Kirche unter dem Banner der Ökonomie?

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Kirche unter dem Banner der Ökonomie?

Beitragvon Ainu Elfe » Sa 9. Nov 2002, 16:06

Hallo zusammen,

ich bin zufälligerweise über diesen Satz auf der icf-homepage gestolpert: "hier erlebt ihr Lebenshilfe und Lifestyle pur".
Dies ausgerechnet auf der Homepage einer christlichen Kirche zu lesen, hat mich doch überrascht, denn anhand dieses Satzes verkommt doch das ganze inhaltliche zur völligen Farce. Es geht nur noch um die Verpackung des Produktes, das verkauft werden muss, es geht nur noch um Vermarktung (dies geschieht durch Anglizismen und peppiger Aufmachung mit durchdachten Slogans)
Anhand dieses Beispiels hab ich mir den Zusammenhang zwischen Ökonomie und Religion mal durch den Kopf durchgehen lassen. Manchmal hab ich das Gefühl, dass solche Kirchen fast wie Kunden anlocken, die dann Produkte (eben Lebenshilfe, Trost, Seelsorge ect.) konsumieren.
Es geht mir nicht darum, übers icf zu diskutieren, sondern allegemein um Kirchen und ihre Ökonomisierung. Verkommt das Christentum zu einem vermarktbaren Produkt, dass man in reisserischer Aufmachung präsentieren muss, um Kunden anzulocken, um mehr Geld zu haben ect.? Die Kirchen (und ich meine jetzt nicht nur die Landeskirchen, sondern alle!) als wirtschaftlich rentable Unternehmen?

Grüsse Ainu
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Re: Kirche unter dem Banner der Ökonomie?

Beitragvon bigbird » Sa 9. Nov 2002, 16:17

Hallo Elfe

Man kann den Bogen enger ziehen oder weiter ... wenn ich ihn eng ziehe, heisst die Antwort: Das Ziel einer Kirche/Gemeinde ist, dass die Menschen Jesus kennen lernen. Da in Jesus die Fülle des Lebens ist - mehr sogar: ER selbst ist der Weg, die Wahrheit und das Leben! - ist das das höhere Ziel.
Klar, dass das auch Geld braucht, aber im Normalfall wird dies nicht gehortet, sondern für eben dieses höhere Ziel ausgegeben (ich weiss, dass es auch Scharlatane gibt, die sich bereichern, leider...).

ABER - ich will euch nicht davor stehen, dies alles ausführlich zu diskutieren.

eure bigbird

PS. Die Organisation, wo ich dazugehöre, hat als gesamtes ein Jahresbudget von 4 Millionen Franken, fast alles Spenden ... Dazu kommt vielleicht nochmals soviel, das in den einzelnen Gemeinden gespendet und gebraucht wird. Damit du einen weiteren Anhaltspunkt hast ... das Ganze hat etwas mehr als 4000 Mitglieder ... Es werden nirgendwo Reichtümer gehortet ...

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Re: Kirche unter dem Banner der Ökonomie?

Beitragvon Ainu Elfe » Sa 9. Nov 2002, 16:23

Hallo Bigbird,

Du spricht denn Aspekt des Reichtümerhortens an, das ist ein Punkt, der mich interessiert. Ein anderer ist auch, um dem ganzen noch eine weitere Wende zu geben: diese ganzen Slogans, eben: "Lifestyle pur" oder "jesus rocks" oder so zeigen mir einfach auf, dass die Verpackung wichtiger ist als der Inhalt (als billiger Vergleich: Markenklamotten. Wichtig ist, was draufsteht, nicht was drin ist).

Aber eben, was meinen andere dazu?

Grüssli Ainu
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Re: Kirche unter dem Banner der Ökonomie?

Beitragvon Shadow » Mo 11. Nov 2002, 09:13

Tja auch manche Kirchen haben eben gemerkt, dass man mit der Zeit gehen muss... ist ja nicht jeder so verbohrt wie die Katholiken ;).

Grundsätzlich ist auch eine Kirche eine Firma oder ein Verein, wenn euch das lieber ist. Eine Kirche hat Aufwände, Böromaterial zu bezahlen, Lohnnehmer, die auch nicht umsonst arbeiten... alles in allem: Es braucht Geld. Geld sollte von denen kommen, die davon profitieren. Damit also Geld kommt müssen Leute profitieren... ohne Kunde kein Gewinn. Und da die Mitglieder unserer Gesellschaft sich ja viel lieber von "Jesus rocks!" überzeugen lassen als von ihrem Herzen ist das auch ein legitimes Mittel.

Schlussendlich ist jeder selber schuld, wenn er dumm genug ist einen Glauben wegen eines fetzigen Slogans anzunehmen.
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Re: Kirche unter dem Banner der Ökonomie?

Beitragvon bo » Mo 11. Nov 2002, 10:51

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Dein Geld hält sie am Leben, gibt ihnen ihr täglich Brot
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Dann klammer dich an sie bis du verfaulst


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Re: Kirche unter dem Banner der Ökonomie?

Beitragvon Shadow » Mo 11. Nov 2002, 10:53

bo: S W?
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Re: Kirche unter dem Banner der Ökonomie?

Beitragvon bo » Mo 11. Nov 2002, 11:05

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Re: Kirche unter dem Banner der Ökonomie?

Beitragvon bigbird » Mo 11. Nov 2002, 11:48

Hallo Ainu Elfe
Du spricht denn Aspekt des Reichtümerhortens an, das ist ein Punkt, der mich interessiert.

Ich dachte dabei an gewisse "schwarze Schafe", die erwiesenermassen den Leuten das Geld aus der Tasche zogen/ziehen, um sich persönlich zu bereichern. Das gibt es immer wieder - leider - vor allem in Amerika hört man es von Fernsehpredigern.
Ohne eine erneute Diskussion über die Kath. Kirche vom Stapel zu lassen: Man sagt auch der Katholischen Kirche nach, dass sie Reichtümer horte. Ob früher - oder auch jetzt noch - kann ich nicht beurteilen. Immerhin besitzt die Katholische Kirche viele kirchliche Gegenstände (Kunst- und Nutz-gegenstände) aus Gold ... usw.
Wie reich die Evangelischen Kirchen sind, weiss ich nicht - immerhin erhalten die Pfarrer/innen grosse Gehälter ...
Bei den Freikirchen und Gemeinschaften ist das nochmals ganz anders. Du siehst es am Beispiel meiner "Freikirche". Kommt dazu, dass die meisten von uns noch Mitglied der Kirche sind und neben den freiwilligen Gaben auch noch Kirchensteuern bezahlen.
Freikirchen und Gemeinschaften brauchen ihr Geld, um ihre Mitarbeiter/innen zu bezahlen, die Gemeinde-Häuser zu unterhalten und das christliche Angebot überhaupt anbieten zu können. Ob dieses wirklich einer Mogelpackung entspricht, wie du das siehst? Wir glauben daran, dass Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist - deshalb wird er heute altmodisch und modern, klassisch und alternativ angeboten - Bezeichnung für Äusserlichkeiten ändern - der Inhalt bleibt!

Soweit mal wieder ...

bb
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Re: Kirche unter dem Banner der Ökonomie?

Beitragvon Ainu Elfe » Di 12. Nov 2002, 20:33

Hallo Shadow,
ja, klar sind Kirchen unternehmen, das sagst Du ganz richtig, man kann ja alles auf den Markt schmeissen. Aber verfehlt dann das ganze nicht ihren Sinn? Nu ja, was ist der Sinn von religion?...

Hallo Bigbird,
die katholische Kirche ist immer noch reich, vor allem besitzt sie unmengen an Schätzen (d.h. Gegenstände und vor allem tausende von wertvollen, uralten Büchern (wo ich liebend gern mal einen Blick reinwerfen würde.)) Und dass Freikirchen und auch alle anderen ihre Leute bezahlen müssen, und dass die Kirchgänger das Geld für ihre Gemeinde gerne geben ist auch klar. Nur, wo hört das ernsthafte bemühen um eine Glaubensgemeinschaft auf, und fängt das Werben für Kunden, damit man mehr Kunden und dann mehr Geld hat an?

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