Mennonitische Weltkonferenz

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Mennonitische Weltkonferenz

Beitragvon stranger » Fr 17. Mär 2006, 22:12

Mennoniten gibt es rund um den Erdball und auf allen Kontinenten, in 65 Ländern.

Nach Informationen der Mennonitischen Weltkonferenz, möchte ich hier mal die TOP-11 der Siedlungsgebiete aufführen:

323,329 USA
194,119 Dem. Rep. Congo
127,851 Canada
127,348 India
98,025 Ethiopia
71,302 Indonesia
50,000 Tanzania
31,677 Germany
31,556 Kenia
29,213 Zimbabwe
27,693 Paraguay

Quelle: Mennonite World Conference (MWC)

In vielen Ländern gibt es Kolonien dt. Mennoniten, welche in vergangenen Jahrhunderten ausgewandert sind. Durch die konsequente Ablehnung des Militätdienstes, kam es immer wieder zu Auswanderungen bzw. Verfolgungen dieser streng gläubigen Brüder und Schwestern. Mennoniten zeichnen sich in der Regel durch eine hohe Bereitschaft zur Nachfolge aus, die Bibel ist ihr absoluter Mittelpunkt. Extreme Beispiele sind zum Beispiel die verschiedenen Gruppierungen der Amish-People, es gibt jedoch deutlich mehr liberalere Gruppen.

Findet ihr es auch faszinierend, dass es im tiefsten Paraguay oder in den US oder Canada sowie vielen anderen Ländern deutsche Orte gibt, in denen tausende Mennoniten bis heute ihr deutsche Sprache sowie ihren lebendigen Glauben erhalten haben? Nordamerikaner mit pfälzischem Dialekt, Paraguayaner mit plattdeutscher Mundart.

Wie steht ihr zu den Mennoniten, was sagt ihr zu ihrer wirklich facettenreichen Geschichte?

Viele Grüße

stranger :)
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Re: Mennonitische Weltkonferenz

Beitragvon stranger » Sa 18. Mär 2006, 18:46

William Penn war übrigens der Gründer von Pennsylvania, einem der Hauptsiedlungsgebiete der nordamerkianischen Mennoniten/Amishen. :D
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Re: Mennonitische Weltkonferenz

Beitragvon Sandra73 » Sa 18. Mär 2006, 19:20

Hallo,

ich ging drei Jahre lang auf eine ehemals mennonitische Bibelschule und habe vom Kirchengeschichtslehrer, der sich sehr für die mennonitische Geschichte interessiert, viel gelernt und mitbekommen! Ich schätze sie sehr!!!!

Bei uns am Ort haben wir übrigens eine Täuferhöhle, wo früher sich Mennoniten versteckt hielten.
Mir imponiert deren konsequente Friedenshaltung und Konsequenz bis zum Märtyrertum. Hut ab!!!

Grüessli, Sandra73
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Re: Mennonitische Weltkonferenz

Beitragvon Enggi » Sa 18. Mär 2006, 19:36

Original von stranger

Findet ihr es auch faszinierend, dass es im tiefsten Paraguay oder in den US oder Canada sowie vielen anderen Ländern deutsche Orte gibt, in denen tausende Mennoniten bis heute ihr deutsche Sprache sowie ihren lebendigen Glauben erhalten haben? Nordamerikaner mit pfälzischem Dialekt, Paraguayaner mit plattdeutscher Mundart.

Wie steht ihr zu den Mennoniten, was sagt ihr zu ihrer wirklich facettenreichen Geschichte?
Dass sie heute noch doitsch reden, finde ich gar nicht faszinierend. Dem sagt man doch glaub ich Kolonialismus. Nun ja, in Paraguay mal jemanden deutsch quatschen zu hören, neben den vielen Spaniern, mag ja für einen nicht-Römling erfrischend sein, aber wie wäre es, sie würden die Sprache der eingeborenen lernen und ihnen das Evangelium verkünden?

Dass sie den Glauben an Jesus immer noch haben, trotz Rom, finde ich erfreulich. Ueber die Geschichte der Mennoniten weiss ich wenig, dass sie mit den Amischen glaubensmässig verwandt sind, wusste ich auch nicht. Mennoniten gehen auf Menno Simons zurück, einen Niederländer, Amische auf einen Mann namens Ammann aus dem Kanton Bern. Wer zuerst war, weiss ich nicht.
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Re: Mennonitische Weltkonferenz

Beitragvon parepidimos » Sa 18. Mär 2006, 20:19

Original von stranger
William Penn war übrigens der Gründer von Pennsylvania, einem der Hauptsiedlungsgebiete der nordamerkianischen Mennoniten/Amishen. :D

Nur war Penn nicht Mennonit, sondern Quaker. Diese haben ausser dem Pazifismus nicht viel mit Mennoniten gemeinsam.
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Re: Mennonitische Weltkonferenz

Beitragvon stranger » Sa 18. Mär 2006, 20:57

Original von parepidimos
Original von stranger
William Penn war übrigens der Gründer von Pennsylvania, einem der Hauptsiedlungsgebiete der nordamerkianischen Mennoniten/Amishen. :D

Nur war Penn nicht Mennonit, sondern Quaker. Diese haben ausser dem Pazifismus nicht viel mit Mennoniten gemeinsam.



Habe ich ja auch nirgends behauptet, dass William Penn Mennonit gewesen sein soll. Aber dass Mennoniten und William Penn nicht viel gemeinsam haben sollen, halte ich für ein Gerücht. :D

Penn verstand deutsch, konnte sogar deutsch predigen und war in den siebziger Jahren des 17. Jahrhunderts auch wiederholt in Deutschland gewesen. Dort hatte er Fühlung mit den Mennonitengemeinden am Niederrhein und in Frankfurt gewonnen. Die Mennoniten hatten damals wegen ihrer religiösen Anschauungen - sie verwarfen z. B. die Kindertaufe, den Eid und den Kriegsdienst - starke Bedrückung zu erleiden.

In der Frankfurter und der Krefelder Gemeinde fanden sich Auswanderungslustige. Ein Kaufvertrag mit Penn über ein bedeutendes Stück Land wurde geschlossen. Rechtsbeistand der Frankfurter war ein junger Jurist, Pastorius. Dieser entschloß sich, die Auswanderer zu begleiten. Am 20 August 1683 landete Pastorius in Philadelphia, das damals erst aus einigen hölzernen Blockhäusern bestand. Im Herbst folgte ihm eine Anzahl deutscher Mennonitenfamilien. Die Überfahrt auf dem Schiffe "Concord" von dem englischen Hafen Gravesend nach Pennsylvanien dauert siebenzig Tage. Am 24. Oktober 1683 wurden den Ankömmlingen ihre Landlose an einem Platz zwei Stunden von Philadelphia zugemessen. Der Ort bekam den Namen Germantown; er existiert noch heute als ein Vorort von Philadelphia. "Etliche", heißt es in einer aus jenen Tagen stammenden deutschen Aufzeichnung, "gaben ihm den Beynamen Armentown, sindemahl viele der vorgedachten Beginner sich nicht auf etliche Wochen, zugeschweigen Monaten, provisioniren kunnten. Und mag weder genug beschrieben, noch von denen vermöglicheren Nachkömmlingen geglaubt werden, in was Mangel und Armuth, anbey mit welch einer Christlichen Vergnüglichkeit und unermüdetem Fleiß, diese Germantownship begunnen sey."

Dies also war der erste wirkliche Anfang des Deutschtums in Nordamerika. Von der Gründung von Germantown an hat die deutsche Einwanderung nach Nordamerika, bald hoch anschwellend bis auf hunderttausende von Seelen in einem einzigen Jahr, bald wieder tief abebbend, fortgedauert bis auf den heutigen Tag, und wenn einer feststellen könnte, wie viele von der heutigen Bevölkerung der Vereinigten Staaten deutsches Blut in ihren Adern haben - weitaus die meisten, ohne noch etwas von ihren deutschen Vorfahren zu ahnen -, so würden es Millionen und Abermillionen sein. Wir werden an einem späteren Ort von der Berechnungen, die man hierüber zu machen versucht hat, noch genauer zu reden haben.

Germantown erhielt bald Stadtrecht, und Pastorius wurde zum Bürgermeister gewählt. Berühmt ist sein - im Original lateinischer geschriebener - "Gruß an die Nachkommen", mit dem er das Grundbuch der Ansiedlung eröffnete. In den Übertragung Seidenstickers, eines Deutsch-Pennsylvaniers, der die "Gründung von Germantown" beschrieben hat, lautet er deutsch:

"Sei gegrüßt, Nachkommenschaft! Nachkommenschaft in Germanopolis! Und erfahre zuvörderst aus dem Inhalt der folgenden Seite, daß deine Eltern und Vorfahren Deutschland, das holde Land, das sie geboren und genährt, in freiwilliger Verbannung verlassen haben - o, ihr heimlichen Herde! -, um in diesem waldreichen Pennsylvanien, in der wilden Einsamkeit minder sorgenvoll den Rest ihres Lebens in deutscher Weise, d.h. wie Brüder, zu verbringen. Erfahre auch ferner, wie mühselig es war, nach Überschiffung des Atlantischen Meeres in diesem Striche Nordamerikas den deutschen Stamm zu gründen. Und du, geliebte Reihe der Enkel, wo wir ein Muster des Rechten waren, ahme unser Beispiel nach; wo wir aber von dem so schwierigen Pfade abwichen, was reumütig anerkannt wird, vergib uns; mögen die Gefahren, die andre liefen, dich vorsichtig machen. Heil dir, Nachkommenschaft! Heil dir, deutsches Brudervolk! Heil dir, auf immer!"

Pastorius lebte bis 1719. Er hat also 36 Jahre lang die deutsche Niederlassung in Germantown geleitet. Aus ihrer Geschichte in diesen Jahren ist nichts weiter zu berichten als daß es ein Dasein von der Art war, wie William Penn seinen Freund Pastorius selber charakterisierte: "Nüchtern, rechtschaffen, weise und fromm, von allgemein geachtetem und unbescholtenem Namen." In den Gerichtsakten von Germantown, die Pastorius selbst geführt hat, finden sich nur belanglose Eintragungen, wozu Seidensticker die Bemerkung macht: "Glücklich die Gemeinde, deren Gerichtsannalen langweilig sind!" Es liegt darin schon eine Art von Vorausverkündigung für das Deutsch-Amerikanertum im ganzen, auch für die Folgezeit. Es war ein redlicher Schlag Menschen, der hinüberging, ohne Ehrgeiz, ohne große Beweglichkeit des Geistes, keineswegs ohne Tapferkeit, wie sich später in den Kämpfen mit den Indianern zeigen sollte, in die auch die deutschen Ansiedler hineingezogen wurden - aber an politischem Interesse und an politischer Willensbildung mit dem angelsächsischen Element, unter dem sie saßen, nicht vergleichbar. Ein großes Ehrenmal aber haben sich die Deutschen von Germantown schon gleich in den ersten Jahren nach ihrer Niederlassung aufgerichtet, und das ist ihr im Jahre 1688 abgefaßter Protest gegen die Sklaverei, und zwar nicht nur gegen das Halten von Sklaven im allgemeinen, sondern gegen ihre Verwendung in Pennsylvanien.



Quelle: http://www.jaduland.de/north-central-america/usa/text/deutschtumusa1.html
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Re: Mennonitische Weltkonferenz

Beitragvon stranger » Sa 18. Mär 2006, 21:03

Original von Sandra73
Hallo,

ich ging drei Jahre lang auf eine ehemals mennonitische Bibelschule und habe vom Kirchengeschichtslehrer, der sich sehr für die mennonitische Geschichte interessiert, viel gelernt und mitbekommen! Ich schätze sie sehr!!!!

Bei uns am Ort haben wir übrigens eine Täuferhöhle, wo früher sich Mennoniten versteckt hielten.
Mir imponiert deren konsequente Friedenshaltung und Konsequenz bis zum Märtyrertum. Hut ab!!!

Grüessli, Sandra73



Hallo Sandra,

danke für Deinen Erfahrungsbericht.

Gottes Segen

stranger :)
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Re: Mennonitische Weltkonferenz

Beitragvon stranger » Sa 18. Mär 2006, 21:09

Original von Enggi
Nun ja, in Paraguay mal jemanden deutsch quatschen zu hören, neben den vielen Spaniern, mag ja für einen nicht-Römling erfrischend sein, aber wie wäre es, sie würden die Sprache der eingeborenen lernen und ihnen das Evangelium verkünden?


Du wirst lachen Enggi: Genau das machen sie.

Original von Enggi
Dass sie den Glauben an Jesus immer noch haben, trotz Rom, finde ich erfreulich. Ueber die Geschichte der Mennoniten weiss ich wenig, dass sie mit den Amischen glaubensmässig verwandt sind, wusste ich auch nicht. Mennoniten gehen auf Menno Simons zurück, einen Niederländer, Amische auf einen Mann namens Ammann aus dem Kanton Bern. Wer zuerst war, weiss ich nicht.


Zuerst war Menno, sonst hätte sich Ammann ja nicht von dem Hauptzweig der Mennoniten abspalten können... :D Menno ist zwar in den Niederlanden geboren, ist aber Friese.

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