Brüderbewegung

Freikirchen, freie Gemeinden jeglicher Art, verschiedenste christliche Missionsgesellschaften und Hilfswerke

Moderator: bigbird

Welche Bedeutung hat das Interview mit Prof. Ouweneel für die Brüderbewegung?

Die holländische Brüderbewegung geht in charismatischen Gemeinden auf.
6
25%
Die weltweite Brüderbewegung zerbröckelt in noch mehr Gruppen.
10
42%
Prof. Ouweneel gilt nicht mehr als eine Flagschiff der Bewegung.
4
17%
Seine Bücher werden nur noch von Charismatikern gelesen.
4
17%
 
Abstimmungen insgesamt : 24

Brüderbewegung

Beitragvon stranger » Mi 10. Nov 2004, 21:34

Welche Auswirkungen haben eurer Meinung nach die neuesten Offenbarungen von Prof. Dr. Dr. Ouweneel, auf die Entwicklung der Brüderbewegung?

Komplettes Interview:
http://www.bruederbewegung.de/personen/interviews/ouweneel1.html

Frage: Ist also Ihr jetziges überkonfessionelles Selbstverständnis vielleicht das eigentlich Charakteristische der Brüderbewegung?

Ouweneel: Ja, aber in gewisser Hinsicht gibt es die Brüderbewegung schon seit 1848 nicht mehr, als sie in zwei Ideale auseinander fiel. Ich habe das in dem Artikel "Christliche Versammlung – wohin?" näher analysiert. Wigram sagte 1879, noch bevor die großen Trennungen ausbrachen: "The Brethren are just blowing ecclesiastical bubbles." Der "exklusive" Flügel der Brüderbewegung hat inzwischen alle Kennzeichen einer Sekte: eine starke Führerschaft; ausgeprägte Lehren, die Außenstehende so weder verstehen noch annehmen; Isolation und Zurückgezogenheit; es ist schwer, in die Gruppe hineinzukommen, und wenn man drinnen ist, ist es sehr schwierig, wieder herauszukommen. Das ist alles typisch für eine Sekte! Aber es gibt keine andere Gruppe, die so stolz darauf ist, keine Sekte zu sein. Als ich "Sektiererei" schrieb, habe ich noch vorsichtiger argumentiert und gewarnt, wir stünden in Gefahr, eine Sekte zu werden. Das war aber schon der schlimmste Vorwurf, den ich hätte machen können. Wenn Christian Briem sagen würde: "Ich gehöre zur Brüderbewegung", würde er damit zugeben, dass er zu einer Sekte gehört. Deshalb leugnet er das. Wenn ich zögere zu sagen, dass ich zur Brüderbewegung gehöre, geschieht das aus den entgegengesetzten Gründen: Ich verstehe mich, so wie Sie das gerade zusammengefasst haben, als überkonfessionell. Ich predige in allen möglichen Kreisen: in sehr konservativen, manchmal in kirchlichen, manchmal in charismatischen. Überall, wo ich sagen darf, was der Herr mir aufs Herz legt, lasse ich mich gerne einladen. Aber ich schließe mich keiner Bewegung mehr an. Ich bin Mitältester in der Gemeinde in Utrecht, und deshalb versuche ich, wenigstens die Hälfte der Sonntage hier zu sein, aber es gelingt mir nicht immer.
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon Kernbeisser » Do 11. Nov 2004, 08:34

Hallo Stranger

Die Brüderbewegung ist vor einigen Jahren in Holland zu mehr Offenheit erwacht. Das weiss ich aus persönlichen Gesprächen. Ouweneel ist gewiss noch ein Exponent der Bewegung, rein historisch gesehen. Es gibt aber mehr Stimmen, die sich äussern, und vor allem die Gemeinden selbst (allem voran die «offenen» Gemeinden) sind aktiv an der Umgestaltung beteiligt.

Die Brüdergemeinde versucht von Ursprung her keine abgesonderte Gemeinde zu sein. Naturgemäss scheitern solche Versuche bereits an dieser abgesonderter Meinung. Und davor sind wohl auch andere Gemeinden nicht gefeit. Vor gut 20 Jahren habe ich sehr viel Bibelunterricht in Holland u.a. von diversen Lehrern aus der offenen und geschlossenen Teil der Bewegung genossen. Ich habe dabei nicht nur sehr viel gelernt, sondern diese Menschen auch über Jahre hinweg persönlich kennengelernt. Dabei ist mir stets aufgefallen, dass enorm viel Offenheit da ist, auch dann, wenn man innerhalb mehr oder weniger verkrusteten Strukturen sich bewegt. (Bem. Ich selbst war nie Teil dieser Bewegung.)

Ouweneel hat sehr viel gutes geschrieben und in den letzten Jahren ein deutlicher Wandel durchgemacht. Er bricht verkrustete Strukturen natürlich auf. Und ohne jetzt eine Wertung seiner Neuausrichtung zu machen, so steht er doch in diesem Wunsch zu mehr Offenheit nicht allein.

Gruss
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon toffil » Do 11. Nov 2004, 11:52

Das ist ja unglaublich. Ouweneel, wenn es noch der Gleiche ist wie vor 25 Jahren, habe ich persönlich gehört. Damals galt er regelrecht als Aushängeschild der Alten Versammlung, also der sogenannten exklusiven Brüder.

Bin jedenfalls froh, dass er heute meine Einschätzung bestätigt, dass diese eine Sekte sind.
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon Kernbeisser » Fr 12. Nov 2004, 11:24

Hallo Toffil

Persönlich würde ich die Brüderbewegung nicht als Sekte bestempeln. Sektiererische Züge gibt es in manche Gemeinschaft und eine gewisse Gesetzlichkeit und Institutionalisierung ist wohl die Gefahr für jede Gemeinde. Wenn sie auftritt, darf man die Augen aufmachen, um den eigenen Balken daraus zu entfernen.

Hier mal ein positiver Punkt: Was mich bei der Brüderbewegung, obwohl ich vieles an Ansichten nicht teile, stark gelernt habe, ist die christozentrische Ausrichtung von Lehre und Leben. Und genau dies ist bei einer Sekte nicht möglich.

Gruss
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon William Penn » Fr 12. Nov 2004, 14:32

Hallo Stranger,

welche Beziehung hast Du eigentlich zur Brüderbewegung, daß Dich das so arg beschäftigt :)) ? - Gruß, William

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon toffil » Fr 12. Nov 2004, 14:32

Ich rede wohlgemerkt nicht von der gesamten Brüderbewegung, sondern lediglích von den Exklusiven, der Alten Versammlung.

Dort bin ich aufgewachsen, und ich kann Dir versichern, dass dort überaus heftige sektiererische Züge herrschen.
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon Kernbeisser » Fr 12. Nov 2004, 15:04

Hallo Toffil

Aha! Jetzt verstehe ich Dich :)

Gruss
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » Fr 12. Nov 2004, 19:38

Original von William Penn
Hallo Stranger,

welche Beziehung hast Du eigentlich zur Brüderbewegung, daß Dich das so arg beschäftigt :)) ? - Gruß, William


Meine Eltern sind in der Brüderbewegung, daher bin ich seit jeher damit konfrontiert und meine, sämtliche Spielarten innerhalb zu kennen (jedenfalls was Deutschland betrifft). 8-)

Und wie stehst DU zur Brüderbewegung? :))

Gruß, stranger
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon William Penn » Fr 12. Nov 2004, 20:02

Hallo Stranger,

ich bin adv. Herkunft. Das ist ein anderes Millieu. Und wie Kernbeisser weiß, habe ich meine Schwiergkeiten mit dem Dispensationalismus. Was in den Versammlungen der Brüder abläuft, ist mir nicht bekannt.

Aber ich denke, wir müssen hier unterscheiden: Auf der einen Seite haben wir die Versammlungen, auf der anderen haben wir den Einfluß dieser Bewegung in weiten Kreisen konservativer Prägung. Und dieser Einfluß ist/war enorm.

Viele konservative Christen pflegen dogmatische Standtpunkte, die eigentlich auf Darby und die Plymouth-Brüder zurückgehen, ohne es zu wissen. Die Elberfelder - die Du ja nicht magst - lesen heute viele. Und Leute wie BULLINGER (Companion Bibel) oder KNOCH (Konkordante Wiedergabe) standen ja ebenfalls unter diesen Einflüssen.

Meidest Du nur die "Versammlung" oder auch ihre Lehren 8-) ? - Gruß, William

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon Enggi » Fr 12. Nov 2004, 20:35

Hallo stranger

ich habe soeben wieder einiges über die Gemeinde gelernt, indem ich deinem Link folgend, ein wenig herumgeschnuppert habe.

Die Brüderbewegung selbst kenne ich kaum, hingegen sind mir Namen wie Georg Müller und Hudson Taylor bekannt.

Ich bewundere diese beiden sehr. Von Ouweneel habe ich schon gehört und eventuell auch ein Buch gelesen. Ich weiss aber nicht, wie sich das Interview auf die Bewegung auswirken wird (habe es auch nicht gelesen). Deshalb stimme ich nicht ab.

Gruss von Enggi
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » Fr 12. Nov 2004, 21:09

Hallo William.

Original von William Penn
Meidest Du nur die "Versammlung" oder auch ihre Lehren 8-) ? - Gruß, William


Speziell die Lehren, wobei diese wiederum zur Praxis hin eine größere Kluft bilden, als beispielsweise das bei gemäßigten Evangelikalen und deren Glaubensgrundsätzen der Fall ist. Die Inhalte unterscheiden sich hier äußerlich zwar nicht großartig - aber im Detail und der Betonung gewaltig. Mit dem Dispensationalismus kann ich ebenfalls nichts anfangen; meiner Meinung nach handelt es sich hier um eine Hilfskonstruktion, um weitere Lehren zu stützen. Was meinst Du?

Gruß, stranger
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » Fr 12. Nov 2004, 21:11

Original von Enggi

Die Brüderbewegung selbst kenne ich kaum, hingegen sind mir Namen wie Georg Müller und Hudson Taylor bekannt.



Vermutlich würde Georg Müller (einer meiner großen Glaubenshelden) heute selbst aus der Brüderbewegung austreten (bzw. aus dem, was draus geworden ist).

Gruß, stranger
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon William Penn » Fr 12. Nov 2004, 21:39

Original von stranger
Mit dem Dispensationalismus kann ich ebenfalls nichts anfangen; meiner Meinung nach handelt es sich hier um eine Hilfskonstruktion, um weitere Lehren zu stützen. Was meinst Du?
Hmmm, das fällt mir auch auf: Die Zeitalterlehre ist Grundlage für vieles andere, daß dann nicht mehr belegt werden muß, sondern zwangsläufig "stimmt". Kernbeisser und ich wollten mal einen Dispensationalismus-Thread eröffnen und das Für und Wider erörtern. Aber da brauchts schon einschlägiges Textstudium dazu.

Zwei weitere Fragen zur "Brüderbewegung"

1.) Bewegen sich die Brüder denn noch?

2.) Stimmt der Ausdruck überhaupt? Kann man eine so sehr gespaltene Bewegung überhaupt als Bewegung bezeichnen? Der Begriff impliziert doch eine gewisse Einheit? - Gruß, WP

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » Fr 12. Nov 2004, 21:52

Original von William Penn

1.) Bewegen sich die Brüder denn noch?



Ja. In zwei Richtungen: 1) Ein Teil sammelt sich in der extremen Ecke, dass geht bis dahin, dass deren Kinder nicht in die Schule dürfen (wohl zu weltlich). 2) Der andere Teil geht im BEFG bzw. in charismatischen, pfingstlerischen oder Baptisten-Gemeinden auf.

Original von William Penn
2.) Stimmt der Ausdruck überhaupt? Kann man eine so sehr gespaltene Bewegung überhaupt als Bewegung bezeichnen? Der Begriff impliziert doch eine gewisse Einheit? - Gruß, WP


Ja, da sie sich bis auf die Raven-Brüder formell noch in einer Gruppe wähnen. Auch nein, da einzelne Standpunkte schon zu stark verhärtet sind. Der Grundgedanke der "Versammlung", nirgends dazu zu gehören, keinen Dachverband zu haben, ja nicht mal einen Namen oder einen Kirchenbau, bewirkt, dass die Praxis unüberwindbare Hürden aufbietet. So wie die beste Philosophie ohne Praxistauglichkeit sinnlos ist. In keiner Bewegung habe ich größeres Machtbestreben erlebt, als unter den "Brüdern". Wie ist es Dir bei den Adventisten ergangen, gehst Du noch hin?

Gruß, stranger
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon William Penn » Sa 13. Nov 2004, 13:48

Hallo Stranger,

auch bei den Adventisten gibt es Personen, die mehr an ihrer Stellung im Werk als am Werk selbst interessiert sind. Das ist letztlich wohl überall so, nicht wahr?

Aber die Adventisten sind eine Glaubensgemeinschaft mit über 12 Mio Mitgliedern und über 100.000 Gruppen und Gemeinden, die in ziemlich starker Interaktion mir ihrer Umwelt stehen. Was Deine exklusiven Brüder zuviel haben, haben die STA m. E. öfters mal zuwenig.

Aber die real existierende Adventgemeinde ist längst so pluralistisch in ihrer Zusammensetzung, daß dort recht viel Platz wäre - wohl auch für William Penn, Euren sabbathaltenden "Forumsquäker". Und wenn ich mir klarmache, was mir dort vor fast 20 Jahren so an Mainstream-Abweichungen begegnet ist, dann würde ich mal sagen, daß ich im Vergleich dazu heute noch linientreuer bin als so manches Gemeindeglied damals.

Ein Problem ist allerdings, daß die STA ihre Lehre stellenweise immer mal neu fassen oder formulieren. Das wird von den Mitgliedern nicht immer gebührend erkannt und führt in "exklusiveren" Kreisen oft zu Protestverhalten. Ich würde ebenfalls eine ältere Version des Adventismus vorziehen, aber nur aus Erkenntnisgründen, nicht aus Exklusivität heraus.

Tatsächlich gibt es aber getrennte Gruppen und Körperschaften, die neben der großen Adventgemeinde existieren. Einige nennen sich historische STA. Aber am bekanntesten ist die sog. Reformgemeinde (oder Reformbewegung). Dort scheint es manchmal zu einem Verhalten (Legalismus, Abschottung, Verurteilung anderer etc.) zu kommen, das sich mit Deinen Beobachtungen bei den geschlossenen Brüdern decken dürfte.

Ich war selbst ein stockkonservativer Adventist und wurde dennoch von einer Anghörigen besagter Reformgemeinde als weltlich bezeichnet, und zwar weil ich eine Krawattennadel trug. Diese Schwester hatte lange Haare, war in ein langes Kleid gehüllt, trug keinerlei Schmuck oder Schminke und schwebte wie ein Engel über den Teppich. In unserem Gottesdienst fühlte sie sich als Gast sichtlich unwohl, da wir in ihren Augen ja alle so ungeistlich waren und zur "abgefallenen" Gemeinde gehörten. Der Clou: Auf ihrer Nase prangte in schrillem Kontrast zum restlichen Outfit eine dicke, fette Christian-Dior-Brille mit futuristischem Design, und ich konnte es mir - angesichts ihrer Kritik an meiner Krawattennadel - einfach nicht verkneifen, sie darauf anzusprechen. Daraufhin lief das holde Dämchen puterrot an und bekannte artig, daß sie eitel sei und diese Sünde noch zu überwinden hätte. - Ähm, und damit kein Mißverständnis aufkommt: Ich trug meine goldende Krawattennadel nur, weil meine Krawatte ohne dieses nützliche Utensil einige Jahre zuvor in einem Suppenteller Baden gegangen war, und ich eine von Muttis Wäscheklammern als Behelf einfach als Stilbruch zum Anzug und weißen Hemd empfunden hätte ;).

P. S.: Öhm, nein, ich gehe nicht mehr hin. Aber da ist so eine leise Stimme, die sich von Zeit zu Zeit bei mir meldet ...

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » Sa 13. Nov 2004, 21:49

Hallo Willam.

Original von William Penn
auch bei den Adventisten gibt es Personen, die mehr an ihrer Stellung im Werk als am Werk selbst interessiert sind. Das ist letztlich wohl überall so, nicht wahr?


Richtig. Jedoch müßte man erweitern auf "Das ist letztlich wohl überall mehr oder weniger so".

Original von William Penn
Aber die Adventisten sind eine Glaubensgemeinschaft mit über 12 Mio Mitgliedern und über 100.000 Gruppen und Gemeinden, die in ziemlich starker Interaktion mir ihrer Umwelt stehen. Was Deine exklusiven Brüder zuviel haben, haben die STA m. E. öfters mal zuwenig.


Ich bin kein Mitglied der Brüderbewegung, daher möchte ich mich nicht dazugezählt wissen. Durch die organisatorische Blutgrätsche werden jedenfalls die Hardliner noch harder sowie die Liberalen noch liberaler. Die Lobby in Deutschland ist (noch?) ziemlich groß, da einige Theologen, Verlage und sonstige Autoren immer wieder Futter liefern.

Die Adventisten scheinen nach Deinen Zahlen ja eine beachtliche Größe im evangelikalem Spektrum zu haben, welche Wachstumsraten gibt´s bei den Adventisten? Die Nummer 1 unter den evangelikalen Wachsern ist im Moment die Pfingstbewegung, welche innerhalb der letzten hundert Jahre inklusive Charismatiker von 0 auf 450.000.000 (Stand: 2000) durchgestartet ist (in Worten: Vierhundertfünfzigmillionen). In China kommen jeden Tag zehntausende (!) frischgebackene Pfingstler dazu, insgesamt mittlerweile 70.000.000 (Stand: 2000). Warum werden die Chinesen vorwiegend zu Pfingstlern und nicht zu Brüdergemeinden?

Gruß, stranger

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » Sa 13. Nov 2004, 21:53

Original von William Penn
P. S.: Öhm, nein, ich gehe nicht mehr hin. Aber da ist so eine leise Stimme, die sich von Zeit zu Zeit bei mir meldet ...


Hast Du eine Ausweichgemeinde gefunden oder bist bist Du momentan "parteilos" :)) Antwort natürlich nur optional.
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » Sa 13. Nov 2004, 21:58

Original von William Penn
Ich war selbst ein stockkonservativer Adventist und wurde dennoch von einer Anghörigen besagter Reformgemeinde als weltlich bezeichnet, und zwar weil ich eine Krawattennadel trug. Diese Schwester hatte lange Haare, war in ein langes Kleid gehüllt, trug keinerlei Schmuck oder Schminke und schwebte wie ein Engel über den Teppich. In unserem Gottesdienst fühlte sie sich als Gast sichtlich unwohl, da wir in ihren Augen ja alle so ungeistlich waren und zur "abgefallenen" Gemeinde gehörten. Der Clou: Auf ihrer Nase prangte in schrillem Kontrast zum restlichen Outfit eine dicke, fette Christian-Dior-Brille mit futuristischem Design, und ich konnte es mir - angesichts ihrer Kritik an meiner Krawattennadel - einfach nicht verkneifen, sie darauf anzusprechen. Daraufhin lief das holde Dämchen puterrot an und bekannte artig, daß sie eitel sei und diese Sünde noch zu überwinden hätte. - Ähm, und damit kein Mißverständnis aufkommt: Ich trug meine goldende Krawattennadel nur, weil meine Krawatte ohne dieses nützliche Utensil einige Jahre zuvor in einem Suppenteller Baden gegangen war, und ich eine von Muttis Wäscheklammern als Behelf einfach als Stilbruch zum Anzug und weißen Hemd empfunden hätte ;).


Buahhaha... Köstlich, der absolute Brüller.... :D

Da fällt mir noch das Nord-Süd-Gefälle unter Baptisten ein: In Norddeutschland ist man verpönt, wenn man als Christ Alkohol trinkt, Rauchen ist aber kein Problem; in Süddeutschland ist Rauchen verpönt, Alkohol ist aber kein Problem.

PS: Da habe ich in beiden Fällen gute Karten 8-)
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon William Penn » Sa 13. Nov 2004, 23:02

Hallo Stranger, hätte schon was zum Ausweichen, gibt´s aber in Deutschland kaum. Die Wachstumsrate der STA liegt klar unter der steilen Pfingstlerkurve.

Übrigens: "Pfingstgemeinde", "Adventgemeinde"! Wer sich da nicht auskennt, zieht wohl den falschen Schluß und denkt: "Mensch, dann geh ich in die Weihnachtsgemeinde, da gibt´s sicher am meisten Geschenke!" Aber "Adventisten" kommt von lat. adventus und bedeutet ´Ankunft, Eintreffen´. Gemeint ist natürlich die Wiederkunft Christi und damit die für Adventisten typische Betonung auf Prophetie und Endzeit.

Aber was ´ne "organisatorische Blutgrätsche" sein soll, mußt Du mir vor dem Zubettgehen noch erklären, sonst schlaf ich heut Nacht schlecht ... :shock:

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon toffil » Sa 13. Nov 2004, 23:21

Original von stranger
Warum werden die Chinesen vorwiegend zu Pfingstlern und nicht zu Brüdergemeinden?

Einer der Gründe ist sicherlich, dass Pfingstler moderner auftreten und eher die Emotionen ansprechen. Frage ist, wie nachhaltig ist da der Zuwachs.

Zweiter Grund könnte sein, dass die Brüdergemeinden zumindest teilweise den Missionsbefehl so verstehen, dass die Menschen zu ihnen kommen müssen, um missioniert zu werden. Nichts anderes resultiert aus der zum Teil totalen Abschottung gegen "die Welt".
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » So 14. Nov 2004, 13:21

Original von William Penn
Aber was ´ne "organisatorische Blutgrätsche" sein soll, mußt Du mir vor dem Zubettgehen noch erklären, sonst schlaf ich heut Nacht schlecht ... :shock:


Hallo Willam,

hab´s gerade erst gelesen. Ich hoffe, Du hast trotzdem gut geschlafen, die Antwort ist unspektakulär: Es gibt Brüder im BEFG (also mit Dachverband, DEA, ACK und allem Pipapo) und als von der Welt abgesonderte Extremisten - das ist eine Blutgrätsche im geistlichen Bereich, wenn man sich dann noch Eins wähnt.

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » So 14. Nov 2004, 13:24

Original von toffil
Original von stranger
Warum werden die Chinesen vorwiegend zu Pfingstlern und nicht zu Brüdergemeinden?

Zweiter Grund könnte sein, dass die Brüdergemeinden zumindest teilweise den Missionsbefehl so verstehen, dass die Menschen zu ihnen kommen müssen, um missioniert zu werden. Nichts anderes resultiert aus der zum Teil totalen Abschottung gegen "die Welt".


Sehr gezielte Antwort, hört sich logisch an. Ist der Missionsbefehl denn dann noch ausreichend erfüllt? Ich denke nicht.

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon sterngucker » So 14. Nov 2004, 13:27

Eine ältere Glaubensschwester erzählte mir, dass sie früher auch bei den "Brüdern" war und dass man dort u.a. das Autofahren verteufelte. Wird das heute auch noch so angesehen, dass das Auto ein satanisches Produkt sei?

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Und all sein Tun ist Treue"

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon Enggi » So 14. Nov 2004, 14:39

Dass die Pfingstler schneller wachsen als andere Denominationen, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass sie ihren Glauben aktiv ausleben. Dies wiederum ist darauf zurückzuführen, dass sie den heiligen Geist häufig bestimmen lassen, was sie tun sollen, während andere manchmal bestimmen, was der heilige Geist tun soll.

Jede Denomination, die sich aufmacht und den Willen Gottes tut, erlebt Wachstum.
Unser Geist geht nicht weiter als wir unseren Körper bringen. Oswald Chambers

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon toffil » So 14. Nov 2004, 14:39

Original von stranger
Sehr gezielte Antwort, hört sich logisch an. Ist der Missionsbefehl denn dann noch ausreichend erfüllt? Ich denke nicht.

Der Missionsauftrag ist damit, um es klar zu sagen, ad absurdum geführt.

Abgesehen davon, dass es eine unbedeutende Person namens Jesus Christus war, welche sich der Überlieferung zufolge um die Gesellschaft mit den übelsten Subjekten geradezu gerissen hat, ist dieser Befehl faktisch nicht durchführbar, wenn man das Wort "Welt", zu welcher man als Christ nicht gehören sollte, als Synonym für "Menschen in der Welt" versteht.

Mir hat mal einer der Vertreter dieser Totalisolation gesagt, es würde reichen, wenn man auf der Arbeit oder beim Einkaufen die Missionsobjekte träfe.

Lächerlich.
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon toffil » So 14. Nov 2004, 14:43

Original von sterngucker
Eine ältere Glaubensschwester erzählte mir, dass sie früher auch bei den "Brüdern" war und dass man dort u.a. das Autofahren verteufelte. Wird das heute auch noch so angesehen, dass das Auto ein satanisches Produkt sei?

Ich habe kürzlich von einer Frau gehört, dass in deren Gemeinde den Frauen das Autofahren verboten sei. Vielleicht ist dort der Satz von Paulus etwas erweitert worden auf "Und lehrt euch nicht die Natur, dass Frauen und Autos ....."

Ansonsten gehe ich davon aus, dass bei den Exklusiven lediglich der Lamborghini Diablo auf der schwarzen Liste steht!

javascript:smilie(´:]´;)
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » So 14. Nov 2004, 21:27

Original von sterngucker
Eine ältere Glaubensschwester erzählte mir, dass sie früher auch bei den "Brüdern" war und dass man dort u.a. das Autofahren verteufelte. Wird das heute auch noch so angesehen, dass das Auto ein satanisches Produkt sei?

Sterngucker


Hallo Sterngucker,

es kommt stark auf die Position innerhalb der Bewegung an. Wie schon gesagt, haben wir hier eine Spanne von "der Welt entsagt" bis Ökumene vorliegen. In den einschlägigen Rundschreiben der Hardliner, wird so ziemlich alles schlecht gemacht, was man schlecht machen kann - aber Auto fahren sie auch, daher ist Deine Info vermutlich falsch.

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon Mr. X » Mo 15. Nov 2004, 14:52

Persönlich würde ich die Brüderbewegung nicht als Sekte bestempeln. Sektiererische Züge gibt es in manche Gemeinschaft und eine gewisse Gesetzlichkeit und Institutionalisierung ist wohl die Gefahr für jede Gemeinde. Wenn sie auftritt, darf man die Augen aufmachen, um den eigenen Balken daraus zu entfernen.


Ich schliesse mich da Kernbeisser an.

Was ich bei den "Brüdern" bewundere ist die haltung gegenüber der Schrift. - Was für mich bei charismatischen Gemeinden weniger zum Vorschein kommt!

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon Mr. X » Mo 15. Nov 2004, 15:02

Ich habe übrigens die Biographie der Herrnhutter in altdeutsch geschrieben, bei mir liegen.

Als ich diese gelesen habe wurde es mir warm ums Herz.

- Hat Gott doch durch Zinzendorf ein grosses Stück Kirchengeschichte geschrieben.

Mr. X
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » Mo 15. Nov 2004, 20:25

Original von Mr. X
Persönlich würde ich die Brüderbewegung nicht als Sekte bestempeln. Sektiererische Züge gibt es in manche Gemeinschaft und eine gewisse Gesetzlichkeit und Institutionalisierung ist wohl die Gefahr für jede Gemeinde. Wenn sie auftritt, darf man die Augen aufmachen, um den eigenen Balken daraus zu entfernen.


Ich schliesse mich da Kernbeisser an.

Was ich bei den "Brüdern" bewundere ist die haltung gegenüber der Schrift. - Was für mich bei charismatischen Gemeinden weniger zum Vorschein kommt!

Mr. X


Wenn ich Prof. Ouweneel richtig verstanden habe, dann bezeichnet er auch nicht die ganze Bewegung als sektenähnlich, sondern nur Teile:

Prof. Ouweneel: Der "exklusive" Flügel der Brüderbewegung hat inzwischen alle Kennzeichen einer Sekte: eine starke Führerschaft; ausgeprägte Lehren, die Außenstehende so weder verstehen noch annehmen; Isolation und Zurückgezogenheit; es ist schwer, in die Gruppe hineinzukommen, und wenn man drinnen ist, ist es sehr schwierig, wieder herauszukommen. Das ist alles typisch für eine Sekte! Aber es gibt keine andere Gruppe, die so stolz darauf ist, keine Sekte zu sein.
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon toffil » Di 16. Nov 2004, 17:20

Original von Mr. X
Was ich bei den "Brüdern" bewundere ist die haltung gegenüber der Schrift. - Was für mich bei charismatischen Gemeinden weniger zum Vorschein kommt!

Die Haltung gegenüber der Schrift ist natürlich auch eine Gefahr, wenn sie durch Laien mißgedeutet wird bzw. wenn Lehren, welche Herr Darby vor vielen Jahren aufgestellt hat, Züge von päpstlichen Bullen (also keine Rindviecher oder Polizisten gemeint!) annehmen.
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » So 3. Apr 2005, 19:47

edit: Das Thema dürfte dann wohl auch langsam durch sein. Noch Wortmeldungen? :D
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon William Penn » Do 14. Apr 2005, 16:09

Was mich an der Brüderbewegung - also den Darbysten - immer wieder wundert: Die einschlägigen Kreise sind so gut wie unbekannt, aber Darbys Lehren (Heilszeiten, Vorentrückung) werden von Menschen vertreten, die z. T. so gut wie nichts über die Existenz der Brüder wissen. Und die Zahl dieser Christen, die Darbys Lehrsätze aufgreifen, dürfte in die Millionen gehen!

Wie erklärt sich dieses Phänomen? Das Biographisch-bibliographische Kirchenlexikon liefert die Antwort dazu unter dem Stichwort "SCOFIELD, Cyrus Ingerson" (Hervorhebungen von WP):

"SCOFIELD, Cyrus Ingerson, * 1841, † 1923. Amerikanischer Bibelprediger und Bibelherausgeber. Von Hause aus war S. Jurist und hatte keine theologische Ausbildung. Nach seiner Bekehrung im Jahre 1879 fühlte er sich berufen, Pastor zu werden. In volksnaher Weise erklärte er die Heilige Schrift, wobei er sich stark an die Werke von John Nelson Darby und anderen Plymouth-Brüdern anlehnte. Mit einigen anderen Mitherausgebern entwickelte er die sog. Reference Bible (Nachschlagebibel), die erstmals 1909 und in einer revidierten Fassung 1917 erschien. Diese Bibel enthält Aufteilungen nach Sachinhalten und ist mit erklärenden Einleitungen und Fußnoten versehen. Dies erleichtert dem Leser das Studium der Heiligen Schrift. Zahlreiche Bibelschulen, vor allem in den nördlichen Staaten der USA, haben diese S.-Bibel übernommen und zu ihrer Verbreitung beigetragen. Im Jahre 1967 erschienen eine durchgesehene Ausgabe, die aber nur einige textliche Archaismen ersetzte, S.s System aber unberührt ließ."

Ein zweite, in USA gleichwohl bekannte Studienbibel, vertritt ebenfalls die Lehrvorgaben von Mr. Darby: Dake´s Annotated Reference Bible. Diese Bibel wird vor allem in amerikanischen Pfingstkreisen gelesen. Und dort wird ja bekanntlich auch mit recht großen Zahlen gerechnet!

Von allen Studienbibeln, die mir bekannt sind, bringt dieses Werk eines einzelnen Mannes die größte Informationsfülle. Aber fast alles, was Mr. Dake schreibt, scheint irgendwie in´s dispensationalistische System der Brüder zu passen. Nie hätte ich mir ausmalen können, daß man so viel auf ein Einzelblatt Papier drucken kann! Es gibt keine einzige Seite in dieser Studienbibel, die nicht mindestens zwei Spalten Anmerkungen zum ebenfalls zweispaltigen Bibeltext enthält. Und einige Seiten bestehen nur aus Abhandlungen und Fußnoten. Man sagt, diese Bibelausgabe mache Gläubige überheblich. Ich kann´s mir fast vorstellen ...

Anmerkung: Die "Scofield" gibt´s auch in Deutsch, die "Annotated" nicht.

[edit: Ergänzung]

Höre Israel:
Jahwe, unser Gott,
ist ein einziger Jahwe!


5. Mose 6:4

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » Do 14. Apr 2005, 20:22

Original von William Penn
Was mich an der Brüderbewegung - also den Darbysten - immer wieder wundert: Die einschlägigen Kreise sind so gut wie unbekannt, aber Darbys Lehren (Heilszeiten, Vorentrückung) werden von Menschen vertreten, die z. T. so gut wie nichts über die Existenz der Brüder wissen.


Vielleicht sollten wir die Person Darby und deren Wirken betrachten. Insbesondere der schändliche Eklat mit dem legendären Waisenvater von Bristol, Bruder Georg Müller, wirft m. E. ein schlechtes Licht auf Darby.

Vergleiche einfach mal das Leben und Werk von Georg Müller mir dem von Darby. Das dürfte kaum Fragen bzgl. der Lehre übrig lassen. Bis heute erkennt man die Frucht.

Viele Grüße

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Re: Brüderbewegung

Beitragvon Perle » Do 14. Apr 2005, 21:00

Original von stranger
Original von William Penn
Was mich an der Brüderbewegung - also den Darbysten - immer wieder wundert: Die einschlägigen Kreise sind so gut wie unbekannt, aber Darbys Lehren (Heilszeiten, Vorentrückung) werden von Menschen vertreten, die z. T. so gut wie nichts über die Existenz der Brüder wissen.


Vielleicht sollten wir die Person Darby und deren Wirken betrachten.

Ja, das wär toll - ich gehör nämlich auch zu denen, die nichts über diesen Darby wissen. :D
Insbesondere der schändliche Eklat mit dem legendären Waisenvater von Bristol, Bruder Georg Müller, wirft m. E. ein schlechtes Licht auf Darby.

Von dem hab ich dich ja jetzt schon ein paar Mal reden hören.
Und auch WP hat schon hier und da was fallen lassen (Stichwort: Dispensationalismus) in Zusammenhang mit Darby - äh... und wenn ich´s recht in Erinnerung hab mit der Elberfelder Bibel (?)

Männer, ihr habt mich definitiv neugierig gemacht! :baby:

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vor wem sollte ich mich fürchten?
JAHWE ist meines Lebens Kraft,
vor wem sollte mir grauen?
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon Enggi » Do 14. Apr 2005, 23:59

Oh ja !

Lasst hören aus alter Zeit ...
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » Fr 15. Apr 2005, 13:56

Hallo Perle & Enngi,

wie WP schon treffend bemerkte, ist der Dispensationalismus maßgeblich auf Darbys Mist gewachsen. Davor gabe es diese Lehre expizit in der Darby-Form nicht. Auch die Elberfelder wurde, zusammen mit Brockhaus und anderen, von Ihm verwirklicht.

Was bei seinen Lehren rauskommt, könnt Ihr beispielsweise hier nachlesen:

Darbys Sonderlehren

Viele Grüße

stranger
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon Perle » Fr 15. Apr 2005, 19:13

Hab mir den Link mal durchgelesen.

Ich kapier ehrlich gesagt nicht ganz, was die "Lehre vom Verfall" jetzt eigentlich lehrt? Dass es in jeder "Haushaltung" zu einem erneuten Sündenfall kam? :?
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon stranger » Sa 16. Apr 2005, 19:22

Original von Perle
Hab mir den Link mal durchgelesen.

Ich kapier ehrlich gesagt nicht ganz, was die "Lehre vom Verfall" jetzt eigentlich lehrt? Dass es in jeder "Haushaltung" zu einem erneuten Sündenfall kam? :?



Wenn ich richtig weiß geht es darum, dass wenn einer der exklusiven Brüder mit einem Bruder in Kontakt kommt, der irgenwie gesündigt hat (und sei es noch so klein), dann ist der Bruder ebenfalls mit der Sünde behaftet. Trifft der Bruder wieder auf einen anderen usw. usf. Ist schon ne Weile her, müßte mich wieder einlesen (oder lieber doch nicht :D )

Viele Grüße

stranger 8-)
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Re: Brüderbewegung

Beitragvon Enggi » So 17. Apr 2005, 07:18

Ich habe den Link auch gelesen und finde ganz schön krass, was ein einzelner an Sonderlehren herausfinden kann.

Fazit: Nur ein toter Darby ist ein guter Darby, auch wenn seine Sonderlehren offenbar bis heute weiter ihre Wirkungen entfalten.
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