Mystiker

Diskussion und Fragen zur römisch-katholischen Kirche

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Re: Mystiker

Beitragvon onThePath » Sa 11. Okt 2008, 12:35

Ich lese das Buch gerade, und finde es sehr lehrreich für mich.

Mit dem immerwährenden Herzensgebet komme ich nicht ganz klar, da ständige Wiederholungen auch z.B. auch bei Yoga Anwendung finden. Anderes ist sehr aufschlußreich, etwa:

Die völlige Demut

Wie der Mönch sich nach der Nähe Gottes sehnt, wie ein Liebender, der getrennt ist von seiner Geliebten.

lg, oTp
Veränderung ist das einzig Bleibende.

Gott ist so fremd wie Dein unbekannter Vater, klar daß er trotzdem existiert. Weißt Du, was Du versäumst, wenn Du Ihn nie kennenlernst ? Ein herrliches Erbe : Leben an der Quelle der Liebe.
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Re: Mystiker

Beitragvon Johncom » Mo 13. Okt 2008, 12:25

Ständige Wiederholungen finden im Mantra Japa des Yoga Anwendung, in den Anrufungen der Sufis, im Jesusgebet der orthodoxen Kirche wie auch in der Rosenkranz-Praxis vieler katholischer Gläubigen.

Auch in Teilen des Buddhismus finden Mantras als 'heilige Sätze oder Silben' Anwendung, sie sind bezeichnet als 'Paritta', d.h. Schutz oder auch Zuflucht. Der betende Geist soll vor Störung geschützt werden. ........ also die Technik des Wiederhol-Gebetes ist eine Hilfe, in die ungestörte 'völlige Demut' zu gehen.
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Re: Mystiker

Beitragvon chrystal » Mo 13. Okt 2008, 12:53

onThePath hat geschrieben:Ich lese das Buch gerade, und finde es sehr lehrreich für mich.

Mit dem immerwährenden Herzensgebet komme ich nicht ganz klar, da ständige Wiederholungen auch z.B. auch bei Yoga Anwendung finden. Anderes ist sehr aufschlußreich, etwa:

Die völlige Demut

Wie der Mönch sich nach der Nähe Gottes sehnt, wie ein Liebender, der getrennt ist von seiner Geliebten.

lg, oTp


Das immerwährende Herzengebet oder auch Jesusgebet ist weltweit bekannt geworden durch das Buch „Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers“, das von einem unbekannten Verfasser ist. Es berichtet von einem Pilger in Russland Mitte des 19. Jahrhunderts, der das Bibelwort „Betet ohne Unterlass!“ (1. Thessalonicherbrief Kapitel 5, Vers 17) zu verwirklichen sucht.

Über den Atem lässt sich bei jedem Ausatmen "Jesus" seufzen bzw. ausatmen. Doch man sollte das behutsam beginnen und sich auch von jemandem, der sich da auskennt, begleiten lassen.

Es gehört zur Mystik der Ostkirche, dem Hesychasmus.

Gruß
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Re: Mystiker

Beitragvon onThePath » Mo 13. Okt 2008, 13:09

Das Buch kenne ich.

Auch die Wiederholungen in der indischen Meditation und bei den Sufis.

Bei den Mantras der Hindus handelt es sich aber auch um Anrufung von Geistwesen, und auch die Anrufung des verstorbenen Gurus ist Teil der Meditation.

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Re: Mystiker

Beitragvon Johncom » Mo 13. Okt 2008, 14:14

onThePath hat geschrieben:Das Buch kenne ich.

Auch die Wiederholungen in der indischen Meditation und bei den Sufis.

Bei den Mantras der Hindus handelt es sich aber auch um Anrufung von Geistwesen, und auch die Anrufung des verstorbenen Gurus ist Teil der Meditation.




Beispiel buddhistischer Mantren:
'Namo amitabha buddhaya' = Zuflucht zum Amitabha ( Buddha des Grenzenlosen Lichts )
'Om mani padme hum'

Hinduistisch: 'SO-HAM' ( Ich bin, der ich bin. )
'Om namah Shivaya' ( Om, Ehre sei dem Shiva )

Ja, einige Mantren richten sich an eine bestimmte Gottheit bzw an einen 'bestimmten Aspekt Gottes'. So formuliert bei Wiki. Vielleicht meinst Du das ja mit 'Geistwesen'.

Katholiken, die den Rosenkranz praktizieren, richten sich an ' Maria, voll der Gnade ..'.

Wer ist Gott, wer oder was ist ein bestimmter Aspekt Gottes, das ist wohl auch eine ganz einfache Vertrauensangelegenheit der Praktizierenden. Und Vertrauen ist sowieso wichtig. Ohne Vertrauen können wir uns nicht bewegen lassen. Dann sitzen wir nur zuhause rum und studieren die vielen Landkarten.

Gruß
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Re: Mystiker

Beitragvon onThePath » Mo 13. Okt 2008, 16:08

Johncom hat geschrieben:[Und Vertrauen ist sowieso wichtig. Ohne Vertrauen können wir uns nicht bewegen lassen. Dann sitzen wir nur zuhause rum und studieren die vielen Landkarten.

Gruß


Ohne Glaube und Vertrauen ist kein Glaubenswachstum möglich. Der Glaubemswachstum führt uns weg vom Verstandesdenken denn in ihm können wir Gott niemals näherkommen. Er führt uns an innere Orte, wo wir Gottes Dasein spüren können. Und für christliche Gottessucher ist es unerträglich, Gottes Liebe und Fülle zu erleben, Gottes Hineinsprechen in unser Herz, und dann wieder von Gott entfernt zu sein. Das erzeugt ein starkes Verlangen, Gott wieder nahe zu kommen. Seine Liebe und Weisungen wieder zu erleben. Es ist die höchste Freude des Suchenden.

Aber das laute Verstandesdenken und unsere Lüste hindert uns oft, durchzubrechen.

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Re: Mystiker

Beitragvon Johncom » Do 16. Okt 2008, 06:54

onThePath hat geschrieben:Aber das laute Verstandesdenken und unsere Lüste hindert uns oft, durchzubrechen.


Der kleine Plappergeist in uns und unsere Leidenschaften sind das Hindernis, das stimmt.

Wie überwindet man diese Hindernisse ? Sicher durch höhere Einsicht, daraus reift ein Entschluss heran. Zum Beispiel, regelmässig eine Zeitspanne für Meditation übrig zu lassen. Diese wird dann zu Gewohnheit so wie die Gewohnheit zu essen, zu schlafen usw. :baby:
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Re: Mystiker

Beitragvon pirate23 » Do 16. Okt 2008, 16:20

Johncom hat geschrieben:Der kleine Plappergeist in uns und unsere Leidenschaften sind das Hindernis, das stimmt

Leidenschaften sind ein Hindernis? Wofür denn?

Wie überwindet man diese Hindernisse ?

Vielleicht indem man aufhört, sie "Hindernis" zu nennen, und sie stattdessen für eine normale Sache hält.
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Re: Mystiker

Beitragvon jes_25913 » Do 16. Okt 2008, 16:32

Mystiker sind mir sehr sympathisch. Weil ihnen nichts anderes als Gott wichtig ist.
Als ich mit Meister Eckehardt in Berührung kam, hatte ich das erste Mal das Erlebnis einem lebendigen Christen zu begegnen. Seine Predigten atmen Lebendigkeit. Wenn ich dagegen an die Kalenderzettelchen denke, die immer bei uns gelesen wurden… ( Dann wurde mir noch wichtig Gerhard Teerstegens “Lebensbeschreibungen heiliger Seelen”. Das bekam ich antiquarisch. Vielleicht sind sie aber noch heute erhältlich?)
Jesus bezeichnet ja den mystischen Weg gegenüber dem gesetzlichen Weg der Pharisäer als den richtigen. Deshalb sagte er: “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.” (Das wird ja oft missverstanden. Jeder, der von der Einheit mit Gott ausgeht und mit ihm geeint sein will, hat ja Christus in sich, ob er ihn nun mit Namen kennt oder nicht.)
Die ganze urchristliche Theologie war ja auch noch weitgehend von der Mystik geprägt. Man denke an Clemens von Alexandrien oder Origines.
Das ist ja auch das sympathische und ergreifende an den indischen Gurus. Es sind lebende Mystiker, die deshalb auch den Weg weisen können. Mystiker aller Religionen verstehen sich. Während bei den nur “Gläubigen” ein Chaos an Vorstellungen und Lehren herrscht.
Einiges ist "schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Leichtfertigen verdrehen, wie auch die andern Schriften, zu ihrer eigenen Verdammnis." (2Petr 3,16)
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Re: Mystiker

Beitragvon onThePath » Do 16. Okt 2008, 16:35

pirate23 hat geschrieben:
Johncom hat geschrieben:Der kleine Plappergeist in uns und unsere Leidenschaften sind das Hindernis, das stimmt

Leidenschaften sind ein Hindernis? Wofür denn?

Wie überwindet man diese Hindernisse ?

Vielleicht indem man aufhört, sie "Hindernis" zu nennen, und sie stattdessen für eine normale Sache hält.


Ich weiß, dass es für Dich eine normale Sache ist Deine Leidenschaft hier im Forum auszuüben.
Auch hier habe ich den Eindruck, dass Du mit mehr Umsicht und Überlegung in die Tiefe vordringen könntest. Sonst sieht es für mich so aus, als wollest Du tiefe Gedanken und Erkenntnisse mit der entsprechenden Dir eigenen Vorgehensweise übertönen.

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Re: Mystiker

Beitragvon pirate23 » Do 16. Okt 2008, 16:39

onThePath hat geschrieben:Auch hier habe ich den Eindruck, dass Du mit mehr Umsicht und Überlegung in die Tiefe vordringen könntest

Wenn für Christen schon die einfachsten, naivsten und oberflächlichsten Fragen ein Problem darstellen, wozu sollte ich dann noch in die Tiefe vordringen... Ihr haltet meine Fragen ja prinzipiell gleich für einen Witz, aber ich persönlich halte diese Vorgehensweise eher für eine Schutzfunktion eures Denkens :)
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Re: Mystiker

Beitragvon chrystal » Do 16. Okt 2008, 19:42

jes_25913 hat geschrieben:Mystiker sind mir sehr sympathisch. Weil ihnen nichts anderes als Gott wichtig ist.
Als ich mit Meister Eckehardt in Berührung kam, hatte ich das erste Mal das Erlebnis einem lebendigen Christen zu begegnen. Seine Predigten atmen Lebendigkeit. Wenn ich dagegen an die Kalenderzettelchen denke, die immer bei uns gelesen wurden… ( Dann wurde mir noch wichtig Gerhard Teerstegens “Lebensbeschreibungen heiliger Seelen”. Das bekam ich antiquarisch. Vielleicht sind sie aber noch heute erhältlich?)
Jesus bezeichnet ja den mystischen Weg gegenüber dem gesetzlichen Weg der Pharisäer als den richtigen. Deshalb sagte er: “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.” (Das wird ja oft missverstanden. Jeder, der von der Einheit mit Gott ausgeht und mit ihm geeint sein will, hat ja Christus in sich, ob er ihn nun mit Namen kennt oder nicht.)
Die ganze urchristliche Theologie war ja auch noch weitgehend von der Mystik geprägt. Man denke an Clemens von Alexandrien oder Origines.
Das ist ja auch das sympathische und ergreifende an den indischen Gurus. Es sind lebende Mystiker, die deshalb auch den Weg weisen können. Mystiker aller Religionen verstehen sich. Während bei den nur “Gläubigen” ein Chaos an Vorstellungen und Lehren herrscht.


Hier ist eine Beschreibung von Teerstegens "Lebensbeschreibungen"
Man kann diese übrigends über google runterladen.

Gruß
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Re: Mystiker

Beitragvon Johncom » Fr 17. Okt 2008, 07:33

jes_25913 hat geschrieben:Mystiker sind mir sehr sympathisch. Weil ihnen nichts anderes als Gott wichtig ist.
Als ich mit Meister Eckehardt in Berührung kam, hatte ich das erste Mal das Erlebnis einem lebendigen Christen zu begegnen. Seine Predigten atmen Lebendigkeit. Wenn ich dagegen an die Kalenderzettelchen denke, die immer bei uns gelesen wurden… ( Dann wurde mir noch wichtig Gerhard Teerstegens “Lebensbeschreibungen heiliger Seelen”. Das bekam ich antiquarisch. Vielleicht sind sie aber noch heute erhältlich?)
Jesus bezeichnet ja den mystischen Weg gegenüber dem gesetzlichen Weg der Pharisäer als den richtigen. Deshalb sagte er: “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.” (Das wird ja oft missverstanden. Jeder, der von der Einheit mit Gott ausgeht und mit ihm geeint sein will, hat ja Christus in sich, ob er ihn nun mit Namen kennt oder nicht.)
Die ganze urchristliche Theologie war ja auch noch weitgehend von der Mystik geprägt. Man denke an Clemens von Alexandrien oder Origines.
Das ist ja auch das sympathische und ergreifende an den indischen Gurus. Es sind lebende Mystiker, die deshalb auch den Weg weisen können. Mystiker aller Religionen verstehen sich. Während bei den nur “Gläubigen” ein Chaos an Vorstellungen und Lehren herrscht.


Hallo Jes_25913,
es freut mich, das zu lesen. Das stoss ich gerne an. :clap:

jes_25913 hat geschrieben:Mystiker aller Religionen verstehen sich. Während bei den nur “Gläubigen” ein Chaos an Vorstellungen und Lehren herrscht.


Ja wirklich. :)) Es gab und es gibt weiterhin internationale Konferenzen, Treffen christlicher, buddhistischer und sogar muslimischer Mystiker zum gemeinsamen Gebet, zu Gedankenaustausch was die Zukunft dieser Erde angeht. Sie beraten sich mit Wissenschaftlern. Es sind keine vorgespielten Shows, das Verständnis untereinander und der 'good will' ist echt.

Die meisten Mystiker bleiben wohl immer ihrer spirituellen Tradition treu, was die eigenene Ausübung betrifft. Dennoch lassen sie sich nicht einbeziehen in Kampagnen, sie sind keine Partei-Soldaten. Sie wettern nicht gegen die Konkurrenz weil es für sie keine Konkurrenz gibt.

Während es bei den 'Gläubigen', zumindest unter den extremen Gläubigen, fast immer anders herum läuft. Sie suchen Führer die lautstark polarisieren, sie wollen mobilgemacht werden, sie brauchen bedrohende Feinbilder.

Was zieht die einen zur Mystik, die anderen in die 'Partei-Religionen' ? Ist es der persönliche Charakter oder sind es Unterschiede, was die geistige Reife betrifft ?
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Re: Mystiker

Beitragvon jes_25913 » Fr 17. Okt 2008, 09:24

Lieber Johncom.
die Freude ist ganz meinerseits. :clap:

Ich denke schon, dass es etwas mit Reife zu tun hat. Viele wollen zwar Gott und ewiges Leben, aber auch noch so vieles andere. Sie haben eben noch nicht den Trug dieser Welt durchschaut.

LG
jes
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Re: Mystiker

Beitragvon chrystal » Fr 17. Okt 2008, 09:59

jes_25913 hat geschrieben:Ich denke schon, dass es etwas mit Reife zu tun hat. Viele wollen zwar Gott und ewiges Leben, aber auch noch so vieles andere. Sie haben eben noch nicht den Trug dieser Welt durchschaut.


Von wem sprichst du?

Solange du dich nicht selbst, in dem "sie haben eben noch nicht den Trug dieser Welt durchschaut" sehen kannst, also im Einssein auch "diese" mit einschließt, all das, was in dir trügerisch und verblendet ist, solange hast du keine "Reife".

Gruß
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Re: Mystiker

Beitragvon Johncom » Sa 18. Okt 2008, 07:37

chrystal hat geschrieben:
jes_25913 hat geschrieben:Ich denke schon, dass es etwas mit Reife zu tun hat. Viele wollen zwar Gott und ewiges Leben, aber auch noch so vieles andere. Sie haben eben noch nicht den Trug dieser Welt durchschaut.


Von wem sprichst du?

Solange du dich nicht selbst, in dem "sie haben eben noch nicht den Trug dieser Welt durchschaut" sehen kannst, also im Einssein auch "diese" mit einschließt, all das, was in dir trügerisch und verblendet ist, solange hast du keine "Reife".


Muss sagen, so ganz erkenne ich in Jes' Kommentar nicht, daß er oder sie sich über allem stehend oder besonders erhaben darstellt. In dem 'sie' sind wir alle enthalten. 'Wir' sind verblendet. Aber wir alle sind auch auf dem Weg.

Bestimmt sind nicht alle gleich, jedenfalls solange sie sich in einer persönlichen Entwicklung befinden. Für viele gibt es eine Erfahrung zu machen, die man Glaubensfanatismus nennen kann. Was ist Reife ? Also jedenfalls das Ergebnis eines 'vollendeten Werdegangs' ( geschwollen ausgedrückt ).

Nicht jedes Leben endet in Reife .. man trifft alte Leute die ihre Zanksucht noch nicht abgelegt haben. - Meine Großmutter hab ich als eine reife Persönlichkeit in Erinnerung. Jeden Morgen nahm sie ein Blatt von ihrem christlichen Kalender, eine Losung. Sie schaute immer wieder drauf und lies den Text wirken. Aber das eigentliche war, sie beteiligte sich nie an Konflikt-Gesprächen in der Familie, sie sprach nie schlecht über andere, nie.

Zeichen von Unreife: Sich selbst für besser halten, und für 'besonders'. Mystische Reife: Wissen, daß alles was da draussen ist, auch Teil von mir hier drinnen ist. Eine Mutter Teresa oder ein Hitler ... das sind Potentiale, die sich auch durch 'mich' ausgelebt hätten, wäre es Gottes Wille gewesen. Oder ?
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Re: Mystiker

Beitragvon chrystal » So 19. Okt 2008, 13:42

Johncom hat geschrieben:Muss sagen, so ganz erkenne ich in Jes' Kommentar nicht, daß er oder sie sich über allem stehend oder besonders erhaben darstellt. In dem 'sie' sind wir alle enthalten. 'Wir' sind verblendet. Aber wir alle sind auch auf dem Weg.

Am besten jes sagt selbst, ob ich das richtig verstanden habe.
Es bedarf schon einer Erkenntnis diese Verblendung bei sich wahr zunehmen - wahrnehmen zu wollen.
Und dann bedarf es auch einer Entscheidung sich davon befreien zu lassen. Insofern sind wir nicht alle auf dem Weg - aber alle werden gerufen.
Bestimmt sind nicht alle gleich, jedenfalls solange sie sich in einer persönlichen Entwicklung befinden. Für viele gibt es eine Erfahrung zu machen, die man Glaubensfanatismus nennen kann. Was ist Reife ? Also jedenfalls das Ergebnis eines 'vollendeten Werdegangs' ( geschwollen ausgedrückt ).

Erst am Ende des Lebens vollendet sich das Leben - durch den Tod. Damit endet auch die "persönliche" Entwicklung. Um andere in ihrer Suche nach Halt und Fundament wenigstens verstehen zu können, ist es schon wichtig, in sich selbst dieses Verlangen zu erkennen und dann eben auch zu sehen, dass es in keiner menschlichen Gemeinschaft Halt gibt. Nur in Christus ist dieser Halt und das ist vergleichbar mit dem "Hängen am Kreuz" - also ein Hängen in der Luft - ein getragen werden vom Geist.
Viele heben dann auch ab und das ist ohne Frage das Problem jeden "Mystikers".

Zeichen von Unreife: Sich selbst für besser halten, und für 'besonders'. Mystische Reife: Wissen, daß alles was da draussen ist, auch Teil von mir hier drinnen ist.

Die Unzufriedenheit, die sich im zänkischen Verhalten zeigen kann, aber auch in der "acedia", der Verweigerung sich dem Leben zuzuwenden, das sind Prozesse und auch innere Auseinandersetzung.
Erst im Durchgang entsteht dann so etwas wie "Reife" - aber dann steht schon das nächste Tor an - und es wird wieder ein Durchgehen verlangt.
Das Wissen hat auch die Seite - alles was Innen ist äußert sich - automatisch. Daher kann ein Erfahrener am anderen in der Begegnung auch den Zustand intuitiv erfassen.

Eine Mutter Teresa oder ein Hitler ... das sind Potentiale, die sich auch durch 'mich' ausgelebt hätten, wäre es Gottes Wille gewesen. Oder ?

Nein - gewiss nicht. Gottes Wille ist das Zulassen des menschlichen Willen. Darin liegt die ganze Tragik unserer Freiheit, wenn wir sie eben ausleben.
Wirkliche Liebe besteht darin, dass der Liebende in Geduld aushält, bis der Geliebte in sich und von sich frei ist, zu ihm umzukehren und diese Liebe anzunehmen.
Gott hat alle Zeit der Welt, alle Geduld und er hat die Sicherheit, dass jeder Mensch vor Gott kommen wird. Spätestens dann, kann der Mensch die Liebe Gottes annehmen. Und da möchte ich nicht Hitler heißen. Nicht wegen seiner Taten - sondern wegen seiner Verblendung. Dieser Schmerz, wenn der Schleier von den Augen weggenommen wird und man nun alles im Lichte der Erkenntnis Gottes sehen kann - das ist Hölle.

Gruß
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