Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Diskussion und Fragen zur römisch-katholischen Kirche

Moderator: bigbird

Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon Jeanne » So 5. Jun 2011, 09:01

Hallo ihr,
ich habe, glaub ich, schon erwähnt, dass ich katholisch bin. Ich lese gelegentlich in den Werken und Biographien der Heiligen und Kirchenlehrer. Dabei habe ich vieles gefunden, was mir hilfreich erschien. Daher möchte ich hier einfach mal kurze Zitate, kleine Textausschnitte posten, vielleicht nützt es jemandem wie mir.

Franz von Sales (1567-1622)

„Bei der Schöpfung befahl Gott den Pflanzen, Frucht zu tragen, jede nach ihrer Art (1. Mos. 1.11). So gibt er auch den Gläubigen den Auftrag, Früchte der Frömmigkeit zu tragen, jeder nach seiner Art und seinem Beruf. Die Frömmigkeit muß anders geübt werden vom Edelmann, anders vom Handwerker, Knecht oder Fürsten, anders von der Witwe, dem Mädchen, der Verheirateten. Mehr noch: die Übung der Frömmigkeit muß auch noch der Kraft, der Beschäftigung und den Pflichten eines jeden angepasst sein.
Wäre es denn in Ordnung, wenn ein Bischof einsam leben wolle wie ein Kartäuser? Oder wenn Verheiratete sich so wenig um Geld kümmerten wie die Kapuziner? Kann ein Handwerker den ganzen Tag in der Kirche verbringen, wie die Mönche es tun? Dürfen andererseits Mönche aus beschaulichen Orden jedermann zur Verfügung stehen, wie es der Bischof muß? – Eine solche Frömmigkeit wäre doch lächerlich, ungeordnet, ja unerträglich.
Solche Dinge kommen aber sehr oft vor. Weltmenschen, die den Unterschied zwischen der Frömmigkeit und ihren Zerrbildern nicht kennen oder nicht kennen wollen, schmähen dann die Frömmigkeit, die wahrhaftig keine Schuld an solcher Unordnung trifft. Nein, echte Frömmigkeit verdirbt nichts; im Gegenteil, sie macht alles vollkommen. Verträgt sie sich nicht mit einem rechtschaffenen Beruf, ist sie gewiss nicht echt." (S. 19 f.)
[...]
„Auf keinen Fall kann ich es gutheißen, wenn Leute, die schon in einem Stand und Beruf leben, beständig nach einem anderen Leben verlangen, als ihren Pflichten entspricht, oder nach Andachtsübungen, die mit ihrem Beruf nicht vereinbar sind. Das verwirrt nur ihr Herz und hindert sie an der Erfüllung ihrer Pflichten. Wenn ich mich nach der Einsamkeit der Kartäuser sehne, verliere ich nur meine Zeit. Statt dieses Wunsches soll ich den hegen, meine augenblicklichen Pflichten gut zu erfüllen“ (S. 230)

(aus: Philothea. Vom frommen Leben. Wien 1961)

Das hat mich deshalb angesprochen, weil ich mich gefragt habe, ob bestimmte weltliche Berufe (Verkäuferin, Musikerin, Friseuse) in Gottes Augen weniger "wert" sind als diejenigen Berufe, in denen man direkt anderen Menschen Hilfe leistet (Seelsorgerin, Nonne, Krankenschwester).

Passende Bibelstellen zum Thema:
- Bedeutungslosigkeit des Standes für die Berufung durch Gott (1. Korinther 17)
- Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Matthäus 25.14-30; Lukas 19.12-27)
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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon Schoham » Mo 6. Jun 2011, 14:24

Habe es gerne gelesen - danke. Freu mich auf mehr :)).
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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon onThePath » Mo 6. Jun 2011, 16:31

Ich muß erst mal einen Katholiken verdauen, der Baptisten eine Sekte nannte gestern, aber kaum Ahnung von Pio oder Amorth hatte :shock: Dafür mehr von Maria...

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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon Gnu » Mo 6. Jun 2011, 17:38

onThePath hat geschrieben: Ich muß erst mal einen Katholiken verdauen…

Ich wusste nicht, dass du Kannibale bist. :o
Ich bin kein Freund langer Forenbeiträge, ich habe lieber lange Bärte.
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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon onThePath » Mo 6. Jun 2011, 18:01

Gnu hat geschrieben:
onThePath hat geschrieben: Ich muß erst mal einen Katholiken verdauen…

Ich wusste nicht, dass du Kannibale bist. :o


Wo denkst Du hin ?
Ich bin froh, ihm entkommen zu sein. Noch bevor er mit seiner erz-katholischen Keule zuschlagen konnte. :lol: ;)

Wie soll ich ihm die erste Lektion in Toleranz unter christlichen Glaubensbrüdern beibringen, wenn er seine evangelisch-freichristlichen Glaubensgeschwister für Geschwüre am Leib Christi hält ?

Ich hätte ihm ja sagen können, dass ich sowohl katholisch als auch einfach ein Glied vom Leib Christi bin, für den der Inhalt der Bibel wichtiger ist als so manche katholische Tradition.

Vielleicht gibt es ja statt Pio und Amorth andere Gemeinsamkeiten.

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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon Jeanne » Di 7. Jun 2011, 09:23

Schoham hat geschrieben:Habe es gerne gelesen - danke. Freu mich auf mehr :)).


Das freut mich! Ich sehe das hier so als mein kleines ökumenisches Projekt an.
Am Wochenende habe ich aber ein bißchen mehr Zeit dafür.
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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon gingko » Di 7. Jun 2011, 18:36

Danke daß du uns mit dem Text von F. v. Sales bekannt gemacht hast.
Ich kannte bisher nur seinen Namen.

Freue mich auf weitere Fundstücke von dir.
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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon Jeanne » So 12. Jun 2011, 20:41

Therese von Lisieux (1873-1897)

Ich habe sie ausgewählt, weil mich ihr grenzenloses Vertrauen in die Barmherzigkeit Gottes und ihre Liebe zu Jesus sehr berührt hat. Zunächst ein paar Eckdaten zu ihrem Leben:
Therese von Lisieux verlor im Alter von vier Jahren ihre Mutter. Aus dem starken, lebhaften Kind wurde ein schwächliches, verletzliches Wesen, das sich an seine Schwestern als Ersatzmütter klammerte und mit Tränen um Mitleid heischte. Ihre Begegnung mit Jesus brachte die Wende in ihrem Leben. Bereits mit 15 Jahren trat sie - obwohl sie anfangs mit Widerständen zu kämpfen hatte - in den Karmel von Lisieux ein. Dort führte sie das unauffällige Leben einer Ordensfrau und starb 24-jährig an Tuberkulose. Erst nach ihrem Tod wurde ihre Selbstbiographie veröffentlicht, die sie auf Geheiß der Priorin verfasst hatte.


Ein paar Ausschnitte aus ihrer Selbstbiographie, bis zum Klostereintritt

Nach dem Tod ihrer Mutter
„Ich muß Ihnen gestehen, meine Mutter [Mutter Oberin], dass seit Mamas Tod meine glückliche Art sich völlig veränderte; ich, die ich so lebhaft, so mitteilsam war, wurde schüchtern und sanft, über die Maßen empfindlich. Ein Blick genügte und ich zerfloß in Tränen; niemand durfte sich um mich kümmern, dann war ich zufrieden, ich konnte den Umgang mit fremden Leuten nicht ertragen, und nur im trauten Familienkreis gewann ich meinen Frohsinn zurück (S. 29)

„Ich war achteinhalb Jahre alt, als Léonie [eine ihrer Schwestern] das Pensionat verließ, und ich in der Abtei an ihre Stelle trat. Ich habe oft sagen gehört, dass die im Pensionat verbrachte Zeit die schönste und angenehmste im Leben sei; für mich traf das nicht zu; die fünf Jahre, die ich dort zubrachte, waren die traurigsten meines Lebens; hätte ich meine geliebte Céline [eine ihrer Schwestern] nicht bei mir gehabt, so hätte ich dort keinen Monat ausgehalten, ohne krank zu werden... Die arme kleine Blume war gewöhnt gewesen, ihre schwachen Wurzeln in ein auserwähltes, eigens für sie gemachtes Erdreich zu senken, so erschien es ihr jetzt hart, sich unter Blumen jeglicher Art zu sehen, mit oft recht unzarten Wurzeln, und genötigt zu sein, aus dem gewöhnlichen Boden den für ihr Dasein notwendigen Saft zu ziehen“ (S. 45)

Jesus gibt Therese ihre Stärke zurück
„Ich weiß nicht, wie ich mich im süßen Gedanken wiegen konnte, in den Karmel einzutreten, da ich noch so sehr in den Kinderschuhen steckte!.... Der liebe Gott musste ein kleines Wunder wirken, um mich in einem Augenblick wachsen zu lassen, und er wirkte dieses Wunder am unvergänglichsten Weihnachtsfest; in jener lichten Nacht, in der ER sich schwach und leidend machte aus Liebe zu mir, machte er mich stark und mutig. Er legte mir seine Waffenrüstung an, und seit jener gesegneten Nacht wurde ich in keinem Kampf mehr besiegt, ich Gegenteil, ich schritt von Sieg zu Sieg und begann sozusagen „wie ein Riese zu laufen“ (Ps. 18.5). Der Quell meiner Tränen war versiegt und floß seither nur noch spärlich und mühsam, was den Ausspruch, den man mir gegenüber getan hatte, bestätigte: „Du weinst als Kind so viel, dass wir später keine Tränen mehr verbleiben werden!.
Es war am 25. Dezember 1886, da mir die Gnade zuteil wurde, der Kindheit zu entwachsen, kurz, die Gnade meiner vollständigen Bekehrung - Wir kamen von der Mitternachtsmesse heim, wo ich das Glück hatte, den starken und mächtigen Gott zu empfangen. Als wir in den Buissonnets anlangten, freute ich mich darauf, meine Schuhe aus dem Kamin zu holen; dieser alte Brauch hatte uns in unserer Kindheit soviel Freude bereitet, dass Céline damit fortfahren wollte, mich wie ein kleines Kind zu behandeln, da ich nun einmal die Jüngste der Familie war... Papa freute sich, mein Glück zu sehen und meine Jubelrufe zu hören bei jeder Überraschung, die ich aus den verzauberten Schuhen zog, und die Fröhlichkeit meines geliebten Königs erhöhte mein Glück sehr; aber Jesus wollte mir zeigen, dass ich mich von den Fehlern der Kindheit befreien sollte und entzog mir auch deren unschuldige Freuden; er ließ es zu, dass Papa, ermüdet von der Mitternachtsmesse, ärgerlich wurde, als er meine Schuhe im Kamin stehen sah, und Worte sagte, die mir das Herz durchbohrten: „Nun, gottlob ist es das letzte Jahr“!... Ich stieg eben die Treppe hinauf, um meinen Hut abzulegen. Céline, die meine Empfindsamkeit kannte und Tränen in meinen Augen schimmern sah, hätte am liebsten auch welche vergossen, denn sie liebte mich sehr und verstand meinen Kummer. „Ach! Therese! sagte sie, geh jetzt nicht hinunter, es wäre zu schmerzlich für dich, jetzt gleich in deine Schuhe zu schauen“. Aber Therese war nicht mehr die gleiche. Jesus hatte ihr Herz umgewandelt! [...] Zum Glück [...] war es süße Wirklichkeit, die kleine Therese hatte ihre Seelenstärke wiedergefunden, die sie im Alter von viereinhalb Jahren verloren hatte, und die sie sich nunmehr für immer bewahren sollte!
In dieser lichtstrahlenden Nacht begann mein dritter Lebensabschnitt, der schönste von allen, der am reichsten mit himmlischen Gnaden erfüllte... Ich einem Augenblick hatte Jesus vollbracht, was mir in zehnjähriger Anstrengung nicht gelungen war, er begnügte sich mit meinem Willen, an dem es nie fehlte. Wie die Apostel konnte ich sagen: „Herr, ich habe die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen!“ [Lukas 5.5.] Noch barmherziger gegen mich als gegen seine Jünger nahm Jesus selbst das Netz warf Jesus selbst das Netz, warf es aus und zog es gefüllt mir Fischen wieder ein...“

Therese betet für ihr „erstes Kind“, den dreifachen Mörder Pranzini
„Er machte mich zum Seelenfischer, ich spürte ein großes Verlangen, an der Bekehrung der Sünder zu arbeiten, ein Verlangen, das ich vorher nicht so lebhaft empfunden hatte... Ja, ich fühlte die Liebe in mein Herz einziehen, das Bedürfnis, mich selbst zu vergessen, um anderen Freude zu machen, und von da an war ich glücklich! [...] Noch waren es nicht Priesterseelen, zu denen es mich hinzog, sondern die der großen Sünder, ich brannte vor Verlangen, sie den ewigen Flammen zu entreißen [...]. Ich hörte damals von einem großen Verbrecher, der wegen schrecklicher Verbrechen zum Tode verurteilt worden war , alles ließ vermuten, dass er unbußfertig sterben würde. Ich wollte ihn um jeden Preis daran hindern, der ewigen Verdammnis anheimzufallen; um es dahin zu bringen, wandte ich alle erdenklichen Mittel an [...], schließlich bat ich Céline, eine Messe nach meiner Meinung lesen zu lassen, denn ich wagte nicht, selbst darum zu fragen, aus Angst, einzugestehen, dass es für Pranzini sei, den großen Verbrecher. Ich wollte es auch Céline nicht sagen, doch sie stellte mir so liebevolle und eindringliche Fragen, dass ich ihr mein Geheimnis anvertraute; weit entfernt, sich über mich lustig zu machen, bat sie mich, mir mir bei der Bekehrung meines Sünders helfen zu dürfen, ich nahm dies dankbar an, denn ich hätte gewünscht, dass alle Menschen sich mit mir vereinten, um die Gnade für den Schuldigen zu erflehen. Im Grunde meines Herzens fühlte ich mit Gewissheit, dass unser Verlangen erfüllt werden sollte, um mir jedoch Mut zu machen, im Gebet für die Sünder fortzufahren, sagte ich dem Lieben Gott, ich sei ganz sicher, dass er dem unglücklichen Pranzini verzeihen werde, dass ich dies sogar glauben würde, wenn dieser nicht beichtete und kein Zeichen der Reue gäbe, so großes Vertrauen hatte ich in die unendliche Barmherzigkeit Jesus, aber ich bäte ihn doch um „ein Zeichen“ der Reue, einfach zu meinem Trost... Mein Gebet wurde wörtlich erhört! Trotz des Verbotes, das Papa für uns erlassen hatte, irgendeine Zeitung zu lesen, glaube ich nicht ungehorsam zu sein, wenn ich die Stellen las, die von Pranzini handelten. Am Tage nach seiner Hinrichtung fällt mir die Zeitung „La Croix“ in die Hand. Ich öffne sie hastig, und was sehe ich?... Ach, meine Tränen verrieten meine Bewegung, und ich musste mich verstecken... Pranzini hatte nicht gebeichtet, er hatte das Schafott bestiegen und wollten eben seinen Kopf in das grausige Loch stecken, als er plötzlich, einer jähen Eingebung folgend, sich umwendet, das Kruzifix ergreift, das ihm der Priester hinhielt, und dreimal die heiligen Wunden küsst!... Dann ging die Seele hin, das erbarmende Urteil Dessen zu empfangen, der verkündet, im Himmel werde mehr Freude sein über einen einzigen Sünder,der Buße tut, als über 99 Gerechte, der der Buße nicht bedürfen“ [Lukas 15.7.] S. 95-99

„In kurzer Zeit hatte mich der Liebe Gott hinauszuführen gewußt aus dem engen Kreis, in dem ich mich drehte, ohne zu wissen, wie ihm entkommen. Überblicke ich den Weg, den Er mich hat gehen heißen, ist meine Dankbarkeit groß doch ich muß zugeben, dann auch der entscheidende Schritt getan war, es blieben mir noch viele Dinge, die ich aufgeben musste“ (S. 99)

„Ich empfand schon im voraus, was Gott denen vorbehält, die ihn lieben (nicht mit dem leiblichen Auge, sondern mit dem des Herzens), und da ich sah, wie die ewigen Belohnungen in keinem Verhältnis stehen zu den geringen Opfern des Lebens, wollte ich lieben, Jesus mit Leidenschaft lieben, ihm tausend Zeichen der Liebe geben, solange ich es noch vermochte... (S. 101)
...................................
(aus der Selbstbiographie, Einsiedeln: Johannes Verlag 1991)

Fortsetzung folgt (die Spiritualität Thereses, der „kleine“ Weg)
"Der Vergleich ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit"

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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon Jeanne » Sa 18. Jun 2011, 21:47

Therese von Lisieux Teil 2

„O geliebte Mutter! Darf ich nach so vielen Gnaden nicht mit dem Psalmisten singen: Wie GUT ist der Herr, und seine BARMHERZIGKEIT währt ewig“. Mir scheint, wenn alle Geschöpfe gleiche Gnaden empfingen wie ich, so würde der liebe Gott von niemandem gefürchtet, wohl aber bis zum Wahnsinn geliebt, und aus LIEBE, nicht aus Angst, würde keine Seele jemals mehr freiwillig ihm Schmerz bereiten....“ (S. 185)

„Sie wissen, meine Mutter, ich habe immer danach verlangt, eine Heilige zu werden; aber ach! Wenn ich mich mit den Heiligen verglich, stellte ich stets fest, dass zwischen ihnen und mir derselbe Unterschied besteht wie zwischen einem Berg, dessen Gipfel sich in die Himmel verliert, und dem unscheinbaren Sandkorn, über das die Füße der Leute achtlos hinwegschreiten; statt zu verzagen, sagte ich mir: Der Liebe Gott flößt keine unerfüllbaren Wünsche ein, ich darf also trotz meiner Kleinheit nach der Heiligkeit streben; mich größer machen ist unmöglich; ich muss mich ertragen, wie ich bin, mit all meinen Unvollkommenheiten; aber ich will das Mittel suchen, in den Himmel kommen, auf einem kleinen Weg (S. 214).

„Die Wissenschaft der Liebe [...] nur diese Wissenschaft begehre ich. Nachdem ich alle meine Schätze für sie hingab, habe ich, wie die Braut des Heiligen Liedes, die Empfindung, nichts gegeben zu haben... Ich begreife so gut, dass nur die Liebe uns dem lieben Gott wohlgefällig zu machen vermag, und so ist die Liebe das einzige Gut, das ich begehre. Jesus gefällt es, mir den einzigen Weg zu zeigen, der zu diesem Göttlichen Glutofen führt, dieser Weg ist die Hingabe
des kleinen Kindes, das angstlos in den Armen des Vaters einschläft... „Wenn einer ganz klein ist, so komme er zu mir“ [Sprüche 9.4.] hat der Heilige Geist durch den Mund Salomons gesagt und derselbe Geist der Liebe hat ferner gesagt: „Barmherzigkeit wird den Kleinen gewährt“ [Weisheit, 6.7] In seinem Namen verkündet uns der Prophet Isaias, dass am letzten Tage „Der Herr seine Herde auf die Weideplätze führen, dass er die kleinen Lämmer versammeln und an seinen Busen drücken wird“ [Jesaja 6.7] Und als genügten alle diese Verheißungen noch nicht, ruft im Namen des Herrn der gleiche Prophet, dessen erleuchteter Blick bereits die Tiefen der Ewigkeit durchdrang: „Wie eine Mutter ihr Kind liebkost, so werde ich euch trösten; an meinem Busen werde ich euch tragen und auf meinen Knien euch wiegen [Jesaja 66.12-13]. O geliebte Patin, nach solchen Aussprüchen kann man nur noch schweigen und aus Dankbarkeit und Liebe weinen... Ach, fühlten doch alle schwachen und unvollkommenen Seelen, was die kleinste aller Seelen empfindet, die Seele ihrer kleinen Therese; so würde keine einzige daran verzweifeln, den Gipfel des Berges der Liebe zu erreichen, denn Jesus fordert keine großen Taten, sondern nur Hingabe und Dankbarkeit (S. 192 f.)“.

„Ich begriff, dass die Kirche ein Herz hat, und dass dieses Herz von LIEBE BRENNT. Ich erkannte, dass die Liebe allein die Glieder der Kirche in Tätigkeit setzt, und würde die Liebe erlöschen, so würden die Apostel das Evangelium nicht mehr verkünden, die Martyrer sich weigern, ihr Blut zu vergießen.... Ich begriff, dass die LIEBE ALLE BERUFUNGEN IN SICH SCHLIESST, DASS DIE LIEBE ALLES IST; DASS SIE ALLE ZEITEN UND ORTE UMSPANNT::: MIT EINEM WORT; DASS SIE EWIG IST!...
Da rief ich im Übermaß meiner überschäumenden Freude: O Jesus, meine Liebe... endlich habe ich meine Berufung gefunden, MEINE BERUFUNG IST DIE LIEBE!... Ja, ich habe meinen Platz in der Kirche gefunden, und diesen Platz, mein Gott, den hast du mir geschenkt... im Herzen der Kirche, meiner Mutter, werde ich die Liebe sein... so werde ich alles sein.... (S. 200f.)

„Meine Mutter, wenn Sie lesen, was ich soeben geschrieben habe, könnten sie glauben, es falle mir nicht schwer, die Nächstenliebe zu üben. Es ist wahr, seit einigen Monaten brauche ich die Übung dieser schönen Tugend nicht mehr zu erkämpfen; ich will damit nicht sagen, dass ich keine Fehler mehr begehe, oh! Dafür bin ich zu unvollkommen, aber es kostet mich keine große Mühe, mich wieder aufzurichten, wenn ich gefallen bin, weil ich einem bestimmten Kampf den Sieg davongetragen habe; daher kommt mir jetzt das himmlische Heer zu Hilfe, da es nicht ertragen kann, mich unterliegen zu sehen, nachdem ich siegreich war in dem ehrenvollen Krieg, den ich jetzt zu schildern versuche (S. 234)

Es gibt in der Kommunität eine Schwester, die das Talent hat, mir in jeder Hinsicht zu missfallen, ihre Manieren, ihre Worte, ihr Charakter schienen mir sehr unangenehm. Sie ist jedoch eine heilige Klosterfrau, die dem Lieben Gott sicher sehr angenehm ist; so wollte ich der natürlichen Antipathie, die ich empfand, nicht nachgeben, ich sage mir, die Liebe dürfe nicht in Gefühlen bestehen, sondern müsse sich in Werken äußern; nun bemühte ich mich, für diese Schwester zu tun, was ich für den mir liebsten Menschen getan hätte. Jedesmal, wenn ich ihr begegnete, betete ich für sie zum Lieben Gott und bot ihm alle ihre Tugenden und Verdienste an. Ich fühlte, dies machte Jesus Freude, denn es gibt keinen Künstler, der nicht gern Lob für seine Werke empfängt, und Jesus, der Künstler der Seelen, ist glücklich, wenn man sich nicht beim Äußeren aufhält, sondern bis zum innersten Heiligtum vordringt, das er sich zum Wohnsitz auserkoren hat, und dessen Schönheit bewundert. Ich gab mich nicht damit zufrieden, viel für die Schwester zu beten, die mir so viele Kämpfe verursachte, ich suchte ihr alle möglichen Dienste zu leisten, und wenn ich in Versuchung kam, ihr auf unangenehme Weise zu antworten, begnügte ich mich damit, ihr mein liebenswürdigstes Lächeln zu zeigen und versuchte, das Gespräch auf etwas anderes zu lenken, denn es heißt in der Nachfolge Christi: Es ist besser, jeden bei seiner Meinung zu lassen, als sich mit Widersprechen aufzuhalten [...]
Eines Tages in der Rekreation sagte sie mit sehr zufriedener Miene ungefähr folgende Worte zu mir: „Schw. Th. Vom Kinde Jesus, würden Sie mir sagen, was Sie so sehr zu mir hinzieht, jedes Mal, wenn Sie mich anblicken, sehe ich sie lächeln?“ Ach! Was mich anzog, war Jesus, verborgen auf dem Grund ihrer Seele.... (S. 235 f.)

Mehr zu Therese von Lisieux:
http://www.heiligenlexikon.de/Literatur ... kblatt.htm
"Der Vergleich ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit"

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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon Jeanne » Fr 24. Jun 2011, 22:03

Ignatius von Loyola (1491-1556)


Betrachtung, um Liebe zu erlangen

Zuerst ist es angebracht, zwei Dinge zu beachten:

Das erste ist: Die Liebe muss mehr in die Werke als in die Worte gelegt werden.

Das zweite: Die Liebe besteht in Mitteilung von beiden Seiten: nämlich darin, daß der Liebende dem Geliebten gibt und mitteilt, was er hat, oder von dem, was er hat oder kann; und genauso umgekehrt der Geliebte dem Liebenden. Wenn also der eine Wissen hat, es dem geben, der es nicht hat; wenn Ehren; wenn Reichtümer; und genauso gegenseitig. Gewohntes Gebet.

Die empfangenen Wohltaten von Schöpfung, Erlösung und besonderen Gaben ins Gedächtnis bringen, indem ich mit vielem Verlangen wäge, wieviel Gott unser Herr für mich getan hat und wieviel er mir von dem gegeben hat, was er hat, und wie weiterhin derselbe Herr sich mir nach seiner göttlichen Anordnung zu geben wünscht, sosehr er kann.

Und hierauf mich auf mich selbst zurückbesinnen, indem ich mit viel Recht und Gerechtigkeit erwäge, was ich von meiner Seite seiner göttlichen Majestät anbieten und geben muss, nämlich alle meine Dinge und mich selbst mit ihnen, wie einer, der mit vielem Verlangen anbietet:

»Nehmt, Herr, und empfangt meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen, all mein Haben und mein Besitzen. Ihr habt es mir gegeben; Euch, Herr, gebe ich es zurück. Alles ist Euer, verfügt nach Eurem ganzen Willen. Gebt mir Eure Liebe und Gnade, denn diese genügt mir.«

Schauen, wie Gott in den Geschöpfen wohnt:

in den Elementen, indem er Sein gibt;
in den Pflanzen, indem er belebt;
in den Tieren, indem er wahrnehmen macht;
in den Menschen, indem er Verstehen gibt;
und so in mir,

indem er mir Sein gibt;
indem er beseelt;
indem er wahrnehmen macht
und indem er mich verstehen macht;
ebenso indem er einen Tempel aus mir macht, da ich nach dem Gleichnis und Bild seiner göttlichen Majestät geschaffen bin.

Erwägen, wie Gott sich in allen geschaffenen Dingen auf dem Angesicht der Erde für mich müht und arbeitet, das heißt sich in der Weise eines Arbeitenden verhält, wie in den Himmeln, Elementen, Pflanzen, Früchten, Herden usw., indem er Sein gibt, erhält, belebt und wahrnehmen macht usw. Danach mich auf mich selbst zurückbesinnen.

Schauen, wie alle Güter und Gaben von oben herabsteigen, etwa meine bemessene Macht von der höchsten und unendlichen von oben, und genauso Gerechtigkeit, Güte, Freundlichkeit, Barmherzigkeit usw.; so wie von der Sonne die Strahlen herabsteigen, vom Quell die Wasser usw. Danach enden, indem ich mich auf mich selbst zurückbesinne. Enden mit einem Gespräch und einem Vaterunser.

Aus dem Exerzitienbuch (eine neuere Übersetzung)
"Der Vergleich ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit"

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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon onThePath » So 26. Jun 2011, 01:25

Das erste ist: Die Liebe muss mehr in die Werke als in die Worte gelegt werden


Ein vorzüglicher Ansatzpunkt... :praisegod:

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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon Schoham » So 26. Jun 2011, 18:46

»Nehmt, Herr, und empfangt meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen, all mein Haben und mein Besitzen. Ihr habt es mir gegeben; Euch, Herr, gebe ich es zurück. Alles ist Euer, verfügt nach Eurem ganzen Willen. Gebt mir Eure Liebe und Gnade, denn diese genügt mir.«


Wunderbar :praise:
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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon jes_25913 » Fr 29. Jul 2011, 11:52

Jeanne hat geschrieben:Ignatius von Loyola (1491-1556)


Betrachtung, um Liebe zu erlangen


Schauen, wie Gott in den Geschöpfen wohnt:

in den Elementen, indem er Sein gibt;
in den Pflanzen, indem er belebt;
in den Tieren, indem er wahrnehmen macht;
in den Menschen, indem er Verstehen gibt;
und so in mir,

indem er mir Sein gibt;
indem er beseelt;
indem er wahrnehmen macht
und indem er mich verstehen macht;
ebenso indem er einen Tempel aus mir macht, da ich nach dem Gleichnis und Bild seiner göttlichen Majestät geschaffen bin.

Aus dem Exerzitienbuch (eine neuere Übersetzung)


Das stimmt sehr schön mit dem hier zusammen, wo das noch klarer wird.
Einiges ist "schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Leichtfertigen verdrehen, wie auch die andern Schriften, zu ihrer eigenen Verdammnis." (2Petr 3,16)
"Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er"(Röm 12,7)
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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon adaja » So 8. Jul 2012, 19:50

:o Schade, dass es hier nicht weiter ging...
Am Abend unseres Lebens wird es die Liebe sein, nach der wir beurteilt werden, die Liebe, die wir allmählich in uns haben wachsen und sich entfalten lassen. In Barmherzigkeit für jeden Menschen.Frere Roger
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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon Gnu » So 8. Jul 2012, 20:39

adaja hat geschrieben::o Schade, dass es hier nicht weiter ging...

Was nicht ist, kann noch werden.
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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon Alea » Sa 21. Mär 2015, 03:46

Franz von Sales

Wenn dein Herz wandert oder leidet, bringe es behutsam an seine Platz zurück und versetzte es in die Gegenwart Gottes.

Und selbst wenn du nichts getan hast in deinem Leben, außer dein Herz zurückzubringen und wieder in die Gegenwart Gottes zu versetzen - obwohl es jedesmal wieder fort lief, wenn du es zurück geholt hattest- dann hat sich dein Leben wohl erfüllt.


Als ich diese Zeilen las, war ich hin und weg, als hätte er es extra für mich so gesagt. Denn mein Herz, das mal wieder sonst wo hin gelaufen ist, zurückzubringen, ist bei mir immer wieder Thema :( . Dieser Text hat mich da sehr getröstet.

Lg
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Re: Aus dem Gedankengut katholischer Heiliger

Beitragvon Alea » Di 24. Mär 2015, 03:21

Ein Gebet von Edith Stein -einer zum Katholizismus konvertierten Jüdin u ordensfrau, wurde in Auschwitz ermordet

Wer bist du Licht, das mich erfüllt und meines Herzens Dunkelheit erleuchtet?
Du leitest mich gleich einer Mutter Hand, und ließen du mich los, so Wüste ich keinen Schritt mehr zu gehen.
Du bist der Raum, der rund mein Sein umschließt und in sich birgt.
Aus dir entlassen sänk' es in den Abgrund des Nichts,
aus dem du es zum Sein erhobst.
Du, näher mir als ich mir selbst
und innerlicher als mein Innerstes-
und doch ungreifbar und unfassbar
und jeden Namen sprengend:
Heiliger Geist - ewige Liebe




Nicht so ganz katholisch, aber in meinen Augen sehr wahr :
Bruder Roger -Gründer der ökumenischen Gemeinschaft Taize

Rede nur von deinem Glauben, wenn du gefragt wirst. ABER lebe so , DAS du gefragt wirst!
Alea
Hat sich eingelebt
 
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Registriert: Do 27. Dez 2012, 22:51


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