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Beitragvon Mandelchen » Mi 30. Okt 2002, 21:21

Ich hab mir ein Pseudonyck angeschafft, um fern von meiner wahren Identität ein paar Geschichtchen zu schreiben...
Wer bescheid weiß, möge schweigen. ;)


Das war in der Zeit lange nachdem durch den Übermut unserer Vorfahren die Dämme gebrochen wurden, und eine riesige Flutwelle die gesamte Erde unter sich begraben hatte. Damals wurde alles überschwemmt, und die Welt steht schon so lange unter tiefem Wasser, dass die meisten schon leugnen, dass es je anders war. Wir alle waren auf dem Wasser aufgewachsen, niemand kannte mehr das Gefühl von festem Land unter den Füßen. Und so lebten wir auf Booten, kleinen, großen, Boote, auf denen viele Menschen lebten, und andere, die nur einem einzigen gehörten. Manche schlossen sich zu ganzen Flotten zusammen, andere zogen allein über das Wasser.
Es gab ein Märchen, eine alte Geschichte von einem Land, das aus dem Wasser ragte. Dort sollte jemand leben, der alle Riffe kannte, und die Orte, wo Stürme lauern, alle Strudel, und alle Gewässer, die von gefährlichen Tieren bewohnt sind. Naja. Ein Märchen eben. Trotzdem gab es da jemanden, der sich für seinen Sohn ausgab. Behauptete, er kenne alle gefährlichen Stellen, und er wäre der einzige, der da sicher durchführen kann. Eigentlich ein netter Kerl, soweit ich von ihm gehört hatte, aber er musste wohl verdammt eingebildet sein. Dennoch gab es einige, die ihn gebeten hatten, ihr Schiff zu lenken. Schwachsinnig! Aber wenn sie nicht selbst dazu imstande waren... Diese Leute waren immer ein Riesenspaß. Zu doof, um ein Schiff zu lenken, aber sie meinten, eines Tages würden sie dieses trockene Land finden. Viel Glück...
Ich schloss mich zwei anderen Booten an, die auf der Suche nach einem Plätzchen für sich waren. Die Meere waren ja ziemlich bevölkert, und so war es kaum verwunderlich, wenn jemand genug von allen anderen hatte. Wir waren nicht lange unterwegs, da zogen auch schon dunkle Wolken auf. Kein Grund zur Beunruhigung - Stürme tauchen häufig auf. Um uns nicht zu verlieren, verbanden wir die Boote mit Stricken. Dann wurde der Himmel pechschwarz, der Wind schlug uns ins Gesicht, und die meterhohen Wellen prügelten uns wie Tiere, und wir waren blind und hilflos. Wir wurden hin- und hergetrieben, und unsere Verzweiflung wuchs. Noch nie hatten wir einen solchen Sturm erlebt! Aber es handelte sich schon nicht mehr um ein "wir". Wir hatten uns in dem Chaos längst aus den Augen verloren, jeder kämpfte nur noch für sich - aber: die Boote waren noch miteinander verschnürt! Wo es den einen hinzog, dorthin wurden auch die anderen gerissen. Ich erkannte, was für ein schrecklicher Fehler das gewesen war. Aber ich konnte die Seile nicht erreichen, ich konnte mich nicht trennen. Und die Wellen schlugen über mir zusammen.
Ich muss lange in diesem Sturm gefangen gewesen sein. Als ich meine Umgebung wieder wahrnahm, war die See ruhig... der Sturm lag hinter mir zurück, dort tobten Himmel und Wasser, aber weit, weit fort. Die Stricke waren irgendwann gerissen... Ich betrachtete mein Schiff. Wie sah es aus! Der Mast war zersplittert, und die Segel hingen in Fetzen von den Trümmern. Der Rumpf, soweit ich das erkennen konnte, hatte schlimme Schrammen, aber es gab kein Leck. Während die Strömung mich trug, arbeitete ich hart auf diesem Schiff. Hin und wieder legten Boote bei mir an, halfen mir zu Reparieren, oder ließen einfach einen Eimer Farbe und Werkzeug da. Schließlich konnte ich weitersegeln... und das weite Meer lag vor mir. Das Schiff war schöner als zuvor, blendend weiß, wie ein Traumbild auf der tiefblauen Meeresfläche, unter dem strahlenden Himmel. Nie war es schöner gewesen, zu segeln.
Ich schloss mich einer anderen Flotte an. Viele von ihnen waren diese Verrückten, die von sich sagten, nur dieser... seltsame Mann würde ihr Schiff steuern. Und nur er wäre dazu imstande... Ich lachte in mich hinein, wenn sie das sagten (manchmal auch ihnen ins Gesicht), aber ich fühlte mich wohl bei ihnen. Ich schloss Freundschaften.
Und dann... dann kam der Abend, den ich bis heute nicht wirklich verstehen kann. Wir saßen zusammen, und es war schon spät. Um uns glucksten die Wellen am Rumpf, und wir saßen an Deck, Kerzen um uns herum, und unterhielten uns, bis tief in die Nacht. Viele waren schon zu Bett gegangen. Schließlich waren wir nur noch zu zweit... Es war ein Mädchen, eine von den Spinnern, und trotzdem sehr nett. Sie erzählte mir von ihrer Fahrt, von dem schrecklichen Sturm, in den sie geraten war (ich dachte an mein eigenes Erlebnis), und wie sie in ihrer Verzweiflung diesen seltsamen Mann gerufen hatte. Und er war aufgetaucht, tatsächlich mitten im Sturm aufgetaucht, hatte das Ruder übernommen und sie sicher in ruhigeres Gebiet gebracht. Ich sagte nur: "Ja, wieso nicht....."
Wir wurden sehr still. Schließlich verabschiedete sie sich. Ich blieb zurück, nachdenklich, und plötzlich mit einem Gefühl von großes Einsamkeit, eine Einsamkeit, die plötzlich alles umspannte, die leise schwankenden, stummen Schiffe, das endlose Meer, den fernen, sternenübersäten Himmel über mir. Ich stand auf und ging langsam über die vielen schmalen Stege zu meinem Boot zurück. Dort blieb ich stehen und starrte lange in das schweigsame, geheimnisvolle schwarze Wasser.
"Wer auch immer du bist, wo du auch bist..." murmelte ich dann, "hilf mir, mein Boot zu steuern....."
Ich bin seitdem in viele Stürme geraten, und oft drohten mir Riffe. Aber immer erwies sich die Angst als unsinnig, und immer gelangte mein Schiff sicher zurück auf die freie, ruhige See. Das Ruder liegt nicht mehr in meiner Hand.

JESUS, halte Du das Steuerrad meines Lebens....
:] No fear - JESUS on board! :]

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