Ermahnung

Diskussion und Fragen zur römisch-katholischen Kirche

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Ermahnung

Beitragvon Scardanelli » Di 11. Feb 2003, 12:38

„Es gibt viele Schwätzer und Verführer, die der Wahrheit nicht folgen,“ setzt Paulus im Brief an Titus ein und viele hier werden dem zustimmen. Was ist mit diesen zu tun? „Ermahnt sie einmal und noch ein zweites Mal. Hört er dann immer noch nicht auf dich, dann muss er die Gemeinde verlassen.“
„Denen man den Mund stopfen muss, die ganze Häuser umkehren, indem sie um schändlichen Gewinnes willen lehren, was sich nicht geziemt.“
Und jetzt wird Paulus persönlich und nimmt das Wort eines Propheten auf: „Kreter sind immer Lügner, böse, wilde Tiere, faule Bäuche.“ „Darum musst du diese Leute hart anfassen, damit sie wieder zum rechten Glauben zurückfinden.“

Wer kann es nach diesen markigen Worten von Paulus der kath. Kirche verübeln, eben hart mit der Häresie umzugehen?
Und würde Paulus heute noch leben, dann würden hier die Mods wohl eine ähnliche Ermahnung von ihm erhalten
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Re: Ermahnung

Beitragvon bigbird » Di 11. Feb 2003, 12:48

[ALIGN=center] :shock:

:?

:oops:

:x

:(

;)

:P [/ALIGN]
Zur Sklavenzeit in den USA hat eine schwarze Köchin in höherem Alter mit Eifer lesen gelernt, um die Bibel selber lesen zu können. Sie wurde gefragt, was sie mache, wenn sie etwas nicht verstehe.
Ihre Herzensantwort: „Dann sage ich Halleluja und lese weiter, bis was kommt, das ich verstehe!“
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Re: Ermahnung

Beitragvon Salzstreuer » Di 11. Feb 2003, 12:48

Ja und nein... Paulus spricht hier von der Gemeinde. Er spricht von Leuten, die in Gemeinden ein- und ausgehen, die also etwas mit Gott zu tun haben wollen.

Hier im Forum würde ich uns nicht als Gemeinde bezeichnen. Hier geht es (auch) um eFUNgelisation... Wir wollen miteinander diskutieren, weiterkommen. Hier haben Interessierte, Kirchenferne die Möglichkeit, anonym zu lesen, zu fragen, teilzunehmen.

Es gäbe ja die Möglichkeit, dass das Forum wesentlich restriktiver wäre, aber dann wären viele von Euch nicht mehr hier. Ob das ein Ziel des Forums sein soll?

Hier ist ja nicht einfach ein Forum, welches als Gemeindeersatz dient, wo Christen eine gute Zeit haben, ein wenig plaudern und im Glauben wachsen. Das auch, aber nicht nur. Hier geht es sicher darum, Leute "gluschtig" zu machen und Meinungen Raum zu lassen.

Oder was schlägst Du vor... Sollen wir nicht Ermahnungsbereite Personen verwarnen und sperren? ich kann mich täuschen, aber innert einer Woche wären lediglich noch ein paar vereinzelte User und Mods hier. Und dann?

Gruss
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Re: Ermahnung

Beitragvon Scardanelli » Di 11. Feb 2003, 13:23

Hallo Salzstreuer,
dieses Forum ist eine Gemeinde und jeder, der hier ist, der hat etwas mit Gott ganz direkt zu tun. Hier wird Gottesdienst abgehalten und zwar in einer lebendigen Form, denn dieser Gottesdienst ist frei von Riten.
Und restriktiv geht es hier ja bereits zu, denn zu den blumigen Bibelversen, gesellen sich auch die markigen und sperrigen und damit hast du ja die Beschränkung, welche sich die Bibel so selbst auferlegt.
Ich verantworte es eurem Verstand und eurer Liebe, dass ihr nicht so genau auf die Bibel hört, denn sonst müsstet ihr hier viele ausschließen, aber darum ging es mir nicht mit diesem Beitrag. Es ging mir mehr um ein Gegengewicht zu der überbordenden Gemütlichkeit, welche die mannigfachen Erbauungsverse unreflektiert verursachen. Es geht mir um ein Gleichgewicht und damit um einen schönen Menschen.
Bei allem Enthusiasmus soll eben die Nüchternheit nicht verloren gehen und so wollte ich um des Ausgleichs willen auch eine Lanze für die hier arg gebeutelte kath. Kirche brechen.
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Re: Ermahnung

Beitragvon Joggeli » Di 11. Feb 2003, 13:27

Hallo Scardanelli

Ich bin nur froh, dass die Bibel nicht so kompliziert und unverständlich geschrieben ist, wie deine Postings!

;) :D :P

Vielleicht müsste Livenet einen vollamtlichen Scardanelli-Ausleger anstellen?

J.
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Re: Ermahnung

Beitragvon Scardanelli » Di 11. Feb 2003, 14:06

Hi Joggeli,
es trifft mich schon, sollte ich wirklich sozusagen chinesisch schreiben. Was aber ist an meinem obigen Beitrag unverständlich?
Was aber eine Anstellung betrifft, dann sage mir Bescheid, wenn du in Urlaub gehst, ich werde dann gerne dein Stellvertreter hier sein, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen :D
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Re: Ermahnung

Beitragvon Claudia » Di 11. Feb 2003, 14:24

Ich selber empfinde es auch eher schwieriger meine Mitchristen zu ermahnen wie nicht Christen meine Meinung zu sagen.
Einerseits hat das sicher mal mit meinem eher ruhigen, zurückhaltenden Charakter zu tun aber andererseits, wo sind meine Vorbilder. Ich spreche hier jetzt meine unmittelbare Umgebung an und nicht das Forum. Obwohl das im Forum auch nicht oft passiert.
Ist es in unserer Gemeindegesellschaft nicht tabu andere zu ermahnen, zu hinterfragen?
Wo ist die Grenze zwischen, sich in etwas einmischen was mich nichts angeht, und wo ist meine Verantwortung dir das in Freiheit zu sagen?
Es ist tatsächlich reine Gnade, dass ihr gerettet seid.
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Re: Ermahnung

Beitragvon Scardanelli » Di 11. Feb 2003, 14:39

Hallo Claudia,
du selbst bist diese Grenze. Bist du im Glauben und in der Nachfolge lauter, dann bist du liebevoll. Du wirst ermahnen und dein Ermahnen dient dem Wachstum des anderen. Wenn du in diesem Fall nicht ermahnst, dann machst du dich schuldig.
Wenn du aber nicht aus der Liebe heraus ermahnst, dann bist du an dieser Ermahnung schuldig, denn sie dient dem anderen und dir zu eurem Niedergang.
Ich wette aber, dass du jetzt nicht viel weiter bist als zuvor.
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Re: Ermahnung

Beitragvon Salzstreuer » Di 11. Feb 2003, 14:53

Hallo Scardanelli

Ich glaube, Du wagst Dich in einen Bereich vor, der sehr heikel ist...

Denn wo ist der Unterschied zwischen

- Ermahnen
- richten
- sicher über jemanden stellen
- verurteilen

Es wäre also gut, wenn wir von Ermahnung sprechen, dass wir definieren, was einerseits wir darunter verstehen, und was wohl wesentlicher ist, was meinst die Bibel unter "Ermahnen"

Gruss
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Re: Ermahnung

Beitragvon Claudia » Di 11. Feb 2003, 14:54

da hast du die Wette schon gewonnen!
Denn das weiss ich ja bereits. Was mich wirklich schwierig dünkt, ist wann soll ich ermahnen und wann zusehen.
Das kann mir warscheinlich auch nur Gott im Gebet aufzeigen wenn der Fall dann da ist.
Oder?
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Re: Ermahnung

Beitragvon Wolfi » Di 11. Feb 2003, 15:09

Ich denke kurz zurück an meine Jugendzeit: Meine Eltern hatten die Pflicht, mich zu ermahnen, wenn ich gewisse Dinge "falsch" anging. Denn schliesslich hatten sie bis zu meiner Volljährigkeit nicht nur für ihr sondern auch für mein Handeln die Verantwortung zu tragen. Deshalb stand ihnen dieses Privileg auch zu, finde ich. Ich will nicht sagen, dass all ihre Ermahnungen immer richtig gewesen wären! Sie basierten einerseits auf den gesellschaftlichen Normen und Werten und andererseits aber auch auf ihrem Gefühl der Liebe, das sie für mich empfanden. Dass diese "Liebe" auch mal auf einem falschen Verständnis beruhen konnte, machte das Ganze zeitweise natürlich ziemlich unangenehm und fragwürdig... Aber da sie ja "in gutem Glauben" zum Mittel der "Ermahnung" griffen, kann oder konnte ich ihnen deshalb auch nie einen Strick daraus drehen... Nun, ich finde, es ist wirklich nicht ganz einfach, eine Ermahnung als gerechtfertigt zu definieren; die Qualität einer Ermahnung ist derart situationsabhängig, dass eigentlich nur auf speziefische Ermahnungen konkret eingegangen werden kann. Ich sehe jedoch nicht unbedingt etwas Schlechtes dahinter, Jemanden zu ermahnen. Allerdings sollte Jemand, der zu diesem Mittel greifen will, sich erst mal über seine diesbezügliche Kompetenz hinterfragen. :)
Der Glaube versetzt Berge, aber der Unglaube zerbricht Ketten.
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Re: Ermahnung

Beitragvon marie-theres » Di 11. Feb 2003, 15:58

@claudia

Das sehe ich wie du. Oft ist es schwierig zu entscheiden was "unter ermahnung" gesagt werden soll und was nicht. Es braucht eine enge Beziehung zum Herrn. Es muss sich wie in der Prophetie herauskristallisieren, was ist vom Herrn, was von mir, was ist fremdbestimmt. Welches ist der richtige Zeitpunkt, wohin soll die Ermahnung weitergeben werden, welcher Zeitpunkt ist richtig. Einiges wird uns auch deshalb gezeigt, damit wir es in der Fürbitte bewegen und für die Sache einstehen.
Zu ermahnen als Christ in der Gemeinde ist es kein einfacher "Job", denn man wird damit unweigerlich bei jemandem etwas auslösen, das vielleicht sehr unangenehm sein könnte.
liebe grüsse und gottes segen

krea und noch mehr krea
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Re: Ermahnung

Beitragvon Salzstreuer » Di 11. Feb 2003, 16:24

Hallo zusammen

Werde wohl zuhause noch nachschauen, was die Elberfelderbibel zum Wort Ermahnen meint.

Habe aber schon mal die Bibel durchforstet... Mir fällt auf, dass Ermahnung jeweils eine Bedeutung hat in der Art:

Erinnern an bestehendes Wissen, an bestehende Gebote.

Irgendwie so in der Art. Als Beispiel noch ein paar wenige Bibelstellen. Paulus hat oft ermahnt, und dort scheint es oft, als heisst es: "Ich sage Euch aber, erinnert Euch daran..."

Er scheint nicht zu heissen: "Sie mal, Du machst was falsch, das sollte anders gehen." sondern scheint mehr davon auszugehen: "Sie mal, die Bibel sagt dies, überprüfe Dich doch mal..."

Ermahnung scheint oft auch zu Gruppen gesprochen zu sein. Dann sind nämlich einige betroffen, andere nicht ... Wenn ich also während eine Lobpreiszeit als Lobpreisleiter etwas von der Herzenshaltung sage (Gott schaut nicht auf Eure tollen Lieder, sondern auf Euer Herz), dann ermahne ich ja auch. Einige sind dann vieleicht betroffen, und diejenigen, die ihr Herz in Ordnung finden, loben einfach weiter ...

Hier noch die Stellen:

Kolosser 1
27 Ihnen wollte Gott kundtun, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen sei, und das ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.
28 Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen;
29 wozu ich mich auch bemühe und kämpfend ringe gemäß seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft.


Apostelgeschichte 13
14 Sie aber zogen von Perge aus hindurch und kamen nach Antiochia in Pisidien; und sie gingen am Tag des Sabbats in die Synagoge und setzten sich.
15 Aber nach dem Vorlesen des Gesetzes und der Propheten sandten die Vorsteher der Synagoge zu ihnen und sagten: Ihr Brüder , wenn ihr ein Wort der Ermahnung an das Volk habt, so redet!


Apostelgeschichte 14
21 Und als sie jener Stadt das Evangelium verkündigt und viele zu Jüngern gemacht hatten, kehrten sie nach Lystra und Ikonion und Antiochia zurück.
22 Sie befestigten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und [sagten], daß wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen.
23 Als sie ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste gewählt hatten, beteten sie mit Fasten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren.

Roemer 15
14 Ich bin aber, meine Brüder, auch selbst im Blick auf euch überzeugt, daß auch ihr selbst voll Güte seid, erfüllt mit aller Erkenntnis, fähig, auch einander zu ermahnen.

Gruss
-salzstreuer
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Re: Ermahnung

Beitragvon Scardanelli » Di 11. Feb 2003, 17:48

Hallo Claudia,
es ist also klar, dass wir reagieren müssen, denn ein Ermahnen kann genauso falsch sein wie dessen Unterlassung. Wir schauen also auf den Meister und dieser hat gesagt, dass wir nicht richten sollen, während er selber ermahnt hat.
Ermahnen und richten sind also etwas völlig verschiedenes und so muss man erkennen, worin der Unterschied besteht.
Während ein Richten ohne Selbstreflexion funktioniert, geht dies beim Ermahnen nicht und so scheint mir ein Ermahnen auch im Zusammenhang mit dem Beispiel des Balkens vor unseren Augen, zu stehen.
Wenn wir jetzt ganz streng wären, dann müssten wir selbst Jesus am rechten Ermahnen prüfen, aber da stehen hier Gewalten vor, die im Moment nicht zu überwinden sind. Ich will es deshalb nur sehr zögerlich versuchen.
Ich denke, dass ein Ermahnen eine enge Verbindung zwischen zwei Menschen voraussetzt, welches von einem gegenseitigen Wohlwollen getragen wird. Ein Ermahnen mutet nur soviel zu, wie es spürt, dass es der andere momentan ertragen kann. Das Gesetz wäre einfach nur hart. Es interessiert sich nicht die Bohne für die Leidensfähigkeit des anderen und deshalb scheint es mir, sollen wir nicht richten.
Weiter denke ich auch, dass ein Ermahnen nach beiden Seiten so offen ist, dass auch der Ermahner grundsätzlich bereit ist, sich zu bewegen, denn starr ist nur das Gesetz. Er muss auch offen sein, denn er ist immer auch ein Balkenträger. Und hier wage ich auch zu sagen, dass Jesus ein Balkenträger war, denn er hat sich auch von anderen belehren lassen (Mt. 15, 21-28-) Ich sage dies nicht um andere zu ärgern oder zu verstimmen, sondern weil mir Jesus so nahe kommt, denn er zeigt mir so den wahren Weg der Liebe, denn sie wächst halt. So hat Jesus alles, was er anderen zugemutet hat, auch von sich selbst verlangt und ein Ermahnen wird dann vollkommen, wenn auch der, welcher zuvor ermahnt wurde, dies am anderen mit der gleichen Erfolgsaussicht tun kann.

Ich habe hier mal vor etlicher Zeit ein „Balkenthema“ eröffnet, aber leider wurde es so gar nicht angenommen. Dies liegt wohl selbst an dem Effekt des Balkens.
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Re: Ermahnung

Beitragvon Wolfi » Mi 12. Feb 2003, 08:51

@Scardanelli
Wenn wir jetzt ganz streng wären, dann müssten wir selbst Jesus am rechten Ermahnen prüfen, aber da stehen hier Gewalten vor, die im Moment nicht zu überwinden sind.

"Tell me quando, tell me when..." 8-)

Ich denke, dass ein Ermahnen eine enge Verbindung zwischen zwei Menschen voraussetzt, welches von einem gegenseitigen Wohlwollen getragen wird.

Nun, damit eine Ermahnung auch angenommen werden kann, ist dies wohl eine Voraussetzung... :)

Ein Ermahnen mutet nur soviel zu, wie es spürt, dass es der andere momentan ertragen kann.

Mmhh... und woher wissen wir, wieviel dem Anderen wirklich zugemutet werden kann?- Fallen wir da nicht oft auf Mimosen rein, welche sich mit ihrer "Empfindlichkeit" derart dicht machen, dass wir das Gefühl haben, sie würden nichts mehr ertragen?!- Wie staunt man da manchmal, wenn Leute in Extremsituationen gefordert sind... :D

Das Gesetz wäre einfach nur hart. Es interessiert sich nicht die Bohne für die Leidensfähigkeit des anderen und deshalb scheint es mir, sollen wir nicht richten.

Nun, eine soziale Gemeinschaft kommt ums Richten wohl nie ganz herum... Nur: Die Gemeinschaft sollte sehr genau hin schauen, wem sie solche Kompetenzen zubilligt! :roll:

Weiter denke ich auch, dass ein Ermahnen nach beiden Seiten so offen ist, dass auch der Ermahner grundsätzlich bereit ist, sich zu bewegen, denn starr ist nur das Gesetz.

Oh wie wär das schön... :)

Er muss auch offen sein, denn er ist immer auch ein Balkenträger. Und hier wage ich auch zu sagen, dass Jesus ein Balkenträger war, denn er hat sich auch von anderen belehren lassen (Mt. 15, 21-28-)

Ja, es war bestimmt nicht nur ein Zahnstocher, den Jesus da auf seinen Schultern getragen hat. ;) Oder meintest Du mit dem Balken die Tomaten auf den Augen?! :D

Ich sage dies nicht um andere zu ärgern oder zu verstimmen, sondern weil mir Jesus so nahe kommt, denn er zeigt mir so den wahren Weg der Liebe, denn sie wächst halt.

Ja, Dir glaub ich das! :)

So hat Jesus alles, was er anderen zugemutet hat, auch von sich selbst verlangt

Nun, war ja nicht alles so freiwillig... ("Lass diesen Kelch an mir vorüber ziehen..." Also: Hat er es nun wirklich von sich verlangt oder hatte er schlicht unter den damals gegebenen Umständen gar keine andere Wahl? ;)
und ein Ermahnen wird dann vollkommen, wenn auch der, welcher zuvor ermahnt wurde, dies am anderen mit der gleichen Erfolgsaussicht tun kann.

Na, wenn Dir bei mir mal danach zumute sein sollte, Du hättest mit einer Ermahnung wohl gute Chancen bei mir (aber nicht weiter sagen :D )

Liebe Grüsse & viel Erfolg!
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Re: Ermahnung

Beitragvon Joggeli » Sa 17. Mai 2003, 10:28

Hallo Ihrs

Ich glaube, es ist wesentlich, wie eine Ermahnung beim anderen ankommt. Eine Ermahnung sollte zuerst einmal hilfreich sein, und dem anderen auf eine möglichst liebevolle Art aufzeigen, dass er in irgendeinem Punkt "neben den Schuhen läuft".

Ich empfinde es fast noch schwieriger jemand perönlich zu ermahnen, als selber eine Ermahnung zu bekommen.

Eine Ermahnung soll weiterhelfen, den Kurs korrigieren und lehrreich sein. Wenn die Ermahnung nichts fruchtet, können, je nach Fall, sicher noch andere "Massnahmen" zum Zug kommen.

Es ist sicher auch eine besondere Gabe eines Christen, wenn er es versteht, in der richtigen Art zu ermahnen, ohne dabei zu verlezten.

Hat es noch andere Meinungen zu diesem Thema, vielleicht von Leuten, die bisher noch nicht geschrieben haben?

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