Himmelsrichtungen

Diskussion und Fragen zur Bibel

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Himmelsrichtungen

Beitragvon manfred » Di 2. Feb 2016, 20:00

Ich lese nun jeden Tag eine Lutherbibel mit dem Text von 1545.

Mir ist dort aufgefallen, dass Luther die Himmelsrichtungen mit den Sonnenständen übersetzt, also
Süden = mittags
Osten = morgen
westen=abend
Norden = mitternacht

Ist das auch so im hebräischen im Originaltext?
Oder steht im hebräischen wirklich Osten, Süden, Westen und Norden?

Ist ja nur interessant, wenn die Israeliten sehr naturbezogen und damit schöpfungsbezogen gelebt haben.
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Re: Himmelsrichtungen

Beitragvon Thelonious » Di 2. Feb 2016, 20:12

Hallo Manfred,

bitte benenne resp. zitiere die von dir gemeinten Textstellen.

Gruß
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Re: Himmelsrichtungen

Beitragvon manfred » Di 2. Feb 2016, 20:55

Thelonious, ich bin gerade im Buch Josua dort gibt es viele derartige Stellen, z.B. in

Kapiel 15 Luther 1545

5 Aber die Morgen grentze ist von dem Saltzmeer bis an des Jordans ende.
Dje grentze gegen Mitternacht ist von der zunge des Meeres die am ort des Jordans ist
6 und gehet erauff gen BethHagla vnd zeucht sich von mitternacht werts gen BethAraba vnd kompt erauff zum Stein Bohen des son Ruben.
7 Vnd gehet erauff gen Debir vom tal Achor vnd von dem miternachts ort der gegen Gilgal sihet welche ligt gegen vber zu Adimim hinauff die vom mittags werts am Wasser ligt. Darnach gehet sie zu dem wasser EnSemes. vnd kompt hinaus zum Brun Rogel.
8 Darnach gehet sie erauff zum tal des sons Hinnam. an der seiten her des Jebusiters der von mittag werts wonet das ist Jerusalem, vnd kompt erauff auf die spitze des berges der fur dem tal des Hinnam ligt vom abend werts. welche stösst an die ecke des tals Raphaim gegen gegen mitternacht zu.

Habe die Bibel von der Edition Lempertz. Könnte man z.B. bei Amazon (Ohne Werbung zu machen allerdings nur mehr gebraucht zu bekommen: http://www.amazon.de/Die-Bibel-gantze-Heilige-Schrift/dp/3933070562/ref=sr_1_29?s=books&ie=UTF8&qid=1454437295&sr=1-29&keywords=Luther+bibel

Und ein Statement zu dieser Ausgabe auf Buchkritik: http://www.buchkritik.at/kritik.asp?IDX=5271


Kapitel 15 Luther 1984
5 Die Ostgrenze ist das Salzmeer bis dort, wo der Jordan hineinfließt. Die Nordgrenze beginnt am Meer dort, wo der Jordan hineinfließt, 6 und führt hinauf nach Bet-Hogla und zieht sich hin nördlich von Bet-Araba und kommt herauf zum Stein Bohans, des Sohnes Rubens, 7 und führt hinauf nach Debir vom Tal Achor und wendet sich nordwärts nach Gelilot, gegenüber der Steige von Adummim, die südlich vom Bachtal liegt. Danach geht sie zu dem Wasser von En-Schemesch und läuft aus zur Quelle Rogel. 8 Danach führt sie hinauf zum Tal des Sohnes Hinnoms südlich des Berghangs der Jebusiter - das ist Jerusalem - und kommt hinauf auf den Gipfel des Berges, der westlich vor dem Tal Hinnom liegt und an der Nordecke der Ebene Refaïm. 9 Danach kommt sie von dem Berggipfel zur Quelle Neftoach und läuft aus zu den Städten des Gebirges Efron und neigt sich nach Baala - das ist Kirjat-Jearim -


Da sieht man auch wie sich das Deutsch in den Jahren doch verändert hat.
Also liebe Schüler wenn ihr einmal die Rechtschreibfehler macht, die zu Luthers Zeiten aber normal waren, macht euch nichts draus.
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Re: Himmelsrichtungen

Beitragvon Thelonious » Di 2. Feb 2016, 22:27

Okay, Manfred.

Ich habe mich erst einmal nur um Josua 15,5 gekümmert und lt. Strong's steht da קֶדֶם"", was "ost", "östlich" bedeutet. Wie das kam, dass daraus im übertragenen Sinne "Morgen" bzw. "Morgengrenze" wurde, weiß ich auch nicht.
Ist aber wirklich 'ne interessante Frage.

VG
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Re: Himmelsrichtungen

Beitragvon Johelia » Mi 3. Feb 2016, 08:26

Sali Manfred

Könnte es sein dass Luther aus der lateinischen Fassung her übersetzt hat?

Ich habe auch in der KJV mal nachgesehen. Die übersetzt auch anders als Luther.

Nimmt man die weniger üblichen Übersetzungsmöģlichkeiten aus dem Hebräische ist es nur entfernt möglich zu Luther Resultat zu kommen.

Gruss Johel
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Re: Himmelsrichtungen

Beitragvon Columba » Mi 3. Feb 2016, 09:41

manfred hat geschrieben:Ich lese nun jeden Tag eine Lutherbibel mit dem Text von 1545.

Mir ist dort aufgefallen, dass Luther die Himmelsrichtungen mit den Sonnenständen übersetzt, also
Süden = mittags
Osten = morgen
westen=abend
Norden = mitternacht

Ist das auch so im hebräischen im Originaltext?
Oder steht im hebräischen wirklich Osten, Süden, Westen und Norden?

Ist ja nur interessant, wenn die Israeliten sehr naturbezogen und damit schöpfungsbezogen gelebt haben.


Osten und Westen wurden früher im deutschen v.a litararisch auch "gen (gegen) Sonnenaufgang" und "gen (gegen) Sonnenuntergang" genannt. Der Wortstamm Norden trägt auch das Wort unten in sich. Das Wort Mitternacht (Sonne ist am tiefsten) mit Norden zu verbinden ist so gesehen literarisch gar nicht so schlecht.

Genau deshalb hatte die Lutherübersetzung so viel Erfolg, weil sie die uneinheitlichen Dialekte im Deutschen mit einer Einheitssprache, die alle mehr oder weniger verstehen konnten, verbunden hat. Richtig oder falsch übersetzt ist darum oft nur eine oberflächliche Fragestellung, wenn nur die Ursprungssprache betrachtet wird. Die Zielsprache ist eben im Wandel. Was im 16Jh. richtig war - und v.a richtig verstanden wurde - kann heute in der Übersetzung unangemessen sein.


Grüsse Columba
Johannes 8,8 Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.
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Re: Himmelsrichtungen

Beitragvon manfred » So 21. Feb 2016, 16:38

Johelia hat geschrieben:Sali Manfred
Nimmt man die weniger üblichen Übersetzungsmöģlichkeiten aus dem Hebräische ist es nur entfernt möglich zu Luther Resultat zu kommen.
Gruss Johel


Wie ich im Vorwort zur Lutherbibel von 1545 gelesen habe, war Luther dann schon des hebräischen mächtig.
Vielleicht meinen wir heute, dass wir intelligenter als Luther sind, aber ich denke der hatte schon was drauf.
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Re: Himmelsrichtungen

Beitragvon Pilgrim » So 21. Feb 2016, 17:41

manfred hat geschrieben:Süden = mittags
Osten = morgen
westen=abend
Norden = mitternacht

Worte der Richtung kommen aus dem Bedürfnis die Richtung zu koordinieren. Somit können ihr Wesen und Gebrauch ziemlich von anderen Sprachen verschieden ausfallen. Aspekte der Menschen und ihrem Land können die Form dieser Worte der Richtung, Richtungsmorpheme schlussendlich annehmen. In Luther's Fall könnte es seine Art der Aktivitäten gewesen sein welche diese/seine Richtungskoordination verlangten. Anders können es auch geographische Eigenschaften der Gebiete sein oder vielleicht auch die vererbte kulturelle Kenntnis über Richtungen (einschliesslich Mythologie).

So sehe ich das, wenn ich andere Sprachen betrachte.
Be careful how you spend your time: Spend your time in nothing which you know must be repented of. —Richard Baxter
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