder und dessen Frau. Sie sei erwachsen und sie sähen sich in keiner Weise verpflichtet, ihr irgendwie beizustehen. Meine Freundin hat mich richtig zusammengeschissen und ist auch der Meinung, ich solle nur für mich schauen und in keinster WEise meine Energie für irgendwelche Junkies oder meine Schwester vergeuden! Eine befreundete Psychologin sieht in mir natürlich einen "Bilderbuchfall" von einem Muster aus der Kindheit, dass ich zu lösen hätte. Als Aelteste Tochter sei mir vermutlich Verantwortung angelastet worden, die ich nicht zu tragen bräuchte...na ja...das Klischee halt aus dem einmaleins der klassischen Psychoanalyse!

Mein Problem ist nun, dass ich völlig dazwischen stehe. Einerseits mögen diese Leute ja recht haben, aber andererseits grüble ich dann wieder über den zentralen Satz von Jesus: "Liebe Gott und Deinen Nächsten wie Dich selbst". An anderer Stelle ist dies noch einfacher erklärt:
"Behandle Deinen Nächsten so, wie Du selbst behandelt werden möchtest". So habe ich das auch verstanden.

Nun, ich habe dann all diesen Leuten Folgendes gesagt:
Ich selbst leide ja unter dieser kalten, egozentrischen Art der grossen Masse, die nur für sich selbst schaut und die man nicht mal um Banales fragen kann, wie z.B. eine WEgbeschreibung, ohne das Gefühl zu haben, man hätte dieser Person nun eine Minute ihrer Energie und kostbaren Zeit gestohlen! Vorallem in der Stadt Zürich empfinde ich das so! Nun, wenn ich mich also beklage über diesen Zustand, dann muss ich mich doch aber auch selbst anders verhalten. Und genauso verstehe ich dieses Gebot der Nächstenliebe. Wenn ich das den Leuten so sage, werden sie stumm und schauen weg und meinen ganz leise: na ja..das musst du selber wissen!

Liebe Christen, was sagt ihr dazu??? Bin ich völlig auf dem falschen Dampfer???

gruss, soleil :?
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon Nemo » Do 11. Nov 2004, 10:55

Wann immer du anderen Menschen hilfst, so ist es in Ordnung.
Man braucht sich nicht einer Religion zuwenden um im Sinne Jesu zu handeln. Man trägt es ehrlich in seinem Herzen oder man hat es eben nicht. Was du machst ist nicht falsch, soleil, laß die anderen denken was sie wollen, irgendwann kommt für jeden der Tag des Todes und bei deiner Lebensrückschau wirst du innerlich triumphieren weil sich dabei zeigt, das du zeitlebens genau das Richtige getan hast.
Auffällig ist, dass all die Götter und Göttinnen dieser Welt immer nur über Themen sprachen, die den Menschen zum Zeitpunkt ihres "Empfangs" intellektuell zugänglich waren.
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon Andi69 » Do 11. Nov 2004, 11:33

Original von soleil
Liebe Christen, was sagt ihr dazu??? Bin ich völlig auf dem falschen Dampfer???

gruss, soleil :?

Liebe Soleil

Ich würde sagen ganz im Gegenteil! Du bist auf dem absolut richtigen Weg, und ich gratuliere Dir ganz herzlich dazu. Zeugnisse wie Deines beweisen mir immer wieder, dass die Bibel halt eben doch Recht hat, auch wenn dies von immer mehr Menschen angezweifelt wird. Denk dran, die Anfechtung gehört zur Jesusnachfolge wie der Abfall der Masse vom Glauben in der Endzeit. Ich kann Dir das aus eigener Erfahrung bestätigen. Mach weiter so! Du wirst Deinen Lohn empfangen!

Gruss, Andi
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Do 11. Nov 2004, 14:04

Lieber Nemo, lieber Andi

Danke für Eure lieben Worte! :) Meine Unsicherheit ist trotzdem nicht ganz weg. Wie auch, wenn man sich ständig sagen lassen muss, dass man:

- seine Energien für die eigenen Ziele bzw. für das eigene Leben einsetzen soll

- ob man denn keinen Stolz hätte (das hat man mir schon als Kind gesagt, wenn ich nicht direkt zurückgeschlagen habe.)

- sich Durchsetzen sollte..im Sinne von Ellenbogentaktik

- dumm und naiv sei, weil man dies nicht begreifen wolle


Es ist halt so, dass ich durch meine inneren Ueberzeugungen, eigentlich alles "weltliche Ansehen" und auch meine "weltliche Existenz"verloren habe. In den Augen meiner Eltern und vieler meiner Mitmenschen bin ich eine totale Versagerin. Denn ich habe es beruflich und auch privat "zu nichts gebracht".
Diese Erniedrigungen sind wie schleichendes Gift.

Dadurch wurde ich auch körperlich krank und dann hat man erneut einen Grund, mich in meiner Schwäche noch ganz in den Boden zu stampfen!

"Schau dich doch mal an..du lächerliche Figur, wie willst Du denn in Deinem eigenen Elend auch noch andern helfen."

Das sagen natürlich nur die "Starken", die andern sind dankbar und schreiben mir rührende Briefe.

Ich weiss, dass meine Liebe ankommt und auch mehrfach zu mir zurückfliesst, in Form von herzerwärmenden Ueberraschungen. Nun ist es aber schon so, dass ich noch einen Körper habe und dieser kann nicht nur von der geistigen Liebe leben. Sprich, auch ich brauche leider eine bezahlte Arbeit um in dieser Welt noch weiter existieren zu können. Seit 5 Jahren suche ich danach und finde nix. Was mich aber immer findet, sind Leute, die meine Hilfe wollen! Versteht ihr, was ich meine?

Irgendwas muss ich wohl doch falsch machen!? :roll:

Liebe Grüsse, soleil

Für die einen bin ich so eine Art selbstlose Heilige, für die andern eine völlige Versagerin, die mit ihrem eigenen Leben nicht klar kommt. Dieser Konflikt liegt auch in mir selbst. Das bringt mich zum Verzweifeln. Denn eigentlich bin ich weder das Eine noch das Andere. Warum will das niemand begreifen? Ich fühle mich nicht berufen, mein eigenes Leben nur für andere hinzugeben, aber auch nicht nur für mich selbst zu leben.

Die Arbeitgeber verlangen aber von mir, nur für ihren Profit zu leben. In einem Vorstellungsgespräch bspweise interessiert es Keinen, dass ich mich in den 5 Jahren um Drogenabhängige, Alkoholsüchtige ect. gekümmert habe. Sie wollen nur Zeugnisse und Leistungsbeweise sehen. Deshalb habe ich wohl auch keinen Job.

Die Männer interessiert dasselbe: "Was bist Du , was hast Du, kann man sich mit dir zeigen..." Wenn ich ihnen meine Samaritergeschichten erzähle, reagieren sie zwar meistens interessiert. Aber eben nur, weil das mal was anderes ist und nicht weil sie begreifen, worum es mir geht!

Keiner von denen möchte aber eine solche Freundin geschweige denn Frau haben. Ich mache in allen Lebensbereichen die schmerzliche Erfahrung, dass man auf diesem Weg wohl einsam ist und bleibt!!!Und das verkrafte ich nur schlecht, denn ich bin auch nur eine ganz normale Frau!
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon jeig » Do 11. Nov 2004, 14:36


Liebe soleil, ich wäre froh hätte ich dich vor ein paar Jahren kennengelernt :)) Und ich finde es schade dass es nicht soviele Leute wie dich gibt.

Für die einen bin ich so eine Art selbstlose Heilige, für die andern eine völlige Versagerin, die mit ihrem eigenen Leben nicht klar kommt.
Wenn ich fragen darf, als was siehst du dich denn selbst?

Gruss

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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon Andi69 » Do 11. Nov 2004, 14:39

Original von soleil
Für die einen bin ich so eine Art selbstlose Heilige, für die andern eine völlige Versagerin, die mit ihrem eigenen Leben nicht klar kommt. Dieser Konflikt liegt auch in mir selbst. Das bringt mich zum Verzweifeln. Denn eigentlich bin ich weder das Eine noch das Andere. Warum will das niemand begreifen? Ich fühle mich nicht berufen, mein eigenes Leben nur für andere hinzugeben, aber auch nicht nur für mich selbst zu leben.

Aufgrund dieses Abschnittes würde ich aber sagen, Du hast trotz Deiner Verzweiflung immer noch einen recht klaren Durchblick! So wie ich Dich verstehe, suchst Du sozusagen den goldenen Mittelweg.

Ich weiss nicht, welchen Beruf Du gelernt hast und in welchen Bereichen Du Arbeit suchst. Aber warst Du schon einmal in einer Berufsberatung? Könnte es sein, dass Du in einer helfenden Position (z. B. Sozialarbeit, Pflege o. ä.) komplett aufblühen würdest wie eine Blume im Frühling?
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Do 11. Nov 2004, 15:39

Aufgrund dieses Abschnittes würde ich aber sagen, Du hast trotz Deiner Verzweiflung immer noch einen recht klaren Durchblick! So wie ich Dich verstehe, suchst Du sozusagen den goldenen Mittelweg.

So ist es! Nur ist es eben so schwierig, diese Balance zu finden und zu halten. Ist das überhaupt möglich?

Ich weiss nicht, welchen Beruf Du gelernt hast und in welchen Bereichen Du Arbeit suchst. Aber warst Du schon einmal in einer Berufsberatung? Könnte es sein, dass Du in einer helfenden Position (z. B. Sozialarbeit, Pflege o. ä.) komplett aufblühen würdest wie eine Blume im Frühling?

Ich bin MPA (Med. Praxisassistentin). Da war ich völlig fehl am Platze. Ich konnte nicht so auf die Leute eingehen, wie ich das gerne getan hätte. Somit wurde ich unzufrieden und bekam Probleme mit Aerzten und teils auch mit Patienten. Ich hatte in diesem Beruf soviel Frust erlebt, dass ich aus Trotz jahrelang in Fabriken geschuftet habe. Natürlich fuehlte ich mich dort noch unwohler und wäre ich nicht eines Tages zusammengeklappt würde ich heute noch Schrauben zählen. :cry: :cry: :cry:

Klar war ich schon bei der Berufsberatung, x-mal!!!
Ich habe mich stundenlang testen lassen auf IQ , EQ, spezielle Fähigkeiten...oh gott...mir wird grad schlecht, wenn ich dran denke! :( Man hat festgestellt, dass ich überall einbisschen neben der Norm ticke, genau so wie im Leben auch! Schwierig, schwierig...das hörte ich vom Kindergarten bis zur Bahre vielleicht noch??? Sprachen extrem gut, Mathe extrem schlecht...wo soll man dieses Kind nun einstufen? So auch, bei diesen läppischen Test´s bei der BB. Psychologische Kentnisse top, aber zu sensibel...von den Fähigkeiten und auch Interessen her, kamen wir auf Psychologin, Logopädin, Sozialpädagogin, Uebersetzerin...ect...Der Haken ist aber, dass ich keine Matura habe, inzwischen auch keinen Rappen Geld mehr, noch das Durchhaltevermögen aus gesundheitlichen Gründen. Nach all den Jahren der intellektuellen Unterforderung hat auch meine Lern-und Aufnahmefähigkeit ziemlich stark abgegeben. Man könnte sagen, dass ich in den letzten Jahren regelrecht verblödet bin! :shock:

Also Pflege hab´ ich mal kurz reingeschnuppert. Da bin ich geradezu auf einen Schlag verwelkt! :D Eine unsymphatische Pflegeleiterin mit Haaren auf den Zähnen, giftspeiende alte Damen, denen ich rein gar nichts recht machen konnte und dann noch so dämliche Pfleger, die sich auf eine ziemlich primitive Art vor mir aufbauschen mussten. Nein danke...nie wieder!!! Ausserdem wäre dort mein Rücken nach einer Woche kaputt gewesen! Man musste ganze Rollstühle samt Inhalt über Treppen heben.

Ein alter Mann gab mir dann noch den Rest: Wie angewurzelt bleibt der vor mir stehen und schreit durch das ganze Haus, welch eine Schönheit ich sei! Die Putzfrauen, die Pflegehilfen und sämtliche Insassen haben sich kaputt gelacht und ich habe mich in Grund und Boden geschämt. Na ja.. ist zwar ein Kompliment...aber ich hab´ mich mal wieder so richtig doof und nicht ernst genommen gefühlt.

So, und jetzt halt ich meinen Mund...und bete, dass ich möglichst bald wieder so einen "Stillen-Kämmerlein-Job" finde, wo man sich weder über mein Ausseres noch über mein Inneres lustig machen kann! Schön wär´s wenn ich z.B. so in einem technischen Labor irgendwas "knäublen" könnte, wo ich auch mein Köpfchen noch einbisschen gebrauchen müsste.
Das Soziale kann ich ja dann weiterhin in meiner Freizeit ausleben!

lieber gruss, soleil


P.S: Brunnenmeisterin...das wär´ mein Traumjob! Mir fehlen aber spez. Fachkenntnisse. :D

Aufblühen würde ich da, wo man mich machen lässt und mir nicht ständig vorplappert, wie ich mit den Leuten umzugehen habe, denn das weiss ich selber! Leider kann ich mich im Sozialen Bereich in dieser Hinsicht keineswegs verwirklichen. Ich kenne diesen Bereich sehr gut! Mein Vater ist Lehrer und Sozialpädagoge...liegt also schon in der Familie! Ich bin in diesem Milieu aufgewachsen und weiss nur zu gut wieviele komplizierte Egoisten in diesen Berufen ihr Unwesen treiben. Nö, da würde ich ausrasten, das weiss ich schon jetzt! Weisst Du, dass in sozialen Berufen am meisten gemoppt wird?
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon Wolfi » Fr 12. Nov 2004, 17:25

Hello Miss Sunshine
Dein Dilemma ist mir nicht fremd. :) Wie oft musste ich früher von meinem Vater, wenn er mal wieder sauer war, zu hören kriegen: "Du wirst es nie zu was bringen, denn Du bist zu gut für diese Welt." :roll: Nun ja, irgendwie hatte er ja recht. Ich differenzierte damals überhaupt nicht und bot Jedem meine Hilfe an, der sie von mir verlangte (manchmal sogar ohne, dass sie verlangt wurde). Erst nach etlichen Missbräuchen rückte ich davon etwas ab. Heute halte ich´s eher so, wie mit Ehre oder Respekt: "Hilfe wem Hilfe gebührt"...
Und von wegen Job, Geld und Partnerschaft reden wir vielleicht ein ander mal, gell?!
Kopf hoch, Baby, das wird schon! Wer weiss, wofür Du durch so harte Prüfungen geschickt wirst...
Ach ja, von wegen "Partnersuche": Schon mal dran gedacht, es über die virtuelle Schiene zu versuchen?
Es schöns Wuchenänd!
lg, wolfi

P.S.: Noch was: Verwechsle nicht Selbstschutz mit Egoismus! ;)
Der Glaube versetzt Berge, aber der Unglaube zerbricht Ketten.
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon Such_Find » Fr 12. Nov 2004, 19:58

Hi Sonne :)

Brauchst du für das, was auf dich da so einströmt mehr Kraft als du hast, oder gehts "nur" manchmal ans Limit?

Ist das was du machst [noch] OK für dich?
Nach dem Motto:sch**sse, aber erträglich, gehört [noch] zu mir?

Hast du Hoffnung das sich etwas ändern wird?
(Nicht die Umstände, sondern das soleil irgendwann über den Umständen stehen wird)


Bei mir ist die Arbeit so ein Fall, immer öfter am Limit. Aber noch ist es für mich nicht dran die Brocken hinzuwerfen.
Um mich selbst zu schützen muß ich mich von anderen häufig zurückziehen, weil meine Kraft nur noch für mich reicht. Ich kann dann niemanden mehr in meinem Dunstkreis ertragen.

Wie es mit deiner Kraft steht kannst aber nur du oder der Chef sehen...

Du wirst seit 5 Jahren nicht verheizt und verpulverst deine Kraft evtl nicht für irgendeinen *****.....hast du nicht Kraft "übrig" die andere nicht haben?

Es ist halt so, dass ich durch meine inneren Ueberzeugungen, eigentlich alles "weltliche Ansehen" und auch meine "weltliche Existenz"verloren habe. In den Augen meiner Eltern und vieler meiner Mitmenschen bin ich eine totale Versagerin. Denn ich habe es beruflich und auch privat "zu nichts gebracht".

Das kann man auch als menschliche Auszeichnung betrachten.
Man könnte dazu auch gratulieren(da der Grund dafür stehen zu den "inneren Ueberzeugungen" ist).


ciao + lg in die "Kälte"
«Andererseits frage ich mich seit langem, woher diese Unfähigkeit stammt, den Geist Gottes als das zu sehen, was er ist, nämlich als das Leben, Wesen, Bewußtsein und Sein Gottes.»
Zitat von William Penn
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon Shelton » Fr 12. Nov 2004, 20:51

Original von soleil
....ohne das Gefühl zu haben, man hätte dieser Person nun eine Minute ihrer Energie und kostbaren Zeit gestohlen! Vorallem in der Stadt Zürich empfinde ich das so!

das geht mir in zh, wenn ich denn mal da bin auch so. ein grund wieso ich mir jedesmal, wenn ich mit dem zug dort bin, zeit nehme die leute zu beobachten. 8-)

Liebe Christen, was sagt ihr dazu???

tja, ich kann dir sehr nachfühlen (auch aus meinem alltag in meinem betrieb). als christ würde ich dir sagen:
lies doch bitte mal mat. 25,31-46:
v36 "ich war nackt, ihr habt mir kleidung gegeben. ich war krank, und ihr habt mich besucht. ich war im gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen."
v40b "was ihr für einen meiner geringsten getan habt, das habt ihr für mich getan."

ja, das bringt dich in deinem alltag noch nicht weiter, aber wie wär´s damit:
editiert

liebe grüsse
mike
Und kommt ihr vom richtigen Weg ab, so hört ihr hinter euch eine Stimme, die sagt:
"Halt, dies ist der Weg, den ihr einschlagen sollt!"
(Jesaja 30,21)

Nichts auf Erden ist so stetig wie der Wandel.
(irgendwer)
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon Josef » Fr 12. Nov 2004, 22:52

Original von soleil
...
Keiner von denen möchte aber eine solche Freundin geschweige denn Frau haben. Ich mache in allen Lebensbereichen die schmerzliche Erfahrung, dass man auf diesem Weg wohl einsam ist und bleibt!!!Und das verkrafte ich nur schlecht, denn ich bin auch nur eine ganz normale Frau!
Ich würde dich niemals wegen deiner selbstlosen Hilfsbereitschaft meiden, aber leider sehr wohl wegen deinen völlig irrationalen Weltuntergangs-prophezeihungen.

Deine Behauptungen im entsprechenden Threads lassen nur einen schweren Verfolgungswahn vermuten, eben weil du Sachen so fest behauptest, ohne den geringsten Beweis zu haben.
Internet ist das Paradies für geisteskranke Feiglinge, weil
sie hier anonym und unbestraft ihren Wahnsinn ausleben können.

Wissenschaftler müssen genau so stark glauben können wie die Priester.
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon rejo » Sa 13. Nov 2004, 22:48

Hallo Soleil,

Original von soleil
Seit ich auf dieser Erde bin, komme ich immer wieder in solche Extremsituationen. Da steht z.B. plötzlich ein Junkie vor mir, streckt mir seine vereiterten Arme entgegen, zittert am ganzen Leib und bittet mich ganz direkt ihm zu helfen. Er wollte nicht etwa Geld, sondern er wollte tatsächlich, dass ich ihn zu einem Arzt bringen sollte. Das habe ich dann getan und meine eigenen Termine sausen lassen. Eine ältere Dame stand daneben und hat das alles mitbekommen. Sie blickte mich angewidert an und fragte mich, warum ich denn auf diesen heruntergekommenen Typ eingehen würde, der sei doch selber schuld.

Dabei denke ich , dass ich verdammt noch mal keine Mutter Theresa bin und doch fühle ich ein TEil von Verantwortung, die mich dann so handeln lässt.
Mein Problem ist nun, dass ich völlig dazwischen stehe. Einerseits mögen diese Leute ja recht haben, aber andererseits grüble ich dann wieder über den zentralen Satz von Jesus: "Liebe Gott und Deinen Nächsten wie Dich selbst". An anderer Stelle ist dies noch einfacher erklärt:
"Behandle Deinen Nächsten so, wie Du selbst behandelt werden möchtest". So habe ich das auch verstanden.

Wenn ich das Gebot Jesu richtig verstanden habe, heißt es da nicht nur : Liebe deinen Nächsten! Damit verknüpft und als Massstab dieser Liebe zugeordnet sind die Worte: Wie dich selbst! In Diskussionen um diesses Gebot zucke ich regelmäßig zusammen, wenn das Gebot Jesu mal wieder auf Nächstenliebe verkürzt wird
Wenn man das Ganze umkehrt, wird es deutlicher: Nur wer sich selbst liebt, kann dementsprechend seinen Nächsten lieben. Ansonsten könnte dieses Gebot uns in die Selbstvernichtung treiben, immer dann wenn da ein cleverer Mitmensch meine Gebotstreue für seine Zwecke ausnutzen will.
Die Formulierung: Behandle deinen Nächsten so, wie du selbst behandelt werden möchtest!, müsste dir die Augen für deine inneren Missgefühle öffnen.
Du selbst stellst fest, dass da etwas nicht ganz in Ordnug ist und andere wie auch deine Schwester deine Hilfsbereitschaft ausnutzen. In deinem Inneren fühlst du deutlich, daher auch dein Missvergnügen, dass bei deiner Gebotsauslegung etwas nicht stimmen kann: Sie ist zu oft kontraproduktiv. Deine Hilfeleistung führt nicht zum dem Ergebnis, was du selbst für richtig hälst. Die Kritik der alten Frau hat dir zu denken geegeben, weil etwas in deinem inneren Bewusstsein dem zustimmt.
Weil du selbst nicht so behandelt werden möchtest, wie deine Schwester von dir behandelt werden will, lehnst du das ab. Dein Glaube an die Richtigkeit der Nächstenliebe zwingt dich aber weiterhin es trotzdem so zu tun. Deine Vorstellung, wie man Nächstenliebe richtig lebt, schließt die Selbstliebe zu weit aus, weil du darin den "bösen" Egoismus sofort um die Ecke lauern siehst. Jedenfalls glaubst du das und stellst daher die Selbstliebe in deinem Leben und Verhalten zu weit hinten an.
Aber ohne die Selbstliebe ist die Nächstenliebe Stückwerk und mit Blindheit geschlagen. In der Selbstliebe erkennst du, was du brauchst und erkennst, worauf der andere aus ist, egal ob gut oder schlecht. So kommt man in die Lage zu erkennen, wo man helfen darf und wo die erbetene Hilfeleistung absolut Gift für den Betreffenden ist. Hilfeleistung kann eben auch in Abhängigkeit und Unfreiheit führen. Das alles spricht gegen eine blinde Hilfeleistung. Und solange deine Schwester sich auf diese deine Einstellung verlassen kann, hat sie meiner Meinung nach keine Veranlassung die Verantwortung für ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Sie bleibt abhängig von deiner Hilfeleistung.

Das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter liegt mit seiner Absicht nicht auf der Art und Weise, wie man Hilfe leisten soll, es fokussiert für meinen Geschmack mehr das Verhältnis vom 1. zum 2. Hauptgebot und generell die unmenschlichen Tendenzen in der Gebotsgerechtigkeit der Pharisäer. Dagegen sagt es wenig oder gar nichts dazu aus, wie die Hilfe im Einzelnen denn nun auszusehen hat. Ein Hilfeersuchen abzuschlagen, kann auch Hilfe bedeuten. Es soll aber nicht so ablaufen, wie Priester und Leviten dies taten, die für den Dienst im Tempel rein bleiben wollten.

Gruss

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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » So 14. Nov 2004, 08:31

Lieber Rejo

Vielen Dank für Deine ausführlichen Gedanken zum Thema. :)
Ueber die Punkte, die Du ansprichst, habe ich mir immer wieder den Kopf zerbrochen. ABER ich finde auch Deine Rückschlüsse zu einfach.

1. Was ist für dich Abhängigkeit? Es ist doch eine Illusion zu glauben, dass auch nur ein Mensch unabhängig ist, auf dieser Welt. Wir brauchen und beeinflussen uns gegenseitig. Dies ist gar nicht zu vermeiden! Die Frage ist, WIE beeinflusse ich meine Umgebung.

2. Meine Schwester muss die Konsequenzen ihres Handelns tragen und die werde ich ihr auch nicht abnehmen. Wenn es jedoch so gefährlich wird, dass ihr Mann aus Verzweiflung den Kopf verliert, ist das für mich ein Fall, wo ich eingreifen muss! Ich fungiere dabei vorallem als Schlichterin. Das ist mir gestern mit grossem Erfolg zum dritten Mal gelungen. Bringe mal einen tobenden, fundamentalistischen Moslem , der tief in seinem Stolz verletzt ist, wieder auf den Boden zurück. Ich habe ihn so weit gebracht, dass er bestimmte erforderliche Papiere unterschrieben hat und meine Bitte, das Rächen bleiben zu lassen, angenommen hat. Dieser Hass in ihm hat sich zu einem Teil in Tränen aufgelöst. Wenn ich den Beiden verklickern kann, dass man nicht aus dieser Hassspirale rauskommt, indem man noch mehr Leid anrichtet, sondern dass man sich darauf besinnt, dass da noch was viel Stärkeres in uns ist.

Es ist also nicht so, dass ich ihnen unangenehme Dinge aus dem Weg räume, sondern dass ich ihnen helfen möchte, aus diesem Negativ-Chaos rauszufinden.

Meine Schwester hat schon vieles dazu gelernt und das spricht dafür, dass meine Worte ankommen. Genauso hat sich mein WG-Partner aus vielen Verknorzungen lösen können. Als ich bei ihm eingezogen bin, hatte er nur eine Freizeitbeschäftigung: Saufen! Jeden Tag knüppelvoll!!!

Ich wollte ihn anfangs dazu bewegen, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Immer mal wieder habe ich ihm irgendwelche Adressen zugeschoben. Er wollte NICHTS annehmen. Da ich ihn nicht verlassen konnte, weil ich selbst in finanzieller Not war, habe ich mein ganzes Psychowissen plus Intuition angewandt und es hat geklappt.

Na ja...ich weiss jetzt z.B. dass dieser gängige Satz:
Um einem Alkoholier zu helfen, muss man ihn verlassen, bzw. in der ***** stehen lassen, einfach NICHT WAHR ist.

Dieser Satz ist aber eine praktische Ausrede, um weder Zeit noch Geduld für einen Mitmenschen aufbringen zu müssen.

Liebe Grüsse, soleil





















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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon rejo » So 14. Nov 2004, 19:51

Hallo Soleil,

wenn ich deinen Beitrag so lese, verstehe ich nicht dein ganz dein Problem, oder möchtest du in punkto Nächstenliebe für die ganze Welt zuständig sein? Was du tust, ist doch bewundernswert! Oder fühlst du dich so verantwortlich, dass sich bei dir schon ein leichtes Schuldgefühl einschleicht, wenn du die Probleme deiner Mitmenschen und ihr Verhalten zueinander registrierst. Erwartest du nicht zuviel von dir?
Hast du so einen schnellen Schritt drauf, dass deine Mitmenschen nicht mehr mithalten können?

Ich denke dabei an einen Tagesausflug mit einem Lehrer, den ich als Drittklässler mitmachte. Der Lehrer war ein sehr sportlicher und agiler Mensch und erwartete mehr von uns, als wir offenbar zu leisten im Stande waren.
Am Ende waren die Flottesten schon zu Hause, während viele noch 4-5 km Fusswanderung vor sich hatten.

Also in diesem Sinne

herzliche Grüsse

Rejo


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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Mo 15. Nov 2004, 09:31

Lieber Rejo

Mein Problem liegt in dieser Unsicherheit, die ich ganz oben beschrieben habe. Wenn Dir jeder Zweite sagt, dass Du diese Nächstenliebe falsch verstehen würdest, und dass Du Dir überhaupt wenig bis gar keine Gedanken machen solltest, nagt dies auch an mir.

Und ich frage mich selbst oft, warum ich dies eigentlich mache. Ehrlich gesagt, ich könnte es mir tausendmal einfacher machen. Ich weiss, dass ich es genauso weit bringen könnte, wie der Karrieretyp, der mir im Bus gegenüber sitzt. Auch ich habe einen starken Willen, eine gewisse Intelligenz und könnte mich auch äusserlich vorzüglich präsentieren, wenn ich dies denn anstreben wollte. Und wenn ich es mir noch einfacher machen wollte, könnte ich schon lange in einer Villa am See leben.

Solche Angebote kamen immer wieder auf mich zu. In schwachen Augenblicken seh´ ich dann alle diese spottenden Gesichter vor mir, die zu mir sagen: "Du dumme kuh, du könntest doch alles haben...warum vergeudest Du bloss deine Zeit mit den Leiden von anderen."

Ich bin keine Heilige, nicht mal eine Christin ...
irgendwie bin ich einfach anders! Stimmt, rejo...wenn ich Menschen streiten sehe, zieht sich in mir alles zusammen und ich würde am liebsten ins ganze Land rausschreien:
"Hört auf, beendet Eure verdammten Egokriege, hört auf die Schuld hin und her zu schieben."

Meine ganze Seele empfindet das so und sie kann das nicht begreifen. :cry:

gruss, soleil
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon ces » Mo 15. Nov 2004, 10:17

Sali Soleil
Original von soleil
Mein Problem liegt in dieser Unsicherheit, die ich ganz oben beschrieben habe. Wenn Dir jeder Zweite sagt, dass Du diese Nächstenliebe falsch verstehen würdest, und dass Du Dir überhaupt wenig bis gar keine Gedanken machen solltest, nagt dies auch an mir.

Was ist wohl die Motivation der Leute um dich herum, die dich davon überzeugen wollen, dass du doch egoistischer sein solltest? Geht es darum, dir zu helfen, dich zu schützen, das Beste für dich zu finden? Oder doch eher darum, ihr eigenes Verhalten zu rechtfertigen? Auch der Egoist kann ja missionarischen Eifer entwickeln, weil Leute wie du ihm irgendwie ein Dorn im Auge sind, respektive du hältst ihnen einen Spiegel vor, und so möchten sie dich gern auf ihre Seite ziehen...

Und ich frage mich selbst oft, warum ich dies eigentlich mache. Ehrlich gesagt, ich könnte es mir tausendmal einfacher machen. Ich weiss, dass ich es genauso weit bringen könnte, wie der Karrieretyp, der mir im Bus gegenüber sitzt.

Aber das willst du ja nicht wirklich :-))

Solche Angebote kamen immer wieder auf mich zu. In schwachen Augenblicken seh´ ich dann alle diese spottenden Gesichter vor mir, die zu mir sagen: "Du dumme kuh, du könntest doch alles haben...warum vergeudest Du bloss deine Zeit mit den Leiden von anderen."

Liebe Soleil, auch wenn 80% aller Menschen um dich herum sagen würden, Egoismus sei richtig, eine Villa am See das wichtigste und es gehe nur um Geld, Karriere, Macht, Ansehen usw... , so würde das nicht wahrer, nur weil es viele sagen.

Der Mittelweg wäre schon ideal.. also wenn du finanziell so schlecht dastehen solltest, dass du 1. keine Möglichkeiten mehr hast, was zu verändern und 2. auch deiner Umgebung gegenüber immer wieder durchblicken lassen musst, dass du kein Geld hast und dir das stinkt.. , dann ist es nicht mehr so gut.
Denn wenn ich mir mal so vorstelle, dass jemand zu mir kommt und klagt, er habe kein Geld, weil er allen hilft.. dann würde ich vielleicht auch sagen, er solle mal jetzt zuerst einen job suchen, der ihm zusagt....

Also grundsätzlich kann ich dich sehr gut verstehen und auch nachvollziehen, weil ich es z.T ähnlich empfinde. Ich muss einfach dann, wenn ich merke, dass es mich anfängt kaputt zu machen, einen Riegel schieben. (Selbstschutz)
Ich erkenne in mir manchmal auch die Tendenz, lieber meine Energie anderen Menschen zu geben, sobald ich irgendwo einen Hilfesuchenden sehe, statt mich mit mir selbst zu beschäftigen .... ist leider recht oft zu sehen, dass gerade die Menschen mit vielen eigenen Problemen am sozialsten sind
(nicht dass ich dir das unterstellen will.. ich denke einfach, mal sollte sich ab und zu fragen, ob man durch seine Hilfeleistungen vor sich selbst flieht...)

Ein Freund von mir ist vor Jahren fast an Alkohol-und Tablettenmissbrauch gestorben. Es war ähnlich wie deine beschriebenen Situationen: es war einfach niemand anders da, der sich um ihn gekümmert hätte, und so hab ichs gemacht.
Als ich gar nicht mehr wusste, was ich tun soll, hab ich ihn dann ins Spital gebracht. Wenn ich jetzt mit ihm einen Kaffee trinken gehe und ihn so clean und zufrieden mit seinem Leben seh, ist diese Befriedigung und Freude, dass meine Hilfeleistung dabei mitgeholfen hat, bedeutend mehr wert als die Aussicht aus der Villa über den See :-)))

grüsschen
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Mo 15. Nov 2004, 10:55

Der Mittelweg wäre schon ideal.. also wenn du finanziell so schlecht dastehen solltest, dass du 1. keine Möglichkeiten mehr hast, was zu verändern und 2. auch deiner Umgebung gegenüber immer wieder durchblicken lassen musst, dass du kein Geld hast und dir das stinkt.. , dann ist es nicht mehr so gut.
Denn wenn ich mir mal so vorstelle, dass jemand zu mir kommt und klagt, er habe kein Geld, weil er allen hilft.. dann würde ich vielleicht auch sagen, er solle mal jetzt zuerst einen job suchen, der ihm zusagt....


Liebe Ces

Ja, meine finanzielle Lage ist so schlecht, dass ich mich eigentlich gar nicht mehr bewegen kann. Das hat aber nichts mit meinen Hilfeaktionen zu tun. Denn, erstens klappere ich seit Jahren sämtliche Stellenanzeiger ab und habe mich auch schon x-hundert mal beworben. Es ist also nicht so, dass ich meine Dinge aus den Augen verliere. Ganz und gar nicht! Das Thema Arbeitslosigkeit betrifft nicht nur mich...für den FAll, dass dir das entgangen sein sollte!

lieber Gruss zurück, soleil
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon rejo » Mo 15. Nov 2004, 19:39

Original von soleil
Lieber Rejo

Mein Problem liegt in dieser Unsicherheit, die ich ganz oben beschrieben habe. Wenn Dir jeder Zweite sagt, dass Du diese Nächstenliebe falsch verstehen würdest, und dass Du Dir überhaupt wenig bis gar keine Gedanken machen solltest, nagt dies auch an mir.

Und ich frage mich selbst oft, warum ich dies eigentlich mache. Ehrlich gesagt, ich könnte es mir tausendmal einfacher machen. Ich weiss, dass ich es genauso weit bringen könnte, wie der Karrieretyp, der mir im Bus gegenüber sitzt. Auch ich habe einen starken Willen, eine gewisse Intelligenz und könnte mich auch äusserlich vorzüglich präsentieren, wenn ich dies denn anstreben wollte. Und wenn ich es mir noch einfacher machen wollte, könnte ich schon lange in einer Villa am See leben.

Solche Angebote kamen immer wieder auf mich zu. In schwachen Augenblicken seh´ ich dann alle diese spottenden Gesichter vor mir, die zu mir sagen: "Du dumme kuh, du könntest doch alles haben...warum vergeudest Du bloss deine Zeit mit den Leiden von anderen."

Ich bin keine Heilige, nicht mal eine Christin ...
irgendwie bin ich einfach anders! Stimmt, rejo...wenn ich Menschen streiten sehe, zieht sich in mir alles zusammen und ich würde am liebsten ins ganze Land rausschreien:
"Hört auf, beendet Eure verdammten Egokriege, hört auf die Schuld hin und her zu schieben."

Meine ganze Seele empfindet das so und sie kann das nicht begreifen. :cry:

gruss, soleil


Hallo Soleil,

ich hatte schon eine lange Antwort fertig geschrieben, habe sie aber so eben wieder gelöscht, weil mein Gefühl mir sagte, dass meine Erwiderung zu kopflastig geschrieben war.
Ich will dir also nur raten, auf deine Gefühle zu achten, was sie dir zu deinen Fragen antworten. Achte einfach auf sie und finde heraus, was sie auslöst.

Herzliche Grüße

Rejo
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon Dschinny » Mo 15. Nov 2004, 21:34

Hallo soleil

Vielleicht bringt es was, wenn wir das ganze "zum Spass" von einer anderen Perspektive her betrachten?
"Alle Menschen sind Egoisten (oder sollten es sein):"

Ich unterstelle dir, dass du eine Egoistin bist. Egoismus bedeutet für mich, für den eigenen Vorteil zu handeln. Du bist eine altruistisch eingestellte und empathsch veranlagte Person, also erfüllt es dich mit persönlicher Befriedigung anderen Menschen zu helfen - das ist dein Vorteil, das ist dein Egoismus, diejenigen Egoisten dich ich am meisten achte.

Das Problem bei altruistischen Persönlichkeiten ist, dass sie (im Gegensatz zu den Egozentrikern) manchmal dazu neigen, ihre eigene Individualität zu verlieren, nur noch "in anderen Menschen zu leben", eben von denen vielleicht auch ausgenutzt werden (dem sollte man etwas entegegenwirken wie von Wolfi beschrieben).

Falls ich falsch getippt habe und dich das Samaritterdasein leiden lässt, kann es sein dass du unter dem bereits in dem zuletzt beschriebenen Problem leidest.
Oder du generell masochistisch veranlagt bist und den Vorteil in Form von solchem Vergnügen selbst schöpfst, also eine masochistische Egoistin bist.

Wenn das auch nicht zutrifft und deine Hilfsbereitschaft ein zwanghaftes Verhalten ist oder durch irgendein Dogma oder Trauma bedingt, so begehst du den schweren Fehler nicht egoistisch zu handeln und solltest vielleicht überlegen ob du das irgendwie ändern kannst.

So ich geh mal ganz egoistisch meine Katze streicheln...;)

Der Zweifel ist kein angenehmer Zustand. Gewißheit aber ist ein lächerlicher Zustand.

(Voltaire)
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon ces » Di 16. Nov 2004, 10:44

Liebe Soleil

Original von soleil
Ja, meine finanzielle Lage ist so schlecht, dass ich mich eigentlich gar nicht mehr bewegen kann. Das hat aber nichts mit meinen Hilfeaktionen zu tun.


Das ist gut(dass es nichts mit deinen Hilfsaktionen zu tun hat) und es ging mir eigentlich nur darum.

Denn, erstens klappere ich seit Jahren sämtliche Stellenanzeiger ab und habe mich auch schon x-hundert mal beworben. Es ist also nicht so, dass ich meine Dinge aus den Augen verliere. Ganz und gar nicht! Das Thema Arbeitslosigkeit betrifft nicht nur mich...für den FAll, dass dir das entgangen sein sollte!


Nein, ist mir nicht entgangen und ich find es auch sehr schlimm, dass es so Situationen gibt wie diese, in der du gerade steckst. Ist ein sch... Teufelskreis :-( .. je länger arbeitslos desto weniger Chancen :-(

Vielleicht findet sich unter den Forumslesern ja jemand, der dir einen job wüsste oder hätte ? :-)

grüsschen
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Mi 17. Nov 2004, 10:24

Lieber Wolfi :)

Deine Art, etwas Tiefgründiges, leicht ironisch rüberzubringen, wirkt auf mich heilsam!:]

Deine Beiträge bringen mich immer wieder auf den Boden zurück und oft auch zum Lachen, was wiederum entkrampfend wirkt. Arbeitest Du selbst im Sozialbereich?

Herzlicher Gruss,
soleil ;)
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Mi 17. Nov 2004, 10:30

Liebe Ces

Klar, ich weiss, was Du meinst und wie Du es meinst, natürlich "gut".

Trotzdem kann ich auf Mitleid pfeifen. Das schwächt mich nur und bringt mich keinen Schritt weiter.Ansonsten stimme ich mit Dir in den meisten Deiner Ansichten überein.

e liebe Gruess,
soleil

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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Mi 17. Nov 2004, 10:33

Hallo Rejo

ich hatte schon eine lange Antwort fertig geschrieben, habe sie aber so eben wieder gelöscht, weil mein Gefühl mir sagte, dass meine Erwiderung zu kopflastig geschrieben war.



hmm..schade, das hätte mich trotzdem interessiert. So, von Kopf-zu Kopf- lastigkeit... ;) :)


gruss, soleil
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon WeißesLicht » Mi 17. Nov 2004, 11:28

Liebe soleil

wenn ich dir so zulese, dann scheint es mir, als ob dir deine nähere Umgebung mit ihren ´guten Ratschlägen´ gewaltig zusetze. Gleichzeitig habe ich aber den Eindruck, dass du genau deinem Wesen entsprechend handelst. Ich nehme an, dass du zugrunde gehen würdest, wenn du nicht deinem inneren Impuls gehorchen würdest. Lass dich nicht beirren, du bist schon in Ordnung,dein Weg ist richtig, auch wenn er hart und für viele unverständlich ist. Aber was sollten dich die Leute kümmern?


gby

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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Mi 17. Nov 2004, 12:05

Hallo Weisses Licht und alle andern!

Gestern Abend und heute Morgen bin ich nochmals in mich gegangen und musste mir zähneknirschend eingestehen, dass ich mich eben doch ausgenutzt und ausgesogen fühle.

Der Auslöser, der mich zu dieser Einsicht führte, war mein gestriges Gespräch mit meiner Schwester. Kaum ist die grösste Gefahr vorüber, ist sie schon wieder saufrech und widerspricht mir auch keineswegs, als ich meine Vermutung äusserte, dass sie genauso weiter machen würde. So..und an diesem Punkt gab ich ihr nochmals klipp und klar den Tarif durch, dass ich ihr zum letzten Mal die Kohlen aus dem Feuer geholt hätte. Daraufhin verwandelt sie sich wieder in ein Kleinkind mit weinerlicher Stimme und fleht mich an, wie dankbar sie mir doch wäre ect..Ich lass´ mich nicht drauf ein und weise ihre Dankbarkeit zurück, sage, dass es mir nicht darum geht. "Das könne ich nicht machen, sie fände meine Einstellung völlig daneben, kein Mensch könne ohne die Hilfe von andern leben..ect."

Dasselbe musste ich mir ein paar Stunden später auch noch von meiner Mutter sagen lassen. Mutter und Schwester(die übrigens von derselben hysterischen Art sind), sind sich wieder mal einig: nämlich, dass ich meinen Platz als Familienhelferin auf keinen Fall verlassen dürfte! :roll: Und wenn ich es trotzdem tun würde, bin ich schuld daran, dass meine Mutter krank ist und meine Schwester evt. ermordet wird oder wieder nen MS-anfall kriegt. Dios mio, mir wird so richtig bewusst, in welcher ***** ich drin stecke! Und ja...wolfi..du hast recht: ich verwechsle da tatsächlich was! Nö, WL..nur wenn ich mich weiterhin ausnutzen lasse, werde ich zugrunde gehen!

Danke Euch allen für Eure Feedbacks !
Liebe Grüsse, soleil
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon WeißesLicht » Mi 17. Nov 2004, 12:34

hallo Soleil

deine Familiengeschichte scheint mir nochmal ein anderes Kapitel zu sein. IN deinem Ausgangsposting hast du aber auch von dem Drogenabhängigen geschrieben und von dem Mann deiner Schwester. Fühlst du dich von denen auch ausgenutzt?

Aus dem, wie du die letzte Auseinandersetzung mit deiner Schwester wiedergibst, entnehme ich, dass du eben gewisse Erwartungen an deine Schwester hast, die diese nicht erfüllt. Da musst du dich dann schon auch fragen, warum du ihr deine Hilfe gibst. Steckt da vielleicht unbewusst dahinter, dass du einfach mal auch dazugehören und anerkannt sein willst in deiner Familie? Ist das vielleicht ein ständiges unbewusstes Buhlen um Aufmerksamkeit durch deine Familie, die dich für sie so verfügbar macht?
Wenn da etwas dran sein könnte, dann solltest du vielleicht dir wirklich bezüglich deiner Familie eine Auszeit gönnen, eine Zeit der Abschottung. es wäre interessant zu wissen, welche Reaktionen das auf Dauer bei deiner Familie hervorrufen würde.

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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon jeig » Mi 17. Nov 2004, 12:39

Original von soleil
Mutter und Schwester(die übrigens von derselben hysterischen Art sind), sind sich wieder mal einig: nämlich, dass ich meinen Platz als Familienhelferin auf keinen Fall verlassen dürfte!


Hallo soleil, verwechsle ich da etwas? Hast du nicht mal geschrieben dass dir deine Eltern sagen du seist doch selber Schuld wenn du hilfst, jeder soll auf sich selber schauen? :?

Gruss

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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Mi 17. Nov 2004, 14:19

Hallo WL

Von diesem Alkoholiker und von meinem Schwager fühle ich mich nicht ausgenutzt. Denn es gibt da ein Unterschied:
Sie setzen sich mit dem, was ich sage auseinander und bemühen sich an sich selbst zu arbeiten. Und genau das möchte ich auch erreichen. Meine "Hilfe" soll Hilfe zur Selbsthilfe sein. Meine Schwester und Mutter aber, wollen sich scheinbar selbst nicht ändern, sondern immer nur ihren Dreck bei mir abladen. Ausserdem verhalten sie sich mir gegenüber völlig respektlos. (Von Telefonaufhängen bis ausufernde Beschimpfungen).

Menschen, die sich echt bemühen und trotzdem immer mal wieder stolpern, werde ich auch weiterhin unterstützen. Das macht mir nix aus und raubt mir auch keine Kraft.

Den Kontakt habe ich schon des öfteren abgeklemmt. Was dann passiert ist? Mutter hat in der ganzen Verwandt-und -Bekanntschaft gejammert, was für eine böse Tochter sie doch hätte, (die sich nie bei ihr melden würde) und meine Schwester hat mich immer wieder angerufen und sich entschuldigt. Da ich nicht nachtragend bin, habe ich immer wieder eingelenkt. Wahrscheinlich ein Fehler. Tja..vielleicht müsste ich mit meiner Familie für immer brechen?

gruss, soleil
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Mi 17. Nov 2004, 14:27

Hallo Jeig

Zu meiner Familie gehört ja auch noch ein Vater und ein Bruder. Das kommt aus deren Richtung.

gruss, soleil
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon jeig » Mi 17. Nov 2004, 14:50



Ach so, habt ihr untereinander geteilte Meinungen, Mutter und Schwester sind gleicher Meinung, Vater und Bruder auch, allerdings das Gegenteil.

Nun ja, wenn ich mal so offen fragen darf, was erhoffst du dir hiervon? Wenn du konkreter fragst, kann dir jemand, falls erwünscht, auch helfen.

Gott mit dir

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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon Andi69 » Mi 17. Nov 2004, 15:00

Liebe soleil

Ob Du mit Deiner Familie komplett brechen sollst, kann Dir hier vermutlich niemand beantworten, nur Du selbst. Aber ich habe diesen Thread jetzt täglich verfolgt und stelle fest, dass Du von Tag zu Tag klarer siehst, was mich in meinem ersten Posting bestätigt, dass Du auf dem richtigen Weg bist. Wie Du selbst eben geschrieben hast, siehst Du auch, dass es Menschen gibt, die Deine Hilfe wirklich benötigen, und andere, welche sich - aus welchem Grund auch immer - nicht selbst helfen wollen und sich deshalb bei Dir ausheulen, ihren Dreck abladen etc. Ich denke, das wichtigste für Dich ist jetzt, dass Du eine klare Trennlinie ziehst und Deine Kräfte nur noch auf erstere konzentrierst. Das ist einfacher gesagt als getan, zumal es sich bei den letzteren um engste Familienangehörige handelt. Aber hast Du denn auch schon mal das Gespräch mit Deiner weiteren Verwandt- und Bekanntschaft gesucht, wenn Deine Mutter wieder mal mittels Rundtelefon über Dich hergezogen ist, um ihnen Deine Sicht der Dinge zu erklären? Falls nein, würde ich das ziemlich bald machen, und zwar besser noch bevor Deine Mutter ihre nächste Telefonaktion startet.

Ein lieber Gruss,
Andi
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon Yasha » Mi 17. Nov 2004, 16:31


Den Kontakt habe ich schon des öfteren abgeklemmt. Was dann passiert ist? Mutter hat in der ganzen Verwandt-und -Bekanntschaft gejammert, was für eine böse Tochter sie doch hätte, (die sich nie bei ihr melden würde) und meine Schwester hat mich immer wieder angerufen und sich entschuldigt. Da ich nicht nachtragend bin, habe ich immer wieder eingelenkt. Wahrscheinlich ein Fehler. Tja..vielleicht müsste ich mit meiner Familie für immer brechen?


Kontakt abbrechen kann helfen. Musste ich vor Kurzem tun und mir geht es seither viel besser, erleichtert.

Ich musste lernen dass ich Menschen, die mich nicht respektieren auch nicht respektieren DARF, oder noch schlimmer vor ihnen zu katzbuckeln. Es macht einem psychisch fertig weil man weiss dass man sich bemüht um Leute, die sich einen feuchten Kehrricht um einen kümmern.
Und wenn diese Leute die Familie sind, dann brich mit der Familie, bis sie ihr Verhalten ändern und sich ernsthaft für dich interessieren.

Bei mir war das der Weg, ich musste 2 1/2 Jahre an mir arbeiten bis ich mich das geschafft hab. Bis zum letzten Augenblick dachte ich "es geht noch anders" bis ich wirklich nicht mehr konnte.

Natürlich muss das jeder selbst wissen, aber liebe Soleil, ich wollte hier nur ein Statement geben dass es manchmal nützen kann. Mir geht es psychisch seither sehr viel besser, obwohl meine Familie über den Kontaktabbruch so wütend wurde dass noch einige Tatsachen in der Wut zutage traten an denen ich zu knabebrn hatte. Schlussendlich war ich Dank dieser Tatsachen nur noch erleichterter dass ich gebrochen hatte.

Du bist selbst als Mensch wertvoll. Viel zu wertvoll um dich an Menschen zu verschwenden die dich nicht als wertvoll ansehen. Du kannst zwei Wege einschlagen um das zu ändern.

1. Du bringst die Menschen um dich herum zu der Einsicht, wie wertvoll du bist
2. Du brichst mit den Menschen (war bei mir die Notlösung da Weg 1 nicht gefruchtet hat)

Es ist beides sehr schwierig... Aber ohne Respekt geht wahrscheinlich jeder Mensch ein.

Wünsche dir alles Gute!
Lasst euch nicht vertrösten!
Ihr habt nicht zu viel Zeit!
Lasst Moder den Erlösten
Denn das Leben ist am Grössten:
Es steht nicht mehr bereit

Berthold Brecht; Gegen Verführung; Vers 3
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon Andi69 » Mi 17. Nov 2004, 16:56

Was mir spontan als Hilfe dazu einfällt, ist Matthäus 12:
Jesu wahre Verwandte
46 Als er noch zu dem Volk redete, siehe, da standen aseine Mutter und seine Brüder draußen, die wollten mit ihm reden. 47 Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden. 48 Er antwortete aber und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? 49 Und er streckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter, und das sind meine Brüder! 50 Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.

Ich wünsche Dir einen schönen und geruhsamen Abend
Andi
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon rejo » Mi 17. Nov 2004, 18:47

Hallo Soleil,

du hast also offenbar doch schon erkannt, in wieweit du ausgenutzt wirst. Dein Problem ist aber nicht so selten. Mir geht´s zuweilen ebenso. Als ich merkte, dass ich immer mehr auf dem Zahnfleisch ging, habe ich eine Bestandsaufnahme gemacht, was mir an meinem Leben, so wie es lief, nicht mehr gefiel.
Nach vielen Recherchen und Gesprächen mit einer Heilpraktikerin und einer psychosomatischen Kur fühle ich langsam wieder Boden unter den Füßen.
Ich bin zu dem Schluss gekommen, - die Vermutung hatte ich schon länger und nun wird es zur Gewissheit - dass ich viele Vorstellungen von dem, was richtig und falsch aus meiner Kindheit beibehalten habe. Sie werden im sogenannten Gewissen gespeichert und beeinflussen unser Handeln und die Bewertung unseres Handelns.

Was also für meine Eltern richtig und passend, müsste dann auch für mich richtig sein, so denken die Meisten.
Dass dem nicht so sein muss, läßt sich an folgenden Kriterien belegen: 1. Ich unterscheide mich in meiner Genstruktur von meinen Eltern. Diese "neue" Mischung bringt geänderte Bedürfnisse und Wahrnehmungen und Erwartungen an das Leben hervor. Was mich begeistert und beglückt und bei mir Zufriedenheitszustände auslöst, kann bei ihnen möglicherweise nur Langweile ausgelöst haben.
2. Meine Biograhie unterscheidet sich ebenso ganz wesentlich. Meine Lebenserfahrungen und damit die Bewertung meiner eigenen Erfahrungen und die meiner Mitmenschen müsste sich demnach auch von der meiner Eltern abheben.
Wenn ich also die Verhaltens- und Bewertungsnormen meiner Eltern so einfach stumpf 1:1 übernehme, komme ich logischerweise mit meinen eigenen Interessen in Konflikt. Ich verhalte mich dann nicht gemäss meinen eigenen Interessen und Fähigkeiten, sondern verhalte mich fremd gesteuert.
Ich habe das mal extrem formuliert. So läuft es eher selten ab. Eine gewisse Fremdsteuerung durch familiäre Besonderheiten kann trotzdem erhalten bleiben und dauerhaftes Unwohlsein und Erfolglosigkeit hervorrufen. Man glaubt sich in Ordnung - die übernommenen Vorstellungen und Prinzipien erscheinen auch in Ordnung und von der Moral gedeckt - sie entsprechen nur leider nicht dem, wie ich es für richtig halte. Es ist so, als ob man die Kleidung der Eltern, die an manchen Stellen nicht richtig sitzt, weiter trägt, und die auch nicht mehr dem Zeitgeschmack entspricht. Logisch, dass man mit solchen Vorstellungen von richtig und falsch irgendwo immer daneben liegen muss.

Nun ist es die Aufgabe der Pubertät nicht nur körperlich fortpflanzungsfähig zu werden - das wäre nur der kleinere Teil dieser so entscheidenden Lebensphase - sondern auch das emotionale Hemd und die Entwicklung der Persönlichkeit zu leisten. Die Erfahrungen in der gesamten Kindheit sollen uns nun in die Lage versetzen unsere gelernten Strategien und Lebenseinstellungen und Normen daraufhin zu überprüfen, in wie weit sie für uns tragfähig sind und uns sicher durch unser Leben geleiten. Dabei werden wir erkennen und einsehen müssen, dass vieles von den Eltern Vorgelebtes uns nicht so passt, sondern gemäß unseren eigenen Fähigkeiten, Wünschen und Erfahrungen überarbeitet werden muss. Wir müssen uns unsere Persönlichkeit selbst erarbeiten und selbst weiter entwickeln. Solche Anzüge gibt es nicht von der Stange zu kaufen. Macht man das aber so wie auch viele andere Zeitgenossen das so handhaben, ist das Missvergnügen quasi ins Leben eingearbeitet.
Das kann dann so weit gehen, dass man als Erwachsener in seiner Psyche Vorstellungen hegt und pflegt, die einem nicht erlauben gemäß dem eigenen Empfinden und den eigenen Fähigkeiten zu handeln.
Vorstellungen in der Art, dass man glaubt nur dann richtig zu sein, wenn man genau wie ein Kind "everybodys Darling" oder Gottes Liebling sein zu müssen. Und so kann es sein, dass man auf Grund mangelhafter Arbeit an sich selbst während der Zeit der psychischen Reifung viele solcher Vorstellung beibehält, die einen wie ein einem Käfig gefangen halten und fremdsteuern.

Ich hoffe, dass mein Beitrag nicht zu kopflastig geworden ist. ;)

Herzliche Grüsse

Rejo
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Do 18. Nov 2004, 09:12

Hallo Rejo

Vielen Dank für Deine Gedanken zum Thema. Was Du schreibst, ist alles richtig und auch logisch, jedenfalls für mich...nur..in der Praxis sind denn diese Steine doch etwas schwieriger zu knacken. Vorallem wenn die Gegenseite so gar nicht mitmacht und das überhaupt nicht so sieht!
Zum Beispiel gehören zur Loslösung in der Pubertät immer zwei Parteien, nämlich Kinder und ELTERN. In meiner Familie liegt das Problem vorallem bei meiner Mutter. Aber das möchte ich hier nun nicht weiter ausbreiten.

Liebe Yasha

Du weisst wovon ich rede...das ist schön. :) Danke für Deine Zeilen. Genau wie Du, versuche ich schon seit Jahren eine friedliche Lösung zu finden: Vergeblich! Deshalb werde ich Deinen Punkt 2 ausführen. ;) Es ist sehr traurig, aber wenn es nicht anders geht, muss ich wohl die Tür verschliessen! :cry:

Lieber Andi

Deine Bemerkung stimmt genau: Es ist sehr schwierig, weil auch ich nur EINE Familie habe, weil diese Menschen trotz allem meine nächsten Blutsverwandten sind. Das Bibelzitat finde ich an dieser Stelle etwas heikel. Denn da ist wieder die Frage, zu wem Jesus da genau spricht. Ich denke, er spricht seine Jünger an, welche er zu diesem besonderen Dienst BERUFEN hat. Von diesen verlangt er ja auch ihre Familien zu verlassen! :?


gruss, soleil
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon Andi69 » Do 18. Nov 2004, 10:07

Original von soleil
Das Bibelzitat finde ich an dieser Stelle etwas heikel. Denn da ist wieder die Frage, zu wem Jesus da genau spricht. Ich denke, er spricht seine Jünger an, welche er zu diesem besonderen Dienst BERUFEN hat. Von diesen verlangt er ja auch ihre Familien zu verlassen! :?


gruss, soleil

Das stimmt, zunächst spricht Jesus hier seine 12 Jünger an. Aber seine Aussage kann durchaus auf die gesamte Christenheit angewandt werden: Grundsätzlich hat jeder Mensch eine spezielle Berufung. Wenn nun jemand von andern, ob blutsverwandt oder nicht, davon abgehalten wird, seiner/ihrer Berufung zu folgen, ist es besser, solche Beziehungen abzubrechen, auch wenn das im ersten Moment sehr schmerzhaft sein kann. Ich empfehle Dir, unseren Herrn im Gebet nach Deiner Berufung zu fragen und Ihn zu bitten, Dir auch den Weg dahin zu zeigen. Du wirst sehen, Er wird Dich nicht im Unklaren lassen!

Alles Liebe,
Andi
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Do 18. Nov 2004, 10:23

Hi Andi

Ich habe Gott schon oft nach meiner Berufung gefragt und noch vieles mehr und bis heute keine Antwort bekommen.
Gerade gestern habe ich wieder mit meinem WG-Partner darüber gesprochen.

Und bitte glaube mir eines: ich bin weder taub noch blind und zu verlieren hab´ ich auch rein gar nichts mehr! Trotzdem schweigt Gott. Ich kann seine Präsenz weder sehen, noch hören noch fühlen und so bleibt mir nichts anderes übrig, als dieses Schweigen zu akzeptieren!

gruss, soleil
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon Yasha » Do 18. Nov 2004, 11:45

Liebe Yasha

Du weisst wovon ich rede...das ist schön. Danke für Deine Zeilen. Genau wie Du, versuche ich schon seit Jahren eine friedliche Lösung zu finden: Vergeblich! Deshalb werde ich Deinen Punkt 2 ausführen. Es ist sehr traurig, aber wenn es nicht anders geht, muss ich wohl die Tür verschliessen!


Hallo Soleil,

Ich hoffe darauf, dass meine Familie mit der Zeit einsehen wird, dass ich mein eigenes Leben führen will und muss. Falls das eintritt, bin ich gerne bereit zu vergeben und zu vergessen, damit wir uns versöhnen. Es kann auch sein dass ich in 2-3 Jahren einen Schritt auf meine Familie zugehe, um zu sehen ob sich etwas geändert hat. Ich weiss es noch nicht, ich lasse es auf mich zukommen. Das ist eine Sache des Gefühls. :)

Tu was dir dein Gefühl sagt, dann wird es dir sicher bald besser gehn. Und wenn es dir dann besser geht, dann kannst du wenn du willst, so gestärkt versuchen die Sache mit deiner Familie zu bereinigen.

Bei mir war Abstand dringend nötig. Abstand, der mir auch Raum lässt mich selber zu entwickeln und alles zu verarbeiten.

Übrigens, dein Statement von wegen Abnabelung kann ich dreifach Unterschreiben und fünfmal Unterschreiben ... Nagel auf den Kopf getroffen ...
Lasst euch nicht vertrösten!
Ihr habt nicht zu viel Zeit!
Lasst Moder den Erlösten
Denn das Leben ist am Grössten:
Es steht nicht mehr bereit

Berthold Brecht; Gegen Verführung; Vers 3
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon rejo » Do 18. Nov 2004, 21:20

Original von soleil
Hallo Rejo

Vielen Dank für Deine Gedanken zum Thema. Was Du schreibst, ist alles richtig und auch logisch, jedenfalls für mich...nur..in der Praxis sind denn diese Steine doch etwas schwieriger zu knacken. Vorallem wenn die Gegenseite so gar nicht mitmacht und das überhaupt nicht so sieht!
Zum Beispiel gehören zur Loslösung in der Pubertät immer zwei Parteien, nämlich Kinder und ELTERN. In meiner Familie liegt das Problem vorallem bei meiner Mutter. Aber das möchte ich hier nun nicht weiter ausbreiten.
gruss, soleil


Hallo Soleil,

du hast das richtig erkannt mit den schweren Brocken.
Aber hier fängt die Arbeit an.
Folgendes gebe ich dir zu bedenken, dass zunächst nur du etwas ändern kannst. Die Versuche andere zu ändern, scheitern meistens oder gelingen höchstens nur halb.
Der einzige Mensch bei dem du eventuell erfolgreich eine Änderung bewerkstelligen kannst, bist du selbst; denn nur über dich selbst kannst du frei verfügen, sofern du dazu in der Lage und auch bereit bist.
Als Denkmodell dazu ist folgendes Sprichwort hilfreich, um zu verstehen, wovon ich ausgehe.
Wie man in den Wald hinein ruft, so schalt es zurück. Die Reaktionen der anderen sind danach an deinem Verhalten orientiert, solange du mit ihnen etwas zu tun hast.
Das Einfachste ist eben dein Rufen in den Wald so zu verändern und so lange zu modulieren, bis die Reaktion deinen Vorstellungen und Wünschen entspricht.
Das Problem dabei ist das du möglicherweise von Vorstellungen gefangen bist, dir das Austesten aller dir zur Verfügung stehenden Verhaltensvarianten nicht erlauben.
Da können zum Beispiel gewaltige Ängste und innere Widerstände auftreten. Unter Widerständen verstehe ich Vorstellungen von richtigem Handeln, die deiner Auslegung nach richtig erscheinen, die aber in der Ausführung falsch sind. Auch über die Art, wie man seine Idealvorstellungen umzusetzen versucht, ist Nachdenken angebracht, ebenso Hinterfragen und Korrigieren. Nur dadurch dass man versucht sein Leben nach Idealen auszurichten, erhält man noch nicht die Gewähr, dass das dann auch so richtig ist, wie man sich das vorstellt.

Gruss

Rejo
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Re: Zwischen Egoismus und Nächstenliebe

Beitragvon soleil » Fr 19. Nov 2004, 08:47

Als Denkmodell dazu ist folgendes Sprichwort hilfreich, um zu verstehen, wovon ich ausgehe.
Wie man in den Wald hinein ruft, so schalt es zurück.


Hallo Rejo

Dieses Denkmodell war auch mal "Meines". Aber ich habe es in meinem Alltagsleben gründlich untersucht und bin zum Schluss gekommen, dass es entweder gar nicht stimmt oder evt. nur ein TEil der ganzen Wahrheit ist.

Das möchte ich Dir an einem einfachen Beispiel erklären:

Es gibt ja so Tage, wo man sich rundum wohlfühlt..mit seinem Inneren übereinstimmt. In solchen Momenten der inneren Zufriedenheit und Gelassenheit passiert es mir oft, dass ich von fremden Leuten auf der Strasse richtig aggressiv angemacht werde, geschubst, angepöbelt..arrogant und unfreundlich behandelt werde. Dann gibt es andere Tage, an denen ich innerlich aggressiv, unzufrieden ect. bin und oh Wunder...plötzlich grüssen mich die Leute überaus freundlich, ich werde an der Kasse vorgelassen, Lächeln hier, Lächeln da...und ich verstehe die Welt nicht mehr! Das hebt doch Dein Gesetz aus den Angeln..oder nicht?

gruss, soleil
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