Priester zur Zeit Jesu

Wer ist Jesus? Was hat er zu sagen?

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Priester zur Zeit Jesu

Beitragvon WildPanthera » Fr 14. Feb 2003, 10:09

Hab mal wieder ein paar Fragen, auf die ich dringend :? eine Antwort brauche!!!!
Wer waren die Priester zur zeiten Jesu?
Was für ein Verhältnis hatten sie zu Jesu und zu den Römern?
Wie wollten sie das Reich Gottes ín Israel wieder aufbauen??? Bitte, bitte helft mir!!! Es ist dringen!!!!

Vielen Dank

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Re: Priester zur Zeit Jesu

Beitragvon Scardanelli » Sa 15. Feb 2003, 18:14

Hallo Panthera,
deine Fragen habe ich erst jetzt entdeckt und ich muss mich gleich für die anderen bibelfesten Mitglieder hier entschuldigen, dass du solange warten musstest.

Die Priester zur Zeit Jesu wurden aus den Reihen der Sadduzäer rekrutiert. Sie strebten bei aller Strenge einer Gesetzestreue zu ihrer Religion, auf ein entspanntes Verhältnis mit Rom. Was die Eschatologie betrifft, so lehnten die Sadduzäer alle apokalyptischen und metaphysischen Vorstellungen ab. Während die Pharisäer die Auslegungen der Gesetze Gottes selbst zu Worten Gottes gemacht haben, sahen die Sadduzäer diese Interpretationen nicht als dieses an. Dies hat auch Jesus an den Pharisäern scharf verurteilt.
Wer der Hohe Priester zur Zeit Jesu war gibt Lukas in seinem Evangelium an. Da aber Lukas selbst kein Jude war, ist ihm hier ein Fehler unterlaufen. Er gibt zwei Hohe Priester gleichzeitig an, was allerdings völliger Unsinn ist. Er nennt Hannas und Kaiphas. Letzterer war zu dieser Zeit der Hohe Priester.
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Re: Priester zur Zeit Jesu

Beitragvon ThomasMillack » Sa 15. Feb 2003, 18:51

Hallo Panthera

Zunächst einmal ist zu sagen, dass die Priester eigentlich eine eigene kaste bildeten, die alle Nachkommen Levis sein sollten. Als die Israelis das gelobte Land eroberten bekam der Stamm Levi kein eigenes Gebiet zugewiesen, dafür sollten sich daraus die Priester rekrutieren, die mit besonderen Privilegien ausgestattet waren und vom Rest Israels versorgt werden mussten.

Es ist allerdings anzunehmen, dass es zur Zeit Jesu nicht ganz einfach war, nachzuweisen, zu welchem Stamm man genau gehörte. Die babylonische Gefangenschaft hat bestimmt viele Aufzeichnungen über Stammbäume vernichtet.

Es ist daher anzunehmen, dass man auch durch Interesse oder Begabung Priester werden konnte. Dazu gab es Priesterschulen, auch solche die zu bestimmten Richtungen gehörten. Paulus z.B. wurde auf einer solchen Schule zum Pharisäer ausgebildet. Eine solche Ausbildung zu machen bedeutete eine hohe Ehre und hatte oft zur Folge, dass man eine angesehene Position in der Gesellschaft erhielt. Daher war z.B. auch das Amt des Hohepriesters ein sehr politisches Amt. Zur Zeit Jesu hatte Herodes das Recht, den Hohepriester zu ernennen und konnte so dafür sorgen, dass ein Günstling von ihm dieses Amt erhielt.

Jesus war für die Mehrheit der Priester ein Eindringling, denn er legte die Schrift aus, ohne dafür auf eine Schule gegangen zu sein. Dazu tat er das noch viel besser als die, die das eigentlich gelernt hatten. Dadurch entstand Neid und Angst um die eigene Position. Daher waren nicht viele der Schriftgelehrten, Priester, Pharisäer und Sadduzäer in der Lage, Jesus anzuerkennen.

Viele in Israel erwarteten den Messias, insbesondere auch wegen der Fremdherrschaft durch die Römer. Nach den Bibelstellen erwartete man jemanden, der die folgenden Eigenschaften besass:
- Er musste ein Nachkomme Davids sein.
- Er musste in Bethlehem geboren werden.
- Er musste der sein, der Israel von der Fremdherrschaft befreit.
- Er musste ein gerechter Herrscher sein
diese Erwartung machte die Juden zu einem Volk, das nicht leicht zu beherrschen war. Immer wieder flammten Aufstände auf, die von Männern angeführt wurden, die behaupteten, der Messias zu sein. In der Regel war das Ende dieser Aufrührer traurig.

Jesus war in dieser Hinsicht besonders, weil er das Reich Gottes nicht durch einen militärischen Sieg über die Römer errichten wollte. Da er trotzdem grossen Einfluss über das Volk erlangte, hatten die Führer Israels Angst, dass es trotzdem zu einem Aufstand kommen würde und versuchten, das Problem Jesus auf die übliche Art zu erledigen, indem man den Anführer hinrichtete.

Dass die Sorge der Führer nicht ganz unbegründet war, zeigte sich 70 nach Christus als ein grosser Aufstand in Israel entstand, der so wirkungsvoll war, dass den Römern endgültig der Kragen platzte. Sie machten reinen Tisch und zerstörten den Tempel - das Wahrzeichen von Israels Macht - und Jerusalem so gründlich, dass die Idee eines Reiches Israel für die nächsten 1900 Jahre in der Versenkung verschwand.

Gruss
Thomas
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Re: Priester zur Zeit Jesu

Beitragvon WildPanthera » Sa 15. Feb 2003, 18:55

:D :D :D Vielen, vielen Dank!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :D :D :D
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Re: Priester zur Zeit Jesu

Beitragvon Scardanelli » Sa 15. Feb 2003, 21:47

Hallo Panthera,
da dies Thomas nicht herausgestellt hat, will ich es nun nachholen. Bei den Pharisäern hat es sich in der Masse der Anhänger nicht um ausgebildete Gelehrte gehandelt. Die allermeisten waren Laien, sowie Jesus ein Laie gewesen ist. Nur die Vorsitzenden Pharisäer waren wirkliche Schriftgelehrte.
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Re: Priester zur Zeit Jesu

Beitragvon Scardanelli » Sa 15. Feb 2003, 21:47

Hallo Panthera,
da dies Thomas nicht herausgestellt hat, will ich es nun nachholen. Bei den Pharisäern hat es sich in der Masse der Anhänger nicht um ausgebildete Gelehrte gehandelt. Die allermeisten waren Laien, sowie Jesus ein Laie gewesen ist. Nur die Vorsitzenden Pharisäer waren wirkliche Schriftgelehrte.
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Re: Priester zur Zeit Jesu

Beitragvon Wolfi » Fr 21. Feb 2003, 06:43

@Scardanelli:
Thomas hat doch wohl darauf hin gewiesen! Wie auch auf das Problem, welches diese "Gelehrten" mit den sogenannten "Nichtgelehrten" haben können. Scheint sich seit damals nicht viel verändert zu haben?! :D Aber eben: "Gehlerter" zu sein, bedeutet ja nicht gleichzeitig, menschlich (oder auch im Glauben) gereift zu sein... Missgunst und Rivalitätsgefühle werden engstirnig vor die "höhere Sache" gestellt, Bildung hin oder her... Nur: Bei Ungebildeten kann ich solches Verhalten noch einigermassen akzeptieren (verstehen); bei Gebildeten jedoch finde ich es absolut verwerflich und niederträchtig! Auch wenn zwei dasselbe tun, ist es nun mal nicht das gleiche... ;)
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Re: Priester zur Zeit Jesu

Beitragvon Scardanelli » Mi 16. Apr 2003, 08:25

Sehr geehrter Herr Hans Peter Wepf,
du bist nicht derjenige, der antritt um dem Hl. Geist vorzuschreiben, wo er wehe. Lukas sagt in seinem Evangelium, Hannas und Kaiphas seien zur Zeit Jesu gleichzeitig Hohe Priester gewesen und dies ist falsch.
Bei aller Korruption gab es niemals zwei Hohe Priester gleichzeitig, so wie es niemals zwei Präsidenten in einem Land gleichzeitig gibt, gleichgültig wie korrupt die Verhältnisse dort auch sein mögen.
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Re: Priester zur Zeit Jesu

Beitragvon Salzstreuer » Mi 16. Apr 2003, 11:08

Hallo Hans Peter

Du glaubst also nicht daran, dass heute noch Prophetische Gaben vorhanden sein können?

Hmmm...

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Re: Priester zur Zeit Jesu

Beitragvon Scardanelli » Mi 16. Apr 2003, 11:36

Niemals, Hans Peter, werde ich am Wort Gottes zweifeln und wie du prüfe ich Worte von Menschen. Ich habe keinen Zweifel, dass Menschen Bücher schreiben und ich halte es für möglich, dass etliches geistvolles in der Bibel überliefert ist. Autoren der Bibel sagen selbst, dass Worte von Menschen als Ganzes niemals rein sein können. Paulus sagt, prüfet alles und das Beste behaltet und alles enthält eben alles und nichts weniger als alles. So werden in den synoptischen Evangelien beispielsweise etliche Gleichnisse Jesu überliefert und unter diesen drei Berichterstattern deckt sich der Wortlaut eben nicht, so dass sich die Gleichnisse durchaus voneinander unterscheiden, sind es aber jeweils gleiche, auf die sie sich beziehen.
Bei den drei synoptischen Evangelisten war Jesus genau einmal in Jerusalem und bei Johannes mehrmals. Wenn du einmal in einer Stadt gewesen bist, dann eben nur dieses eine mal. Es sind in den Überlieferungen eben Ungereimtheiten, wie sie in allen Erinnerungsstücken aufzufinden sein werden, die aus Quellen erschlossen werden. Das Menschliche ist in der Bibel genauso aufzufinden, wie in jedem vergleichbaren Werk und daran ist es blasphemisch, Gott dieses menschliche Chaos zuzurechnen. Es ist eine geistlose Art, die sich sofort darin rächt, dass ein so verblendeter Mensch den Habitus eines Pharisäers annimmt, was sehr zu bedauern ist.

P. S. Es gab zur Zeit Jesu keine zwei Hohe Priester gleichzeitig.
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Re: Priester zur Zeit Jesu

Beitragvon Salzstreuer » Mi 16. Apr 2003, 11:46

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie wir über das Johannesevangelium diskutieren können.

Vielleicht mal ein paar Bemerkungen dazu...

- Johannes war ein Jünger Jesu.
- Er hat sein Evangelium geschrieben, als die anderen drei schon bekannt waren.
- Das setzt er eben auch voraus. Man kennt die anderen Evangelien. Er hat Dinge notiert, die ihm persönlich wichtig waren. Da kommt dann halt vieles vor, was die anderen unterlassen oder nicht für notwendig erachtet haben. Auch braucht er sich nicht gross um Zeiten, Plätze und Abläufe zu kümmern... das steht ja schon in den anderen...

Einfach mal soviel.

Gruss
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Re: Priester zur Zeit Jesu

Beitragvon Salzstreuer » Mi 16. Apr 2003, 12:11

Ok, das dürfte spannend werden, daher der folgende Link, damit wir hier beim Thema bleiben.

http://www.jesus.ch/forum/thread.php?threadid=3061&boardid=17&styleid=1

Hans Peter, ich fände es toll, wenn Du diesen Post nach drüben kopierst und wir dort weiterdiskutieren.

Gruss
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