Beweise für Gott

Diskussion und Fragen zur Bibel

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Re: Beweise für Gott

Beitragvon Taube » Mi 30. Okt 2002, 07:55

Und doch frage ich mich immer wieder mal:

Warum wurde so oft in der Kirchengeschichte versucht, Gott zu beweisen? Schon die Kirchenväter haben damit begonnen.


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Re: Beweise für Gott

Beitragvon Braendli » Mi 30. Okt 2002, 10:05

Sali Taube

Das kann ich Dir genau sagen, weil die Menschen immer alles erforschen und beweisen wollen. Man sieht dies auch an der Forschung (Klonen, Genmanipulation, Weltall, usw.), der Mensch sieht niergens Grenzen. Er will alles unter Kontrolle haben. Nachwievor wird an der Entstehungsgeschichte geforscht, obwohl ja eigentlich alles geschrieben steht. :?

Ein nachdenklicher Brändli grüsst Dich :roll:
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Re: Beweise für Gott

Beitragvon Florian T » Mi 30. Okt 2002, 10:19

Hallo Taube,

das mit den Gotteserfahrungen ist immer ein zweischneidiges Schwert. Denn es gibt zwei große Probleme damit:

1) Erfahrungen anderer Götter. Auch die Römer haben das Wirken und Eingreifen von Jupiter erfahren, die Germanen das von Odin, die Griechen das von Zeus. Indianer haben bei den Initiationsriten mit ihren Göttern gesprochen. Wenn also die subjektive Erfahrung ein Indiz für die Existenz ist, dann ist die Zahl der Götter, die es "wirklich gibt" sehr hoch. Der Moslem glaubt, dass Allah ihn geleitet hat und ihm geholfen hat, der Christ glaubt, es sei Gott gewesen. Beide haben Gott persönlich erfahren, beide sind voll des Lobes und Preises für ihn, beide können nicht verstehen, warum man nicht an ihn glauben kann. Gilt auch für Wunderheilungen etc.

2) Erfahrungen des gleichen Gottes. In den USA saßen 1999 8 Menschen in Todeszellen, die vor Gericht geschworen haben, dass sie lediglich einen Tötungsbefehl von Gott bekommen haben. Noch mehr sitzen in der Psychatrie. Jean d´Arc hat eine Vision gehabt, sie soll Frankreich von den Engländern befreien. Viele Kreuzfahrer hatten Visionen, in denen ihnen Gott Mord befohlen hat. Oder, naheliegender: Der eine Christ sagt er hat Gott erfahren und versteht die Bibel und Homosexualität ist eine Sünde und Gott würde Sünder hassen. Der andere sagt, dass er Gott erfahren hat und Gott ihn liebt und ist homosexuell. Wessen Erfahrung ist nun real? Zeugen Jehovas erleben auch Gott, Juden erleben Gott, Mormonen erleben Gott und alle kommen zu völlig anderen "vom heiligen Geist" inspirierten Glaubensinhalten. Und wie soll man denn unterscheiden, ob eine Vision nun von Gott kommt oder nur die Wirkung einer Droge ist, oder gar von Satan (gibt es den? auch interessant) kommt?

Da diese beiden Probleme sich jedweder Auflösung bis heute entziehen, wird eben nach "Beweisen" gesucht, da dann ja klar ist, dass die Visionen wirklich von einem Gott kommen und, wenn der richtige "bewiesen" ist, diese von dem richtigen Gott kommen können. Ansonsten sind "Erfahrungen" eben subjektiv überzeugend, aber nicht sehr überzeugend, wenn man mit Skeptikern argumentiert oder Anhängern eines anderen Glaubens, weil gerade die ja mit akkurat derselben Berechtigung auf ihren Erlebnissen als real bestehen werden.

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Re: Beweise für Gott

Beitragvon Shadow » Mi 30. Okt 2002, 10:34

Florian: Das stimmt zwar alles, aber das Problem, warum es nicht funktioniert, ist ja eben, dass man dem Gegenüber nicht die gleiche Berechtigung einräumt. Und dann kommt es zum Disput.
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Re: Beweise für Gott

Beitragvon Florian T » Mi 30. Okt 2002, 11:48

Hallo shadow,

das ist so etwas einseitig dargestellt. In der Kirche hat sich über Jahrhunderte alles angesammelt, was denken konnte, weil es in Europa der einzige Ort philosophischer Schulung war.

Und von dort sind dann solche Überlegungen wie die von mir dargestellten geführt worden, bei denen der persönliche Gottesbeweis letzten Endes als unzureichend abgelehnt wurde. Dass sich in der aktuellen Machtpolitik der Kirche einiges anders dargestellt hat ist davon getrennt zu betrachten.

Schon im 12. Jhd gab es in der Kirche Bewegungen, die Wahrheit über die Bibel zu veröffentlichen und die Fehler in ihr offen zu diskutieren, doch das wurde dann immer wieder abgelehnt. Die vorhandene philosphische Klugheit in der katholischen Kirche ist weit höher als das, was nach außen dringt (dringen darf)!

Dass der einzelne (meist in Philosophie, Rhetorik und Argumentation kaum bis gar nicht geschulte) Christ sich nicht von seinem Glauben ablösen kann, d.h. die auch vorhandenen Mittel gar nicht zur Analyse dieses Glaubens einzusetzen bereit ist (Angst vor der Hölle, weil vom Satan verführt) steht dann auf einem anderen Blatt.

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