Verzeihen

Was Sie immer schon mal fragen wollten

Moderator: doro

Verzeihen

Beitragvon Mo » Mo 17. Sep 2018, 00:00

Hallo Freunde!

Ich würde gerne wissen, ob ein Christ ausnahmslos JEDEM verzeihen muss?

Den Menschen die zu mir schlecht/böse waren, kann ich mittlerweile recht gut verzeihen, aber muss ich auch den Menschen verzeihen, die anderen Menschen/Lebewesen ganz schlimme Dinge angetan haben?

liebe Grüße! :praisegod:
Mo
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Re: Verzeihen

Beitragvon John1955 » Mo 17. Sep 2018, 08:56

Ich nehme stark an, dass du auf die gebotene Feindesliebe Jesus Christus hin diese Frage stellst. Dort geht es aber meines Erachtens lediglich um solche, welche mir übel mitgespielt haben oder wollen.

Meinem Bruder soll,ich 7mal 77 mal vergeben, wenn er mich darum bittet.Segnet die euch fluchen, betet für die euch beleidigen, Lk 6.28

Was die Vergehen Fremder angeht, dann ist es für uns am Besten, wenn wir weder richten noch verurteilen. Dass heisst nicht, dass man nicht sachlich feststellen darf, dass es leider Gottes immer wieder Menschen gibt, welche aus welcher Motivation heraus auch immer gottlos handeln.Aber solches in den Nachrichten oder der Zeitung erfahrenen verabscheuenswertes Verhalten soll uns nicht herunterziehen, wenn du verstehst, was ich meine, keinen Groll in uns erzeugen.
Gruss John
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Re: Verzeihen

Beitragvon Gnu » Mo 17. Sep 2018, 10:16

Mo hat geschrieben:Hallo Freunde!

Ich würde gerne wissen, ob ein Christ ausnahmslos JEDEM verzeihen muss?

Den Menschen die zu mir schlecht/böse waren, kann ich mittlerweile recht gut verzeihen, aber muss ich auch den Menschen verzeihen, die anderen Menschen/Lebewesen ganz schlimme Dinge angetan haben?

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Hallo Mo,

eine interessante Frage. Ich glaube, dass du das gar nicht kannst, denn du bist nicht der Stellvertreter der anderen. Wenn ein anderer deine Kinder getötet hat, dann schon, dann sollst du, sofern du es kannst, dem Mörder vergeben, aber nur um deines eigenen Wohlergehens willen. Worum geht es dir ganz konkret?

LG Gnu
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Re: Verzeihen

Beitragvon Knecht » Mo 17. Sep 2018, 15:49

Hallo Mo,

ich schließe mich dem Beitrag von John vollinhaltlich an. Möchte nur hinzufügen, dass, wenn man innerlich weder richtet noch verurteilt, also jemanden nicht mit Groll sozusagen das Schlechteste wünscht, noch ein anderer Aspekt hinzukommt. Nämlich, man kann dann Sündern, wenn man auf einen trifft, immer noch Respekt entgegen bringen, auch dann, wenn er seine Schlechtigkeit, in dieser oder jener Sache, sich selbst noch nicht eingestanden hat - also nicht einsichtig geworden ist.
Ich habe mir jedenfalls angewohnt, auch aus Eigenschutz (Groll, Hass), überhaupt keinen Menschen oder eine Menschengruppe als Ganzes zu verurteilen, weil man sich als fehlbarer Mensch nicht sicher sein kann, das nicht auch ein schwerer Sünder (Wiederholungstäter) einsichtig wird, er sich also vielleicht früher oder später von Saulus zu Paulus entwickelt.

Gruß
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Re: Verzeihen

Beitragvon Thea » Mo 17. Sep 2018, 22:35

Mo hat geschrieben:Hallo Freunde!

Ich würde gerne wissen, ob ein Christ ausnahmslos JEDEM verzeihen muss?

Den Menschen die zu mir schlecht/böse waren, kann ich mittlerweile recht gut verzeihen, aber muss ich auch den Menschen verzeihen, die anderen Menschen/Lebewesen ganz schlimme Dinge angetan haben?

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Hallo Mo,
so eine vollständige Antwort habe ich nicht auf Deine Frage. Also schreibe ich mal den Teil, der mir dazu einfällt: Verzeihen heißt ja nicht, gut zu heißen, was jemand anderes getan hat. Für mich heißt es, reinen Tisch zu machen, nach vorne zu denken und zu fühlen, einen Neuanfang zu ermöglichen - der aber nur vollständig wird, wenn der andere auch dazu bereit ist.
Und dieses Ermöglichen von Neuanfängen hat in der Tat auch viel mit kollektivem Selbstschutz zu tun. Niemand von uns möchte in einer Gesellschaft leben, in der man nach Fehler und Vergehen nie wieder einen neuen Anfang machen kann, sondern immer lebenslänglich verurteilt wird. Und, wenn ich jemanden nicht vergebe, dann trage ich die Last der Vorwürfe, des Grolls, des Zorns, des Hasses mit mir selbst herum. Ich bin derjenige, der unter der Last ächzt. Also auch individueller Selbstschutz beim Vergeben und Verzeihen.
Lieben Gruß,
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Re: Verzeihen

Beitragvon Thea » Mo 17. Sep 2018, 22:35

Mo hat geschrieben:Hallo Freunde!

Ich würde gerne wissen, ob ein Christ ausnahmslos JEDEM verzeihen muss?

Den Menschen die zu mir schlecht/böse waren, kann ich mittlerweile recht gut verzeihen, aber muss ich auch den Menschen verzeihen, die anderen Menschen/Lebewesen ganz schlimme Dinge angetan haben?

liebe Grüße! :praisegod:


Hallo Mo,
so eine vollständige Antwort habe ich nicht auf Deine Frage. Also schreibe ich mal den Teil, der mir dazu einfällt: Verzeihen heißt ja nicht, gut zu heißen, was jemand anderes getan hat. Für mich heißt es, reinen Tisch zu machen, nach vorne zu denken und zu fühlen, einen Neuanfang zu ermöglichen - der aber nur vollständig wird, wenn der andere auch dazu bereit ist.
Und dieses Ermöglichen von Neuanfängen hat in der Tat auch viel mit kollektivem Selbstschutz zu tun. Niemand von uns möchte in einer Gesellschaft leben, in der man nach Fehler und Vergehen nie wieder einen neuen Anfang machen kann, sondern immer lebenslänglich verurteilt wird. Und, wenn ich jemanden nicht vergebe, dann trage ich die Last der Vorwürfe, des Grolls, des Zorns, des Hasses mit mir selbst herum. Ich bin derjenige, der unter der Last ächzt. Also auch individueller Selbstschutz beim Vergeben und Verzeihen.
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Re: Verzeihen

Beitragvon Mo » Di 18. Sep 2018, 22:09

Vielen Dank euch allen für eure Antworten! :)

@Gnu: Ich möchte einfach so wenige Sünden begehen wie möglich (am besten gar keine) bzw. so gut es nur geht nach dem Willen Gottes leben.
Darum habe ich mir diese Frage gestellt.


liebe Grüße an euch :)
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Re: Verzeihen

Beitragvon Helmuth » Do 20. Sep 2018, 07:56

Hi Mo,

Ich will mich nicht in dein Gespräch mit Gnu einmischen, mir sind nur ein paar Gedanke gekommen.
Mo hat geschrieben:Ich möchte einfach so wenige Sünden begehen wie möglich (am besten gar keine) bzw. so gut es nur geht nach dem Willen Gottes leben.

Sehr gutes Motiv. Aber pass dabei auf, dass du nicht heiliger leben willst als du bist. Mit anderen Worten: Kein Zwang, sondern lass die leiten. Ich selbst sündge immer noch, aber selbstverständlich will ich das ebenso wenig wie du.

Ich zerfleische mich nur nicht mehr selbst in Selbstvorwürfen und verfalle in alle möglichen religiösen Übungen um nur ja nicht zu sündigen. Bitte das nicht falsch verstehen, im Sinne von ich pfieff mich um nichts mehr, sondern ich sehe, dass Gott mich von Jahr zu Jahr immer mehr umwandelt.

Und das freut mich.

Was das Verzeihen anbelangt, so macht das auf mich jetzt, bitte korrigiere mich, wenn ich falsch liege, den Eindruck wie so eine Übung. Ich MUSS jedem verzeihen.

Grundsätzlich nur einmal denen, welche dir bzw. wie schon gesagt wurde, deiner Familie etwas angetan hatte. Glaub mir, das reicht schon und ist schwer genug.

Was ale anderen angeht, so betrachte es als Lernen. Du sieht wie andere etwas gut bzw. schlecht machen. Daran hast du nichts zu verzeihen oder zu richten, aber man kann all den Erfahrungsschatz aufnehmen, um für sich daraus zu lernen, z.B. in einer ähnlichen Situation eine bessere Entscheidung zu treffen als die, welche du gesehen hast.

Ein wichtiger Punkt zum Abschluss. Bleib demütig. Sag, nicht, Mann, das habe ich aber besser gemacht, sondern danke Gott, dass du mich lehrst.

Niemand verlangt aber Perfektion, dafür Loyalität. Hingabe ist wichtiger als alles richtig zu machen. Ein gutes Beispiel gibt mir dazu der Apostel Petrus. Jesus erkannte das samit seinen Fehlern und machte ihn später groß in seinen Augen.


So, jetzt genug der Einmmsche, ich bete für dich für ein gutes Gelingen. :D
Herzliche Grüße
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Re: Verzeihen

Beitragvon Gnu » Do 20. Sep 2018, 08:12

Helmuth, ich empfinde deinen Beitrag nicht als Einmischung. Ich hatte eine Frage gestellt und Mo hat sie mir beantwortet. Das Gespräch ist jetzt offen und jeder darf sich äussern. Ich bin darüberhinaus voll einverstanden mit dem, was du schreibst. Ich erlebe es genauso.
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Re: Verzeihen

Beitragvon Habatom » Do 20. Sep 2018, 14:36

Gnu hat geschrieben:Helmuth, ich empfinde deinen Beitrag nicht als Einmischung. Ich hatte eine Frage gestellt und Mo hat sie mir beantwortet. Das Gespräch ist jetzt offen und jeder darf sich äussern. Ich bin darüberhinaus voll einverstanden mit dem, was du schreibst. Ich erlebe es genauso.




Dann schließe ich mich mal an und möchte auf deine Eingangsfrage antworten.


1. Ich MUSS nicht vergeben, ich DARF vergeben - ich bin in der Glücklichen Lage das ich mir an Gott allein vollkommen Genüge lassen kann. Und so Verständnis habe, für die Menschen, die noch Forderungen an mich stellen - meine Rechte darin eventuell beschneiden und mir etwas schuldig bleiben....

Des weiteren betrifft diese Haltung (von der im "Vater unser" berichtet wird : vergib uns unsere Schuld, wo auch wir vergeben denen die an uns schuldig wurden/werden) auch erst einmal eine Glaubensgemeinschaft als Ganzes -- sich nicht selbst zu rächen oder Wiedergutmachung zu verlangen...etc. .... weil man weiß das am Ende Gott sowieso alles aufdecken und richten wird... - aber vorerst auch jeden Einzelnen Menschen selbst.

Vergib - heißt übertragen gesagt: Nicht nachtragend sein... So wie Jesus mit seinen Letzten Worten am Kreuz sagen zu können, Vergib ihnen - denn sie wissen nicht was sie tun --- oder bei Stephanus als er gesteinigt wurde - rechne ihnen diese Schuld nicht an...)

Wenn wir nun selbst als Christen dahin gelangt sind, das wir vorerst unseren Nächsten lieben, ihm nichts schuldig bleiben, dann kommen wir meist erst gar nicht in die Situation, das jemand etwas von uns fordert, was wir ihm dann schuldig sind.

Jesus sagt desweiteren das wir den Raub unserer Güter als lauter Freude erachten sollen, weil wir wissen dürfen, einen bleibenden Schatz im Himmel zu haben.

Wer kann uns also schaden ? Wenn selbst unserer leibliches Ableben hier auf Erden allein in Gottes Händen steht. Er Zeit und Stunde schon längst bestimmt hat?

Wenn uns dann keiner schaden kann - auch weil Gott mit uns seinen Plan zu Ende bringt - rechnen wir keinem mehr seine Schuld uns gegenüber an. Wozu auch. Nein wir haben ja jeden Menschen als Geschöpf Gottes lieb und wünschen uns, das er dahin gelangt wo wir stehen.


Auf der anderen Seite könnten wir Menschen natürlich mit Forderungen belegen - die sie uns schuldig geblieben sind. Aber dann würde Gott auch alles Versagen unsererseits wieder zu Tage bringen - am Ende. Und auch jetzt schon macht Hass und Verbitterung über erlittenes Unrecht krank.

Hier bedarf es dann der Seelsorge.
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Re: Verzeihen

Beitragvon Helmuth » So 23. Sep 2018, 19:46

Habatom, du hast eine sehr gute Rede gehalten, nur die Überschrift würde ich kritisieren.

Habatom hat geschrieben:1. Ich MUSS nicht vergeben, ich DARF vergeben

Ich gehe davon aus, dass ich weiß was du meinst, nur ich finde hier sollte etwas klargestellt werden, Es gibt kein "Muss", richtig, aber anderseits ist das "Darf" keine wirkliche Option. Denn eine Unvergebung zieht auch Konsequenzen nach sich.

Mo, ich rede allgemein, ich meine nicht dich, aber erlaube die Klartextrede Jesu hier zu zitieren:
Mk 11, 26 hat geschrieben:Wenn ihr aber nicht vergebt, so wird euer Vater, der in den Himmeln ist, auch eure Übertretungen nicht vergeben.

Und welche Ausmaße das haben kann erzählt uns Jesus in einem Gleichnis aus Matthäus 18,21-35. In dem Gleichnis setzt Jesus auch klar das Schuldverhältnis zwischen Gott und Mensch.

Jeder Mensch steht im Verhältnis zu einem anderen Menschen Gott gegenüber in einer unverhältnismäßig größeren Schuld. Diese dann mangels Vergebung abarbeiten zu müssen ist daher ein Bild für die Hölle. Das meine ich ernst.

Da erlasse ich meinem Schuldner also lieber 100€, was in etwa dem Denar entspricht. Und diesen Betrag kann jeder aufbringen. ;)
Zuletzt geändert von Helmuth am So 23. Sep 2018, 20:35, insgesamt 1-mal geändert.
Herzliche Grüße
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Re: Verzeihen

Beitragvon kingschild » So 23. Sep 2018, 20:29

Mo hat geschrieben:Hallo Freunde!

Ich würde gerne wissen, ob ein Christ ausnahmslos JEDEM verzeihen muss?

Den Menschen die zu mir schlecht/böse waren, kann ich mittlerweile recht gut verzeihen, aber muss ich auch den Menschen verzeihen, die anderen Menschen/Lebewesen ganz schlimme Dinge angetan haben?

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Hallo Mo

Schulden vergeben heisst ja nicht, das wir schlechte Dinge schönreden. Das heisst gewisse Verhaltensweisen können wir klar als nicht gut bezeichnen aber was die Vergebung anbelangt, sind die Standards eigentlich klar gesetzt:

Mt 6:12 Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldnern.

Lu 23:34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!

Von daher ist uns Christus mit einem guten Beispiel voran gegangen ob das nun immer klappt mit der Nachfolge ist etwas anderes aber unsere Haltung sollten nach dem streben was gut und vollkommen ist, immer mit der Kraft Gottes.

God bless
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