Das Thomas Evangelium

Diskussion und Fragen zur Bibel

Moderator: Thelonious

Das Thomas Evangelium ist....

echt
7
39%
eine Fälschung
6
33%
interessiert mich nicht
5
28%
 
Abstimmungen insgesamt : 18

Re: Das Thomas Evangelium

Beitragvon Roland » Sa 1. Feb 2003, 21:56

Pumi

"Wobei "normal" natürlich nur "deine" Bibel ist. In meiner (Luther-)Bibel sind die Spätschriften des AT mit enthalten."
Armer Pumi, hat eine "katholifizierte" Bibel erwischt. :(

Pumi, "Normal" bedeutet in diesem Zusammenhang etwa "allgemein gültig". Und das ist nicht nur meine (Luther-)Bibel, sondern eine ganze Menge anderer Bibeln auch. (z.B. auch die "Gute Nachricht" Bibelübersetzung, Elbertfelder-Übersetzung etc. etc.).

Tatsache ist, dass wenn man eine Bibel bei der Bibelgesellschaft bestellt und die Spätschriften auch noch dazu haben möchte, man das separat angeben muss. (Oder der Verkäufer weiss dass Du Katholike bist :] .) Sonst ist eben die "normale" Bibel gemeint OHNE dass die Spätschriften (oder wie auch immer Du diese nennen möchtest) enthalten sind.

Wie auch immer, mein lieber Pumi, diese Spätschriften sind deshalb nicht enthalten weil sie ziemlich umstritten sind. Das ist der Grund Pumi, nicht das ich unbedingt immer Recht haben muss wie Du es wohl meinst, sondern weil Du diese Tatsache eben nicht leugnen kannst:

In einer "gängigen" Bibel sind keine Apokryphen und schon gar kein Thomas-Evangelium enthalten.
Wie gefällt Dir diese Version? (gängige). Ist das auch für Dich o.k.? :))

Segensgruss, Roland
Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.
Johannes 3,16


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Re: Das Thomas Evangelium

Beitragvon Pumi » Sa 1. Feb 2003, 23:32

Original von Roland
Tatsache ist, dass wenn man eine Bibel bei der Bibelgesellschaft bestellt und die Spätschriften auch noch dazu haben möchte, man das separat angeben muss.

Tatsache ist, dass das keine Tatsache ist.

Wie auch immer, mein lieber Pumi, diese Spätschriften sind deshalb nicht enthalten weil sie ziemlich umstritten sind.

Umstritten? Martin Luther sagt: "Bücher, so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten, und doch nützlich und gut zu lesen sind".

An alle:
Nur um das klarzustellen, wir reden hier gerade über die Apokryphen des Alten Testaments.
Im Prinzip hat das nichts mit dem Thomas-Evangelium (oder dem Evangelium des Jakobus, des Petrus, des Philippus usw.) zu tun.

Also zurück zum Thema:
Nach Rolands Meinung muss das Thomas-Evangelium also eine Fälschung sein, weil es ja nicht in der "gängigen" Bibel enthalten ist.

Demnach sind also auch die Bücher von Martin Luther, Dietrich Bonhoeffer, Corrie ten Boom ... (wahllose Aufzählung) Fälschungen - sie sind ja auch nicht in der Bibel enthalten. Darüber hinaus aber auch jede Predigt in jeder christlichen Gemeinde, so gut wie jedes Lied in jedem Liederbuch und außerdem jeder Forums-Beitrag von Roland und auch von mir - alles Fälschungen.

OK, keiner der letztgenannten stellt den Anspruch, in der Bibel enthalten zu sein. Aber das Thomas-Evangelium tut das auch nicht. Ist es also doch keine Fälschung???

Das Thomas-Evangelium stellt nicht den Anspruch, unfehlbar zu sein. Kann man ihm dann zugestehen, "nur" eine Schrift zu sein, die uns von Gott erzählt?

Eine Randbemerkung noch: keines der biblischen Evangelien stellt diesen Anspruch...
Gott hat uns tüchtig gemacht zu Dienern des neuen Bundes,
nicht des Buchstabens, sondern des Geistes.
Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig
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Re: Das Thomas Evangelium

Beitragvon Scardanelli » So 2. Feb 2003, 14:21

Überaus originell ist das Logion 42 im Th. Ev.:
Jesus sagt: Werdet vorübergehende
Diese Passage hat keine Entsprechung in den synoptischen Ev. Es entspricht wohl aber einem echten Jesuswort, weil diese Aussage direkt vom Lebenswandel Jesu gedeckt ist, denn genau so hat er gelebt und gewirkt. Es ist aber ganz klar, dass dieses Jesuswort nicht überliefert werden darf, denn es widerspricht jeder Absonderung der Christen in Form von Gemeinden.
Wer eben nur vorübergeht, der kann gar keinen Anlass geben selbst verehrt zu werden, denn er lässt nur seinen Lebenswandel, seine Worte zurück, aber nichts von sich als leere Form, was man verehren könnte. Würden Christen überhaupt die Worte Jesu ernst nehmen, dann hätte dieses jede Gemeindebildung im Keim erstickt, denn mit einer Gemeindebildung beginnt ganz automatisch das, was Jesus angewidert hat, das rein formelle Leben.
Dieses hat schon im ersten Jahrhundert n. Chr. damit begonnen, die alten Formen wieder auszubilden: „Die Lehre der zwölf Apostel“ beinhaltet dann wieder Passagen, die dem Leben den Lebensnerv nehmen:
Eure Fasten sollen nicht gleichzeitig mit denen der Heuchler stattfinden. Denn sie fasten am Montag und Donnerstag; ihr aber sollt am Mittwoch und Freitag fasten. (8, 1)
Hier wird die Wahrheit schon wieder an Äußerlichkeiten festgemacht, als wenn ein Wochentag für Wahrheit bürgen würde. Die Kirche muss alle Freiheiten ausmerzen, denn sie ist eine Institution. Die Institution kann nicht sagen, faste, wenn du es aus freien Stücken selber willst, so wie es Jesus gesagt hat, denn die Institution braucht Kontrolle. Und genau daran ist sowohl die katholische, als auch jede andere Kirche Jesu in ihrem ganzen Kern einfach falsch.
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Re: Das Thomas Evangelium

Beitragvon Roland » So 2. Feb 2003, 16:41

Hoi pumi,

Du überraschst mich immer mehr mit Deinen Ansichten.

"Martin Luther sagt: "Bücher, so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten, und doch nützlich und gut zu lesen sind"

Richtig, aber Martin Luther war nicht Paulus. Natürlich lese ich auch Anderes als die Bibel (vornehmlich Geschichtsbücher :)) ), aber wenn es um Glaubensfragen geht, dann nehme ich doch lieber die Bibel zur Hand und bilde mir dann meine eigene Meinung.

Martin Luther sagte zudem auch, dass wir die Juden in ihren Synagogen verbrennen sollen. :shock: Also was ist denn nun für Dich relevant? Das Wort Gottes oder das Wort von Menschen???

"Das Thomas-Evangelium stellt nicht den Anspruch, unfehlbar zu sein. Kann man ihm dann zugestehen, nur eine Schrift zu sein, die uns von Gott erzählt?"

Eine Fälschung ist noch viel schlimmer, denn es entsteht so ein falsches Gottesbild. :shock:

Hoi Psychologe,

Das Thomas-Evangelium ist für mich ganz klar eine Fälschung, weil es den anderen vier Evangelien widerspricht. Das dieses "Evangelium" sehr interessant für Dich ist, bezweifle ich jedoch nicht. Du scheinst an allen Schriften interessiert zu sein, die das Wort Gottes anzweifeln oder zu widerlegen versuchen. Wie Du sehen kannst, ist das aber noch niemandem wirklich gelungen, höchstens für sich selbst.

"Die Institution kann nicht sagen, faste, wenn du es aus freien Stücken selber willst, so wie es Jesus gesagt hat, denn die Institution braucht Kontrolle."

Sag das doch mal John-Paul. :roll:

Die Bibel lehrt uns, dass wir Gemeinschaft haben mit anderen lebendigen Christen. Die Urchristen taten das schon so und diese waren keine Katholiken. Sie trafen sich zuerst nur im kleinen Kreis in den Häusern der jeweiligen gläubigen Gastgeber. Wenn dann später Gebäude entstanden, in denen das Wort gepredigt wurde, so ist das auch im biblischen Sinne. Ich spreche nicht gerne von "Kirchen", sondern ich spreche von der Gemeinde Jesu und von Gottesdiensten. Diese können (wo auch immer) durchgeführt werden, wenn nur die biblischen Vorgaben eingehlaten werden. Und das ist nun mal bei der kath. Kirche nicht der Fall. :cry:

Segensgruss, Roland
Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.
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Re: Das Thomas Evangelium

Beitragvon Scardanelli » So 2. Feb 2003, 18:16

Hallo Roland,
einen jeden Menschen, der sich um Religion bemüht, müssen Schriften interessieren, die deren schriftlichen Kanon widerlegt. Denn widerspricht dem schriftlichen Kanon etwas, dann gehört es auf den Tisch, denn wir sollen eben alles prüfen und erst nach der Prüfung entscheiden, was es ist.
Wer die Bibel nicht prüft, der hat schon die Bibel nicht ernst genommen, denn sie fordert selbst dazu auf.
Wenn ich sehen will, was die Bibel widerlegen könnte, dann reicht diese Werk selber aus, denn es widerspricht sich zum Teil vehement selbst. Mich interessiert aber nicht ein Widerspruch, um mich an ihm zu weiden, denn Widersprüche gehören als etwas völlig normales zum Leben der Menschen. Mich interessiert, was sich aus den Widersprüchen herauswindet.
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Re: Das Thomas Evangelium

Beitragvon Florian T » Mo 10. Feb 2003, 13:24

Hallo Roland,

noch einmal auf Anfang. Wenn die Bibel unfehlbar war, warum ist dann die Bibel, die zwischen 395 und 1525 in der gesamten christlichen Welt als heilig und unfehlbar gelehrt wurde nicht christlich?

Warum hat Gott nicht darauf aufgepasst, dass über 1100 Jahre lang nur eine falsche Form der Bibel im Umlauf war?

Und warum sollen ausgerechnet die, denen Du sonst bescheinigst, sie hätten aus sehr vielen Evangelien, Briefen etc die richtigen rausgesucht, sich dann plötzlich geirrt haben sollen? Hat sie der heilige Geist plötzlich verlassen?

Florian
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what you think is expected of you
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Florian T
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