Christentum als Sekte?

Wo sind die Unterschiede, wo die Gemeinsamkeiten?

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Christentum als Sekte?

Beitragvon Chrestopher » Do 1. Mai 2008, 17:30

Sekte (lat. secta, von sequi, „folgen“, in der Bedeutung beeinflusst von secare, „schneiden, abtrennen“) ist eine Bezeichnung für eine (meist religiöse) Gruppierung, die durch ihre Lehre oder ihren Ritus im Konflikt mit herrschenden Überzeugungen steht oder sich von einer Kirche bzw. sonstigen größeren Religionsgemeinschaften abspaltet oder von ihr ausgegrenzt wird.


Somit müsste doch auch das Christentum als Sekte bezeichnet werden, da es bekanntlich von Judemtum abstammt :?

Wieso sagt man aber trotzdem dass das Christentum eine "Weltreligion" sein??
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Re: Christentum als Sekte?

Beitragvon cori » Do 1. Mai 2008, 17:48

Original von Chrestopher
Sekte (lat. secta, von sequi, „folgen“, in der Bedeutung beeinflusst von secare, „schneiden, abtrennen“) ist eine Bezeichnung für eine (meist religiöse) Gruppierung, die durch ihre Lehre oder ihren Ritus im Konflikt mit herrschenden Überzeugungen steht oder sich von einer Kirche bzw. sonstigen größeren Religionsgemeinschaften abspaltet oder von ihr ausgegrenzt wird.


Somit müsste doch auch das Christentum als Sekte bezeichnet werden, da es bekanntlich von Judemtum abstammt :?

Wieso sagt man aber trotzdem dass das Christentum eine "Weltreligion" sein??



Ursprünglich ist es auch als Sekte bezeichnet worden, wie du in der Apostelgeschichte nachlesen kannst.
Das diese Sekte inzwischen aber die ganze Welt erreicht hat, kannst du nicht abstreiten, deshalb ist dieser Ausdruck gar nicht so unzutreffend.

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Re: Christentum als Sekte?

Beitragvon Chrestopher » Do 1. Mai 2008, 22:46

wäre es nicht naheliegender, dass man dann das Christentum eine "Welt-Sekte" nennen würde, anstatt es mit "Religionen", wie dem Islam oder dem Hinduismus gleichzusetzen?
Oder hört sich "Sekte" einfach so "böse" und heidnisch an?
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Re: Christentum als Sekte?

Beitragvon Frau Katz » Fr 2. Mai 2008, 10:54

Der Begriff "Sekte" hat auch seine Bedeutung verändert im Lauf der Zeit.

Paracelsus, um 1500, bezeichnet zB verschiedene medizinische Fachrichtungen als "Sekten" der Ärtzeschaft. Ganz ohne religiösen Unterton, einfach um zu sagen, dass es verschiedene Gruppen mit verschiedenen Methoden gibt.

Heute wird der Begriff Sekte allerdings für spezifische religiöse Gruppen benutzt, und ist eindeutig negativ belegt.
Siehe zum Beispiel hier: http://lexikon.meyers.de/meyers/Sekte

In diesem Sinn sind die grossen Kirchen keine Sekten, einige Freikirchen dürften aber unter diese Definition fallen.

Für das Christentum als Ganzes kann man keine solche Aussage machen, da zur Sektenbegriff auch die Organisation gehört, und das Christentum viele verschiedene Organisationen kennt, die alle einzeln betrachtet werden müssen.

grüsse, barbara
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Re: Christentum als Sekte?

Beitragvon Chrestopher » Fr 2. Mai 2008, 17:02

hmmm, ok! Vielen Dank
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Re: Christentum als Sekte?

Beitragvon Kalle » Fr 6. Jun 2008, 09:51

Literaturtipp:

"Von der jüdischen Sekte zur Staatsreligion:
Machtkämpfe im frühen Christentum"
von Irmgard Bruns
gebundene Ausgabe

erhältlich auch bei Amazon, 19.90 €
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Re: Christentum als Sekte?

Beitragvon Petros » Fr 6. Jun 2008, 10:17

Original von Chrestopher
wäre es nicht naheliegender, dass man dann das Christentum eine "Welt-Sekte" nennen würde, anstatt es mit "Religionen", wie dem Islam oder dem Hinduismus gleichzusetzen?
Oder hört sich "Sekte" einfach so "böse" und heidnisch an?


Die Begriffe "Sekte" und "Religion" schliessen m.E. einander nicht aus.

http://de.wikipedia.org/wiki/Religion#Etymologie_und_Begriff

Auch den Islam könnte man durchaus als eine Sekte bezeichnen, nämlich als die Sekte (Anhängerschaft) des Mohameds.
„Euer Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes“. (vgl. 1 Kor 6, 19)
Eigentlich suchen wir in allem nur Eines: Die Spur dieses göttlichen Geistes, dieses himmlischen Feuers, ohne die diese Welt für uns nur Finsternis wäre. (Charles de Montalenbert)
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Re: Christentum als Sekte?

Beitragvon Jakow » Fr 6. Jun 2008, 14:51

Original von Chrestopher
Somit müsste doch auch das Christentum als Sekte bezeichnet werden, da es bekanntlich von Judemtum abstammt :?
Tut es das? Anfanglich waren Christen ja ganz normale Juden welche auch nach der jüdischen Lehre lebte und somit nicht einmal eine Sekte im Judentum bildeten, im Gegensatz zu anderen Gruppen in dieser Zeit.

Als dann die Christen anfingen eine neue Religion zu gründen, geschah dieses aus meiner Sicht eben nicht durch Änderung der jüdische Lehre, sondern durch völligen Neuaufbau, der letztlich von der jüdischen Lehre fast nichts übernahm, ausser Teilen des Tanach als heilige Schrift.

In diesem Sinne sehe ich nicht, dass das Christentum eine Sekte des Judentums wäre und das obwohl dieser Begriff auf das Judentum angewendet, ehe schon mehr als schwierig ist, da hier ja nicht der Glauben etc. als Kriterium der Zugehörigkeit zählt, sondern die Abstammung.
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Re: Christentum als Sekte?

Beitragvon TheReturn » Mo 9. Jun 2008, 15:51


Wieso sagt man aber trotzdem dass das Christentum eine "Weltreligion" sein??

Wegen der vielen Vereinsmitglieder! ;)
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Re: Christentum als Sekte?

Beitragvon Psalm150 » Mo 9. Jun 2008, 20:06

Am Beispiel des Islams sehen wir ja, dass es leicht ist, etwas "Weltreligion" zu nennen, wenn etwas sich "Religion" nennt und entsprechend verbreitet ist.
Würden Scientology oder Zeugen Jehovas die Verbreitung haben, welche der Islam hat, wären sie auch Weltreligionen.
Angenommen, Marxismus käme auf die Idee, sich als Religion zu definieren, dann wäre sogar das dann "offiziell" Weltreligion.
MfG & GBU
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Re: Christentum als Sekte?

Beitragvon Kalle » Di 10. Jun 2008, 08:29

Sicher fingen die Jesusanhänger als Juden an. Im Judentum fühlte sich Jesus auch zuhause. Das ist für uns Christen natürlich ein Problem, weil der Begründer unserer Religion einer anderen Religion angehörte.

Irgendwann kam es dann zum Bruch mit dem Judentum. Die Übergänge waren schleichend. Es sind in der Bibel ja nur wenige Seiten (wenige Jahre) die die Menschenmenge als Zuhörer der Bergpredigt und die erste organisierte Christengemeinde trennen.

Schon bald waren Juden und Christen völlig unterschiedlicher Meinung. Bis heute wird "Sünde" anders definiert, woraus auch ein anderer Umgang mit "Sündenvergebung" resultiert. Die übliche Rechnung:
Judentum + Jesus = Christentum
geht leider nicht auf und das ist auch gut so.

Auch ich kann das Christentum nicht als jüdische Sekte ansehen. Das waren die frühen Christen für einige Jahre in der Anfangszeit wohl mal gewesen, aber die "Karawane zieht weiter", bzw. ist weitergezogen.
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Re: Christentum als Sekte?

Beitragvon Petros » Mi 9. Jul 2008, 15:16

TheReturn hat geschrieben:
Wieso sagt man aber trotzdem dass das Christentum eine "Weltreligion" sein??

Wegen der vielen Vereinsmitglieder! ;)


Das wird der Grund dafür sein...
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Re: Christentum als Sekte?

Beitragvon hyperporea » Mi 9. Jul 2008, 16:03

Religion bedeutet die Rückverbindung zum Ursprung aller Dinge.
Religion ist ein Versuch diese Verbindung zum Ursprung wieder her zu stellen.
Jede Religion hat für diese Rückverbindung einen anderen Weg gefunden, der Sinn jedoch wieder an diesen gemeinsamen Ursprung, den wir Gott nennen, ist allen Gemeinsam.
Das eingehen in die Rückverbindung kann erst dann geschehen, wenn die Menschen beginnen in Frieden und Liebe miteinander zu leben, weil sie dann durch die Liebe direkt im Ursprung Gottes angelangen werden.
Da wo Feindschaft und Krieg herrscht ist es nur ein Versuch, bei dem es auch bleibt, bis man erkennt worin der Ursprung zusammen führt.

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Re: Christentum als Sekte?

Beitragvon jakobuss » Fr 25. Jul 2008, 14:04

Jakow hat geschrieben:
Original von Chrestopher
Somit müsste doch auch das Christentum als Sekte bezeichnet werden, da es bekanntlich von Judemtum abstammt :?
Tut es das? Anfanglich waren Christen ja ganz normale Juden welche auch nach der jüdischen Lehre lebte und somit nicht einmal eine Sekte im Judentum bildeten, im Gegensatz zu anderen Gruppen in dieser Zeit.

Als dann die Christen anfingen eine neue Religion zu gründen, geschah dieses aus meiner Sicht eben nicht durch Änderung der jüdische Lehre, sondern durch völligen Neuaufbau, der letztlich von der jüdischen Lehre fast nichts übernahm, ausser Teilen des Tanach als heilige Schrift.

In diesem Sinne sehe ich nicht, dass das Christentum eine Sekte des Judentums wäre und das obwohl dieser Begriff auf das Judentum angewendet, ehe schon mehr als schwierig ist, da hier ja nicht der Glauben etc. als Kriterium der Zugehörigkeit zählt, sondern die Abstammung.


Die ersten Christen waren ganz bestimmt keine Sekte denn Jesus der seine Kirche gegründet hat, hat ja nur die Prophezeiungen der alten Propheten erfüllt.
Er war ja der Messias den die damaligen Pharisäer erwartet hatten aber nicht erkannten. Es waren also die Pharisäer eine Sekte weil sie ihren Messias den die alten Propheten vorhersagten nicht erkannten.
Nachdem die Apostel verstarben und der Abfall vom Glauben eingesetzt hatte, wo man vieles von der Lehre Christi weggetan und hinzugefügt hat, bildeten sich auch die ersten Abspaltungen und diese Abspaltungen muß man als Christliche Sekten bezeichnen.
LG, jakobuss
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