Russisch Orthodox Was ist das eigentlich?

Diskussion und Fragen zur römisch-katholischen Kirche

Moderator: bigbird

Russisch Orthodox Was ist das eigentlich?

Beitragvon caelo » Di 14. Feb 2006, 15:36

Für alle Ineressierten habe ich hier einen Beitrag gefunden, der vielleicht einige Fragen beantwortet.
Ich will gleich dazu sagen, dass es keine Bewertung von Gläubigen darstellt, sondern eher theologisch zu sehen ist.

"Ist das hier griechisch-orthodox oder russisch-orthodox?" werden wir öfters von Touristen gefragt. Im Grunde genommen könnte man antworten: "Sagen Sie einfach katholisch", glauben wir doch an die "eine, heilige, katholische und apostolische Kirche".

Der römisch-katholische Alleinvertretungsanspruch, die nach dem ersten Jahrtausend von Rom gestellte Forderung nach Unterwerfung der anderen apostolischen Sitze unter eine römische Zentralgewalt, führte im Jahre 1054 zur Kirchenspaltung, der Papst ließ in Konstantinopel die Bannbulle überreichen, da sich der Osten nicht beugen wollte. Die Selbständigkeit der alten Glieder der Gesamtkirche: Rom - Konstantinopel - Alexandrien - Antiochien - Jerusalem (Pentarchie), war ein gehütetes Prinzip in der Kirche des ersten Jahrtausends. In jedem Gottesdienst heißt es in den Großen Fürbitten: "Um den Wohlbestand der heiligen Kirchen Gottes und um die Einheit aller, lasset uns beten zum Herrn." Als das formuliert wurde, dachte man natürlich noch nicht an verschiedene Konfessionen, sondern gemeint sind die Glieder der alten ungeteilten Kirche. Die "ökumenischen Konzilien" versammelten die Gesamtkirche unter Führung des Heiligen Geistes. Ökumene ("in-einem-Haus-wohnen";) hat, wie das Wort sagt, ursprünglich nichts mit Abspaltungen zu tun, sondern bezeichnet die Versammlung der Gesamtkirche, der Westkirche und der östlichen Kirchen.

Da es im Westen nur einen apostolischen Sitz gibt, nämlich Rom, konnte sich dort ein zentralistisches Prinzip eher durchsetzen als im Osten, wo es mehrere apostolische Sitze gibt. Der einheitliche Gebrauch der lateinischen Kirchensprache trug dazu bei. Die ersten Verstimmungen kamen schon zwei Jahrhunderte vor dem Schisma (Kirchenspaltung) auf, als die Slavenapostel Kyrill und Method die slavische Sprache alphabetisierten und im Gottesdienst einführten, was von Rom heftig bekämpft wurde. Heute sieht man das anders, die lateinische Sprache hat in der römischen Kirche ihre Bedeutung verloren, was kulturell natürlich andererseits auch bedauerliche Verluste gebracht hat (z.B. gregorianischer Choral).

Der Bannfluch vom Jahre 1054 über die Ostkirche wurde 1964 von Papst Paul VI. feierlich zurückgenommen. Das damals wiedererkannte Prinzip der alten Konziliarität der Gesamtkirche wurde wieder herausgearbeitet und es kam zu einer starken ökumenischen Bewegung im Sinne der Wiedererweckung der synodalen Universalität der Kirche. Inzwischen ist das wieder anders geworden und seit dem Zusammenbruch des Kommunismus stellen auch Machtfragen, z. B. durch westlich orientierte Evangelisation in den klassischen Ländern der Orthodoxie, eine Behinderung in der Wiedervereinigungsfrage dar. Außerdem entfernt sich die westliche Kirche durch Annäherung an den Protestantismus von der gemeinsamen Wurzel, ebenso wie durch Liberalimus und Modernismus.

Die östliche Kirche stellt sich den seelsorglichen Aufgaben der modernen Zeit, aber sie lebt aus der Tradition und blickt auf eine ungebrochene Kontinuität zurück. Dabei unterscheiden sich die griechische Kirche und die slavischen Kirchen nur durch die Sprache. In der aus der russischen Kirche hervorgegangenen japanisch-orthodoxen Kirche kann ein russisch-orthodoxer Priester ohne weiteres mitzelebrieren, auch wenn er nicht die japanische Sprache beherrscht, das Ritual (z.B. Chrysostomus-Liturgie) ist exakt das gleiche, die Texte und Melodien sind kongruent, also weiß man genau, was der Zelebrant gerade sagt. Das ist nur ein prinzipielles Beispiel.

Ursprünglich wurde der Begriff "orthodox" auch in der römischen Kirche gebraucht, wie auch die Orthodoxe Kirche sich immer als katholisch, aber eben nicht römisch-katholisch empfunden hat (Abwehr der Latinisierung). Ortho-dox kommt von doxa= Ehre, Preis / ortho= recht, also geht es um "das rechte Preisen", die Gesamtkirche konnte sich darauf berufen. Heute wird der Begriff vom Journalismus im Sinne von fundamentalistischer Einstellung gebraucht. Fundamentalismus ist aber nicht die Sache der christlichen Orthodoxie. Obwohl sie im Prinzip konservativ ist, war sie immer erstaunlich offen und viel weniger dogmatisch als ihre römische Schwesterkirche, man scheute sich, Dinge, die sich unserem rationellen Zugriff entziehen, scholastisch auszuformulieren; Dogmen haben weniger mit der Autorität der kirchlichen Obrigkeit zu tun als mit dem lebendigen Glauben der Kirche, die an dem treu festhält, was immer geglaubt und gefeiert wurde...."

..." Unsere Kirche ist Mitglied in der ACK (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen), denn sie weiß, dass es wegen unserer Sünden de facto doch unterschiedliche christliche Kirchen gibt, die sich bemühen, den Auftrag Jesu Christi zu erfüllen und Frieden und Gerechtigkeit auf der Welt im Geiste des Evangeliums zu verteidigen.

Die russische Kirche feierte 1988 ihr Millenium (Tausendjahrjubiläum). Sie entwickelte sich aus ihren griechischen Ursprüngen zur größten der selbständigen Gliedkirchen der Gesamtorthodoxie (ca. 70 Millionen Mitglieder). Nach dem Ende der bolschewistischen Herrschaft erlebt sie in Rußland eine starke Wiederbelebung. Unsere Gemeinde ist jurisdiktionell der russischen Kirche unterstellt, ist aber von Anfang an eine polynationale Gemeinde, neben der slavischen Sprache wird auch Griechisch und verstärkt auch Deutsch verwendet.

Der Freundeskreis unserer Kirchengemeinde umfasst auch eine stattliche Anzahl von katholischen Priestern und Ordensleuten, sowie etliche evangelische Pfarrer. Diese sind mit der Identität ihrer Kirche realistisch verbunden, sehen aber sehr wohl in der Orthodoxie die ältesten Überlieferungen der ursprünglichen und ungeteilten Kirche Jesu Christi treu bewahrt."

Nun, zur Praxis könnte man noch sagen, dass es in Großstädten auch Deutschsprachige Russisch Orthodoxe Kirchen gibt, wo in Deutsch zelebriert wird. So kann man auch als nicht russisch sprachiger Mensch den Inhalt verstehen und mitbeten.

herzlichst caelo
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Re: Russisch Orthodox Was ist das eigentlich?

Beitragvon parepidimos » Di 14. Feb 2006, 16:21

Danke fuer den Beitrag. Eine Quellenangabe waere aber eigentlich Pflicht: Hier

Es ist klar, dass die Darstellung aus russisch-orthodoxer Sicht geschrieben ist. Als "theologisch" wuerde ich sie aber nicht bezeichnen, sondern eher als historische Uebersicht, vermischt mit persoenlichem Kommentar.

Was mir auffaellt, ist dass die RKK offenbar als alte Verbuendete gesehen wird, Protestantismus (und insbesondere deren Ost-Mission) dagegen als "Hindernis". Wer in der universellen Gemeinde "innen" und "aussen" steht ist laut diesem Artikel eine reine Frage institutioneller Zugehoerigkeit. Oekumene ist denn auch nicht eine Dialogbemuehung zwischen Christen *aller* Konfessionen, sondern lediglich eine Annaeherung zwischen Orthodox und RKK.

Diese Dinge ueberraschen zwar angesichts der Perspektive nicht. Aber sie bezeugen einen Institutionalismus, welcher im Westen vor 500 Jahren von der Reformation aufgebrochen wurde und seither seine Daseinsberechtigung zu verteidigen hat. Diese Herausforderung steht der Ost-Kirche erst noch bevor.

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Re: Russisch Orthodox Was ist das eigentlich?

Beitragvon caelo » Di 14. Feb 2006, 16:34

Hallo und danke für Deine Antwort.

Na, ich tippe mal als Antwort einen Zeitungsbeitrag ab - "Orthodoxie Aktuell" 2 / 2006 ... (ich kürze etwas ab)

"Moskau - Die ROK hat den ehem. ev.-luth. Erzbischof in den Nachfolgestaaten der Udssr, Prof. Dr. Georg Kretschmar, mit dem Orden des Hl. Fürsten Daniil von Moskau auszezeichnet. Wie der Moskauer Patriarch Aleksij II. bei der Verleihung des Ordens am 15. November betonte, habe Erzbischof Kretschmar sich durch seinen Einsatz zur Stärkung der orthodox-evangelischen Beziehungen verdient gemacht. Die an deutschen Traditionen orientierte Evangelisch-Lutherische Kirche in Russland und den anderen Staaten (ELKRAS), wie ihre offizielle Bezeichnung lautet, ist die flächenmäßig größte lutherische Kirche der Welt und erstreckt sich über das gesamte Territorium der Rußländischen Förderation, der Ukraine, Kasachtans und Mittelasiens. Der frühere Münchener Theologieprofessor Kretschmar stand ihr in den Jahren des Wiederaufbaus vor, bis er im Frühjahr 2005 sein Amt aus Altersgründen an Bischof Edmund Ratz übergab.

herzlichst caelo
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Re: Russisch Orthodox Was ist das eigentlich?

Beitragvon BlackandGold » Sa 18. Feb 2006, 12:01

Eine Ökumene mit den Katholiken ist aus orthodexer Sicht deswegen wesentlich eher möglich als mit den Protestanten (NICHT Lutheranern!), weil die Katholiken die Wandlung (Brot und Wein wird zu Fleisch und Blut) anerkennen und im Gegensatz zu den Protestanten genauso wie wir (s. Signatur) eine Heiligenverehrung und keine "sola scriptura"-Auslegung machen. Trotzdem gibt es keine Kommunionsgemeinschaft zwischen Orthdoxie und Katholizismus (im Gegensatz zu den orthodoxen Kirchen) aufgrund der verbleibenden Probleme.
Die Russen sind aus Mentalitätsgründen anders als die Griechen. Als Nordländer haben sie an sich eine Geisteshaltung, die der des Protestantismus sehr ähnelt. Daher sollte man sehr vorsichtig sein, wenn man Pressemitteilungen über die Russisch-Orthodoxe Kirche auf alle orthodoxen Kirchen übertragen möchte.

Zum Schluss noch eine Ergänzung zum Thema Russische Orthodoxie, was oben nicht erwähnt wird:
Es gibt zwei grosse russisch-orthodoxe Kirchen. Die sogenannte Auslandskirche und die Patriarchatskirche. Erstere besteht aus Emigranten, die vor dem Kommunismus geflohen ist und besteht dementsprechend schon lange (nur)ausserhalb von Russland. Letztere ist seit der Grenzöffnung wieder stark gewachsen. Bei der Patriarchatskirche wird man aufgrund der Geschichte feststellen, daß sich während der letzten 80 Jahre die Theologie nicht gewandelt hat, was es zum Teil sehr schwierig macht. Da die Auslandskirche aber während der gesamten Zeit viel freier war, hat sie sich gewandelt und das Resultat ist ein ziemlicher Graben zwischen den beiden Kirchen.
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Glauben: Griechisch-Orthodox
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Und ja, man kann das alles vereinen!
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Re: Russisch Orthodox Was ist das eigentlich?

Beitragvon unwissend08 » Mi 1. Mär 2006, 12:06

Hallo alle zusammen!

Ich interessiere mich für die Orthodoxie, finde aber herzlich wenige Informationen über die Glaubenslehre im Allgemeinen :(

Ich habe gehört, dass die orthodoxen im Gegensatz zu den katholischen Christen nicht an die unbefleckte Empfängnis glauben?!Stimmt das? Bis jetzt habe ich noch nichts Passendes darüber gefunden. :?

Was sind die Hauptunterschiede zu dem röm.-kath. Glauben?

Ich hoffe, jemand kann mir helfen.

LG,
die Unwissende :))
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Re: Russisch Orthodox Was ist das eigentlich?

Beitragvon caelo » Mi 1. Mär 2006, 15:12

Hallo und schönen guten Tag,

das ist schwierig alles zusammenzufassen, zumal es sehr umfangreich ist. Da ich auch keine Theologie studiert habe, verweise ich lieber auf die Homepages der ROK. Unter
http://www.russische-kirche-c.de/c-adressen.htm
findest Du die meisten Kirchen der ROK. Einige haben auch eine eigene Homepage, wo man mit dem Priester schreiben kann oder Kontakte überhaupt aufbauen kann. Mit dem Priester zu reden (am Besten persönlich), ist immer das Beste, da braucht man auch keine Angst zu haben. Es gibt auch Deutschsprachige Gemeinden und auch Gemeinden, wo z.B. 3 Wochenenden Russisch und 1 WE Deutsch zelebriert wird.
Da versteht man denn als Deutscher auch worum es geht...

2 vielleicht nicht ganz so wichtige Unterschiede fallen mir ein, zum einen, der Priester darf verheiratet sein, wenn er sich vor der Priesterweihe dazu entschließt und In Deutschland muss ich keine Kirchensteuern bezahlen als orthodoxer Christ..
Es gibt so manche Unterschiede im Theologischen Bereich (das läßt man sich aber lieber vom Priester erklären) aber auch so manche Gemeinsamkeiten...
Na, vielleicht wirst Du ja fündig auf der angegebenen Seite.
Literaturempfehlung zum Thema:
"Orthodoxes Glaubensbuch - Eine Einführung in das Glaubens- und Gebetsleben der Russisch Orthodoxen Kirche" Verlag der christliche Osten Würzburg. Da steht vieles drin erklärt. Vieles kann auch auf die anderen Orthodoxen Kirchen bezogen werden, es gibt aber auch kleine Unterschiede.
Ich hoffe, Du konntest damit ein wenig anfangen.
herzlichst caelo
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Re: Russisch Orthodox Was ist das eigentlich?

Beitragvon unwissend08 » Do 2. Mär 2006, 08:48

Guten Morgen Caelo!

Vielen Dank für deine Mühe.
Ja, du hast mir tatsächlich geholfen, vielen Dank.
Ich komme aus Wien, aber es wird ja nicht so ein großes Problem darstellen, auch hier einen Priester zu finden :)

Danke auch für den Buchtipp. Werde ich mir demnächst zulegen. Es ist sehr schwer ein ordentliches Buch zu dem Thema Orthodoxie zu finden :roll:

Liebe Grüße,
die Unwissende
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Re: Russisch Orthodox Was ist das eigentlich?

Beitragvon caelo » Do 2. Mär 2006, 10:33

http://www.nikolsobor.org/deutsch/html/start_de.htmn Morgen,

das ist überhaupt kein Problem.
sieh mal unter
http://www.nikolsobor.org/deutsch/html/start_de.htm
ich habe selbst schon mit dem Priester dort geschrieben, da ich auch einige Fragen hatte. Dort gibt es auch Gottesgienste die in deutsch gehalten werden habe ich gelesen.
Wenn meine Frau in 2 Jahren ihre neue Ausbildung fertig hat, wollen wir unbedingt versuchen mal nach Wien zu kommen...
Die Fotos von dort versprechen viel...

herzlichst caelo

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Re: Russisch Orthodox Was ist das eigentlich?

Beitragvon unwissend08 » Do 2. Mär 2006, 10:57

Hallo Caelo!

Ui, du hast mir die Arbeit schon abgenommen :shock:
DANKESCHÖN!! :D :D

Es gibt echt herrliche Plätze in Wien!
Ich hoffe, ihr könnt euren Wunsch bald verwirklichen :)

LG und einen schönen Tag noch,
die Unwissende :tongue:
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